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Die neue Welt · 1928-07-20 · Heft 44 (20.7.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 44 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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» Seite 4 Dm NEUE WELT Nr. 44 besondere die jüdische Jugend, entfremden und ihn die Sympathien der fortschrittlichen öffentlichen Meinung der Völker verlieren lassen. Die Durchführung der Kolonisation Palästinas im Geiste dieses Berichtes, der ein Geist administrativer Bevormundung ist, würde eine Preisgabe aller Ideale bedeuten, die den Zionismus zur umfassenden Erneucrungsbcwcgung des jüdischen Volkes erhoben haben und ihn zur Führung des Volkes berechtigen. Die Erwartungen der Anhänger der Jewish-Agcncy- Politrk auf die Bereitstellung großer Geldmittel durch dh nichtzionistischen Kreise sind durch den Bericht völlig zunichte geworden. Das von der Kommission aufgestellte Budget ist kaum größer als dasjenige der zionistischen Organisation und ihrer Fonds, und zudem ist keinerlei Gewähr gegeben, daß auch dieses minimale Budget mit Sicherheit aufgebracht werden wird. Durch die Fixierung dieses Budgets für eine Reihe von Jahren würde jede Hoffnung auf Bodenerwerb und auf eine große Immigration zunichte gemacht und der Expansion der jüdischen Siedlung jede Aussicht genommen werden. Das Zentralkomitee der Vereinigung radikaler Zionisten spricht die Erwartung aus, daß ein großer Teil der bisherigen Anhänger der Agency-Politik durch diesen Pericht sich von der Ergebnislosigkeit dieser Politffc überzeugen lassen werden und daß eine Majorität der Zionistischen Organisation, treu den zionistischen Idealen, entschlossen sein wird, diesen Bericht bedingungslos abzulehnen und darüber hinaus diese unheilvolle Politik endgültig zu liquidieren. Damit erst würde der Weg frei für eine Erneuerung der Zionistischen Organisation und eine Erstarkung ihres Einflusses im jüdischen Leben, und so würde die Voraussetzung'geschaffen werden für die Anteilnahme aller Kreise des jüdischen Volkes an der Errichtung eines nationalen Heimes in Palästina auf der Grundlage demokratischer Verantwortlichkeit vor einer erwählten Repräsentanz des Volkes sowie für die Mitwirkung nichtzionistischer Kreise an einzelnen Aufgaben der Aufbauarbeit. Nationalheim und Selbstverwaltung. Palästina auf der britischen Reichsarbeiterkonferenz. Auf der Schlußsitzung der britischen Reichsarbeitenkonferenz in London wurde auch die Frage behandelt, ob Palästina schon jetzt eine die Bevölkerung des Landes repräsentierende Regierung gegeben werden solle. Die palästinensischen Vertreter Ben Zwi und Dov Hos wiesen mit Nachdruck auf die Notwendigkeit hin, die besonderen Umstäde' Palästinas in Betracht zu ziehen. Schon der britische Gewerkschaftskongreß und die britische Arbeiterpartei hätten erklärt, daß bei Erwägung einer Gewährung der Selbstverwaltung an Palästina die Bestimmungen des Mandates und der Balfour-Deklaration berücksichtigt werden müssen* Die Frage der Selbstverwaltung in Palästina ist eng mit der Frage der Sicherung des Jüdischen Nationalheims und der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Palästinas verbunden. Man muß nicht nur an die Gegenwart, sondern auch an die Zukunft denken. Palästina steht an der Schwelle seiner Entwicklung, die hauptsächlich von den Juden abhängt, die sich in Palästina ansiedeln werden. Der bestimmende Faktor sind also nicht allein die 800.000 Enwohner des heutgen Pa- I Gänzlicher Saison-1 Wegen bevorstehender UebersledÜung verkaufe um j^äen Preis alle Arten Reisekoffar, neu patentierte AufO* und Coupe-Schrankftofffer Relserecjuistten u. Lederwaren neuester Modelle L. STORCH Erfindet und Erzeuger der patentiert. Luftschiff-, Touristen-, Auto- und Coupd-Schrankkof.cr lästina, sondern auch die Millionen Juden, denen Palästina als Nationalhcim zugesagt worden ist. Der Mandatarmacht obliegt die Pflicht, auch die Interessen der zukünftigen Bevölkerung zu schützen, deren Arbeit und Energie das Wachstum und den Fortschritt Palästinas bestimmen werden« Bis ein Zustand erreicht wird, wo der Friede im Land gesichert, die arabischen Massen gegenüber den Effendi- Gutsbesitzern Schutz genießen, das Wachstum der jüdischen Einwanderung und die Möglichkeit der Ansiedlung einer großen Anzahl Juden im Lande gesichert und das Jüdische Nationalheim selbst Wirklichkeit geworden ist, muß die Administration Palästinas von der Mandatarmacht unter der Aufsicht des Völkerbundes ausgeübt werden, und zwar gemäß jenen Grundprinzipien, die in dem Mandat für den Schutz der Rechte von Juden und Arabern festgelegt worden sind. Die Selbstregierung in Palästina sollte allmählich und in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Mandates und der Balfour-Deklaration etvvickelt werden. Da die Reichsarbeiterkonferenz, ihrer Bestimmung gemäß keinerlei Entschlüsse gefaßt hat, wurde auch in bezug auf Palästina keine Resolution angenommen. Felix Warburg über die Grundidee des Berichtes. Herr Felix War bürg sprach sich bei seiner Rückkehr nach New York gegenüber dem J. T. A.-Vertreter über die Grundideen des von der Agency Comission erstatteten Berichtes aus und sagte u. a.: Ein Budget von 3 Millionen Dollar unter der direkten Kontrolle der Jewish AgenCy vermag mehr zu vollbringen als höhere Summen, die einer solchen Kontrolle nipht unterstehen. Indem die Jewish Agency Commission dtel Abschließ ung von Ve rträgen mit einzelnen Siedlern fordert, folgt sie gesunden Geschäftspriinzipien und gebräuchlichem Herkommen; denn es sei un* denkbar, mit pruppen statt mit Einzelpersonen zu verhandeln, der Siedler muß persönlich die Verantwortung für das, was er bekommen hat, übernehmen. Der Gedanke der Jewish Agency tritt nun in die Endphase seiner Verwirklichung ein. Die erste Folgerung müßte die sein, daß sich von jetzt ab alle Juden, ungeachtet der Parteiungen und Gruppenbindungen, an dem Werk des Aufbaues Palästinas beteiligen. Die Agudah mit dem Hakenkreuz. Sie hat Sorgen um die deutsche Sprache in Palästina. 1 Der Frankfurter „Israelit" bringt eine Korrespondenz aus Jafifa, in der der Rückgang der deutschen Sprache im' hl. Lande beklagt wird. Vor dem Kriege nahm die deutsche Sprache in Palästina die erste, Stelle ein, da damals die deutsche Judenhelt in der jüdischen Weit dominierend war. Hiermit harmonierte die Stellung Deutschlands im Konzern der Weltm ächte. In den Schulen wurde in der deutschen oder in der französischen Sprache unterrichtet, je nachdeim, o<b binat beschlossen, den Bann zu verkünden gegen alle,, auch junge und kleine Mädchen, die dieses aufreizende Kleid tragen. Um die Gebrechen der Zeit zu heilen und die Führung eines heiligen Lebenswandels anzubahnen, soll auch verboten werden, nach Art der Ausgelassenen und Unzüchtigen Kleider mit offenem Hai und offener Schulter zu tragen. Es scheint damals den heiligen, enggescharten Bezirk der Ghettohäuser von Eisenstadt ein Sinnentaumel bedroht zu haben, denn die „ruhigen und in sich gefestigten Frauen" werden ermahnt, nach Beendigung des ■ Gottesdienstes auf der Gasse nicht stehen zu bleiben und es werden „wegen der vielen Verderbnisse, die dadurch entstehen, daß Jünglinge mit Mädchen, Männer mit Frauen an Sabbat- und Festtagen außerhalb der Judengasse spazieren gehen", entsprechende Maßnahmen getroffen. „Es wird auch gewarnt, daß eine Frau oder ein Mädchen ohne Begleitung in das Haus eines Christen gehe. Sollte ir gendwelche darauf nicht achten, so wird sie als Peruza (Unkeusche) ausgerufen. Man müßte einmal diese vor 200 Jahren erlassene Verordnung der Ghettoväter von Eisenstadt neben ein hakenkreuzlerisches Hetzplakat hängen, in welchem die „sittliche Verworfenheit" der Juden angeprangert wird. * Zu diesen wenigen Proben aus der Fülle von Dokumenten, welche sich auf die Gebiete des Heimatsrechtes, der Tekkanoth (Satzungen und Normen), die Gemeinde» gebarung, des Strafrechtes beziehen, seien noch rasch Proben der Fürsorgetätigkeit und der hohen Auffassung vom Ehrenamt im Kafal hinzugefügt. Ich lese z. B. vom Anschel Jahn aus Güns, der in die Gemeinde aufgenommen wurde, daß er „die Uebernahme von 260 Bol!- letten für Arme jährlich bestätigen, also durch zwei Drittteile des Jahres täglich einen Bedürftigen speisen mußte. Bezeichnend auch, daß ihm anläßlich seiner Aufnahme anno 1721 bezüglich seiner Besteuerung bedeutet wurde: „Die festgesetzte Summe gilt nur für ruhige Zeiten." Der Kafal hatte verantwortungsvolles und überaus schwieriges Regiment zu führen. Drückende Lasten, ein kompliziertes, zeitweise gewaltig anschwellendes Armenwesen und in dem winzigen Ghetto ein Schulwesen, das vom Elementarunterricht bis zur wahrhaftigen Hochschule hinanragte. Viel Last, viel Ehr'. In den Kafal zu gelangen,, war eine große Auszeichnung und es ist folgender Ukaa vom 22. Dezember 1730 bezeichnend: „Mit Rücksicht auf die bevorstehende Wahl wird beschlossen, um zu verhüten, daß diese durch persönliche Motive beeinflußt werde, über jeden, der Geld, Geldeswert gibt oder verspricht, den Bann zu verhängen. Außer dieser Strafe hat er 100 Dukaten zu leisten und wird des Heimatsrechtes verlustig. Der Bann und die Strafen treffen auch die Empfänger, * Sic bestehen gut vor der Gegenwart, die Gesetzgeber, Verwalter, Führer des Ghettos. Welcher Reichtum in der Lebensenge, in der Gemeinschaft von Nußschalengröße! Man arbeitet selbstsicherer, froher für die Zukunft des Volkes, wenn man durch solche Dokumente in da» reiche, sittlich so hochstehende, von Menschlichkeit umzirkelte, von Weisheit geleitete, wenn man in das herzhafte und tapfere Leben der Ghettobewohner Einblick gewinnt. Otto Abel es. eine der in Deutschland domilizierenden jüdischen Organisationen, wie der Hilfsverein der deutschem Juden oder die A 11 i a n c e I s r a e 1 i t e Universelle in Paris die Verantwortung für das Budget trugen. Selbst die Söhne der arabischen Notabeln lernten deutsch. Auch die Handelsbeziehungen Palästinas tendierten damals nach Deutschland. Heute ist Englisch gleich den beiden Landessprachen Hebräisch und Arabisch die o f i i zi eM e S p r a c he. Die politische Führung der nur nationaljüdisch orientierten Schichten liegt heute in den Händen von Männern, die die englische Sprache beherrschen, so die zionistische Exekutive. Wohl wird die deutsche Sprache in der- Form des Jargon der Ostjuden im Familien- und Verkehrsleben des größten Teiles der palästinensischen Judenheit noch gesprochen; sie hat aber mir noch eine iExisten'z der Duldung. Besonders die der Agudas Jisroel anhängenden und ihr nahestehenden orthodoxen Kreise wahren untereinander »und in der Schule den Jargon. Die Treue des den orthodoxen Juden in den Knochen steckenden Konservativismus läßt sie d a s D e u t s c h e, da es ihnen ein Jahrtausend; jüdischer Geschichte bedeutet, hochhalten. Die einzige große deutsche Organisation, die wie früher in Palästina ihre Aufgaben erfüllt, ist die Deutsch-Holländische Palästinaverwaltung, die der Agudas Jisroeil nahesteht. Der „Lemaan Zion" in Frankfurt a.- M. möchte wieder seine Tätigkeit in Palästina aufnehmen; bis jetzt hat der Vorstand in Frankfurt a. M. infolge .der wirtschaftlich ungünstigen Lage der deutschen Judenheit noch nicht die Mittel aufbringen können, um ein größeres Programm zur Ausführung zu bringen. Es sei auch erwähnt, daß das SchaareJh- Zodek-Hospital, eine Gründung speziell Frankfurter orthodoxer Kreise, noch diesen Kreisen 'Untersteht Dieses Spital hat auch seinen d e u t s c h sp r a ch i g e n Charakter bewahrt. D i e deutsche Regierung, wird zum Schlüsse gesagt» richtet ihr Augenmerk nicht auf die Tatsache, daß es.in dem kleinen Palästina neben etwa zweitausend christlichen Deutschen noch mindestens hunderttausend Juden gibt, die die deutsche Sprache verstehen und trotz ihrer osteuropäischen Herkunft mancherlei Beziehungen zur deutschen Kultur haben. Andere Regierungen, wie z. B. Polon und auch Italien, denken anders und tun viel für die Geltung ihrer Sprachen in Palästina. Sicherlich wird auf die Dauer die Zahl der Juden Palästinas, die deutsch verstehen, abnehmen, da immer mehr Jugend nur in hebräischer Sprache aufwächst und als. Weltsprache die englische lernt Die Schekelaktion in Oesterreich Die Oesterreichische Landes-Schckd-Kommissipn erläßt an die Zionisten. den folgenden Aufruf: Die Schekelaktion, die vom Wachstum unserer Organisation zeigen soll, nimmt ihren Anfang. Wir appellieren an das Pflichtgefühl aller Angehörigen der zionistischen Organisation und ersuchen dringend, zumindest den Verkauf eines Blockes (10 Schekeü) zu übernehmen, da von der Anzahl der Scheikelzahler die Anzahl der Kongreßdelegiierten wie auch die Stärke der zionistischen Organisation a'bhäingiig ist. Auf. ■telephoniscbes oder schriftliches Venknigen entweder beim Landeskomitee oder beim gefertigten Präsidium werden die geforderten Blocks sofort zu-gesendet werden. Für die Landes-5ohekd-Kommission Der Schriftführer: Der Obmann: Peisach Wühl. 'Min.-'Rat Moses Weiner. Der Palästinaaufbaufond im Juni. Keine Leistung aus Amerika. Aus Jerusalem meldet die J.T.A.: Im Verlauf des Monats Juni sind im ganzen Pf. 26.910 an Spenden beim Hauptbüro des Keren Hajessod eingegangen. Aus den Vereinigten Staaten ist in diesem Monat eine Leistung! nicht erfolgt, was die Ursache zu der besonders niedrigen Gesamtziffer ist. Im Monat Mai sind an Keren Hajessod-Spenden Pf. 5&541 eingegangen. Im Jänner dieses Jahres betrugen die Eingänge Pf. 42.006, im Februar Pf. 34.496, im März Pf. 45.000, im April Pf. 46.625. D«ä Sinken der Keren Hajessod-Eingängen im Juni hat in den maßgebenden Kreisen Palästinas ernste Besorgnis hervorgerufen. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich. Fest- Sitzung anläßlich des 80. Geburtstages Lord 'Balifour. Festrede: Präsident Or. Leo Goldbammer. Mitwirkend: Oberkantor Postolow. Dienstag, 24. Juli, 8 Uhr abends, Vereinsheim, 8. Bez., Bennoplatz 1. Eintritt nur gegen Einladung. 1iaillllllll|llll|llllllllIllllllllllllllllIIIII3llllllBlllllllQHlllIIII1ll i» GELBANO & C9, WIEN, IX. ORUNDLSTR. 3 «j Telephon, 19-0-69 |* beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit LLEN ARTEN KARTONS IIHMHIIIIIIIiHilllffllHIIIIIHIIIIllllltllllllUIIIIIIIIIIMIIIMIIIIU

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