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Die neue Welt · 1928-08-03 · Heft 46 (3.8.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 46 (3.8.1928)
Date
1928-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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" Sette *4 DIE NEUE WELT Nr. 46 scheinlich im Wege der Z c n t r a 1 t-s-i e r u n g. Vorläufig müssen wir uns wenigstens mit einer Koordinierung begnügen. Leib J a f f c erklärt sich namens d£s Keren Hajessöd- Direktoriums mit den Vorschlägen efer Exekutive einverstanden und führt aus, die Sönderakfionen seien für den Keren Hajcssod ruinös. Die Anerkennung der Priorität des Keren Hajessod bedeute nichts anderes als die Wall rung des Budgetrechtes des Kongresses. Es sprachen noch Dr. Goldstein, Farbstein, Mereminski, Rabbi Berlin u. a. Die Jerusalemer Universität. — Eine vertrauliche Sitzung. Am 28. Juli wurde die Frage der Uebcrtra.gung der Uli i v c r s i t ä t s g c b ä u d e in JcriLsalem auf das Kuratorium der Universität erörtert. In Begründung des Antrages bat Herr Sacher, dem Vorschlag der Exekutive zuzustimmen, der lautet:, „a). Das Direktorium des Keren Kajcmeth wird ersucht, der Universität die Pacht an den Universitätsgrundstücken zu piner nominellen Rente für; einen Zeitraum von 999 Jahren zu gewähren, b) Die Exekutive wird autorisiert,, nach erfolgte; Gewährung der Pacht seitens des KKL. alle Rechte an den Baulichkeiten .auf die Un i.v e r s it ä t zu _üb e f t r a g e rt und es hiedurch der letzteren-zu ermöglichen, Kuschanc für die Gebäude zu erlangen.". Die Vorschläge der Exekutive wurden angenommen untei der Hinznfügung zu Punkt b), daß die Ueberfragung dor Rechte an den Baulichkeiten auf die Universität erfolgen kann, „sobald die Zusammensetzung des'Kuratoriums regelrecht erfolgt ist". . Der weitere Teil der SamstägVAbendsitzung wurde als vertraulich erklärt. Bei Stuhlverstopfung, Verdauungsstörungen, Magenbrennen, Wallungen, Kopfschmerzen, allgemeinem Unbehagen nehme, man früh . nüchtern ein Glas natürliches „Franz-Jqsef"-Bitterwasser. Nach den. an .den Kliniken für innere Krankheiten gesammelten Erfahrungen ist das Franz- Josef-Wasser ein äußerst wohltuendes Abführmittel. E Felix M. Warburg über den Bericht der Kömmission. Felix M.-W arbu r g, hat sich — wie schon kurz •mitgeteilt' — in. einem Gespräch mit dem New Yorker- Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Ageiitur über die Grundlinien des Berichtes seiner KoiniiflssiSn Wie folgt geäußert: Er sei überrascht über die Kritik, die gegen gewisse ..Teile, des Berichtes, namentlich hinsichtlich der Vorschläge be-' treffend die K w u z. o t,h und, die mit den einzelnen Siedler/n abzuschließenden Verträge geübt \yi.rd./M.it'der Kritik sagt«, er, hätte gewartet w,er^^//,kÖ|inen^' Bis ''•diese* Vor-.' schläge .in das ■ Stadium der Regulierung getreten sind.. Die Kommission war von dem.Gefühl geleitet, daß gesunde G e s eh.äf t s p r i n z j.pi e n empföhlen werden müssen; jeder faire Geschäftsmann wird zugeben, daß dies das einzige Verfahren, ist, das in -Anwendung zu kommen hat. Eine Konsolidierung müsse jeder weiteren Arbeit vorangehen. In. der Angelegenheit der Einzclvöfträge hatte die Kommission das Beispiel der jüdischen Kolonien in Rußland vor Augen, wo jeder. Kolonist :für alles, was er erhält, die persönliche Verantwortung übernimmt. Es ist imideniobar, daß die Agency mit Körperschaften m tun haben sollte, deren Verantwortung von einer Gemeinschaft getragen wird, die .unter Umständen auseinandergehen und ein Chaos zurücklassen könne. "'",'■• , Die Siedler sollen auf einen Boden angesiedelt werden, der sie auch ernähren kann. Wir wollen es so einrichten, daß die Siedler sich m Rückzahlungen der erhaltenen Werte verpflichten; dies kann aiber nur auf der Basis des wirklichen produktiven Wertes des Gebotenen geschehen, mit Ausschluß aller für die'-not* wendige Vorbereitung gemachten sowie anderer Ausgaben, die nicht direkt in den Wert des Bodens eingeschlossen sind. Als der Interviewer die in gewissen zionistischen Kreisen aufgeworfene Frage bezüglich der Verpflichtungen der Nichtzionisten gegenüber dem. von der Jewish Agency- Kommission vorgeschlagenen Fünf-Jahre-Budget zur. Sprache brachte, sagte Herr Warburg: Soweit es sich um das laufende Jahr handelt, werden die Zionismen ihre Kampagne fortzusetzen haben. Eine Folgerung des Berichtes der Kommissionsmitgliedcr ist natürlicherweise die, daß die Nichtzionisten dringend. a.u figef o rde t werden, bei der Anbringung der zionistischen Fonds mitzutuu.. Was die in Amerika geäußerte Kritiik bezüglich des Jabrestbudgets von 3 Millionen Dollar •betrifft, schloß Herr Wariburg, so glaube ich, daß wenn das >Drei-MMlionen-'Dol'lar-iBud:get wirklich, aufgebracht und unter die Kontrolle der Jewish Agency gestellt wird, es mehr gutes schaffen wird, als sonst größere Summen. Musa Kazhn Pascha söhnt sich mit dem Mandat aus. Der I. T. - A. - Vertreter in Jerusalem, hatte eine Unterredung mit .dem- Vorsitzenden der arabischen Exekutive, Musa Kazim Pasch.a, der sich äußerte, die . Juden hätten von einem palästinensichen Parlament nichts zu befürchten, da in dem arabischen Memorandum ausdrücklich erklärt .wird, daß die Araber gegen Großbritanniens internationale Verpflichtungen, worunter ja auch das Mandat zu verstehen ist, nicht verstoßen wollen. Wir werden,- die Juden stets als Gleichberechtigte behandeln, aber gegen eine Immigration von acht- bis zehntausend Juden jährlich müssen wir Widerspruch erbeben,, da sie die wirtschaftliche Kapazität des Landes übersteigt. Auch die Frage nach der Stellung zur liebräischen Sprache als einer der;offiziellen .Landessprachen und anderen jüdischen Rechte gab .Mus». Kazim keine Antwort, undsagte, d'asvParlament. köpnte -hierüberentscheiden. Die gesetzgebende Körperschaft in Palästina. Der' arabische „Siassä" in Kairo bringt folgende Mitteilung seines Jerusalemer ' Korrespondenten: Die ge-' ' sfrhte zionistische Presse^wendet sich gegeh die Forderung auf Errichtung einer parlamentarischen Körperschaft,, die von 'den Arabern erhoben wird. Sie'"sieht darin eine Gefahr für die Aspirationen des jüdischen Volkes und veranlaßt die Juden, sich ihr bis zu'r Erfüllung folgender .zwei Bedingungen zu widersetzen:" 1. d i e Z a h 1 der j ü d i s c h e n V e rtre'ter'in dieser Körperschaft dürfe nicht kleiner sein als die der arabischen Vertreter, 2. ihre Errichtung müsse verschoben werden, bis die Juden die Mehrheit im Lande besäßen. Der Korrespondent fügt hinzu, daß Wim auf besonderem Wege' bekannt wurde,' daß der bekannte zionistische Führer Mr. C a 1 v a r i s k y diese Haltung nicht teile. Nach dessen Ansicht müßten die Juden die Forderung der Araber unterstützen, sich auf eine f r e u h d s c h a f t I i c h e An- KARTONNAGENFABRIK |: dELBAMD & C9, WIEN, IX. ORUNDLSTR. 3 9 . Tetephon 19*0-69 . *M \* beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit «! AUEN ARTEN KARTONS n ä b e r'u n g s p o 1 i t i k festlegen und die vorhandenen Gelegenheiten zu gemeinsamer Arbeit für ein gemeinsames Ziel ausnützen. Die kommunistischen Umtriebe in Palästina. Mit den Arabern gegen die jüdische Arbelt. Unter der Ueberschrift „Die palästiuensiche Jewsseikzia" beschäftigt sich Mi B. im „Dawar" mit den kommunistischen Parteien in Palästina, die anläßlich der siebenten arabischen Konferenz wieder stärker an die Öffentlichkeit getreten sind. Er glossiert zunächst die Kundgebungen der Kommunisten an die Konferenz und ironisiert, daß die palästinensischen Kommunisten zwei verschiedene Aufrufe übersandt hätten, da sie es sich wicht nehmen ließen, in Nachahmung Ihrer großen Vorbilder in Rußland und Deutschland neben der kleinen Partei aoeh eine Opposition dazu zu bilden. Der Text der beiden Aufrufe weiche allerdings nicht viel von einander ab und unterscheide »ich höchstens darin, daß die palästinensischen Kommunisten ein Parlament auf demokratischer Grundlage fordern, während die Opposition es gar nicirt erst unternimmt, Dinge vorzuspiegeln und .für sie einzutreten, gegen die der Kommunismus überall und zu jeder Zeit gekämpft bat.. Auch sonst ist der Aufruf der Opposition viel heftiger und ausfallender im Tone und. zeige dadurch das wahre-Ziel der palästinensischen Kommunisten mit besonderer Klarheit. Das Bild sei immer das gleiche, in Moskau oder in Jerusalem kämpfen die kommunistischen Abgesandten, in welcher Parteiform auch immer, wahllos mit allen Mitteln der Lüge und Verleumdung, unter Benutzung jeder Art von Bundesgenossen gegen jene Bewegung, die in Palästina das jüdische Volk von seinem Unglück erlösen will. Die Befreiung des arabischen Volkes gerade in Palästina sei allem Anschein nach ihre Hauptsorge (etwa so wie die Befreiung des grusinischen Volkes dem russischen Kommunismus) und für diese eingebildete Befreiung werde zum heiligen- Kampfe -gegen den Zionismus, den organisierten jüdischen Jischiiw und 'den jüdischen Arbeiter aufgerufen; Wenn dieser Feind des jüdischen Palästina über Einfluß und Herrschgewait verfügen würde, würde er keinerlei Erbarmen, keinerlei Klassengefühl kennen und wir alle oline Unterschied der Richtung und Partei würden Ihm zum Opfer fallen. Wem wir nicht so tief von der. Erkenntnis unserer inneren Kraft und der Gerechtigkeit unseres Strebens überzeugt wären, wäre es. leicht möglich, daß wir diese Probe nicht bestehen wurden, all diese Worte voller Verleumdung und voll Hasses zu hören und von vornherein zu wissen, was unser Los bei diesem Uebergang der Herrschaft an die „Opposition" und die offiziellen Kommunisten sein würde, ohne die schärfsten und schwersten Mittel gegen diesen i n n e r e n F e & n d zu ergreifen. seine Arbeit und wir besichtigen .fhj Sitzungszimmer der Kultusgemeinde die Schätze von Mattersdorf. Der Schutzbrief wird hervorgeholt, den Fürst Esterhazy anno 1800 den Mattersdorfern erteilte und der sich auf einen älteren Schutzbr-lef aus dem Jahre 1694 beruft. Das historische Dokument, auf Pergament geschrieben, ist in rotes Safianieder gebunden und hat leider während einer Ueberscbwemmu'ng Schaden genommen. Herrliche alte Thora-Kleider werden enfcfatftet, Silberbehäuge, Pokale, Filigraustüoke hervorgeholt. Unter dem Besitz der Ohewra Kadischa befinden sich zwei mächtige Humpen, wie sie dem Landsknechtsdurst entsprochen haben mögen. Jedes neu aufgenommene Mitglied der Chewra Kadischa mußte das bis zum ' Rand gefüllte Gefäß leeren, um seine Widerstandsfähigkeit und Kernigkeit zu' erweisen, derm er hatte ja. gelegentlich Oholeraleichen zu waschen, in Werden und zu beerdtgen. Mattersdorf er Gestalten. Dämmerstunde, im Fenster meines Gastgebers und Mentors. Das Gassenblld hier unten ist seit Generationen unverändert. An der Seite diese,s Kenners der Lokal-' geschichte belebt sich die Gasse von e.inst mit den Menschen von einst. Ich sehe vor allem zwei Frauengestalten, ein Schwesternpaar mit vollem schneeweißem Haar. Sie tragen keine Perücken, denn die sind Mädchen geblieben und sie hießen in Mattersdorf die „Zwei N6-wici.es" (Prophetinnen)-, Es waren die gelehrten, »im Talmud sehr bewanderten Geschwister des Kabbalisten Nathan Nat«, in der Kehille sehr geachtet und nicht miikbr getürpntet. Dort drüben in der Stube neben der Schwl ersc:ieiut ml; die Gestalt eines Großen ki Israel, des.Rabbi Moses* S s o i e r. Ein Talglicht beleuchtet den Folianten und seine Stirn. Der Tisch, an dein er sitzt, ist dicht an di«: S:uben. türe gerückt, ein Schaff mit kaltem Wasser steht njre.t. W*»n Müd4g>ke4t den Geist Iähaien wML vertreibt er sie mit einem Fußbad und Schlaf gestattet er sich nur unter erschwerenden Umständen: Er wendet sich der Türe zu, drückt die Stirn gegen das Schloß und muß erwachen, wenn der nur leicht eingesteckte Schlüssel zu Boden fällt. Das Leben ist kurz und unermeßlich der Born der Lehre. Ueber die holprigen Pflastersteine hier unten trugen die Mattersdorfcr ihren Rabbi I ss ac h ar B e er Bloch auf den guten Ort. In einer denkwürdigen Totenktete! Beer Bioch hatte letztwillig verfügt, daß man den „Orawn" aus der Tischplatte zimmere, au welcher er zeitlebens das Wort Gottes erforschte. Jetzt tauchen in der Gasse die. scharfen bitteren Gesichtszüge eines genialischen Mannes auf, eines Einsamen und Unbändigen, der die Lehreliebte, aber Gottes Geschöpfe, soferne sie Menschengestalt trugen, gelegentlich recht sehr verachtete. Rabbi Meier Popper war eine 'Boheme-Natur und gab den Mattersdorfern viel zu schaffen. Er stachelte sie mit seinen beißenden Reden der Geringschätzung, ja der Verachtung bis zur Empörung auf und verließ zeitweise seine gar nicht geliebte Gemeinde, um sich anderswo an der Geistes-, trägheit und KfeiivHchkeit der Zeitgenossen m reiben. Wie verstand er es, den Balbattlm zuzusetzen! Seine Vorträge würzte er mit dem Ratschlag, die Zuhörer — bärtige Männer und Familienväter — mögen lieber zum Kinderilehrer gehen, statt ihm zu Füßen zu sitzen. Und die Frauen oben in der Weiberschul' warnte er, sich in einen seiner lieben Zuhörer zu verschauen: „Weiber, verschelt enkere Kiixler n4t!" rief er hinauf. Der Sprößling, den d4e oder; jene zu erwarten habe, könnte als Dummkopf zur Welt kommen . . . Er mußte schließlich ganz fort, aber er hatte, sie aufgerüttelt, die Gemeindeväter von Mattersdorf. Möschen Hirsch, Noch' einer wird von meinem Gewährsmann herauf, beschwpren, eine teure' Gestalt seiner Knaben- und Jung-.: liugsjahre, 'Moscheh Hirsch, der ein armer Hausierer und die ganze Woche unterwegs war. A*er am Sabbat nachmittags hielt er Vorträge und die jungen Leute eilten an den schönsten Sommertagen aus dem Wäldchen heim, um ja kein Wort aus Hirschens Mund -zu verlleren. Mein Begleiter wurde warm in der Erinnerung und gab einiges wieder, was der Hausierer Hirsch in seine Sabbat-Vorträ'ge flocht. Hier eine Probe: . „Von einer Reise soll man niemals hungrig nach Hause 'kommen. Kann sein, daß kein Essen vorbereitet ist. 'Kann sein, daß mau daheim keine Ordnung, die Frau nachlässig getkleidet, die Wohnung nicht gut gelüftet antrifft. Karm sein, daß von .dien Kindern am Hausrat ein Schaden angerichtet worden ist. Der hungrige Heimkehrer ist. dann sehr zu Unzufriedenheit, Streit und Zank geneigt. Iß und trink, 'bevor du, von deiner Reise 'kommend, dein Haus betrittst und die Mesiisab 'küssest! So vertreibst du den Hausfrieden- und Ehesterer aus deiner Brust.'* Am Wege zum Bahnhof werde ich noch durch folgernde Anekdote des alten Hirsch bereichert: „Ein Sohn hat den Vater zu erhalten. Er tat es anfangs freudig, später unwillig, begann den Alten die Abhängigkeit fühlen zu lassen, vergaß sich schließlich, denn es .geschah, daß er im Jähzorn während eines Streites den Vater an der Schulter faßte und zur Türe drängte. Der Greis ließ den entarteten Sohn stumm gewähren. Aber bei der Wohuungstür angelangt, herrschte er ihn an: „Nicht weiter! Bis hierher habe auch ich meinen gottseligen Vater gedrängt . . ." WShrend der Heimfahrt denke ich au diese tiefe, wundervoll knappe Anekdote von Mattersdorf, Und ich denke an den Mann, der sie mir erzählte. Tagsüber rollt er 'in. seinem Gewölbe Fässer, dreht die Mohnmühle, wiegt Pfeffer zu, Wenn er den Laden gesperrt hat, ist er Prjvatgedehrter, Folklorist, Kenner seiner Heimat. Er ist es natürlich auch, während er hinter dem Verkaufepult steht und seme Kunden. bedient. Ich sammle rrtioh in der Erinnerung an das Wattersdorf er Erlebnis und danike dem tretten Sohne der sterfaoden jodewstadt,

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