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Die neue Welt · 1928-07-27 · Heft 45 (27.7.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 45 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Grc V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schwelbel Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 450. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 27. Juli 1928 Nr. 45 Unter freiem Himmel •.. Die bulgarischen Juden nach der Erdbebenkatastrophe. — Das jüdische Konsistorium in Sofia. — Hilfe der bulgarischen Regierung und der Juden in aller Welt. Der Führer des bulgarischen Judentums, Dr. N. S e r p e r, der in Angelegenheiten der Juden seiner Heimat gegenwärtig in Berlin weilt, machte über die Lage der bulgarischen Juden nach dem Erdbeben überaus interessante Aeußerungen, die hier wiedergegeben zu werden verdienen. Das Judentum Bulgariens besteht in seiner überwältigenden Mehrheit aus Sephardim. Nur in Sofia gibt es ungefähr tausend askenasische Familien. In ganz Bulgarien leben heute ungefähr 45.000. Juden, hievon rund 25^000 in der Hauptstadt, die anderen 20.000 auf die übrigen Teile des Landes zerstreut. Das bulgarische Judentum j. ist gort organisiert. Alle jüdischen Gemeinden sind in dejm, sogenannten -Kon s i s t o r iu m (mit dem Sitz in Sofia) vereinigt, das direkt dem Unterrichtsministerium untersteht. Bis vor kurzem gab es bei uns auch die Stelle eines Grpßrabbiners, aber nach dem Abgang des bekannten, heute in Stockholm wirkenden Dr. Ehrenpreis wurde diese" Stelle nicht mehr besetzt. Alle jüdischen;- Angelegenheiten werden vom Konsistorium erledigt, dem .„nicht , nur. rituelle Dinge obliegen, . sondern auch -r-- ^dt dasin. der; Haupteache — d a $ j ü di s che Schul- :W. e:s;e?ni■■Jahrelähg'herrschfe bei uns die: halbassimilatorische Schule der All i a n c e I s r a e'l i te, in den letztem - Jahren: allerdings hat das ganze jüdische Schulwesen Bulgariens kraft des zionistisch en Einflusses eine stark nationale Färbung bekommen. Im übrigen muß festgestellt werden, daß; , Unsere Schulen die besten des Landes Oberhaupt send. . Gegenwärtig, sind infolge des Erdbebens fast alle Schulen zerstört. *! Der Unterricht mußunter freiem ' Himmel abgehalten werden.!"..;;' Die große Chorschule, zwei alte Beth-Hamidraschs, em''Kinderheim, eine Synagoge und sehr viele Privathäuser in P h;i 1 i p p o p e 1 - sind zerstört worden. Die Wiederherstellung wird längere Zeit in Anspruch nehmen. Man muß also beten und lernen — unter freiem Himmel. ' T s c h i r p a n ist völlig zerstört, nur die große Chorschule1 blieb wie durch ein Wunder unversehrt. In Zuh sajnmerihang damit haben sich in der'zerstörten Stadt die seltsamsten Legenden gebildet. Das ganze Personal der- Philippopeier Jugendgemeinde hat keine Unterkunft. Diese Gemeinde besaß in der Stadt eine Reihe von Häusern, die; eine bedeutende Ertragsumme einbrachten, wodurch ein größer Teil des Gemeindebudgets gedeckt werden konnte. Deshalb-wird dieser Verlust sich npch lange fühlbar machen. Die Regierung hat gewisse Unterstützungsgelder für den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude ausgeworfen. ' ' Wir haben von alleim Anfang an beschlossen, \ inv Lahde :fceine separaten jüdischen Sammlungen für die Geschädigten zu veranstalten. Die-2000 Dollar, die;unmittelbar; nach -dem1 Erdbeben von jüdischer- Seite aufgebracht wurden, haben wir dem allgemeinen Fonds zugeführt. Dies gab uns das : Recht, den uns gebührenden Anteil: :' - ' aus den von der Regierung bestimmten allgemeinen /; Ünterstützungsgeldern zu beanspruchen. Vorläufig hat die Regierung für die obdachlosen Juden zehn Baracken aufgebaut. Wesentlich verschieden werden jüdische und nichtjüdische Obdach- Tosenicht behandelt, : doch hat ' die Regierung' hierim allgemeinen wehig geleistet. " -' Da.s;- jüdische Konsistorium hat1 bei den'f jüdischen Banken eine Anleihe aufgenommen.' Davon wurden bisher' 4000 Dollar für die dringendsten Arbeiten verwendet, darunter auch für Notstandskfichen. Die Verpflegung der Notleidenden war im , Moment das wichtigste. Man darf nicht vergessen, daß die nach dem Erdbeben einsetzenden Stürme enorme Schäden angerichtet, bisweilen sogar Menschenleben gefordert haben. Nun hieß es, mit dem Aufbau der zerstörten Gebiete einzusetzen. Wir sind nach wie vor der Meinung, daß wir eine separate jüdische Aktion nicht unternehmen dürfen, da wir sonst in Gefahr geraten dürften, die staatliche Beihilfe zu verlieren. Deshalb werden aus taktischen Gründen die Hilfsaktionen nur von der Bnei Brith-Loge und" von den Bikur Cholim-Anstalten geführt, also von Institutionen, die seit jeher philanthropisch tätig waren und jetzt ihre Arbeiten in intensivstem Maße leisten. Es versteht sich von selbst, daß wir mit, unseren Mitteln die entstandenen Riesenschäden nicht werden, beheben können. Das bulgarische Judentum^ hat niemals vom Ausland Hilfe verlangt.;; Nach dieser Katastrophe^'^ sehen wir — wird es ohne fremde Teilnahme nicht gehen;'Wir haben uns in erster Linie an den Joint gewendet, der] uns eine größere Summe avisiert hat. Ö e r H i 1 f s v e rein deutscher Juden gab 5000 RM., die Berliner Jüdische Gemeinde 3000 RM., die Wiener Israelitische Kultusgemeinde 500 RM., die Wiener Bne i Brith-Loge 3000 RM. In Prag hat unser Delegierter 12.000 RM. gesammelt. Die Berliner Bnei Brith-Loge hat vorläufig 3000 RM. zur Verfügung gestellt, doch hoffen wir auf weitere und größere Summen. Die Konstantinopler Bnei Brith und die Pariser Alliance haben mit größter % Bereitwilligkeit geholfen. Für Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalte: Die Sitzung des zionistischen Aktionskomitees. —y: tHe Frommen. N. R., Warschau: Der jüdische Sejmklub. Dr. Otto Abeles: Die Schwalben von Lakenbach. Jochanan von Giskala: Am Grabe des lebenden Propheten. Jüdische Kapitalsinvestierung in Palästina. B. Kowner, New York: Der jüdische Schneidei und seine Idee. Dr. Viktor Much: Noch einmal: Hakoah. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Vom neuen hebräischen Nationaltheater in Palästina Tribüne: Jüdische Heil-Rufer. Scholem AIejehern: Menachem Mendel. Schalom Asch: Die Mutter. September wird in den s k a n d i n a v i s c h e n L ändern eine Sammlung angesagt. Wir haben uns auch an das amerikanische und. polnische Judentum um Hilfe gewendet und erwarten, daß bis. zum Herbst mindestens. 25.000 Dollar aufgebracht sein werden. (Inzwischen hat die Warschauer Kultusgemeinde 5000 ZI. als ihren Beitrag in ihr Budget .aufgenommen; Anm. der Red.) , Inzwischen hausen unsere Brüder in primitiven Zelten. Unter freiem Himmel predigen unsere Rabbiner, singen unsere Kantoren, lehren unsere Lehrer, lernen unsere Kinder. Ein solches Leben läßt sich während. der heißen Sommermonate ertragen. Was aber, wenn der Winter mit Schnee und Kälte kommt! In seinen Schlußworten gibt Dr. N. S erper seiner Hoffnung Ausdruck, daß die gesamte Judenheit zur Linderung der Not ihrer bulgarischen Brüder alles getan haben wird, um ihnen bis dahin ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Vor Beginn zusammengebrochen. Die Sowjet-Kolonisation in der Mandschurei unmöglich. — Ein pessimistischer Bericht des jüdischen Kommunistenführers Mereschin. Der jüdische kommunistische Führer A. Mereschin, der zusammen mit dem Landwirtsohaftsexperten Professor B r u k zwei Monate lang in Bir-ßidschan geweilt hat, erstattete in einer Sitzung der jüdischen Kolonisationsgesellsohaift „Ozet" einen Bericht, der in der Feststellung gipfelte, daß das Problem einer jüdischen Groß-Kolonisation dn 'Bir-ßidschan ernster und komplizierter •sei, als man anfangs angenommen hat. In den nächsten 5 Jahren, sagte er, wird man höchstens 10.000 jüdische Familien in diesem Rayon ansiedeln können, davon mindestens 2000 als Handwerker, an denen es in der Gegend des Amur mangelt. Das gesamte Ansiedlungswerik wird in einem mäßigen Tempo geführt werden müssen. Viel anbaufähigen Boden gibt es nicht, aber ausgedehntes Sumpfland, welches erst urbar gemacht werden muß, wozu vorderhand eine Million Rubel erforderlich ist Auch gibt es viel für Anbau nicht in Betracht kommendes Berg- ' land. Auf dem vorhandenen trockenen Boden könnte man höchstens 25.000 Familien ansiedeln. Mit primitivem Ackergerät kann man dort wenig ausrichten; 40 Rubel kostet das 'Pflügen eines Landstücks im Ausmaß'eines Ackers. Komzet und Qziet sind bereit, eine Abordnung nach Amerika zwecks Studiums der technischen Methoden der Bodenbearbeitung und der Entwicklung von Reisfeldern zu entsenden. Gute Aussichten bestehen vorläufig nur für Handwerker, Heimanbeiter und Tagelöhner. Die Arbeit in den Wäldern wird gut bezahlt. Qzet wird, sagte Mereschin: die Arbelt in anderen Rayonen Sowjetrußlands unterbrechen müssen, um stich auf die Arbeit in Bir-Bidschan »zu konzentrieren, die weit mehr Mittel, als anfangs angenommen, einfordert. Von Agro-Joint, fuhr Mereschin fort, erwarten wii ' keine Hilf e in Bir-öidschan, noch weniger jetzt, wo die Marschalls und Warburgs in ein Bündnis mit den Zionisten getreten sind. Bs ist darum nur recht und billig, daß wir Agro-Joint, Ica und Ort die Arbeit in allen Gegenden Rußlands überlassen und wir uns aui Bir-Bidschan beschränken. Die Vertreter von Agro-Joint Dr. Josef Rosen und Ad/vökat J. Grower stellten fest, daß der Bericht Mereschins geeignet sei, die Hoffnungen, die man an Bir-; Pidsohan gefchilpft hat, gehörig heraibzusüimnien. J; Grower rechnete aus, daß laut Mereschlns Bericht * die Seßhaft- \ machung einer Familie in Bir-Öidschan . mindestens 4000 :r Rubel kosten würde. I1"'. jeder Küche ist ein -Kühlschrank der Generai Motors Verlangen Sie Prospeht „„„ besuchen Sie ÄoÄt, Warchalowski, Fintterle & C9

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