Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 44 (20.7.1928)
- Date
- 1928-07-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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186 TM. Universitätsbibliothek V. b. b, BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schwei?er Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 20. Juli 7928 Nr. 44 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Die jüdische Mehrheit in Palästina. Vorbedingung der Selbstregierung. Aus London, 15. d. M., meldet die J. T. A.: In der gestrigen Sitzung des britischen Unterhauses hielt Colonel We dg wo od eine Rede über britische Kolonisationsproblenie im Zusammenhang mit der bevorstehenden Abstimmung über das Kolonial-iBudget und ersuchte den Minister für die Kolonien, sich namens der Regierung dem Hause gegenüber zu verpflichten, daß in keinem Falle dem Mandatslande Palästina eine Selbstregierung oder eine sonstige repräsentative Ordnung in irgend einer Form gewährt werde, so lange noch Irgendwie Gefahr besteht, daß die jüdische Minderheit von der Mehrheit benachteiligt wird. Vor wenigen, Jahren noch, fuhr Wedgwood fort, glaubte man, es sei der einzig richtige Weg, allen Teilen des Reiches Selfostregierung zu gewähren. In den letzten Jahren aber ist man nach und nach zu der Ueberzeugung gekommen, daß S e 1 bs t r egi e ru ng u m i ed e ri^Teis 'keinen Fortschritt 'bedeutet, sondern zu einer Pseudo¬ Demokratie führt, die sehr •gefährliche Formen der Unterdrückung des Mi n d e r h ei t s e 1 ein e nt si annehmen kann. Man müsse darauf achten, daß alle Bevölkerungsteile im Lande des Fortschrittes teilhaftig werden und ihren Anteil an Verantwortung übernehmen und tragen können, bevor es zu einer Sel'bstregierung kommt. ' Bös es so weit ist, muß man die Zügel der Kontrolle fest in den Händen behalten, damit nicht Ungerechtigkeit und Unterdrückung sich im Lande breitmachen. Von der Regierung erfolgte keine Stellungnahme zu diesen Ausführungen Wedgwoods. Der Leiter der Krassin- Expedition. Professor Samoilowitsch, ein jüdischer Gelehrter. Aus den Kreisen der in Berlin lebenden russischjüdischen Intelligenz wird der J.T.A. mitgeteilt, daß Professor Samoilowitsch, der Leiter der Reti tungsexpedition in der Arktis und .Kommandant des großen russischen Eisbrechers „Krassin", der die von der gesamten Welt bewunderten Rettungstten vollbracht hat, ein Jude ist. Der russische Publizist Wolkowski, ehemals j Chefredakteur der liberalen jüdischen Tageszeitung „Utro j Rossij", der Professor Samoilowitsch kennt und in früheren j Jahren persönlichen Verkehr mit ihm gepflogen hat, teilt mit, daß Samoilowitsch einer angesehenen jüdischen Familie entstammt und selbst ein guter Jude sei. Vor dem Krieg wohnte Samoilowitsch in Petersburg und spielte als angesehener Ingenieur eine große Rolle in der ReH sidenz des Zaren. Er war auch Vertrauensmann deutscher Industriekonzerne, wie A. E. G. und Siemens-Schukk e r t. Nach der bolschewistischen Revolut:on wurde er von der Sowjetregierung als Spezialist in Wirtschafts- und Industriefragen zu staatlichen Werken herangezogen und später zum Professor am Polytechnikum ernannt. Als sich nach der Katastrophe der Nobile-Expediftion der italienische Regierungschef Mussolini an die russische Sowjetregierung mit' der Bitte um die Entsendung) einer Rettungsexpedition nach der Arktis wandte, betraute] General Protogerows Judensteuer. Das Ende eines mazedonischen Fanatikers. Die Schüsse, die den General Alexander Protogerow in Sofia niederstreckten, sind der Reflex der Konflikte innerhalb der Innern Mazedonischen Revolutionären Organisation. Diese Organisation ist es bekanntlich, die seit Jahrzehnten durch Akte der Gewalt den Balkan ' und darüber hinaus Europa beunruhigt, ganz besonders aber seit dem Frieden von Neuilly, -der Mazedonien zerschnitten und unter die drei Staaten Jugoslawien, Griechenland, Bulgarien aufgeteilt hat. Seit dieser Zeit haben* Sich die Aktionen der die" Unabhängigkeit der wiedervereinten Teile Mazedoniens betreibenden Gruppe, der Au'tonomisten, verdichtet und die Sofioter Regierungen hatten es schwer, mit diesen Fanatikern, die im ganzen Lande Sympathien 'besitzen, auszukommen. Es kamen Augenblicke, da die Offiziellen aus Furcht vor außenpolitischen Verwicklungen von Protogerow und der mit ihm sympathisierenden OfffeiersTiga abrückten, und auch auswärtige finanzielle Untersttitzungen für diese mazedonische Organisation blieben aus. ' Das war die Situatibn??kul. im\ Herbst 1923 der Bauernaufstand niedergeschlagen worden war und Bulgarien nur die eine Aufgabe hatte, sich nach innen hin zu konsolidieren. Innerhalb dieses Konisoliidierungsprozesses hatten die Bestrebungen Protogerows keinen Platz. Der Mann, der 1917 die Erhebung der Serben während der bulgarischdeutsch-österreichisohen Okkupation blutig unterdrückt, im Herbst 1918 die von der Front in die Hauptstadt eindringenden bulgarischen Soldaten zusammengeknal'lt hatte, mußte auch weiterhin Gewalt spielen lassen. Als die Gelder für seine Organisation ausgegangen waren, gaib es für ihn nur noch ein Auskunftsmittel: die Juden. Als die Sofioter jüdischen Kauffleute eines schönen Morgens ihre Läden und Comptoirs betraten, fanden sie eine höchst sonderbare Aufforderung: die nämlich, bis zu einer bestimmten Stun.de, einen bestimnrten Betrag an einem bestimmten Ort zu deponieren, widrigenfalls... Man kann «ich leicht erklären, was unter den gegebenen Verbältnissen „widrigenfalls" bedeutet und welchen Gefahren sich die jüdischen Kaufleute bei Nichterfüllung dieser Zwangsforder-ungen aussetzen würden. Die Art der Forderung und die jeweilige Höhe der Summe deuteten auf eine genau informierte Organisation, der Ernst der Drohung war nicht zu verkennen. Wie aus der Unterschrift der höflichen Einladung zu ersehen war, ging diese von den Mazedoniern aus, also von Protogerows Genossen, die in einem luftigen Hotel inmitten der Stadt — es hieß bezeichnenderweise „Makedonia" — amtierten und mit Schmunzeln die Summen einstrichen, die sie der eingeschüchterten Judenschaft erpreßten. Die Regierung steckte den Kopf in den Sand. Als eine jüdische Abordnung bei ihr erschien und um Abhilfe bat, konnte sie nichts anderes versprechen als ein Verbo.t dieser illegalen Extra? Steueraushebung zu erlassen. Die Judensteuer wurde eingehoben und floß in die .Tasche der Mazedonier. Deren Macht war damals so groß, daß die regierenden " Stellen bei allem Wohlwolle%für..-.die jüdischen Bürger und bei dem besten Willen, den Erpressungen ein Ende zu machen, sich mit papierenen Maßnahmen begnügen mußten. Und auch jüdisches Blut floß damals; Vater und Sohn wurden im Boris-Park von „unbekannter Hand" erschossen,, nachgewiesenermaßen deswegen,.'weil sie sich, geweigert hatten, Protogerows Judensteiier zu entrichten! Diese den Juden . erpreßten Gelder zur Auffrischung der Organisation haben keine, guten Früchte getragen. Protogerow hatte Gewalt gepredigt und Gewalt inszeniert. Dann, als er sie eindämmen wollte, dann als er erkannt hatte, daß seine Ideale mit den alten Kampfmethoden nicht erreicht werden können, war es schon zu spät. Die von ihm geladenen Revolver .gingen sozusagen von selber los und zuletzt mußte er selber das Opfer sei Res Systems werden. Wenn auch auf der einen Seite die Meinung herrscht, daß seine Anhänger die Tat nicht ungesühnf lassen werden, so rechnet man doch wieder mit;der Macht der Vernunft, die von Seiten der Regierung eingesetzt werden soll. die Sowjetregierung Prof. S a m o i 1 o w i t s ch mit der Leitung der gesamten Rettungsexpedition, die von den großen Eisbrechern „Krassin" ünd „Malegyn" ausgeführt werden sollte. Nach der Befreiung der Mannschaft aus Mobiles Rotem Zelt und der Malgreem-Qruppe durch den „Krassin" (bekanntlich wurde auch ddie Sora-Gruppe vom „Krassin" entdeckt, wodurch erst ihre Rettung mittels Flugv zeug ermöglicht wurde), hat Mussolini Prof. Samoilowitsch seinen Dank aussprechen lassen. Unter den Geretteten befindet sich auch der jüdische Gelehrte Pontremoli, Professor der Geologie und Geodäsie in Florenz. Die rumänischen Sozialdemokraten. Antisemitische Tendenzen. Aus Bukarest wird der J.T.A. gemeldet: Der über Rumänien hinaus in hohem Ansehen stehende sozialdemokratische Kämpfer Dr. Gelehrter wurde laut Beschluß der Exekutive der sozialistischen Partei Rumäniens aus der Partei ausgeschlossen, weil er eine energische Propaganda gegen ein Zusammengehen der Sozialisten milt den Nationalzaranisten betrieb und, um für sein Ziel eijnen Rückhalt zu gewinnen, eine neue sozialdemokratische Truppe begründete. In dem Ausschlußdekret wird Dr. Gelehrter vorgeworfen, daß er, indem er sich der Arbeit der jüdischen Koop er a t i v b a n k e n und dem jüdischen Gesundheitswesen widmet, „national-jüdische" Politik betreibt und dadurch einen Bruch de r Parteidisziplin begeht. — Diese Begründung hat in allen politischen Kreisen Rumäniens großes Aufsehen erregt; man beurteilt sie als einen Ausfluß der antisemitischen Gesinnung, die' sich schon vor Jahr und Tag in'der rumänischen sozialistischen Partei eftigenfctet hat. Das jeder Küche ist ein -Kühlschrank Fabrikat der General Motors Verlangen sie Prospekt<*« besuchen Sie das Ausstellungslokal der Generalrepräsentanz Warchalowski, Finiterle & C9 W!f^