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Die neue Welt · 1928-07-20 · Heft 44 (20.7.1928) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 44 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Kr. *, r*m mm weit SeÜeT Gebildeter junger Hann aus besserem Hause sucht ebensolchen(e) Partner(in) für 3wöchige Urlaubsreisc Ins Salzkammergut und Deutschland ab 8. August. Eventuell auch andere Relseltnic. Eilanträge unter „Getrennte Rechnung* an die Administration dieses Blattes. gMB8a«>tM>M«MtM<M0«OMMa«t««0»9*W»M»a«et9>0a»ii Kontinentalbund zionistischer Mädchenvereinigungeii. Die dritte Bundestaigung wurde in der Zeit vom 5. bis 9. Juli 1928 am H r e b <i n o k bei Stary-Smok o v e c in der Hohen Tatra aibgehalten. Au der Tagung nahmen 29 Delegierte aus der Tschechoslowakei, Oesterreich und Rumänien teil. Im Vordergrund der Beratungen stand eine Reform der Organisation, da sich infolge Ausdehnung des Bundes die Notwendigkeit der Schaffung von Kreisleitungen eingaben hat. Ferner wurden wichtige Beschlüsse betreffend die PrvläsMna- und soziale Arbeit in der Gallith gefaßt, welche dem Bunde neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnen. An die Berichte des Bundes und der Delegierten schlössen sich interessante, für die Wciterarbeit wichtige Debatten, aus welchen das rege Interesse der Mitarbeitenden deutlich ersichtbar war. Unter den Referaten ist 'besonders jenes von Herrn Dr. Osikar Neu >m a n n (Bratislava) über „Jugendbewegung" und das von Frau Dr. Henny Rappaport (Z. M. V. „Mirjam', Wien) über „Ost und West' hervorzuheben. Beide Referate gaben Anlaß zu ungemein anregenden Diskussionen. Anschließend an die Beratunigen der Bundestagung wurde eine Besprechung mit den Führcrinnen der einzelnen Gruppen wegen der Arbeitsführung im kommenden Jahre abgehalten. Die Bundcs'tagung war gekrönt durch die Gründung einer neuen Mädchengruppe in Poprad. Herzl-Feier in Graz. Am 9. Juli veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe Graz die Herzl-Gedenkfeier. Herr Oberkantor Heinrich Katz brachte zwei Psalmen unter Mitwirkung des jüdischen Gesangsvereines zum Vortrag. Herr Landesrabbiner Prof. Dr. David Herzog hielt die Gedenkrede. Der russische Antisemitismus. Das offizielle Organ der Roteil Arm e e, die Zeitung „Krassnaja Armija", fordert eine kulturelle Aufklärungsarbeit unter den Soldaten der Roten Armee, vom denen viele dazu neigen, über ihre jüdischen Kollegen, sogar über jüdische höhere Militärbeamte antisemitische Bemerkungen fallen zu lassen. Der Vorsitzende des Rayons-Exekutivkomitees von Beschenikowitsch, Wassll Tatirdz, wurde vom Kreisgericht von W i t ebsk zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, weil er sämtliche Bäume auf dem jüdischen Friedhof fä 11 en In.eß, um aus dem Material* das abgebrannte Voikshaus wieder aufbauen zu lassen. Die Regierung hat eine Kommission zur Untersuchung der Lage der Juden von Daghestau entsandt, die, wie Larin mitgeteilt hat, schwer unter dem Antisemitismus der Behörden zu leiden haben. . Erleichterung der jüdischen Auswanderung aus Rußland. Zwischen der Moskauer Abteilung der Jewis'h Coloti'lsation Association (ICA) und der Komzet (Regierungskommission für Lantdstied'Iung und Industrialisierung der Juden) ist ein Abikommen getrofifen worden, demgemäß die Auswanderung von Juden aus Rußland von jetzt ab erleichtert werden soll. Wie dem J. T. A.-Vertreiter seitens des IGA-Büros mitgeteilt wird, hat das Moskauer Emigrationsbüro der ICA bereits einen Stab von Funktionären zur Regelung der jüdischen Auswanderung aus Rußland engagiert. In den wichtigsten Provinzstädten sollen später lokale E m i g r a t i o n sbiiros eröffnet werden. Kämpfe in Jemen. Flüchtlinge, die von der arabischen Küste in der italienischen Provinz Erythräa eingetroffen sind, erzählen, daß zwischen den britischen Truppen des Protektorates Aden und dem Jemen Feindseligkeiten ausgebrochen seien. Englische Schiffe hätten am 25. Juni mehrere Städte des südlichen Jemen angegriffen und die Bombardierung an den zwei folgernden Tagen wiederholt; an verschiedenen Stellen seien Brände entstanden, zahlreiche Opfer seien zu beklagen. Die Jemeniten versuchen vergeblich, mit Feldartlllerie Fliegerangriffe abzuwehren. Unter der Küstenhevolker-ung herrsche Panik. Aus Hodeida, wo auch italienische Kaufleute wohnen, sei die Bevölkerung fast vollständig in die Umgebung geflohen, bis die Ankunft eines italienischen Schiffes sie "beruhigte, so daß sie zurückkehrten. Auch bei M a n i a, an der Grenze des Protektorats von Aden, soll es zu einem Kampf gekommen, in dem irreguläre britische Kräfte von den Jemeniten geschlagen worden seien. Nur Palästina hat sich bewährt! Ostjüdische Studenten an italienischen Universitäten. Italien macht alle Anstrengungen, den Ruf seiner Universitäten wieder herzustellen, die einst wichtige Zentren internationalen Studiums waren. Im Zusammenhang damit ging November 1923 ein Gesetz durch, das a u s 1 ä nt d i s c h e n Studenten die Pforten zur Universität öffnete und zwangsläufig setzte ein Zustrom europäischer Jugend in die norditalienischen Städte ein. Es war nur natürlich, daß die meislen dieser Studenten Juden waren. Der numerus clausus und andere ebenso drückende Bestimmungen machen den Juden Rumäniens, Ungarns und Polens das Studium in ihrer Heimat fast unmöglich. Indem die jüdischen Studenten Osteuropas nach Padua, Florenz, Turin, Mailand, Pisa und Rom gingen, erneuten sie eine Tradition, den* zufolge seinerzeit viele Juristen, Aerzte und Pädagogen ihre Ausbildung an den alten italienischen Universitäten genossen hatten. Der größte Teil der jüdischen Studenten wurde, obzwar sie gewisse Vorschriften nicht erfüllen1 konnten, von den Behörden bereitwilligst unterstützt. Von allem Anfang an ging deren Bemühung dahin, alle möglichen Erleichterungen zu schaffen, die übrigens bis heute in vollem Umfange bestehen. Im ersten Einwanderungsjahr 1923-24 kamen rund 350 osteuropäische jüdische Studenten ins Land. Im folgenden Studienjahr stieg die Zahl auf 1400 an, ein Jahr später waren es bereits 2000, verteilt auf die verschiedenen Universitäten: Padua 350, Florenz 170, Turin 150, Mailand 120, Pisa 80, Rom 75, kleinere Gruppen in Pavia1,, Bologna, Siena, Modena, Bari, Neapel, Portici und Triest. Von diesen 2000 Studenten stammten ungefähr 35 Prozent aus Rumänien, 25 Prozent aus Ungarn, 20 Prozent aus' Polen, 10 Prozent aus Littauen, Lettland, Jugoslawien, Estland und andere, 10 Prozent aus Palästina. Gegen 800 dieser Studenten studierten Medizin, die anderen Disziplinen waren besetzt: Technik 500, Naturwissenschaften 300, Geschichte und Philosophie 200, Bildende Kunst 100, Agrikultur und Jurisprudenz 100. Am Schluß des Schuljahres 1925/26 ließ sich konstatieren, daß die Bemühungen der italienischen Behörden um die Auffrischung des Universitätslebens von vollem Erfolg begleitet waren. Die 2000 jüdischen Studenten hatten ein gutes Werk getan. Die Uni-, versilä'sbehörden erwar eten für 9 6-27 einen weiteren, diesbezüglichen Aufschwung. Viele der jüdischen Studenten waren über die Ferien heimgekehrt, wie man erwarten durfte, mit den günstigsten Berichten über das Studienr leben in Italien. Waren doch die Behörden äußerst hilfsbereit, einen Antisemitismus hatte es nicht gegeben. Die Verwunderung war daher sehr groß, als im neuen Schuljahr nur 1500 jüdische Studenten antraten. Genaue Ziffern liegen noch nicht vor, doch besteht die Gewißheit, daß 1927-28 im ganzen auf allen italienischen Universitäten kaum 1000 ausländische Juden inskribiert sind. Was ist der Grund dieses Rückganges? Das Ansteigen der italienischen Lira ist z. T. durch Herabsetzung der Preise für Kost und Quartier seitens der. Regierung wettgemacht. Der Frankensturz mag eine kleine Zahl jüdischer Studenten nach Frankreich gelockt, aber nur wenige von den italienischen Universitäten abgezogen ha* beü. Der Grund des Rückganges ist also kein valutarischer. Um ihn zu verstehen, muß man sich mit den gegenseitigen Erfahrungen zwischen den jüdischen Studenten Osteuropas und dem italienischen Judentum beschäftigen. Das Erscheinen der ostjüdischen Studenten an den zeigen Krupniks entzückende eigene Schöpfungen und. Modelle der ersten Pariser Modehäuser Dmtlge Sommerkleider, hochelegante Compleis feiche Kostüme und Mäntel, hochaparte aus edelstem Material und In den reizendsten Modefaiben zu enorm bHilgen Preisen im N II R M!»Mnnlil»Jln Wir haben nirgends Filialen Anerkannt größtes Spezialhaas Oeslerreichs •mirmimmimnnmitmmtimmmmnmimnfnmim^ iiiiimtiMmttmHmiiMMHiMiiMmiimwtrmiiiiiMtiinNiftmiimimliirm^^ SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHMAUEREI Zentrale IX., Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f Ar n^5*Ffleisch mmmmMmmivimmwmmmmmmmmmmmammmmm unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinat« der Isr. Kul* tusgemeinde Wien IX. B er gg. 15 > XVIII., Währingersir. 97 irtimrttifiintmmtrtiinMnnmi italienischen Hochschulen fiel mit einem wichtigen Moment im Erwachen des italienischen Judentums zusammen. Es wurden Vorbereitungen getroffen zur Zusammenfassung det jüdischen Jugend Italiens (Convegno Giovanile Ebraico) auf einer Konferenz in Livorno, dem „italienischen Jerusalem". Die Führer der nationaljüdischen Bewegung in Italien durften nicht mit Unrecht glauben, daß gebildete junge Leute aus Rußland, Littauen, Rumänien und Palästina eine wesentliche Verstärkung der kämpfenden Bewegung und eine geistige Elite für den Zionismus in Italien bedeuten würden. Mehr noch: man versprach sich durch dieses Experiment eine Wiedervereinigung des sephardischen und askenasischert Judentums. Deshalb begrüßten die italienisch-jüdischen Führer enthusiastisch ihre osteuropäischen Brüder. Im ersten Jahre entstanden überall Empfangskomitees, selbst in jenen Städten, die keine Universität besitzen. Diese Komitees wurden zu einem Nationalkomitee für ausländische Studenten vereinigt, an welchen neben den bedeutendsten Juden Italiens auch viele m'chtjüclische Kapazitäten teilnahmen. Die Komitees unterstützten ihre ausländischen Freunde bei der Organisierung eigener Kulturklubs, Lesehallen und sozialer Institutionen. Studentenküchen wurden eingerichtet, Kredit* kassen gegründet und die itlaienische Regierung, die Stadtgemeinden und die Universitätsbehörden zur Hilfeleistung herangezogen. In erster Linie aber gingen die Bemühungen dahin, die fremden Gruppen durch die moralische Unterstützung seitens des einheimischen Judentums kulturell zu verdichten. Aus dem Ghettoboden in eine ihnen völlig fremde Welt verpflanzt, waren die jungen Leute anfängst befangen. Die verschiedenen, von ihren italienischen Brüders geleiteten Aktionen, wie Meetings, jüdische Nationalfeiern, hebräische Vorlesungen, wurden von ihnen freudig aufgenommen. Sie verstanden zwar wenig Hebräisch — Jüdisch ist ihre Muttersprache ■—, aber aus Respekt vor der Arbeit der italienischen Juden für sie kamen sie den Bestrebungen mit Sympathie entgegen. Im ersten Jahre blühte die kleine Liebe zwischen den italienischen und osteuropäischen Juden. Aber nur zu bald verebbte diese „romantische Periode". Zunächst machte damit ein Ende die jüdische Orthodoxie. Italiens. Sie hatte gehofft, in diesen ostjüdischen Elementen, die größtenteils aus, Städten wie Warschau, Wilna, Kowno gekommen waren, dorther also, wo das jüdische Leben seinen alten Charakter bewahrt hat und die Orthodoxie herrschend ist, ein starkes Beispiel von Frömmigkeit für das assimilierte einheimische Judentum zu finden, wie groß aber war ihre Enttäuschung! Die jüdischen Gäste waren mit der religiösen Tradition durchaus nicht verbunden. Viele von ihnen, hauptsächlich aus Ungarn, hatten nur eine vage Vorstellung von der Orthodoxie. Die Synagogen bekamen keinen Zustrom, die Studenten kümmerten sich nicht um religiöse Angelegenheiten. Daher überließ sie das orthodoxe Judentum ihrem Schicksal. Die Zionisten Italiens erlebten ebenfalls eine Enttäuschung. Sie hatten von Haus aus ang enommen, die osteuropäischen Studenten würden Rassebewußtsein besitzen» geistige Kämpfer für den Zionismus sein. Sie konnten schon gar nicht"'annehmen, daß die jungen Juden aus Polen gegenüber dem italienischen Zionismus indifferent bleiben würden, wo doch in ihrem Heimatlande die jt-dischnationale Bewegung so stark ist und wo die Jugend das enthusiastische Heer der Chaluzim formiert. Sie waren überaus enttäuscht darüber, daß eine Reihe von Studenten weniger wüßte und weniger sorgte um Erez Israel als so mancher italienische Jude, enttäuscht auch über ihre Interesselosigkeit an jüdischen Dingen Uberhaupt. Daß die meisten von ihnen kein Hebräisch verstanden, war für die intellektuellen Führer des italienischen Judentums ein herber Schlag. Es ward ihnen weh ums Herz, als sie sahen, daß die Zahl der Zuhörer an den hebräischen Vorlesungen immer schütterer wurde unc sich zuletzt ganz verlor. Daß sogar einzelne sich schämten, als Juden erkannt zu werden, machte das Maß der Enttäuschung und Ver bitterung voll. Der Enthusiasmus der ersten Jahre ging dahin. Das italienische Judentum gab seine Bemühungen um die osteuropäischen Studenten auf. Die italienischen und die ost europäischen Interessensphären lösten sich. Der finanzieller Hilfe beraubt, fand der fremde Student das Leben in Italien schwer. Die Kreditkassen hörten auf zu arbeiten, die Studtntenküchen schlössen. Private Einladungen gab es kaum mehr. Alle Zusammenhänge lockerten sich. So begann die Abwanderung. Die Studentenorgauisa tionen verschwanden, 'die Vorlesungen hörten auf, Zusammenkünfte fanden nicht mehr statt. Nur die palästinensischen Studenten, In Europa gebo

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