Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 45 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sefte 2 DIE NEUE WELT Nr.'4* 107 Siedlungspioniere haben Blr-Bidschan verlassen. Von den 643 jüdischen Siedlungspionieren, die bis zum 10. Juli in B i r - B i d s c h a n eingetroffen waren, haben 107 d i e R ü c k r e i s e in die alte Heimat angetreten. In dem aus Charbarowsk hierüber eingetroffenen Bericht wird diese Rückwanderungsbewegung begründet mit der oberflächlichen Auswahl der Pioniere, der langen Regenperiode, dem Mangel an Nahrungsmitteln, an Trinkwasser u.nd an Wohngelegenheiten, dem Ueberhandnehmen der Stechmückenplage und dem Fehlen medizinischer Hilfe. In dem Bericht wird weiter gesagt, daß sich die Pioniere wochenlang von ungekochten Speisen ernähren maßten, da es an Küchen sowie an Wasser zum Kochen fehlt. Ukrainische Bauern überfallen eine jüdische Kolonie. 'Auif den Feldern der jüdischen Bauern der Kolonie Nadioznaja im Distrikt Maritipol in der Ukraine erschienen plötzlich ukrainische Bauern mit Sensen und Sticheln und machten sich daran, das Getreide der jüdischen Bauern zu mähen und fortzuschaffen. Die jüdischen Kolonisten stellten sich den Eindringlingen entgegen, es kam zu einem schweren Zusammenstoß, bei dem die ukrainischen Bauern von ihren Sensen und Sicheln Gebrauch machten Mitglieder des Ortssowjets, die zu intervenieren versuchten, wurden ebenfalls von den Eindrnglingen attackiert Einer der angreifenden Bauern wurde v er h a f t c t, gegen a#e übrigen ist die Anklage wegien Landfriedens bruchs imdi Raul) erhaben worden. Die jüdischen Kolonisten fordern exemplarische Bestrafung der Angreifer, da es sich um einen organisierten Angriff handelt. Kein Boden für jüdische Kolonien in der Ukraine. Seitens der ukrainischen Regierungskommission für jüdische Landansiedlung wurde mitgeteilt, daß in der Ukraine kein freier Boden zur Einrichtung weiterer jüdischer Ko Jon den mehr zur Vcr fügung gestellt werden kann: Eine geschlossene jüdische Kolonisation, wurde hinzugefügt, wird von jetzt ab nur noch im Rayon Biro-Bidschan in Fernsiibiricn möglich sein. Nicht mehr ergötzt im Haremssaal Sich Hassan an der Schönheit. Strahl, Seit seine Lieblingsfrau vermessen wähnte, Daß Hüber-Essig sie entbehren könnte. Das Jubiläum des „Hajnt". Die Warschauer zionistische Tageszeitung „IJ a j n t" feiert ihren 20jährigen Bestand durch eine Festnuanmer, in der aide ihre Mitarbeiter mit charakteristischen Beiträgen vertreten sind. Diese Nummer gibt ein anschauliches Bild von der Tätigkeit des t a p f e. r s t e n Organs des p o I n isehen Judentums. Heute erst kommt uns anläßlich dieses Jubiläums zum Bewußtsein, welchen an Kämpfen reichen Weg die jüdische Welt Polens zurückgelegt hat, und gleichzeitig Bewunderung für die Arbeit, die unser ausgezeichnetes Bruderorga>n „Hajnt." auf politischem, kulturellem und literarischem Gebiet geleistet hat. Bs war ein Kampf auf allen Linien. Das in Polen lebende Judentum konnte gewiß sein, in allen Fragen seiner nationalen und geistigen Existenz einen unerschrockenen Anwalt zu besitzen, der beispielsweise schon für die Jud e n r e.cu t e im alten Rußland, gegen die D e mq r a 1 isi e ru n g ,de s j ü d i s c h e n Elements in Polen während der deutschen Okkupation und in den Nacbkniegs jähren um die wirtschaftlich und nationale Position der Juden gekämpft hat. Bewundernswert, ja heroisch war der Kampf des „Hajnt" während der letzten S e j m wählen. Man kann sagen, daß der „Hajnt", neben wenigen jüdischen Zeitungen Polens, die Ehre des Judentums gerettet bat, das wieder einmal in seinen schweren Tagen den Attacken einer korrupten Assimilation ausgesetzt war. Es (ist selbstverständlich, daß der „Hajnt" als größte zionistische Tageszeitung Polens alle Probleme, die sich um die Wiedererweckung d c s j ü d 1 s c h e n Volkes in Palästina gruppieren, in anschaulicher, temperamentvoller und gründlicher Weise aufrollt und den jüdischen Massen vermittelt, mittelt. Der Jubiläums tag des „Hajnt" gibt uns wie allen seinen Freunden Gelegenheit, auf die großen Leistungen dieses Blattes während der 20 Jahre seines Bestandes mit Genugtuung zurückzublicken und seinen weiteren Weg mit den innigsten Wünschen und herzlichster Anteilnahme zu begleiten. Eine Ehrung des Andenkens des Dr. Chajes. Aus Tri est wird uns geschrieben: In der feierlichen Sitzung des vor kurzem hier abgehaltenen jüdischen Kulturkongresses von Italien hielt der Vorsitzende Oberrabbiner Dr. Zoller eine Gedenkrede über den verstorbenen Wiener Oberrabbiner Dr. Z. P. Chajes, der bekanntlich mehrere Jahre als Professor an der theologischen Lehranstalt und der Universität von Florenz und später als Oberrabbiner von Triest wirkte. Dr. Zoller führte unter anderem aus: Der Verstorbene war einer der großen Juden, die wir seit dem Tode des unsterblichen Gelehrten Samuel David Luzzatto in Italien hatten. Sie wissen, daß er einer der wertvollsten Mitarbeiter des S, H. M a r»' guIies gewesen ist. Diese zwei Männer haben Wunder» bares, geradezu Märchenhaftes vollbracht. Sie wissen es, Sie waren ja Zeugen dieser Tätigkeit. Und über allen Unterschieden der Schute steht gleich Elia Benaroo* zegh und S. D. Luzzatto, die Gestalt Chajes vor uns. Er war eine einzigartige Erscheinung, ein Großer unter den Großen, von einer königlichen Größe. Er gehörte zu jenen Menschen, die sich selbst aufopfern konnten, ein Mann, der, angezogen von der ewigen Flamme der Schönheit, der ewigen Wahrheit des Judentums sich selbst hingab und keine Ruhe fand, bis er seirien letzten Atemzug, seinen letzten Tropfen Blut dem hebräischen, dem jüdischen Ideal geopfert hatte. Wir gedenken hier seiner, weil er zusammen mit den anderen, deren wir hier gedachten, einer der Letzten war, die das hebräische Wissen vom großen weitlichen Standpunkt aus, ganz besonders vom Gesichtspunkt des italienischen Judentums unter uns kultiviert haben. Ein Zeichen der Anerkennung ist soeben von einem fern von hier weilenden lebenden amerikanischen Mäzen eingelangt, der während seiner .Anwesenheit in Italien den Plan diskutierte, wenigstens die in italienischer Sprache erschienenen Werke des großen Meisters wieder zu vcr- SAVOY I., HIMMELPFORTGASSE 27 Besitzer Hans und Hermine Konöel Telephon 70.001 Umwandlung der Savoy-Bar In ein bürgerliches Kaffeehaus, vorzüglich geleitete Bridge- und Rutnmy-Stube, bequemer, köhler Aufenthalt, beste Bedienung, vorzügliche Oetränke WIEDER ERÖFFNET öffentlichen und der, noch ehe wir dazukamen, unsere Gedanken hierüber zu konkretisieren, die erforderliche Summe zur Verfügung gestellt hat, um sämtliche Werke und sämtliche Schriften, nicht nur die in italienischer Sprache erschienenen, zu sammeln und herauszugeben. Das Zionistische Aktionskomitee. Die Tagimg in Berlin. Politische Rede Weizmanns. — Die Beziehungen zur Mandatsmacht. — Die Exekutive wurde über die Ernennung des High Commissioner vorher informiert. — Steigende Bedeutung Palästinas im System des British Empire. — Weizmann will Abänderungsvorschläge des A. C. zum Agency-Bericht der Vierer-Kommission übermitteln, an der Idee der erweiterten Agency soll aber nicht gerüttelt werden. — Der einzige Weg zu neuem Aufbau und zur Wiederaufnahme der großen Alijah. — Nahuni Sokolow: Die erweiterte Jewish Agency ist bereits eine Res iudicata. — Berichte von Eder, Sacher und Miss Szold. i Society wesentliche Dienste geleistet. Ausschlaggebend ' hiefür war aber vor allem die steigende Bedeutung Palä- Am Donnerstag den 19. Juli, 4 Uhr nachmittags, wurde in Berlin die Tagung des zionistischen Aktionskomitees imit einer Ansprache des A.-C.-Präsidenten Herrn Leo Motakin eröffnet. Anwesend sind: Von der Exekutive die Herren: Dr. Weizmann, S o k o fo w, Dr. E der, L. L i p s k y, FcHx R os c n b 1 ü t h, H. S a c h <c r, Fräulein Szold. Die Mitglieder des Aktionskomitees: A. Bernhardt, Doktor Bileski, K. Blumenfc kl, H. Farc-hy, Dr. Feiwel, Jakob Fishma nn, Dr. H i n d c s, Dr. M o s s i n s o n, Leo Motz k'i n, Dr. L. R e i c h, Dr. J. R u f e i s e n, Dr. A. Rwppin, J. Suprasky, Dr. O. Thon, Rabbiner M e i r, Berlin, H. F a r b s t c i n, Dr. F e d c r b u s c h, L. L e w i «.Epstein, Abgeordneter M. N u r o k, L. Kap '1 a n, Dr. N. Metze r, J. S p r i n z a k, N. Twersky, A. H ar z f c 1 d, Si Kaplan s k y, Berl Locker, I. Mcre m i n s k i, S. R u b a s c h o w, I. G r ü nbatim, Dr. Solo weit sc hik, M. Groß'man, R. Lacht heim. Die Ersatzrnitglicdcr: Rev. J. K. Goldbloom; Prof.Dr. Brode'tsky, M. S c h a pir o, Doktor Gold st ein, D, Immojik, M. Kahan, Dr. A. Klee, Dr. A. La n d s b c r g, Dr. L. Schmorak, L. B a r t h, Dr. J. H e 11 m a n n, Dr. N. Göldma n n, Dr. S. Moses, Die Vertreter der Direktorien: J. Cowe n, S. Schoc k e n, Dr. A. Hantke, L.J äffe. Die Kongreßanwälte: S. Grone m a n n, Dr. A. Barth. Als Vertreter der Atileihekommission: I. A. N a Ldi t s c h.' . In seiner Eröffnungsansprache, gedachte Präsident Motzikin der Toten, die die zionistische Bewegung seit dem Kongreß zu beklagen hat, vor allem der Aktiouskomiteemitglieder W. Tiomkin, Dr. Chajes und L a nd a u, wie Norwin L i n d h c i m, Josef Baron deß und CyroGlaß. Einen kurzen Bericht über die Fragen der Politik und der Jewish Agency erstattet der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. Chaim W e i z m a n u. Er erklärt, sich auf die Hauptpunkte beschränken zu wollen. Ueber die politische Lage ist nichts Sensationelles zu berichten. Zwei wichtige Fragen: Ratifizierung des G em e i n d e g e s e t z c s und die Tote-Mccr- Konzession sind allgemein bekannt. Die Palästinaregicning nimmt immer aktiveren Anteil an unseren Fragen. Er berührt sodann kurz die Frage der Anleihe und der Ernennung des neuen High Comrnriissioners in Palästina, über welche die Exekutive rechtzeitig informiert worden ist. Bei der Vertiefung unserer Beziehungen zu der Mandatarmacht hat uns die Palestine Mandate stitias im System des .britischen fmperialismiis. Er bedauert, durch, die Verhältnisse gezwungen gewesen zu sein, so viele Reisen zu machen, weshalb er nur während drei Monaten seit dem Kongreß sich In London mit politischen Fragen befassen konnte. Dr. Weizmann geht dann zur Frage . der Jewish Agency über. Das Aktionskomitee wird zu diesem Bericht seine Bemerkungen zu machen haben in Form von Beschlüssen, die der Agency übermittelt werden sollen. Aber an dem Prinzip <ler Erweiterung der Jewish Agency sollte nicht gerüttelt werd e n. Angesichts der eiben erst in Palästina durchlebten Krise sehe er keinen anderen W eg, als die Heranziehung weiterer Kräfte für das Werk. Die Arbeitslosigkeit in Palästina ist halbwegs behoben, aber damit ist die kleinere Hälfte unserer Arbeit getan: Die zweite, wichtigere Hälfte ist die Wiederaufnahme einer großen Alijah, und diese könne nur geschehen bei energischer Mitwirkung der Regierung und Erhöhung der Mittel. Auf' das erstere können wir rechnen, bezüglich des zweiter, habe er aber gewisse Zweifel. Viel hängt von den Beschlüssen ab, die das Aktionskomitee fassen wird. Präsident Sokolow führte aus: Dem Bericht der Agencykornmlssion müsse man streng objektiv gegenübertreten, aiber die Frage der Erweiterung als solche ist eine Res iudicata. Dr. Eder erklärt, daß die Frage der gesetzgebenden Körperschaft in, Palästina während der nächsten Jahre nicht akut sei. Er selbst sei aus rein' persönlichen Gründen gezwungen/ sein Mandat' als M'itg'lied der Exekutive zurückzulegen, nachdem er sich durch zehn Jahre dieser Arbeit gewidmet hatte. ' . Ueber die Arbeit in Palästina berichtet kurz Harry Sacher. Was die Frage der Einwanderung betrifft, so sei ein Komitee eingesetzt worden, dessen Entschließungen vorliegen. Leider sei die Arbeit in Palästina du rc h, di e h äuf lg e Abwesenheit der Mi tglieder der Exekutive gestört worden. Miß S z o 1 d berichtet über Erzieh u n g sn n d Gesundheitswesen. Die Kürzung des Budgets auf dem Kongreß in Basel hat unser Erziehungswerk in Palästina sehr geschädigt. Der Anteil der Regierung ei^olgt nicht im Verhältnis zur Zahl der jüdischen Schüler, sondern zur Zahl der jüdischen Gesamtbevölkerunig. Außerdem m iisseh' wir uns auch eine gewisse Kontrolle d u r c h die Regierung gefallen lassen. Jetzt steht vor allem die Frage vor uns: wie können wir während des kommenden Jahres durchhalten, um dann weiter unser System auszubauen? - Im Gesundheitswesen sind gewisse Fortschritte erzielt worden. Es wird reger Kontakt mit der Regierung angestrebt, der zum Teil auch erreicht worden ist: die sanitäre Arbeit im Emek wird von der Regierung und der Krankenkasse gemeinsam geleistet. Die Malaria- und Typhusarbeit hat gute Fortschritte zu .verzeichnen. Zweite Sitzung. Am 30. Juli, , vormittags, trat das Aktionskomitee in die allgemeine Aussprache ein, die sowohl die allgemeine Politik der'Exekutive, als auch den Bericht der Jewish-Agency-Kommission, Weizmanns Feststellungen zu dem Bericht und die von der Exekutive dem Aktionskomitee zur Aima'hme empfohlene Resottttian einijezog.