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Die neue Welt · 1928-08-03 · Heft 46 (3.8.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 46 (3.8.1928)
Date
1928-08-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE NEUE WELT " Wf. 46 _ ' ' daß, wenn man aar irgendwie unvoreingenommen Ist, ▼oo einer Verletzung zionistischer Prinzipien nicht geredet werden kann. Nun wirft man mir noch ehw gewisse Takt* vor beim Einbringen der vorgeschlagenen Resolutionen. Gerade mir wird doch vorgeworfen, daß ich kein Taktiker b i n. Ich persönlich glaube nicht an Formeln. I c h g l a a b e an das Leben und die Entwicklung des zionistischen Lebens. Die vorgeschlagenen Rcso« Ititionen habe ich erst in Paris gelesen, oberflächlich gelesen. Ich sagte bald meinen Kollegen in der Exekutive, daß ich das Provisorium ablehnen würde, wenn es die Agency vorstellen sollte, leb will die Agency» will sie klar and schnell. Der Punkt des Provisoriums ist für uns unwichtig. Wichtig dagegen sind die anderen Punkte, weil sie Grundbedingungen enthalten. Es gibt nämlich in dem Bericht der Kommission auch einige Punkte, die nicht grundsätzlich geändert werden können.' Es gilt, ihn In den Hauptpunkten anzunehmen oder abzulehnen. Die Exekutive wird sich mit einer . zweifelhaften Mehrheit nicht (begnügen. Amf unseren Kongressen war es üblich, daß man sich selbst die Reinheit seiner Gesinnung erhielt und Anderen die V e ran iwor t u n g üb erließ. Im jetzigen Moment können' wir dieser' Praxis nicht mehr folgen. Auf der ©inen Seite steht die Möglichkeit einer Zusammenarbeit, mit Gi«w>en von Menschen, die uns, gewiß un^er Schwierigkeiten und Gefahren, weite Horizonte eröffnen. Auf der anderen Seite steht Ihre vermeintliche politische Reinheit, die mit Inzucht verbunden i§t, mit der Forderung: Nur keinen anderen! Sie .glauben, wir seien zu schwach, und so haben Sie vor unserer eigenen Fitfty Angst. Wenn Sie Angst haben, lehnen Sic: das ganze Projekt der Agency ab. Äcngstliche Leute sind keine Partner. Es ist «in schwerer Weg, den wir zu gehen haben. Aber der andere Weg führt zu Stagnation, und ich glaube, die Welt, die jüdische und nicht jüdische, würde uns nicht verstehen. . Nichts kann die Tatsache aus der Welt schaffen, daß Männer, denen wir seit Jahren nachgegangen sind, stolz nachgegangen, aber nachgegangen, jetzt zu uns kommen wollen. Ich habe mich nie vor Magnaten gebeugt, nehme aber auch nicht von jemandem Geld, um.-hinterher, auf ihn zu schimpfen, bisher war die Praxis so, daß man mich regelmäßig, wenn Schwierigkeiten entstanden, zu den Melchetts und den anderen schickte, direkt oder , telegraphisch, um'um ihre Hilfe zu bitten.. Und jetzt wollen wir hier unser Mütchen an'diesen- .•Herren kühlen. Es gehört kein großer Mut dazu, Menschen anzugreifen, die sich hier nicht verteidigen können. Auf der anderen Seite aber stehen große neue M ö g 1 i c Ii k e i t e n. Die Agency wird nicht fijr Märshall und Genossen gemacht, sondern ist eine Vereinigung der;. Juden für die .l ud e n. Diese Vereinigung muß mit Würde und Energie angestrebt werden. Ich halte den Beschluß,.daß die Agency ifu r für d r e j Jahre gern achtwerden soll, für etwas, das uns im Wege stehen wird... Wir werden versuchen, unsere Partner zu einer Revision zu veranlassen. Wenn dies nicht gelingt, werden wir beim Kongreß beantragen, eine Revision dieses Punktes vorzunehmen. Sie stehen vor einer-.folgenschweren ■•Entscheidang. Diese Entscheidung kann mit Würde getroffen-werden-und Matters4prfer Bilderbogen. Von Otto Abeles. Ankunft. Vom hochgelegenen Bahnhof führt der'Weg durch Hüge-lgelä-ndc in eine Erdfalte. :Sie birgt das .Ghetto, von Wattersdorf, , eiiiem Marktflecken des' Burgenlandes, der sich in sympathischem Lckalpatriotismus. (aber mit poetischer Lizenz) den Namen Matters bürg beigelegt hat. Mau muß tief '■hinabsteigen, denn das Zjel ist eine richtige mittelalterliche Judensiedlung. Eine gestreckte Dorfstraßc entlang, an einer hochgelegenen Kirche' vorbei, zu der eine prachtvolle Freitreppe hinauführt, über den weiten Hauptpiatz —, und-ich bin bei der tüchtigen' Hc-Izbrücke angelangt, die einen hurtigen Bach überquert und den Judenbezirk von der" Christengemeinde .trennt. Ein bizarrer Aussichtspunkt. Knapp beim Eingang, gleich neben den „Erew- Stangen", überrascht der Anblick eines bizarren vorspringenden Häuschens. Alles windschief, buckelig; Miniaturfenster, Minjaturtüren mit kräftigen, verwitterten Eisenläden. Dieses alte gebrechliche Haus steht da wie ein Greis, der nach heiterem Weingenuß während der schwerfälligen Bemühungen, vorwärtszukommen, plötzlich zu Stein cr- , starrt ist. Vpni Stockwerk windet sich eine, mächtige, bemooste Steiritreppe weit in die Gass* hinein. Der Anbau übertrifft das „Hauptgebäude" um das Dreifache. Ich steige hinauf, denn dieses quer .in die Gasse gestellte Stiegenungetüm ist nicht nur das lustige Wahrzeichen von Mattersdorf (wir behalten den alten guten Namen der berühmten Gemeinde bei), sondern gestattet auch eine vortreffliche Gesamtansicht: Hj«r die dunkelgraue Synagoge, von der oSchulfabn" überragt, damit , das Haus Gottes das höchste bleibe, auch wenn> vorwitzige Däpher profaner Häuser das seine überholten. ' dann die Zelle hinaus Gewölbe an Ge- ROTEL CONTINENTAL iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ WIEN, II., PRATERSTRASSE 7 (neben Schwedenbrücke) 200 Zhimie!\inode^ Erstklassige Küche Mäßige Preise kann im Vertrauen auf unsere eigene Kraft die Verwirklichung einer großen Sache bedeuten. Man kann sie aber auch seifest klein machen. Sie werden sich hoffentlich nur von sachlichen Erwägungen leiten lassen, und ich zweifle nicht daran, daß, wenn jeder sich mit seinem eigenen Gewissen berät, der richtige Entschluß gefaßt werden wird. Es ist dies vielleicht mein letzter Appell, mein letztes Wort an die Organisation und Bewegung, auf die niemand In diesem Saale ein Monopol hat, und für die ich soviel geleistet habe, wie nur Irgend Jemand in diesem Saal. Hier stehe Ich Im Lichte der Anklage meines Verrates, stehe hier Im Stolze auf meine Vergangenheit und meine Zukunft zu dieser Sache. * Am Montag waren die Kommissionen versammelt. Das Plenum trat am Dienstag zusammen, ohne jedoch eine Klärung der Situation vorzufinden. Die Bemühungen der Leitung gingen dahin, die Hitachduth und die Poale Zion für die offteiellc Resolution zu gewannen, doch scheiterte dies. Am Dienstag und Mittwoch wurde über die Palästinaberichte debattiert. An Lord ßalfour wurde zu seinem 80. Geburlstag ein Glückwunschtelegramm abgesendet. Zu geradezu leidenschaftlichen Auseinandersetzungen führte die Beratung über den Vorschlag der Exekutive, dem kommenden Kongreß zu empfehlen, seinen Beschluß betreffend ein dreijähriges Provisorium der Agency abzuändern, da .bekanntlich Louis M a r s h a 11 — wie dies Dr. W c i zmann bestätigt hat — sich auch im Nannen seiner Freunde cesen ein solches Provisorium erklärt hat. Für einen solchen Abänderungsvorschlag sind nicht nur die Gegner der Jewish Agency und des Berichtes der Joint Survey Commission, sondern auch gewisse Kreise des Misrachi und der allgemeinen Zionisten. Die Kommission tagte fast ununterbrochen. Am Donnerstag abends hielt Weidmann eine Ansprache, die tiefen Eindruck machte. Er erklärte mit Nachdruck, daß die Meinung, er sei atnts- und arbeitsmüde, absolut grundlos sei; im Gegenteil, er sei nach wie vor beherrscht von der heiligen Unruhe und beseelt von dem Orange, rastlos weiterzuarbeiten, um die gegenwärtige Stagnation in der Bewegung .und In dem Aufbau Palästinas überwinden zu helfen. Allein er könne sich nicht mit einer unklaren Resolution begnügen, er wolle ein Dokument vor sich sehen, in welchem er onzwel- Sfreng -nw ■ Geflügelhandlung unter Aufsicht des Ehrw. Rabbinates .Adas Israel* Zu Jeder Tageszeit frisch gebratene Gonsl Ungarisches Mastgeflügel von bester Qualität! Emanuel Schlesinger Tel. R-40-5-90 Wien, II., Qrofio Schiffgasse 5 Tel. R-40-5-90 mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmm wölbe,;, darüber die merkwürdig buntgestrichenen engbrüstigen Fassaden und dazwischen ein reges Treiben von Handel,-Handwerk und Gewerbe, denn heute ist Markttag. Aufschluß über die Vergangenheit. Der Blick in die alten schmalen Häuser und Häuschen gibt Aufschluß über die Vergangenheit. Gehäufte, üb'ercinandergeschichtete Wohnungen, gedrängt, wie die Fächer am'-Regal des Kaufmanusladens, aber nicht so wohlgeordne t, sondern durcheinandergeriUtet und verschnitten, wie auf einem kubistischen Bilde. Es währt eine Weile, bis sich das Auge zurechtfindet und Ordnung in das Chaos bringt. Namentlich das Haus Nr. 27 der Hauptgasse läßt sich nur allmählich überblicken. Ein ganzes Konglomerat von Wänden, Nischen, Wohnungstüren, freiliegenden und gedeckten Treppen, Bodengängen, Höfen, die zu Lichtschächten reduziert werden mußten. Ein anderes, es; trägt die Nummer 23, als „Haus" betrachtet, doch nur fingerhutgroß, zählte nicht weniger als achtundzwanzig Hausanteile. Leben in der Nußschale. Enggeschartes, durcheinanderkribbelndes, luft- und lichfcloses Leben! Ja, man mußte zusammenrücken und „Hausbesitz" fingieren, wenn man nicht verjagt werden wollte. „Rifke Ziperls GgBI". Aber die Hauptgasse erscheint doch köra*giicli, wagt man sich in die armbreiten Seitengäßchen, aus winzigen, aneinandergeklebten ineinandergepreßten Armfftutbuden zusammengesetzt, von Schmutz überkrustet, von Feuchtigkeit triefend, tief in die Erde gestampft. Hauseingaag und Fenster stets nur auf einer Gassenseite. Gegenüber die Rückenfronten der nächsten Gaß. Sorge vor dem ,,l*ösen ©liok" gestattet in dieser Ecke kein Visävis. Es sind keine Ruinen. In „Rifke Ziperls Gäßl" oder in „Chane Bachems Gäßl" wohnt, lebt, _4arbt man auch beute nod£y ze<u&t Kinder, säugt sie — und wird siebzig, achtzig)- neunzig Jahre alt. _Seite $ : deutig einen Vertrauensausdruck sowie eine Ermutigung zu einer aussichtversprechenden Fortführung der Verhandlungen mit den Nlchtzlonlsten über die Erweiterung der Jewish Agency und der Palästina-Arbeit erblicken könne. Trotzdem kam die Kommission zu keinem Resultat. Die zur Grundlage der Beratungen bestimmte Resolution wurde von Weizmanu zuerst akzeptiert, Freitag früh jedoch wieder abgelehnt. Er erklärte, er sei Wohl mit dem Grundsatz jüdischer Arbeit, sowie der hebräischen Sprache und Kultur einverstanden, allein der Grundsatz, daß der Keren Kafemeth das einzige Bodeninstrument bleiben müsse und daß eine zweite Landreserve aus öffentlichen Mitteln nicht bestehen dürfe, sei absolut nicht so unantastbar, daß er nicht im Interesse einer Verständigung mit der anderen Partei abgeändert werden könnte. Eine weitere Verschärfung der Situation lag in der Forderung der Poale Zion auf Rücktritt Sachers. Weizmann antwortete damit, daß er sich mit. Sacher solidarisch erklärte. Endlich am späten Nachmittag konnte die Komission ihre von Weizmann inzwischen .gebilligte Resolution vorlegen, nachdem sich- Misrachi, Poale Zion u. Hitachduth der Mehrheit! angeschlossen hatten, Die Palästina-Debatte. Am 26. Juli, nachmittags, hielt das Plenum des Zionr'i «tischen Aktionskomitees seine 8. Siizu nig ab, in der dje Gencraiaussprache über den Punkt „P a las t i n a-A r b e i t un d Budget" zu Ende geführt wurde. Die Vertreter der palästinensischen Arbeiterschaft richteten heftige Anklagen, gegen die Exekutive in Palästina und bemängelten die Kleinheit und die Einteilung des Budgets. Am Schluß erwiderte das Mitglied der Exekutive, Dr. Harry Sa eher, in einer längeren Rede, in der er die Arbeit der Exekutive verteidigte und als die HauptschwIerigkeit die Tatsache bezeichnete, daß die Exekutive einen Platz einnimmt, auf den andere Anspruch erheben. Er schloß mit der Aufforderung an die Opposition, den Wut auf-zubringen und den Platz der, Exekutive einzunehmen. Kontrollamt und SofldersämiiiliMgen. Das Plenum des Aktionskomitees beriet am Freitag nachmittags über das Ko n t r o I Ia m t; Dr. Felix R o s e nb 1 ü t h referierte namens der Exekutive. Er zitierte die betreffenden; Kongreßbesöhlüsse und erklärte, daß es sich nicht nur um eine S ä c h k o n t r.#||ghandelt, sondern auch Mim eine Z.w e;ckkon t r o-P|§. Die Kontrolleure: sollen direkt dem, Kongreß verantwortlich/und vollständig unabhängig von der Exekutive und dem Aktionskomitee seih. Dem Sinne :der. Kongreßbeschjysse entspräche es, wenn, dieses Amt a ls Eh r e n a mt errichtet werde. Exekutivgewalt kommt diesem Amt nicht zu. .Es hat Berichte an die Exekutive, an;'das Aktionskomitee und den Kongreß zu erstatten. Ueber die. budgetäre Fr$jje und die für dieses Amt, vorgesehenen Personen soll in .einer Kommission gesprochen werden., Ander darauf folgenden Debatte beteiligten sich Dizengoff, Sijpraski und teer. . Zur Debatte gelangt sodann die^ Frage der S o nders a m m l u n g c n. Der Referent Dr. Rosenblüfh zählt eine Reihe der za hl r ei eben Son de rs amm 1 ung e n während des letzten Jahres auf und erklärt, daß die Folgen derselben für den Keren H^a.jessod sehr efnst zu w e r d e .n ' b e g i n n e n. Der iß. Kongreß wird diese Frage genau zu prüfen und zu regeln haben, wahr- „Cholile wechas .. Beim Mühlbachi neben dem Haus,des Rabbi, liegt der Chewra-Platz, ein,Stückchen, Wiese, in den traurigen Dimensionen der G§ßchen; und Fenster von Mättersdörf gehalten, aber doch groß; genug, die Jugend zu fröhlichem Tun zu vereinigen, natürlich nur, wenn sie vorher viele, viele Stunden laug nebenan, beim Rebiben,' gelernt haben. Ein recht windiger Spmmerabend nach einem Wettersturz und plötzlicher Abkühlung. Doch das Chewra-PIätzel ist ausverkauft. Ich vermute,' sie sind vollzählig versammelt, mit reisigen Ringkämpfen beschäftigt und mit dem längst aus dem Kurs gekommenen „Titschiterlspiel" unserer . Nikplsburger Buibenjahre. Man ist hier .nicht (fortschrittlich. Ich freue mich, daß sie am feuchten; Rasen balgen, die Warnung des Mättersdörf er Chederliedchens mißachtend, das da lautet: „Cholilc wechas, .... ' Geh nit auf de Gass', Du kennst dich vakihle ' Choliie Das Schemos-Häusl. Die würdige Synagoge, laut Insolir^t im Jahre 1354 erflehtet, trägt an der Seitenfront einen winzigen Anbau, das Schemcs-Häusl. Durch die freiliegende Oefftiung werden hier lose Blätter hebräischer «And^chtsbücher und (Druckschriften „bestattet". Sonst pflegt dieser Aufbewahrungsraum im Innern der Gebetshäuser» gewöhnlich in der Vorhalle, der „Polisehen", ihren Platz zu finden. Aber die Sorge, man könnte aus dem freiliegenden Schemes- Häusl die geheiligten Blätter entnehmen wid verunglimpfen, besteht im frommen Mattersdorf nicht. Schätze. Man führt midi zum Schammes,, der Schammes riimmt die Schlüssel, gebt mit mir in die Buchbirklerwenkstatt des „Zdoke-Gabbe", der Zdofce?*G^bbe unierbnoht

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