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Die neue Welt · 1928-07-27 · Heft 45 (27.7.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 45 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 4ö DIE NEÜE WELT Seile $ OTEL COHTBUENTAL mm, II., PRATERS7RASSE 7 (neben Schwedenbrücke) 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise Dieser Resolutionsentwur! begrüßt den Bericht der Agency-Kommission als bedeutungsvollen Ausdruck des Vertrauens und der Zuversicht hervorragender WJrtsohaftskenner in die Errichtung des jüdischen nationalen Heimes in Palästina auf den von der Zionistischen Organisation und den Pionieren des jüdischen Siedlungswerkes geschaffenen Grundlagen und drückt Lord Melchett, Dr. L. K. Frankel, Felix War bürg und Oskar Wassermann für die von ihnen geleistete wertvolle Arbeit Dank aus und wünscht, bezüglich der wirtschaftlichen Empfehlungen der Kommission, daß die Empfehlung, den Ausbau der bestehenden Kwuzoth schleunig zu Ende zu führen, dahin erweitert werde, daß die endgültige Entscheidung über diese Siedlungsform davon abhängig zu machen sei, ob sich die bestehenden Kwuzoth nach Beendigung ihres Ausbaus als existenzfähig erweisen. In der Resolution wird ferner das gegenwärtig angewandte Erbpacht- System als den Bedürfnissen der Mehrheit der Siedler angepaßt hingestellt und darauf hingewiesen, daß nichts geschehen dürfe, was die Integrität des jüdischen Nationalfonds antasten könnte. Der von der Kommission erwogene Plan der Errichtung eines Institutes für Industrie-, Pflanzungs- und Handelskredite mit einem Kapital von 750.000 bis 1,000.000 Pfund sollte mit möglichster Beschleunigung ausgeführt werden. Nach einigen weiteren wirtschaftlichen Bemerkungen wird mit Bezug auf die Jewish-Agency-Erweiterung gewünscht, daß noch vor Kontituierung der :Jewish Agency die nichtzionistischen Gruppen enger mit der Palästina-Arbeit verknüpft werden. Das Aktionskomitee beauftragt die Exekutive, mit diesen Gruppen in Verhandlungen über die Gründung eines „Provisional Committee for the Jewlsh Agency" einzutreten, deren Aufgabe es sein soll, ander Organisierung der erweiterten Jewish Agency und an der Aufbringung der Mittel für den Aufbau Palästinas mitzuwirken, sowie einen einheitlichen Wirtschaftsplan für den Palästina-Aufbau und Koordinierung der Tätigkeit der in Palästina arbeitenden jüdischen Organisationen und Körperschaften zu schaffen. Der erste Redner, Suprask'y (Palästina), bringt eine Reihe Klagen des palästinensischen Jischuw gegen die Arbeit der Exekutive und insbesondere gegen die englische Administration vor. Dr. Leon Reich (allgemeiner Zionist) verteidigt die Politik der Exekutive und die Idee der erweiterten Jewish Agency. Es steht heute fest, daß die Zionistische Organisation allein' Palästina nicht aufbauen kann. Die Kraftanstreaigung der jüdischen Masse hat ihre Grenze erreicht. Die Erweiterung der Jewish Agency liegt aber auch im Interesse der Staatsraison: wir müssen nachweisen können, daß wir das ganze 15-Milllonen-Volk hinter uns haben. Nicht alles, was im Bericht vorzufinden ist, ist annehmbar; schieden uns nicht Jahre zionistischer Arbeit von den Experten, so wäre da.s ganze Problem nicht vorhanden. Die Möglichkeit von Verbesserungen des Berichts sind gegeben, und darauf zielt ja die Resolution hin. Aber vom Standpunkt des morgigen Tages sind wir verpflichtet, den Bericht anzunehmen. Farbstein (Misrachi) hat kein Vertrauen zu Menschen, die den Palästina-Aufbau mit dem Bleistift in der Hand berechnen. Die vom 15. Kongreß gegebenen Direktiven: Verstärkung der Alijah, Auslösung des Bodens als Volksbcsitz, landwirtschaftliche Kolonisation auf der Grundlage jüdischer Arbeit, sind: in dem Bericht nicht berücksichtigt. Der Redner schließt mit der Feststellung, daß im Misrachi die Meinung vorherrscht, daß man den Bericht mit gewissen Verbesserungen annehmen soll. Felix Rosenblüt.h (Exekutive) begründet die von der Exekutive vorgeschlagenen Resolutionen. Sprinzak (Hitachduth) wendet sich in schärfsten Worten gegen die einseitige K1 a s sen p o 1 i t i k, die in de mBericht zum Vorschein kommt. Der Bericht ist ein Ausfluß sozialer Reaktion. Die Arbeitspartei Hitach- Khith lehnt den Bericht aib. Arbeitspartei Hitachduth lehnt den Bericht ab. Kaplansky (Poale Zion): Der Zionismus steht vor einer .lebenswichtigen Entscheidung. Man versucht, den Sinn des uns vorgelegten Dokumentes zu verdunkeln. Dieses Dokument proklamiert neue Doktrinen als Basis der Arbeit der Jewish Agency. Aber schon rein wirtschaftlich enthält es U n v o 11 k o m m c n h e i t e .n und Fe h Ischlüsse; es enthält über Industrie wirtschaftspolitische, aber nicht praktische Maßnahmen und kein Wort über Reorganisation unseres Bankwesens. In bezug auf die Landwirtschaft wird eine Destruktion der zionistischen Kolonisatiorisipolitik vorgeschlagen als Ausfluß von Irrtümern und Unkenntnis. Großgrundbesitz und Pflanzerkolonie sind nicht die Lösung der jüdischen Fragen. Eine Obrigkeitsideologie macht sich breit. Es besteht kein Grund für eine solche Kapitulation. Aber nicht die Verfasser des Dokumentes, sondern die Exekutive trägt die Verantwortung für die moralische und politische Niederlage, die dem Zionismus hier beizubringen versucht wird. Der Exekiitivvorschlag zur Bildung eines ^provisorischen Agency-Komitecs ist der Versuch eines Staatsstreichs, mit dem man sich über die Kongreßbcschlüsse hinwegsetzen will. Wir haben 'kein Vertrauen zur Exekutive und lehnen auch den Plan a.b. G r ü n b a u m (AI Hamiscbmar) erklärt, daß der jetzige Bericht für ihn keineswegs eine Enttäuschung bedeute, er sei nur die logische Konsequenz der Erbsünde des Fifty-fifty-Systems. Die Resolutjonsvorschläge der Exekutive wollen nur verschleiern, wollen die Bedeutung des Berichts verkleinern, um durch das .vorgeschlagene Komitee etwas zu schaffen, was später nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Alle Bemerkungen und Empfehlungen, die wir beschließen würden, haben nicht den geringsten Wert, da sie nicht berücksichtigt werden müssen. Schon die bisherigen Reden haben bewiesen, daß die Vorschläge der Exekutive .keineswegs beruhigend gewirkt haben. Durch unser Vorgehen treiben wir unsere Jugend ins Lager Sireng ibd Geflügelhandlung unter Aufsicht des Ehrw. Rabbinates .Adas Israel" Zu jeder Tageszeit frisch gebratene Gansl Tel. R-40-5-90 Wien, II., Große Schiffgasse 5 DUBUBBBIH Tel. R-40-5-90 Ich erlaube mir dem P. T. Publikum zur Kenntnis zu bringen, daß ich ab 1. Juli 1928 eine streng itfo $ELCH WAREN-FABRIK Wien, XX., Klosterneuburgersliraße ©0 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwiirden des Rabbiners M. Mayersohn ,vinKB-f jninis^pf yhid DD-NDDn paan nw nruwn nnn im p,d p"?b mm tdn tko neu eröffnet habe. — Täglich frische und erstklassige Spezial¬ Erzeugnisse feinster Wurstu. Selchwaren. — Provinzversand WILHELM PETVANf SSL6HWAREN-FABRIK Wien, XX., Klosterneuburgerstraße 60 Telephon A-43-1-59 unserer größten Feinde. Aber auch die in Aussicht gestellten Hilfsmittel entsprechen nicht im geringsten den von uns gehegten Erwartungen. Es geht um Rettung unserer Bewegung und unserer Ideale. Redner wendet sich ■mit großer Schärfe gegen die jetzige Exekutive, die für die große moralische Niederlage und ungeheure materielle Enttäuschung, die der Agency-Bcricht mit sich gebracht hat, verantwortlich ist. Man hat jetzt zu wählen zwischen einem klaren zionistischen Weg oder einem, der in den Sumpi führt. Der Bericht wird fallen, mit ihm aber auch die Exekutive und die gesamte unglückliche Agency-Politik. M. M. Ussischkin: Die zionistische Bewegung hat so Ungeheures geschaffen, daß sie nicht vor einigen Menschen, die bisher für Erez Israel nichts getan haben, auf den Knien liegen soll. Wir haben zur zionistischen Fifty noch weniger Vertrauen als zu der anderen. Wer den Nationalfonds negiert, versteht die zionistische Bewegung nicht. *. Dr. Alfred Klee, der bisher dem Aktionskomitee als Ersatzmitglied angehört hat, wurde an Stelle des verstorbenen Oberrabbiners von Wien, Prof. C h a i e s, zum Vollmitglied des Aktionskomitees gewählt. Dritte Sitzung. Die Debatte wurde Freitag nachmittags fortgesetzt. Ais erster spricht D i z e n g o i f. Er versteht nicht, weshalb so große Aufregung herrscht. Die Kommission hat ein Programm ausgearbeitet, wir können dem ein anderes gegenüberstellen. Die absolute Albletin'U'ng wäre eine politische Sünde. Man soll sich mit der Zusammenarbeit einverstanden erklären und eine Tei 1 u n g der Arbeit vorschlagen: Jene sollen die Arbeit auf Grund der Gelder raacheti, die wieder eingeben, während wir die Arbeit leisten mit den Geldern, die ä fonds pendu sind. Dr. Ruppin beschäftigt sich' ausführlich mit den Berichten der Sachverständigen, die die Grundlage für den Kommissionsbericht abgegeben, haben , . , Wer uns nicht seelisch verbunden ist, kann auch kein für uns gültiges Urteil abgeben. Den Sachverständigen sind auch zahlreiche Irrtümer unterlaufen. Si e h ab e n das Hauptproblem nicht begriiffen. Die Wirtschaftlichkeit bei uns muß mit anderen Augen betrachtet werden, als bei Kolonisationsversuchen in Indien oder Griechenland. Es muß jedoch ein scharfer Trennungsstrich gemacht werden zwischen den nichtjüdischen Mitgliedern der Sachverständigenkommission und den jüdischen der Survey- Kommission Diese führten einen Kampf mit sich selbst, da sie sich als Gefangene der Experten fühlten. Sie. haben die ehrliche Absicht mitzuarbeiten, stehen uns aber noch ajs Fremde MmammBnBnmmaa Am Grabe des lebenden Propheten. Von Johanan von Giskala. Ins Deutsche übertragen von Minna Freund-Barci. Es war am frühen Morgen, vielleicht um sechs' Uhr, als Abu Azra in mein Zimmer trat und sich vor* mein Bett hinstellte. „Es ist Zeit" — sagte er mit orientalischer Wort" kargheit und damit wendete er sich um, setzte sich auf den Diwan und schaute mit teilnahmsloser Gleichgültigkeit zu, wie ich mir den süßen Schlummer aus. den Augen rieb. Von Abu Azra werde ich, so Gott will, noch sehii viel sprechen. Jetzt nur soviel, daß er seit drei Wochen eine Attraktion unter den „Seelen" — Somnambulen defl Seele eine Attraktion der Stadt Wien war. Niemand wußte, woher er kam, niemand forschte nach, wohin er ging, er war da und sein sonderbares Wesen verschmolz mit der tausendfältigen Romantik dieser herrlichen Stadt. Er ging europäisch gekleidet und sein Gesicht war bartlos und glatt. Aber sowie er seine Wohnung betrat, hüllte er sich in einen grünen, goldgestickten, seidenen Kaftan und schlang einen weißen, indischen Turban um sein Haupt. Manchmah in fröhlicher Gesellschaft, wurde er halsstarrig, wollte nicht deutsch verstehen, nur hebräisch und brachte das „ain" mit gutturalem Laut aus seiner Kehle. Und weil wir beide das Schweigen liebten, befreundeten wir uns rasch und girgeu in gleichmäßigem Schritt und wortlos oft stundenlang durch die abendlichen Straßen Wiens. Wir hatten beschlossen, an dem Grabgange teilzunehmen. Abu Azra sagte einfach: zum Grabe des Propheten. Mir selbst wäre es kaum in den Sinn gekommen, und wenn auch, ich hätte diesen Entschluß nicht ausgeführt, denni ich liebe Massenaufzüge nicht. Und die Wiener Juden, rüsteten, wie in jedem Jahre, auch diesmal zu einerj imposanten Wallfahrt zum Grabe des Propheten. Aber Abu Azra trug schon seit Tagen eine sonderbare Aufregung zur Schau und so oft von dem Grabe die Rede war, konnte manj aus spärlich hingeworfenen Worten herausfühlen, daß seine Gedanken beständig darum kreisten. Ich fand mich darein, daß er mich in früher Morgen* stunde aus meinem Bette scheuchte, aber ich konnte eine gelinde Schadenfreude nicht unterdrücken. Die Massenwallfahrt stand im Zeichen tiefer Bewölkung, und zwar nicht im symbolischen Sinne, sondern in der einfachen, bäuerlichen Auslegung. Und wie richtig diese war, zeigten schon die nächsten Augenblicke. Ich ging zum Fenster: es regnete in Strömen. Abu Azra schüttelte den Kopf und sagte kein Wort. Das bedeutete bei ihm, daß jeder Widerspruch vergebens wäre. Wir machten uns auf den Weg. Bei der Station der Elektrischen stand ein barhäuptiger Junge und hielt eine Wegweisertafel in der Hand. Es war eine Wegkreuzung und an allen Straßenecken standen mächtige Wegweiser mit der Aufschrift: „Zum Herzl-Grab fahren wir mit dem 40er-Wagen." An der Endstation der 40er-Wagen stiegen, wir ab. So war das bestimmt und seit Jahren Tradition der Wiener Juden. Dort vor der Hochschule für Bodenkultur ist der Versammlungsplatz, von dort aus gehen die Grabbesucher zu Fuß bis zum Friedhof. Am Versammlungsplatz sah man kaum einige Menschen. Gewiß, es war ja erst) sieben Uhr morgens, gewiß, es regnete, aber ich hatte doch anderes erwartet, tyur etwa fünfzig junge Mädchen gingen auf und ab, in ihren Händen kleine, blau-weiße Bandschleifchen, die sie wortlos den Ankommenden ansteckten. Ohne Lächeln, ohne ein Wort des Grußes, steht plötzlich ein nie gesehenes Wiener Mädchen — ein Judenmädchen — vor mir, steckt eine blau-weiße Kokarde an meine Brust und geht ohne Lächeln wortlos weiter. Abu Azras Augen blitzten auf. Wie ein witternder Jagdhund, mit verschlagener Gleichgültigkeit, mengte er sich unter die blau-weißen Mädchen und sein. Blick lief forschend über jedes einzelne Gesicht. Wie ein sprungbereiter Luchs war er anzusehen. * Ein junger Mann stand vor uns. Jetzt wurden wir erst gewahr: auf der arideren Seite der Straße stand die prachtvoll gebaute Mannschaft des „Makkabi"-Turnvereincs in muskelstraffendem Sportanzug Spalier. „Zu welcher Gruppe gehören die Herren?" fragte der junge Makkabäer. „Ich bin fremd hier" — sagte ich und schaute schadenfroh auf Abu Azra. Jetzt wird er sein Inkognito lüften müssen — dachte ich. Aber Abu Azras Antlitz blieb regungslos. Er sprach kein Wort. Man führte uns zu der Gruppe der Fremden in eine etwas entlegenere Gasse. Die Gasse war ganz erfüllt von ruhig wartenden Menschen. Die „Makkabi"-Mannschaft ging hin und her, teilte leise Befehle aus und die ganze Menschenmenge machte den Eindruck stiller, lebendiggewordener Erwartung. Abu Azra ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Er winkte mir und wir brachen auf. Als ob er etwas suchen würde> streiften wir die benachbarten Gassen aty In der einen standen die Bürger des 19. Bezirkes, in der anderen Schülec der hebräischen Schulen. In einer besonderen, großen Gruppe die Blau«

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