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Die neue Welt · 1928-07-20 · Heft 44 (20.7.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 44 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 44 DIE NEUE WELT Ssite 5 sind oft nicht so vfeT wert, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! OTTO KÄSEREI* Brief aus Belgrad. Stepan Radic und sein Antisemitismus. Von unserem L. D.-Berichterstatter. Ein paar Schüsse im Belgrader Parlament haben den Balkan kürzlich wieder aufgeschreckt. Sie haben zwei Menschen, Abgeordnete der Opposition, getötet und den Führer der kroatischen Bauernpartei Stepan Radic lebens gefährlich verletzt. Stepan Radic wälzte sich einige Wochen im Fieber, und an seinem Krankenlager stand prüfend, for sehend, die Behandlung durch die ausgezeichneten Belgrader Aerztc billigend, Prof. Singer, der jüdische Arzt aus Wien. Es ist, als hätte sich seit dem Untergang der1 Monarchie nicht viel geändert. Noch immer sind es jüdische Aerzte, die, obzwar in Wien verfolgt, und von den Lehr kanzeln so weit als möglich ferngehalten, in Augenblicken höchster Lebensgefahr zu Konsilien berufen werden und die Aufgabe überantwortet bekommen, die letzten JRe sultate der medizinischen Wissenschaft praktisch-mensch lieh anzuwenden. Daß Stepan Radic die populärste Persönlichkeit auf dem Balkan ist, weiß man. Nicht minder bekannt sind seine politischen Wandlungen. Seit fünfundzwanzig Jahren beschäftigt er den slavischen Süden. Zuerst ein; Sprecher für die Vereinigung der Kroaten und Serben« später Verneiner ihrer gemeinsamen Merkmale, 1903 erbittertster Gegner der Habsburger und begeisterter Anhänger des neuen Königs Peter Karageorgevic, in den Krisenjahren 1908 und 1914 ein treuer Diener, der deutschklerikalen Habsburger. Auch der Weltkrieg konnte seine Chamäleon-Natur nicht ändern. 1919 und 1920 versetzt er dem Bolschewismus Fußtritte, aber 1923 macht er sich zum Wortführer einer imaginären Grünen Bauerninternationale, für die er Anerkennung in Moskau fordert. Was weiter? Kämpfer für;ine selbständige kroatische Republik, Träumer von der Gemeinschaft aller Balkanslaven und noch weitere Metamorphosen zeigend, ist er noch immer Führer einer großen Partei, Wortführer einer Bauernmasse, und wenn er den Mund auftut, so horchen Millionen, selbst wenn er Unsinn faselt. Und das tut unser Stepan Radic nicht selten. Er appelliert an den religiösen Sinn des kroatischen Bauern. Seine Phrasen schlagen ein, zum Teil auch seine a n 11semitischen. Es ist gut, daran zu erinnern, daß er die antisemitische Walze eingelegt hat. Scheinbar war er »einer Wirkung sicher. Denn es ist noch nicht lange her, daß die Studenten in Zagreb und L a i b a c h Krawalle mit antijüdischer Tendenz inszenierten, wahrscheinlich nach dem hehren Vorbilde ihrer Wiener Kollegen. Diese haben sich unter dem Schutz der akademischen Behörden ihr christlich-germanisches Schönheitsideal mit Knütteln und Revolvern zurechtgezimmert, was aber wollten die krawallierenden südslavischen Studenten? Es scheint, daß hier noch in den Köpfen der Halbintelligenz die antisemitischen Phrasen der habsburgischen Bureaukratie lebendig sind, vielleicht wach geworden durch die Tiraden, die Stepan Radic, wenn er sein politisches Sb-jfipulver verschossen hatte, mit unermüdlichem, wenn auch nutzlosem Eifer von sich gab. Anläßlich einer in Zagreb stattgehabten Wirtschaftskonferenz, an der die wichtigsten Faktoren des Landes teilnahmen und ein Gutachten bezüglich einer Auslandsanleihe auf Grund eben dieser Enquete abgeben sollten, gefiel es dem auch in finanziellen Dingen unreifen Kroatenführer, gegen die — Juden loszuhauen. Zur großen Verwunderung der anwesenden Fachdelegierten wendete er sich scharf gegen die Ausbeutung des Landes durch das internationale jüdische Großkap it a 1 und' es lachten die gewiß sehr zahlreichen Hühner in S. H. 3. über die naive Ueberspanntheit eines Mannes, der von der Finahzweltwirtschaft genau so viel versteht wie von der politischen Stabilisierung eines Staatenbundes. Die intelligente Presse Jugoslawens konnte natürlch die Luftsprühge des Clowns nicht ernst nehmen. Und insbesondere die serbischen Kreise hatten keinen Grund, sich mit! den Auslassungen eines temperamentvollen, aber hemmungslosen Fanatikers zu beschäftigen. In. Belgrad wußte man die Situation richtig einzuschätzen und bemühte sich SB- 53? VEREINIGTE VERSiCHERUNGS- AKTIENßESEUSCHAFT IN WIEN Feuerr, Einbruch-, Transportversicherungen aller Attj ttygel- und Tierversicherung, Kautions-Veruntreuungsversicherung, Maschinenbruchvcrsichcrung, Unfall- und Haftpflichtversicherung zu vorteilhaftesten Bedingungen WIEN, IX. KOUNGaVsVnUMMER 6 Generalreprä'sentanz: WIEN, I. DOMINIKANERBASTEI 21 illiiü gar nicht, die jüdischen Staatsbürger der Vereinigten Königreiche in Schutz zu nehmen. Hier ließ man die Geschichte, die Tatsachen sprechen. Hier hatte man nicht) vergessen, was gerade dasf Judentum für die Wiederer-' stehung Serbiens und die Errichtung des südslawischen Staates geleistet hat. Man mußte nicht gerade an die. Propagandareisen jüdischer Persönlichkeiten durch Amerika während des Weltkrieges erinnern, nicht an die unermüdliche Arbeit des Dr. A1 k a 1 a y für das gefährdete Heimatland, an die mit dem Geist geschichtlicher Gerechtigkeit erfüllten Memoranden jüdischer Wissenschaftler an die Führer der Entente, an die Geldsammlungen, welche die im Ausland lebenden Juden serbischer, kroatischer, slowenischer, das ist jugoslawischer Staatszugehörigkeit zustandegebracht haben. König Alexander selbst war sich jederzeit der kulturellen Mithilfe der Juden am Staate bewußt. Jetzt, da der Fanatiker Radic wieder in Jugoslawiens Politik einzugreifen beginnt, ist es Zeit» an seine sinnlosen Hetzreden zu erinnern. Er warf den Juden vor, daß sie durch Anleihen sein Land versklavend an dem Schicksal desselben aber nicht teilhaben wollen,« Welch wirrer Gedanke! Der Gedanke eines Wirrkopfs, dem jede Logik, jedes natürliche Empfinden abgeht. Zum' Glück nimmt die jugoslawische Intelligenz in ihrer politischen und kulturellen Reife kene Notiz davon. Sie arbeitet an dem Aufbau ihres Vaterlandes und läßt sich hierin von1 unverantwortlichen Hetzern nicht stören. Sic kann höchstens Stepan Radic, wenn er wieder einmal in seiner! gewohnten Weise antisemitische Hetzreden hält, daran! erinnern, daß ein jüdischer Arzt aus Wien ihm in Stunden höchster Lebensgefahr den — Puls gefühlt hat. „Unsere Hoffnung." Zu dem Aufsatz von Oskar Rosenfeld über das letzte Manuskript Herzls in der Nr. 42 der „Neuen Welt" schreibt uns Herr Dr. Marek Sc herlas: Der Gedanke, die zionfs-tische Studentenzeitschrift „Unsere Hoffnung" herauszugeben, ist von David Rotblum, Artuf Freud, Josef Haas und von mir ausgegangen. Wir bildeten das Redaktionskomitee. Ich war der verantwortliche Redakteur. Wir wendeten uns an Herzl um ein Geleitwort Der kranke Führer versprach uns einen Aufruf am die Jugend. Er hielt sein Wort und beglückte uns mit dem Reisesegen. Die Handschrift dieser seiner letzten schriftstellerischen Arbeit befand sieh jahrelang in meiner Verwahrung. Jetzt ist Josef Haas der Verwahrer, der beabsichtigt, die Handschrift der Nationalbifoldot.hek an Jerusalem zu schenken. Zur Charakteristik der Wiener Kultusgemeinde« Beschluß des zionistischen Parteirates. Das zionistische Landeskomitee •teM-t uns mit: Der zionistische Parteirat hat in seiner Sitzung vom 9. d. den Beschluß gefaßt, daß die zionistische Organisation in den W.aiM'kampf eintritt, und zwar aHein und ohne ein Kompromiß mit einer mi cbit'Z i o ni® ti s c h en Gruppe abzuschließen. Zur Durchführung dieses Beschlusses wurde eine Volizugskommission eingesetzt,, welcher die Ausarbeitung der Wahlfplattform und die Erstattung der Wahlvorschläge obliegt. Wir sind genötigt, unser Riesenlager in Sommerwaren jeder Art gründlich zu räumen. Das zwingt uns, unsere bekannt billigen Preise npch um ein Erkleckliches zu reduzieren. 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Der KampS der Opposition. Die Führer der zionistischen Opposition in Amerika hielten in diesen Tagen eine Sondertagung ab, in der beschlossen wurde, den Kampf für die „Hebung der Moral und der Tatkraft in der amerikanischen zionistischen Bewegung und für den Aufbau Palästinas nach den richtigen Grundlinien" fortzuführen. Eine Anzahl Redner forderte den Austritt aus der offiziellen Organisation und die Bildung einer neuen Partei; die Mehrheit aber entschloß sich für ein Verbleiben in der L a n d e s o r g a n i s a t i o n. Zur Formulierung des Kampfes wurde aus der Mitte der 65 Anwesenden ein Komitee gebildet, das sich aus Julian M a c k, Jakob de Haas, Robert S z o 1 d, Frau Robert S z o 1 d, Ze 1 din und den Revisionisten Smertenko und Danzis zusammensetzt. Zu dem in Nr. 43 der „Neuen Welt" veröffentlichten Aufsatz des Herrn T. Nusscnbiatt sendet uns Herr Leopold Sitz-, mann in Wien die folgenden ergänzenden Bemerkungen: Newlinski gehörte zu jener Sorte von diplomatischen Konfidenten, die für guten Sold für alles zu haben sind. Aus Horzls Tagebüchern kann man übrigens leicht den Charakter und die Vcrwendbankeiit dieser problematischen Existenz ersehen. Schreiber dieses hatte einmal Gelegenheit gehabt, 'unmittelbar vor dem zweiten Baseler Kongreß, im Auftrage Herzls einen Brief an New« lhiski zu überbringen. Was in dem Brief stand, weiß ich nicht, aber was •dem 'Brief "belgelegen ist, kann ich mich erinnern; es war nämlich Geld. Auch an den Betrag erinnere ich mich, es waren 400 Kronen. Herd .zählte diesen Betrag in meiner Gegenwart, gab das Geld nebst einigen Schriften und einem eigenhändig geschriebenen Brief In eine größere ' Enveloppe, versiegelte sie und nahm mir das Wort .ab, nur Newlinski selbst das Paket zu übergeben. Es ist daher ganz richtig, wenn Herr Tuto N u s s e n b 1 a11 schreibt, daß „Dr. Gelber sich irrt, wenn er zur Schluß? f olgerung kommt, in .Newlinski k e i neu A b e n t eu r e r zu sehen." Ich glaube auch nicht daran, daß es Herr Dr. S. R. 'Landau gewesen wäre, der die Verbindung Herds mit Newlinski hergestellt haben soll. Denn di e Zeit des Geschehens spricht gegen eine solche Annahme: „Die Welt" wurde ungefähr Ende Mai oder Anfang Juni 1897 gegründet. Durch einen reinen Zufall wurde Dr. S. R. Landau die Leitung der Redaktion übertragen. Herd hatte nämlich zufällig versprochen, Landau zum Redakteur zu bestellen, falls ein, zionistisches Blatt gegründet wird. Dieses Versprechen hat Herzl eingelöst, »hat aber nach sehr 'kurzer Zeit seine Meinung revidiert. Schon am ersten Kongreß, der im August desselben Jahres zusammentrat, war Dr. S. R. Landau de fakto nicht mehr Leiter der Zeitschrift ,,Die Welt", .er bezog woM vertragsmäßig noch ungefähr ein Jahr Gehalt, . stand afcer Herzl feindlieh gegenüber und bereitete ihm s© manche unangenehme Tage. Die Beziehungen Herds zu Newlinski haben aber, wie ich glaube, «wischen dem ersten und zweiten Kongreß begonnen, so, daß eine Intervention Landaus in dieser Sache unmöglich erscheint. Uebrigens lebt noch eine große Anzahl von Herzls Weggenossen, die das Vertrauen Herds gewonnen hatten; ich nenne u. a. Dr. M. T. Sc linier er, Professor Dr. Leon Kellner, Dr. J. Schallt, Heinrich Y o rk-S t ei n er, die in der Lage sind, bessere und vor allem wahre Informationen zur Kenntnis der Periode Herezl zu geben. Es besteht für jeden, der Geschichtsforschung ernst und nicht nach dilettantischer Methode betreibt, die Möglichkeit, sich guter und klarer Quellen zu bedienen. fmitai, 27. Juli 7 II abends o. Samstag. 26. Juli 8.30 früh I wird der weltberühmte Oberkantor aus New York J in der Synagoge „Beth Israel" II., Leopoldsg, 29 § mit Chor vorbeten | Die strengste Ueberwachung, daß nur Inhaber von nu- 1 | merierten Platzanwelsungen Einlaß finden, wird getroffen § I Separate Platzanweisungen an Herren für Freitag abends § | und Samstag, an Damen nur für Freitag abends In der Kanzlei II., g Letzte Platzanweisungsstelle Freitag, 27. Juli 2. Bezirk, Leopoldsgasse Nr. 29, bis 6 Uhr

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