Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-07-20 · Heft 44 (20.7.1928) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 44 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711659--0582-2713735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 44 Balfomv —y. Arthur James B a 1 f o u r, Earl of Tarpra'm, wird am 25. d. seinen 80. Geburtstag begehen. Das ist Anlaß zu einer Feier für England und^fir das jüdische Volk, für die beiden Nationen, die durch die Persönlichkeit Balfours miteinander verbunden worden sind. In der Entwicklung Englands ist das Wirken 3eses Staatsmannes kaum darzustellen. Erst kürzlich hat auf einem Bankett in der Londoner Guildhail Marquis Reeding darauf hingewiesen, welch großes Stück englischer Geschichte sich in Balfour verkörpert, der Disraeh's Sekretär auf dem Berliner Kongreß war und der noch vor einem Jahr die Umwandlung des Kaiserreiches in einen Bund freier Staaten proklamierte. Er war während des Krieges Minister des Aeußern und hat als solcher am 2. November 1917 die Erklärung unterfertigt, die in die Geschichte der Menschheit eingegangen ist als das erste Dokument seiner Art. Ein politischer Akt, der dem Gerechtigkeitsempfmden entspringt. Mitten im Waffenlärm anerkannte der britische Minister für das gesamte Judentum, also auch für die in:. den Feindesländern lebenden Juden, das Recht auf das nationale Heim. Das Gewissen sprach in der Staatsräson mit und das war, wie sich in der Folge erwies, eine der klügsten Taten, denn der Akt Balfours war zur gleichen Zeil auch ein Fingerzeig für die Welt, daß es sedner Regierung mit dem Versprechen der Selbstbestimmung für die kleinen Völker so ernst war, daß die Autorität des Kabinetts dafür schon jetzt, noch vor dem Frieden, eingesetzt wurde. Balfour hat später wiederholt wichtige Erklärungen über diese Deklaration abgegeben. Die wichtigste ist wohl die, daß sie keine Deklaration mehr ist, seit die Unterschriften der großen Regierungen auf das Dokument gesetzt worden waren. Dadurch hatte die Erklärung einen ganz anderen Charakter erhalten. Sie wurde zu einem zwischen England und dem jüdischen Volk abgeschlossenen Verlrag, den der Völkerbund garantierte. Dieser Vertrag besteht und kann nicht mehr zurückgezogen werden, da er den Anspruch auf Palästina nicht aus einem Uebereinkommen, . sondern aus der historischen Verbindung des jüdischen Volkes mit seiner alten Heimat ableitet. Der Vertrag ist nicht so erfüllt worden, wie dies ursprünglich erhofft, worden ist; das heißt, der ihn geschaffen hat, ist verlassen worden und das jüdische Nationalheim ist auf eine recht beschränkte Gemeindeordnung herabgesetzt, worden, . Aber das kann geändert werden, wenn die Juden dies so ernst und energisch fordern, wie es in San.Remo geschehen ist. Sie halten den Mandatsvertrag in Händen und es müßte alle Sorge darauf gerichtet .sein, ihn vor dem Luftzug einer Abänderung zu schützen. Leider beobachtet man schon seit Jahren in den zionistischen Kreisen die Tendenz, die so famose .„Erweiterung der Jewish Agency" auch durch Aenderung des Mandatstextes festzulegen.; Das ist eine fast undurchführbare Forderung man kann sogar schon von einer Forderung sprechen — da das Mandat in die Texte aller Friedensverträge aufgenommen worden ist, also von allen damals beteiligten Mächten eine neue Textierung bewilligt werden müßte. Das bringt in die ohnedies so labilen Verhältnisse neue Gefahrenmomente, die so stark sind, daß sie das Ouieta non movere als die höchste Klugheit des Augenblicks erscheine.! lassen. An diesen politischen Problemen aher, mit denen sich das jüdische Volk auseinandersetzen muß, ist die Größe der Tat Balfours zu erkennen. Das jüdische Volk war bis zum Moment, da der politische Zdonis« mus einsetzte, ein politisch starret Körper und es galt OTEL CONTINENTAL IIIIII! WIEN, II., PRATERSTRASSE 7 (neben Schwedenbrücke > 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise auch bei den anderen Völkern nicht als politische Individualität. Herzl schuf die atomisierten Israeliten zum nationalen Judentum um, dem er im Zionismus den politischen Ausdruck gab. Er fand damit zuerst in England Verständnis, und dem Kabinett Chamberlains, das in dem Uganda -Brief zum erstenmal seit Jahrtausenden von einer jüdischen Nation sprach, gehörte Artur Balfour an und damals erkannte er die große weltpolitische Konzeption der Herzlschen Idee, ihre auf die Jahrtausende zurückgehende Verbindung mit der Bibel, dem Buch, das jeder Engländer auswendig kann und dessen Inhalt in England stets lebendig geblieben ist. Balfour sah eine neue Welt vor sich und er schloS ihr Tor dem jüdischen Volk auf.; Der politische Zionismus, der ja heute auch von Zionisten so gering geschätzt wird, hat dem Judenvolk einen Willen gegeben und Balfour hat diesen Willen vor den Völkern getragen. Er steht immer wieder trotz seines hohen Alters vor diesem seinem Werk, auf das er stolz ist. Er hat nicht die Mühen gescheut, nach Jerusalem zu gehen und die Universität zu eröffnen, und er hat bei dieser Gelegenheit wieder öffentlich gesagt, wie sehr doch seine Tat der Ruhm seines Lebens ist. In einem Gefühl des Dankes, den kein Jubel, keine Rede erschöpfen kann, grüßt das jüdische Volk den Politiker, der ein Staatsmann ist in des Wortes höchster Bedeutung, der sich in das Herz einer zur Freiheit und zum Selbstbewußtsein erwachten Nation geschrieben und eine Tat vollbracht hat, die in die fernste Zukunft reicht. Die Jewish Agency- Kommission. Kritik in der englischen Die am 10. Juli ,in London abgehaltene Sitzung der englischen Zionistischen .Organisation befaßte sich mit dem Bericht der Jewish-Agency-Ko.nnmissdon. Im Namen der Exekutive erstattete Dr. M. D. E'd e r eingehend Bericht über den Stand der Jewish-Agency-Frage. Er ersuchte die Konferenz, die Aufgabe der Zionistischen Organisation nicht zu erschweren. Dr. Harry Sa eher, Mitglied der Palästina-Exekutive, führte aus: Was de« wirtschaftlichen Aufbau Palästinas betreffe, falle die Differenz in der Anschauung zwischen zionistischen und nichtzionisti'schen Mitgliedern der Jewish Agency nicht sehr ins Gewic h't. Soweit an dem Bericht der Expertenkommission Kritik geüibt wird, bitte er die Konferenz, sich von Ewegung freizuhalten und mit Ernst die Frage zu stellen, ob sie es wünscht, daß Nichtzionisten an dem Aufbauwerk teilnehmen und ihre Kräfte mit denen der Zionisten vereinen. Mit Bezug auf die Lage in Palästina sagte Sacher, er hoffe, daß das jetzige Finanzjahr zu Ende gehen wird, ohne daß die Grenze des vom Baseler Kongreß festgesetzten Budgets überschritten werde. Leider aber mußte die gesamte konstruktive Arbeit auf ein Minimum beschränkt werden; am meisten wurde das Kolonisationsbudget gekürzt. Die Krise der A r b e i t s 1 os i g k e i t alber wurde beigelegt. ' Abgesehen vom der Unterbringung der Arbeitslosen bei öffentlichen Arbeiten der Regierung und der Exekutive haben meJi'r a'ls tausend Arbeiter in der stets wachsenden palästinensischen Industrie. Beschäftigung gefuiide:n. Nach einer sehr lebhaften Debatte, an der sich Chefredakteur Morris Myer, Paul G o o dm a n, Professor Brodet-zky und andere 'beteiligten, wurde eine Anzahl Beschlüsse angenommen, von denen die folgenden bemerkenswert sind: Die Konferenz begrüßt die Schritte, die zur Durchführung der Beschlüsse des XiIV. und XV; Zionistenkongresses betreffend Bildung einer erweiterten Jewish Agency eingeleitet worden sind. Die Konferemz drückt ihr.e allgemeine Befriedigung mit dem Bericht der Joint Palestine Comanission aus, da dieser den deutlichen Wunsch nach Zusammenarbeit aller Kreise des jüdischen Volkes beim Aufbau des jüdischen Nationalbcims erkennen läßt. Die Konferenz schließt sich ferner den,Ansichten der Kom- ■mision in b e z u ,g auf die Pflichten der P a 1 äs t i na r e g i e r u n g und Mandatarmacht an. Die Konferenz wünscht jedoch die Aufmerksamkeit auf folgende für die Interessen des jüdischen Nationalheims lebenswichtigen Punkte zu lenken: a) Es ist wesentlich, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina vergrößert und sowohl von der Jewish Agency als auch von der Palästinaregierung ermutigt wird. Daher ist die Konferenz der Zionistischen Organisation. Meinung, daß der in dem von der Kommission vorgeschlagenen Budget Mir Immigration ausgesetze Betrag u n z u r e i c he n d ist; b) die Korricrenz'glaubt, daß die vorgeschlagene Kolonisationspolitik sogar als vorübergehende Maßnahme unerwünscht ist, da sie nicht nur die Entwicklung Palästinas hemmen, sondern auch die finanzielle Unterstützung des jüdischen Volkes beeinträchtigen könnte; c) zu. der Ablehnung künftiger Errichtung von Kwu.zöth bemerkt die Konferenz nachdrücklich, daß diese Form landwirtschaftlicher Siedlung die Opferbereitschaft und Hingabe der Chaluzim sowie die Bewunderung von jüdischen und nichtjüdischen Freunden der Bewegung hervorgerufen hat und daß die weitere Errichtung von Kwuzoth unter der durch ökonomische Erwägungen notwendig erachteten Sicherung gestattet und unterstützt werden soll; d) Mit Bezug auf die Landesreserve, die von der Jewish Agency gesichert werden soii, abgesehen von dem Besitz . des Jüdischen Nationalfonds, ist die Konferenz der entschiedenen Meinung, daß solcher Boden nur u n t e r S i c h e r u ngen. weiterverkauft werden darf, die garatiti'e r'e n>, d aß d e r B o den in j ü di s;c h e n H ä nden bleibt und die Interessen' des Nat i o n a 1 h e i m s beachtet werden; e) die Konferenz ist der Ansicht, daß das Minimumbudge.t von 1 Million Pfund Sterling unzureichend ist und we'der der Größe der Aufgabe noch den auf die erweiterte Jewish Agency gesetzten Hoffnungen entspricht; f) die Koniferenz würde auch eine klarere Angabe über die geplanten Maßnahmen begrüßen, die ergriffen werden sollen, um auch nur das in dem Bericht vorgeschlagene Minimumbudget zu sichern. So wie es uns ist .großes Vergnügen, Bei dieser Hitze im Wasser zu liegen, So ist es Salat und Gurken ein Spaß, Legt man in Huber-EssLg sie naß. Gegen die Prügelstrafe. Die Konferenz, der englischen Zionistischen Föderation hat sich auch gegen.die Landesverweisung und die Prügelstrafe in'Paläsinä gewendet. Die Konferenz, heißt es in der Resolution, nimmt mit großer Bestürzung von den Ausweisungen Kenntnis, die gegen Juden in Palästina wegen ihrer politischen Anschauung e n oder wegen rein technischer Verstöße ausgesprochen werden. Die Konferenz ist der Meinung, daß diese Ausweisungen mit der von der Mandatarmacht über« nörnmenen Verpflichtung, das Wachstum des jüdischen Nation a 1 heims zu fördern, unvereinbar seien. Sie fordert den Staatssekretär für die Kolonien auf, die britischen Beamten in Palästina dahin zu instruieren,, daß diese Praxis aufhört. Die Koniferenz forderte in einer zweiten Resolution die schleunige Abschaffung der Prügelstrafe in palästinensischen Gefängnissen. Die Regierung weiß von nichts. Colone! Wedgwood richtete im Unterbaus an den Kolonienrainister die Frage, ob er veranlassen wolle, daß die Prügelstrafe in den palästinensischen Gefängnissen, wenn sie. schon unumgänglich ist, nur iür Verstöße angewendet werde, auf welche auch in eaglischen Gefängnissen Prügelstrafe .-steht. Unterstaatssekretär Ormsby-Gore erwiderte, er werde hierüber den Ober kommissär Palästinas zu Rate ziehen. Wedgwood fragte weiter, ob die Landesverweisuaig von KQrnm'imisit'en in Palästina mi>t der Höhe der Innern zudiktierten Gesfänigiitsstrafe im Zusammenhang steht. Orras/by-Gore erwiderte, er werde hierüber beim Ob**taitn*$*f! föfeutkfeiKigen efazfehen, *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.