Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 43 (13.7.1928)
- Date
- 1928-07-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 43 DIE NEUE WEtV Seite 9 werkstättefär SOSSfil undTISCllQ Salongarnituren und EinzeimöbelstUcke ADIEK, VII, Apollog. 18 K. « Professor Löwenstein Dekan der Masaryk-Unlvefsität in Brünn. Das tschechische Ministerium für Unterricht hat die Wahl von Dr. Johann Löwenstein zum Dekan der juridischen Fakultät der Masaryk - Universität in Brünn bestätigt. \% ..ri-: Verdrängung der Juden aus der amerikanischen Nadelindustrie. . Eine der ernstesten Wirkungen der amerikanischen Einwanderungscinschränkung auf die Entwicklung des jüdischen Elementes im amerikanischen Industrieleben ist die nunmehr unleugbare Tatsache, daß die Juden und insbesondere die jüdischen Arbeiter aus Industriezweigen, die sie in Amerika förmlich 'geschaffen--Und bis zum Krieg auch völlig beherrscht haben, immer mehr und mehr verdrängt werden- Am auffallendsten tritt dies in der Nadelindustrie in Erscheinung. Die Nadelindustrie wurde vor 40 Jahren von den ersteir jüdischen Emigranten in den Achtziger jähren des vorigen Jahrhunderts ms Land gebracht. Es hat sicherlich auch früher in den. Vereinigten Staaten ein Schneidergewerbe und auch andere Kleinindustnen der Nadelarbeit gegeben. Aber zu der für das wirtschaftliche Leben und die Prosperität Amerikas so wichtigen großen Fabrikation von Herren-, Damen- und KinderkTeidern, Schürzen und ähnlichen Bekleidungsartikeln wurde dieses Gewerbe erst durch den Zustrom von jüdischen Einwanderern aus Polen und Rußland nach-den großen Pogromen in den Achtzigerjahren und den darauffolgenden Pogromserien. Bis dahin wurden in den von deutschen Juden geführten Werkstätten zumeist irische Arbeiter verwendet. Als dann aus Rußland jüdische Luftmenschen zu Tausenden nach Amerika kamen, bestand die wichtigste Hilfsaktion für sie darin, daß man ihnen Nähmaschinen besorgte und sie mit Heimarbeit für die großen Schneidergeschäfte und Weißnähereien beschäftigte. Auf diese Weise entstand eine Generation von jüdischen Arbeitern der Nadelindustrie. Mahner, Frauen und Kinder erlernten irgend einen Speziialteil des Schneiderfaches und so waren die jüdischen Zuschneider, Näher, Bügler, Ausfertiger usw. auf allen Gebieten der Nadelindustrie die gesuchtesten Arbeitskräfte. So entstand in New York das Sprichwort: „Jeder Jude ist einschneiden und jeder Schneider ist ein Jude." Bald beherrschten naturgemäß die Juden in der Nadelindustrie auch die Gewerkschaft der Nadelarbejter und 'so kam es, daß die ersten.großen und auch erfolgreichen Lohnkämpfe in Amerika von den Nadelarbeitern geführt wurden. Als sich Amerika für den Eintritt in den Krieg Hals über Kopf vorbereitete, entstand ein unerwartet großer Bedarf - an Arbeitern für die Nadelindustrie. Die jüdische Jugend, die in dieser Industrie beschäftigt war, wurde — es waren ja,fast lauter Bürgerssöhne — zum Dienst eingezogen. Sie wurden zumeist durch italienische Arbeiter ersetzt. Inder Nachkriegszeit hat. die; amerikanische Einwanderungsgesetzgebung einen völligen Tiefstand im Zufluß neuer jüdischer Arbeitskräfte für die Nadelindustrie herbeigeführt. Dies tritt am augenfälligsten in den Daten zutage, die B. Weinstein im New Yorker „Vorwärts" bekanntgibt. Sie:betreffen den heutigen Stand der Dinge. In New: York. ,dem «größten . Zentrum aller Nadelindustriien von Amerika, werden auch heute noch in den Betrieben für Männer- und Frauenkleider aHein über 100.000 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Die vereinigte Gewerkschaft für Herren- und Knabenbekleldung, Hemden, Overalls und Kriabenblusen — ein eigenes Speziatgewerbe — verzeichnet in den Vereinigten Staaten von Kanada über .200.000 Mitglieder. Von diesen sind 35 Prozent Juden* Männer und Frauen, 30 Prozent Italiener, der Rest verteilte sich auf Polen, Litauer und amerikanisierte Frauen. Von den 60.000 Schneidern für Männerkteider in New York sind heute noch 50 Prozent -Juden und bloß 30 Prozent Italiener. * Auch in der Frauenkleiderindustrie werden über 200.000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. 60 Prozent der Frauenkleiderarbeiter in Amerika sind heute noch Juden, aber auch hier nimmt die Zahl der italienischen Arbeiter und Arbeiterinnen auf Kosten der jüdischen immer mehr zu und beträgt heute schon über 20 Prozent. Dasselbe Verhältnis zeigt sich auch in der Frauenkleiderindustrie in New York seibat, wo von. den. nahezu 70.000 Arbeitern 65 Prozent und 20 Prozent Italiener sind. In der letzten Zeit haben, auch Negerfrauen in ziemlich großer Zahl Beschäftigung in dieser Industrie gefunden. Aus diesen Häuptzifferjn ist wohl ersichtlich, daß der größere TeiJ der Arbeiter in der amerikanischen Nadelindustrie auch heute noch aus Juden besteht, trotzdem vollzieht sich die Verdrängung der Juden in immer weiter steigendein Maße und wenn die jüdischen Nadelindusirieljen und Arbeiter ihre bisherige' Praxis, ihre Kinder nicht für diese Industrie heranzuziehen, fortsetzen und infolge der: Einwanderungsschwierigkeiten kein neuer jüdischer Arbeiterzuschuß aus Europa kommt, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß diese vor noch nicht allzu langer Zeit reinjüdische Industrie auf die Italiener übergehen wird. In C h i k ag o, dem zweiten Zentruft der Nadelindustrie von Amerika, bilden neben den Italienern auch tschechische Arbeiter eine starke Konkurrenz. Theater und Kunst. Wiener Kammerspicle. Die neue ReVue „Jetzt oder nie" von Karl Farkas und Ludwig Hirschfeld bringt rings um das kalendarisch ausgenützte Schubertjahr eine Reihe von lustigen Bildern und Witzen, die sich zum größten Teil an der Peripherie des jargonhumofs bewegen., Karl'Far k as als Fremdenführer, mit Eisenbach-Zuschnitt. unterhJt. ^asij FremdenverkehfspubJikum iij seiner bekannten" und beliebten Manier. ■ Jüdische Kunst in Berlin.. Die. Teilnahme jüdischer Künstler an den großen deutschen Ausstellungen ist zu einer ständig wiederkehrenden Erscheinung geworden.: Gegenwärtig sind auf der öroßen B er Ii ner> Kunstausstellung die Juden sehr stark vertreten. Von bekannten Namen erscheinen Actus StgaJ, msb vielen Bai* SIEGM. KORNMEHL GROSSFLBISCHHAUEREI Zentrale 1X„ Berggaase 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9 34 Lieferant für Heilansbalten JJJjJgMu^^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinae. Wien IX. Bargg. 15 ✓ XVIII., Währingarstr. 97 imwimmHimmHiüiiittuammntf^ inninnMWUHihiTruittmmiuiiittn^^ perimentieren hart' geworden,' Josef O'p p e n h e i ttre r mit einem Doppelherrenporträt, S t e i n h a r dt und B u d k o mit Holzschnitten, Tichauer, Kulviansky und Barcynski mit verschiedenen eindrucksvollen Arbeiten. Eine lange Reihe von Frauen, darunter Ilona Singer, Elisabeth Fränkel-Coputo, Lulu Albe rt-La z a rd, Gabriele Munter und Julie W o 1 ft h o r n, marschiert diesmal auf. Am stärksten betont die jüdische Note Rahel S z a I i t, die mit dem „Thoraverhör" ein überaus charakteristisches Genrebild geschaffen hat. H. Leiwiks dramatische Legende „Der: Golem" feiert jetzt auf den polnischen Bühnen Triumphe. Dieses Werk wird gegenwärtig in-der Besetzung des Warschauer Nationaltheaters in Lodz aufgeführt „Der Kctz e r" betitelt sich ein nachgelassenes Schauspiel von. A n—s k i. Es gelangt demnächst in der Uebcrsetzung von D. Nossig an zahlreichen deutschen; Bühnen zur Aufführung. Täglich Konzert des weltberühmten Oberkantors Josef Rosciiblatt aus New York! Wir bringen hiemit unseren Lesern zur Kenntnis, daß das Musikhaus .,E>?celsior", I., Adlergasse 5, und II., Kleine Pfarrgassc 28, sämtliche Schallplättcivaufnahitiien' dieses Künstlers stets auf Lager hält und allen Interessenten 'bereitwilligst vorführt. Reichhaltiges Lager sämtlicher jüdischen und hebräischein Schallplatten sowie alle modernen Plattcnschlagcr und Sprechapparate jeden Genres. Josef Opatoschu. Der bekannte jüdische Schriftsteller Josef O p a t os c h u, Verfasser der „Polnischen Wälder" und anderer •hervorragender Werke, der als Delegierter des jüdischen „P. E. N.-Clubs" an der in Oslo stattgefundenen Konferenz des Internationalen P. E. N.-Clwbs teilgenommen hat, ist vom König von Norwegen in Audienz empfangen worden. Der König unterhielt sich mit dem jüdischen Schriftsteller über das jüdische Schrifttum in alter und neuer Zeit. Simon Fostel vom Londoner Pavillon-Theater, der •bekannte und 'beliebte Komiker, welcher noch von seiner erfolgreichen Tätigkeit im Vorjahre dem Wiener Publikum in Erinnerung 'ist, wird Freitag den 13., Samstag den 14. und Sonntag den 15. Juli in den jüdischen Künstlerspi feJen, IL, Praterstraße 34 (Reklame) gastieren. . „Encyclopaedia Judalca."' \ Soeben ist im Verlag Eschkol A.-G., Berlin, der »weite Band der „Encyclopaedia Judalca" zur Ausgäbe gelangt,' deren erster Band bekanntlich vor sechs Monaten erschienen ist. Dieses auf 15 Bände berechnete, in seiner Weise einzigartige' Werk unternimmt zum ersten Male in deutscher Sprache den Versuch, unter Mitarbeit führender jüdischer und nichtjüdischer Gelehrten aller Länder den gesamten Wissensstoff über das Judentum zu sammeln und rein „ objektiv und wissenschaftlich zur Darstellung zu bringen. Das Erscheinen des ersten Bandes fyat in der gesamten OeffeiTUlchkelt stärkste Aufmerksamkeit hervorgerufen. Der zweite Band, der die Artikel - Akademie—Apostasie umfaßt, enthält mehrere besonders wichtige und interesantc Monographien, so unter anderem über: Alphabet, Akzente, Alexandrien, Amoräer, Anthropomorphismus, Antisemitismus, Apokalyptik, Apologetik und Apostasie. Die weiteren Bände erscheinen in Abständen von je sechs Monaten. DIE MODE des Sommers zeigen Krupmks entzuckende eigene Schöpfungen unä Modelle der ersten Pariser Modehäuser Düftige Sommerkleider, hochelegante Compleis, fesche Kostüme und Münte!, hochapatte Abend-u. Gesellschaftskleider aus edelstem Matetla! und In den ieliend8len Mode» fstben zu enorm billigen Preisen im M IIP VII. Kaiserstr.115 Wir haben nirgends Filialen! Anerkannt größte» Spetiuihaüs Oestorreichs Absolvierte Handelsschiilerin %ms welche schon ein Jahr In einem Textilwatenhaus als Stenotypistin beschäftigt war/Sucht Stellung — Zuschriften erbeten an: Sabin« Salier, Wien, X., Davldgasse Nr. 37/22 Thesaurus Philosophicus Linguae Hebraicae. Von Jakob Klatzkins „Philosophisches Lexikon des hebräischen Schrifttums", das im Verlag „Eschkol", Berlin, veröffentlicht wird, ist soeben der zweite Band (bis Buchstaben M) erschienen. Die zwei letzten Bände folgen in nächster Zeit. Der vierte Band wird als Anhang ein ausführliches Register der deutschen und englischen philosophischen Terminologie mit der hebräischen Uebersetzung enthalten. Das Juniheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums enthält eine Reihe wichtiger Aufsätze zur Biibehvissenschaft. Privatdozcnt Dr. Zoll er, Oberrabbiner in Triest, berichtet über Ausgrabungen in Syrien und Palästina, H. M. W i c n e r sucht neue Wege zur Lösung der Schwierigkeiten in der Thora, die der neueren I?fibelkritik den Anlaß, zu ihrer Quellenscheidung gegeben haben. Rabbiner Dr. Posn er schreibt über die Juden in Kiel. S. J. Schulsohn gibt lehrreiche Einblicke in die Geschichte der österreichischen Juden, insbesondere in der Bukowina, nach dem Erlaß der Toleranzvcrordnung Josefs IL: er konnte dabei noch Akten benutzen, die 1927 beim Brand des Wiener Justizpalastes untergegangen sind. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird Und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 RM. an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmännicr sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgezählt sind. Jüdische Sport- und ll!!!lll!l!llll!l!lllllll!lllllllTurnbeWegliIlg Zur Aufklärung. In der Sportrubrik der letzten Nummer ist im Berichte über den Beschluß, neuerdings einen Berufsspielerverein „Hakoah" zu gründen, von „Verdienern" und „Geschäftemachern" gesprochen worden. Diese Worte haben sich selbstverständlich nicht auf die Herren des Vorstandes bezogen, von denen ja 'bekannt ist, daß sie kein Geld dabei verdienen, sondern sehr viel Geld und Zeit für die Sache opfern, Freilich, für eine, unserer Ansicht nach verfehlte Sache. Gemeint waren solche Interessenten, die unter der Behauptung, einer jüdischen Sache zu dienen, auf ErWerb ausgehen. Geld zu verdienen, auch durch sportliche Betätigung, ist keine unehrenhafte Sache, aber es ist tinzulässig, es unter jüdisch-idealistischer Firma m tun. Dann muß, man ehrlich erklären: Wir bieten eine sportliche Arbeit und wollen dafür bezahlt sein. Das Judentum soll man aus dem Spiele lassen,. Der Gang zum Grabe Herzls. Einige notwendige Bemerkungen. Der Gang' ztwn Gra.be Herzls ist; eJn'e' Demonstration, diie jedem Bekenner des Zionismus selbstverständliche Tradition bedeutet. Pflicht aber sollte dieser Weg jenen Organisationen sein, die sich als Fahnenträger der HerzWdee fühlen. .Der iMalkkaibd-Gedarike steht mit im Vordergrund zionistischer Aufbauarbeit: Taimen und Sport sind Mittel zum Zweck der Regeneration des Volkes. Es hat aber immer mehr den Anschein, daß der sogenannte jüdische Sport such von der jüdischen Bewegung zum Selbstzweck erfiportragen läßt. Der Magen David wird angelegt, weil er eine gewisse Stimmung schafft, für die jetzt „Konjunktur" ist und die Innerlich zu nichts verpflichtet. Der Gang zum Herzl-Grabe — natürlich auch nur eine AeußerlicfakeM, so lange nicht der Weg zum Geist Herzls gefunden wird —ist vielleicht schon etwas unbequemer und die Disziplin ist nicht so zwingend. Der sonntägige Herzl-Gang hat dies deutlich gezeigt. Der größte jüdische Sportverein der Welt, Hakoah, hatte eine geradezu lächerliche Teilneh'merzafhl aufzuweisen. Sie war durch izwöK Mitglieder und einige Funktionäre vertreten. Ausgerechnet an diesem Sonntag mußte Hakoah ein Match in Baden auszutragen. Dadurch zogen es zahlreiche Hakoah-MHgjieder vor, bereite früh Wien zu verlassen, um den ganzen Tag in Baden zu verbringen. Wenn schon die große Hakoah für die zionistische Sache bisher keine finanziellen Opfer gebracht hat, so soll sie wenigstens an einem Tag im Jahr dokumentieren, welcher Richtung sie angehört. Auch die anderen Sportvereine haben sich nicht ausgezeichnet. Von HagJbor, Makkabi und Hasanonea sah man nur einzelne Mitglieder. Die Vereine Mewrah, Kadimah, HecHawer glänzten durch Abwesenheit. Die Fußballspiele der Hakoah. Vergangenen Saanstag kämpfte Hakoah gegen V'ienna Q:.Ö unentschieden. Bei dem „Freumdsohaftsspier' kam es; zu argen Ausschreitungen., Sehr unsportlich benahmen steh, $« $ t(ma. n n und Gt ün w a 1 d, Sonntag trat Hakoah in Baden gegen Aus.trfe au und siegte mit großer Vebwiegenhett 3:1 (1:0), Die Krieauer vergaben einen Elfmeterstoß. Bei den Siegern bot der Angriff eine vorzügliche UWw«. XW y««Kfc, U***4m <te» Storni &tam m