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Die neue Welt · 1928-07-27 · Heft 45 (27.7.1928) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 45 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 4$ Gegenargument die schlechte wirtschaftliche Lage, die viele junge Leute dem Berufssport zutreibt, angeführt Es ist tatsächlich richtig, daß aus diesem Grunde einzelne, besonders talentierte jüdische Spieler sich dem Berufssport, 2venfue!l bei anderen Vereinen, zuwenden Würden, aber dafür würden manche Kreise, die uns früher viele wertvolle Kräfte schenkten, wieder gewonnen werden und schließlich ast es ja nicht Zweck der Hakoah, Versorgungsanstalt für ein Dutzend Artisten zu sein, selbst wenn diese uich nur durch äußere Gründe gezwungen den Sportberuf srgriffen haben. Sind auch Vorbilder, wie die englischen Corintians oder der Prager D. F. C. nicht sofort zu erreichen, weil diese wirklich unter besseren materiellen Verhältnissen leichtere Arbeit haben, so genügt |a für uns vorläufig als erste Etappe, wie schon betont, durchaus das Beispiel der C r J o k e t e r, die uns, obwohl unter denselben wirtschaftlichen Verhältnissen lebend, so weit überholt haben. Zum Schluß meiner Ausführungen bleibt mir nur noch übräg, einen Appell an alle zu richten, denen die Zukunft des jüdischen Sportes und der Hakoah am Herzen Hegt: Lasset nicht zu, daß sich unter dem uns allen noch immer so teuren Namen der Hakoah der Berufssport breit macht, daß Menschen, die für produktive jüdische Zwecke nichts übrig haben, sich für teures Geld einen jüdischen ReunstaU halten. Wer aus Trägheit nichts tut, um solche Pläne zu verhindern, macht sich ebenso mitschuldig wie jene prominenten Führer aus besseren Zeiten, die angeekelt beiseite stehen wollen. Untätigkeit ist hier Flucht! Läßt sich aber die Gründung der Berufsmannschaft nicht mehr verhindern, so schafft euch ein moralisches Alibi, durch seinen Namen den Trennungsstrich zwischen'der es sein, daß ein neuer, großer, jüdischer Sportverein schon brecht jede Beziehung zu der Neu grün düng ab, sonst könnte jüdischen Renaissancebewegung und der Hakoah von beute deutlicher ziehen wird. Hakoah ohne zionistisches Hinterland wäre aber ein Nonsens, so wie es eine Söldnertruppe für eine nationale Bewegung a'st. Also Farbe bekennen, sei es auch noch in zwölfter Stunde! -» Die jüdischen Amateur-Fufiballvereine im abgelaufenen Meisterschaftsjahr« . . An der Meisterschaft des Wiener Fußballverbandes haben im abgelaufenen Jahre fünf jüdische Amateiurvererae teilgenommen. In der ersten Klasse spielte H a s >m o n e a, in der zweiten H agib or, in der dritten Klasse Menorah, Makkabi und Hechawer. Von allen Klubs hat Hasmonea am ärgsten abgeschnitten. Hasmonea hat die Meisterschaft von der leichten Seite genommen und trat oft mit einer zweiiten Garnitur an. Darin finden auch die empfindlichen Mißerfoge gegen H. A. C. Nordstern, Viktoria I und Metallum ibre Erklärung. Hasmonea hatte auch sonst nicht viel Glück. In vielen Matches war der jüdische Verein dem Gegner stark überlegen und wurde trotzdem geschlagen. Von 22 ausgetragenen. Kämpfen konnte Hasmonea nur- 4 Spiele gewinnen. 4 Matches endeten unentschieden und 14 wurden verloren. Das Torverhältnis lautet 28:67. Einen starken Rückschlag erlitt H a g i b o r m der zweiten Klasse Ost. Anfangs besiegte Hagibor alle Vereine und befand sich längere Zeit unter den Klubs der Spitzengruppe. Infolge einer Vereinskrise blieb auch die Mannschaft nicht verschont. Nicht weniger als fünf empfindliche Niederlagen erlitt Hagibor. Erst im letzten Kampf gegen Pfeil konnte die jüdische Mannschaft erfolgreich bleiben. Hagibor besetzte mit 14 Punkten die drittletzte Stelle. Der Verein erzielte 6 Siege, 12 Niederlagen und 2 Unentschieden. Torverhältnis 34:58. In der dritten Klasse Ost kämpfte Makkabi zum drittenmal vergebens um die Meisterschaft. Es ist nur schade, daß sich junge jüdische Sportsleute für eine aussichtslose Sportsache hergeben. Aussichtslos war die Sache von Anfang an, weil man einem jüdischen Klub den Meistertitel nicht zukommen lassen will, auch wenn man einem sogenannten unpolitischen Verband angehört. Makkabi hat zwar die Meisterschaf t gewonnen — aber auf dem grünen Tisch wurde Alexandria zum Meister erklärt. Der Sportklub Menorah hat seit seinem Bestände in diesem Jahre am schwächsten abgeschnitten. Menorah erlangte den vorletzten Platz in der Tabelle. Von zwanzig Spielen konnte Menorah drei gewinnen, ebenso viele endeten unentschieden und 14 gingen verloren. Torverhältnis 31:62 (9 Punkte). Die meisten Treffer schoß Defris, der auch in mehreren Auswahlspielen tätig war. Mit dem letzten Platz mußte sich Hechawer begnügen. Der Verein war gezwungen, zahlreiche Kämpfe mit Ersatzleuten zu bestreiten, Hechawer konnte drei Siege erringen, zwei Matches endeten unentschieden und 15 gingen verloren. Torverhältnis 28:75 (8 Punkte). Emanuel Fiscus. Die Fußballspiele der Hakoah. Hakoah trug Samstag und Sonntag Spiele aus und erlitt an beiden Tagen Niederlagen. Am ersten Tag unterlagen die Blau-Weißen gegen den Amateurverein C r i c k et e r 2:3. Hakoah stellte folgende Maraisdiaft: Faibia«; Stroß, Feldmann; Fried, Drucker, Pollak; Schwarz, Heß, Brandes, Eisenhofen Mausner. Die Tore erzielten M au sti e r und Eisenhofen Der Revauchekampf Hakoah gegen V i e n n a endete 4:2 für die Döblinger. Ohne ihre Stars bestritt die Vienna dieses Treffen und mann kann sagen, daß sich die junge Mannschaft ganz ausgezeichnet schlug. -Bei der Hakoah wurden die jungen Spieler von den sogenannten Kanonen verdrängt, die sich wieder einmal einen argen Versager geleistet haben. Die Aufstellung lautete: Fabian; Scheuer, Feld mann; Stroß, Drucker, Fried; Neueid II, Neufeld I, Heß, Eisenhofen Mausner. Torschützen; Eisenhof er und Feld mann (Elfmeterstoß). Spielerverluste bei der Hakaoh. Während man sich bei der Hakoah um die bezahlten Stars kümmert, halben einige tüchtige Amateurspleler den jüdischen Verein verlassen. Vogelfänger hat sich bei den Weißen Elf angemeldet und der Tormann Beer ist den Cricketern beigetreten. Außerdem will Brandes die Krieauer verlassen. Jüdische Sportsleute in Amsterdam. Zur Olympiade in Amsterdam, die im August d. rJ. stattfindet, werden von zahlreichen Ländern auch jüdische Sportsleute entsendet. Zum Beispiel von Oesterreich, Amerika und der Tschechoslowakei. Die Farben Oesterreichs im Damen-Schwimmen werden durch Bdenenfeld, Löwy und Bornett vertreten. Die zwei erstgenannten Damen gehören der Hakoah an. Im Ringen startet Schlanger (Hakoah) für Oesterreich. Nicht weniger als 20 Mitglieder der Hakoah werden den Olympiakämpfen in Amsterdam als Zuschauer beiwohnen. Die dortige jüdische Gemeinde beabsichtigt, den Wienern einen f e s 11 i c h e n E m p f a n g zu bereiten. Unter anderem ist auch ein großer Begrüßungsabend vorgesehen. Die Hakoah-Hockeymannschaft siegte in Baden 4:2. Tore für Hakoah Nossig I, Nossiig II, Wittmann und Wengraf. Das Handball-Propagandaspiel zwischen Hakoah und Amateure in Theben endete 9:8 für Hakoah. Der jüdische Verein führte bereits 5 : 1. Tore für die Sieger Breuer (8) und Lemberg. Makkabi;(Krakau) siegte in der Kreismeisterschaft gegen Krovvcdrza 2:1. Hakoah siegte in der Wasserballmeisterschaft gegen W. A. C. 3:2. Tore für Hakoah G u t h (2) und Reich. Die Zionistische Arbeitsgemeinschaft Mariahilf-Neubau veranstaltete im Verein mit der Zionistischen Frauengruppe Mariahilf-Neubau am 3. d. M. ein Gartenfest, das einen! glänzenden Verlauf nahm. Der Abend war dank der rührigen Tätigkeit der Mitglieder ein schöner Erfolg zionistischer Arbeit. Besonderer Dank gebührt den Damen Rosl Kohn, Dir. Guttmann, Dr. Infeld, Sinnreich, Katz sowie den Herren Dir. Quttmann, Greif, Mehler. Gute Vorträge sowie der Tanz im prächtig beleuchteten Garten verschafften den Anwesenden eine wunderschöne Erinnerung. ' Zionistische Bezirkssektion XX. Am 28. d. M. Vortrag Löw-Vogel im Lokal Jägerstraße 30 über den Dekalog. Sterbefall. Am 23. Juli ist hier Frau Ida Hajek im 53. Lebensjahr gestorben. In ihr verliert die SeKretärin des Zionistischen Landeskomitees, Fräulein Chana Hajek, il Muttter. Die Tribüne. Ein Sprechsaal für unsere Leser Jüdische „Heil"-Rufer. Am Festzugstage mußte ich, um nach Hause zu gelangen, die Praterstraße passieren. Bei dieser Gelegenheit beobachtete ich, daß eine große Menge von jüdischen Zuschauern den vorbeiziehenden deutschen Sänigera ihre „Heir~Rufe geradezu aufdrängte. Was ich sah, ist unbedingt eine Schande für das Judentum. Ich bin der Meinung, daß man auch als Gastgeber auf Würde zu halten hat, was auch deshalb am Platze gewesen wäre, da es sich bei den „Angeheulten" vorwiegend um Menschen gehandelt hat, die das Judentum nicht gerade ins Herz geschlossen haben. Im Namen vieler Juden wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie sich zu meiner Mitteilung äußern wollten. Hochachtungsvoll Julius Wottitz Wien, II., Zirkusgasse 40. Antwort: Das In dieser Zuschrift gerügte Benehmen ist in der Tat ein Skandal. Das Festprogramm des Sängerbundes war scharf nationalistisch, die offizielle Broschüre enthielt eine Anpreisung des Hitler-Organs. Trotzdem war es insbesondere die Wiener jüdische Assimilationspresse, die den deutschen Chauvinisten nachgekrochen ist und die „Neue Freie Presse" brachte sogar einen entzückten Bericht über den Aufmarsch der Prager „Barden", einer studentischen Hakenkreuzgesellsohaft. Aber da es in Wien keine jüdische nationale Körperschaft von Autorität gibt, konnte sich die würdelose Assimilation bis zum Ekel austoben. Austritte aus dem Judentum. Müller Helene, geb. Suttaer, 8, VIII, 1802, Mährisch- Neustadt, verh., IX., Canisiusgasse 22. — Müller Erna, geb. 20. VII. 1922, Wien, ledig, selbe Adresse. — Kauf lieglne, geb. Himmelreich, 6. VMI. 1897, Wien, verb,, II., Vereinsgasse 36. — Welner Anton, geb. 16. I. 1501, Wien, verh., V., Siebenbrunnenfeldgasse 32 und dessen Frau Eugenie Judith, geb. Osolin, 2S. XII, 1904, — Deutsch Elly, geb. 4. X. 1904, Baden, ledig, V., Ob.-Amtshausgasse 25. SCHOLEMALEJ'CHEM: MENACHEM MENDEL. (Aus dem Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz.) Copyright 1921 by R. Löwit. Wien und Leipzig. (28. Fortsetzung.) 6. Brief. Scheme-Scheindel aus Kasriliwke an ihren Gatten Menachem Mendel in Jehupez. Dem hochgeehrten, edlen und mächtigen Herrn, dem weisen Kenner der Thora, dem hochgelehrten Reb Menachem Mendel ehrfürchtigen Gruß! Erstens vermelde ich Dir, daß wir alle, Gott sei Dank, beim besten Wohlsein sind, gebe Gott uns, das Gleiche von Dir zu hören fürderhin und nichts; Schlimmeres. Zweitens teile ich Dir mit, daß ich meinen Augen nicht getraut habe, wie ich Deinen Brief gelesen habe; rein ein böser Traum! Eine wichtige Sache hat sich der, Mann zum Beschreiben ausgesucht! Gott hat ihm eine Witwe beschert mit Kindern, Gott weiß, von wem die sind — und er erbarmt sich ihrer und überzieht sie mit Honig. Wenn ich an Deiner Stelle dort in Jehupez wäre, ich hätte dem Jungen eine andere Beschreibung gegeben; und das Mädel mit den nackten Schultern hätte ich in die Küche auf die Fleischbank gesetzt und sie Kartoffel schälen lassen, statt ihr Moral zu predigen. Moralprediger ist mein Mann geworden, Volksredner. Und dafür kriegt er Geld gezahlt. Wie sagt die Mutter, sie soll leben: „Es gibt verschiedene Narren auf der Welt ..." Ich glaubet statt in fremde Töpfe die Nase hineinzustecken und sich um anderer Leute Kinder zu kümmern, wäre es gescheiter, sich den Kopf um die eigenen zu zerbrechen. Du bist doch schließlich der Vater Deiner Kinder. Oder nicht? Du solltest hören, wie gut Mojsche-Herschele schon das Alef-Bejß kann — Deine Jehupezer Witwe mitsamt der Redaktion mögen für ihn das Sühnopfer sein. Wäre mir leichter ums Herz, so hätte ich ihn und die anderen Kinder photographieren lassen und Dir ein Bild geschickt, damit Du wenigstens siehst, was Du weggegeben hast für Witwen und Redaktioninnen, Not und Plage, so wie Dir alles Gute wünscht ttnd dauerndes Glück für heuf und allezeit 1 Deine wahrhaft treue Frau S ch ein e -Schern de% 7. Brief. 'Menachem Mendel aus Jehupez an' seine Frau Sche'me- Schelndel in Kasriliwke. Der teuren, edlen, tugendhaften und klugen Ehefrau- Scheine-Scheindel meinen Gruß! Zum ersten sei Dir kundgetän, daß ich — Öank: Seinem lieben Namen! — gesund bin und mein Leben das des Friedens; der Herr, «gelobt sei er, möge helfen,.' daß eines vom anderen nur Gutes höre in guter Botschaft! zu Trost und Heil — Amen. Zum zweiten wisse: Ich bin mit der Wirtin fertig und habe mich jetzt auf djie Gäste verlegt, das1' heißt, ich beschreibe alle die Pechvögel, welche mit mir zusammen dort Quartier haben. Ich kann sagen: dieser Teil ist mir, unberufen, gelungen. Ein Pechvogel ist hier größer als der andere. Der größte von allen aber ist der, den wir „Glückspilz" nennen. Von ihm ist so viel zu schreiben, daß Papier und Tinte nicht ausreichen. Der junge Mann ist selber aus Schwanetz; geheiratet hat er zuerst nach Ladyzyn, dann nach Soroky; seinen Wohnsitz hat er in Jekaterinoslaw genommen und dort hat er sein erstes Geschäft gemacht; er hat begonnen, mit Gold zu handeln, das heißt: ein paar Leute haben ihm ehrijge Säckchen Gold verkauft und ihm dafür sein ganzes Bargeld abgenommen; es hat sich aber herausgestellt, daß er Sand eingehandelt hat Das war bitter. Doch sich, so wie man geht und steht, fn d[en Dnjepr werfen, das hat doch keinen Sinn für einen lebendigen Menschen. Also hat seinen Stock in die Hand genommen, ist von der Börse fort und hat sich redlich geplagt, Groschen um Groschen erarbeitet, bis er ein paar Rubel gemacht hat. Dann hat er in den Zeitungen angekündigt, daß er ein Geschäft mit einem Kompagnon sucht. Es dauert nicht lange und ein Kompagnon ist da mit einem Prachtgeschäft, das heißt, er hat zusammen mit dem Kompagnon ein Grundstück bei Kryworog gekauft, eine Goldgrube. Man wollte ihnen dafür 225.000 Rubel Ablöse geben. Er sagt aber: „Eine halbe Million oder nichts." Bei nichts ist es geblieben. Dann hat er sich auf Steinkohlen geworfen und dazu mit einem Ingenieur zusammengetan, einem Deutschen, das heißt, einem Juden, welcher deutsch spricht; sie haben zusammen auf Halbpart einen Schacht gepachtet. Und wie man begonnen hat, Kohle zu graben, hat sich im Schacht eine Quelle geöffnet; woher, weiß keiner. Eine Sündflut! Sie haben zwei Maschinen aufgestellt, um das Wasser auszupumpen. Da pumpen sie, dort kommt neues Wasser, kurz — dfie Sache hätte „so bis in die Ewigkeit dauern können. Da hat er auf den Deutschen gepfiffen und mit einem Juden Bekanntschaft geschlossen, welcher Eier aufgekauft hat, angeschlagene Eier, die nicht mehr frisch sind; aus d*m Dotter hat er irgend etwas gemacht, den Namen habe ich vergessen. Und unser Mann hat doch Glück: die Maschine platzt, der Jude geht durch und läßt ihn samt den zerschlagenen Eiern ztffück. Die Eier haben bald einen solchen Geruch verbreitet, daß man ihn zur Polizei vorgeladen hat; da hat er einmal mitten in der Nacht durchs Fenster springen müssen und sich schnell empfehlen auf Nimmerwiedersehen. Die Eier mochte sich #

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