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Die neue Welt · 1928-07-13 · Heft 43 (13.7.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 43 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Bette 8 DIE NEUE WELT ffr. 43 Aus Palästina« Rücktritt des jüdischen Vizeinspektors der 'Jerusalemer Polizei. Der Vizeinspektor der Jerusalemer Polizei, Ben- Yehuda, ist von seinem Posten zurückgetreten, im Zusammenhang mit einer gegen ihn erhobenen Beschuldigung, daß er der Presse und einigen Freunden die Nachricht über die Vergewaltigung eines amerikanischen jüdischen Mädchens durch Araber vermittelt hat. Ben-Yehuda veröffentlicht in der Tageszeitung „Doar Hayom" eine Darstellung seines Falles, in der er auseinandersetzt, man habe ihm schon wiederholt zu verstehen gegeben, daß er bei der Polizei „unerwünscht" sei: dies darum, weil er für die Geltung der hebräischen Sprache innerhalb der Acmter eingetreten war. Seine Position in der Terusalcmer Polizei, die sich fast nur aus Arabern zusammensetzt, war von jeher eine schwierige gewesen. Die Bilanz der Palästina-Administration. Das Ausga.benbu.dget der Palästina-Regierung für das Jahr 1928 betrifft — wie soeben mitgeteilt wird — eine Gesamtsumme von Pfd. Sterl. 2,443.677. Die einzelnen Posten lauten: Polizeitruppe Pfd. Sterl. 363.656, öffentliche Arbeiten Pfd. Sterl. 273.654, Staatsschuld- und Anleihe- Tilgung Pfd. Sterl. 175.000, öffentlicher Unterricht Pfd. Sterl. 143.619, Gesundheitswesen Pfd. Sterl. 105.460, administrative Ausgaben Pfd. Sterl. 127.619. Das Staatsdefizit für die ersten drei Monate 1928 belauft sich auf Pfd. Sterl. 137.033. Steuerfreiheit für öffentliche Institutionen. Soeben ist eine Regierungsverordnung veröffentlicht worden, wonach religiöse, Unterrichts- und Wohlfahrtsinstitutionen von Steuerleistung und Zollabgabe befreit sind. Misrachi zieht seine Vertreter aus dem zionistischen , Schulrat zurück. Die Vertreter des Misrachi im Erziehungsrat der Zionistischen Organisation haben' unter Protest gegen die von dem jetzigen Leiter des Unterrichts-Dep'artements der Zionistischen Exekutive Palästinas, Dr. Berkson, getroffenen Sparmaßnahmen im Unterrichtsbudget ihren Austritt aus dem Erziehungsrat erklärt. Eine Disputation zwischen arabischen Gerim und dem „Feiestin". Mit großem Interesse wird in ganz Palästina die Disputation verfolgt, die zwischen drei aus vornehmen Familien stammenden Arabern, welche in der letzten Zeit zum Judentum übergetreten sind, und der arabischen Zeitung! „Feiestin", welche diese Uebertritte kritisiert, geführt wird. Die arabischen Neophiten verteidigen ihr Recht, sich die Religion nach ihrer freien Ueberzeugung zu wählen, in cynem „Offenen Brief an alle Mohammedaner", in welchem Ae einmütig erklären: „Wir geben hiemit allen Mohamme- .{fenern bekannt, daß wir zum Judentum übergetreten sind, weil wir zur Ueberzeugung gelangten, daß die jüdische Religion die wahre Religion ist. Wir haben diesen Schritt aus freiem Willen, mit festem Entschluß, ohne die geringste Furcht, in vollkommener Sicherheit getan." Generalversammlung der Lebensversicherungsgesellschaft Phönix. Gestern ist die 45. ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft unter dem Vorsite des Vizepräsidenten Paul Lechner, Direktor der Oesterreichischen Kreditanstalt für Handel und Gewerbe, abgehalten worden. Der Versicherungsbestand hat Ende 1927 S 1399,439.738.— betragen und sich bis 30. Juni 1928 auf ungefähr S 1600,000.000.— erhöht. Die Gesellschaft hat. die Versicherungsbestäiide einer Reihe österreichischer Lebensversicherungsanstalten in Neu-Italien und in der tschechoslowakischen Republik übernommen. Die Prämieneinnahmen der Gesellschaft haben im Jahre 1927 S 63,691.607.36, die Erträgnisse der Kapitalanlagen haben S 7,333.360.— betragen. Die geleisteten Versichörungszahlungen beliefen s' auf S 15.338.63S.38; die technischen Reserven haben i um S 40,110.369.9-1 auf S 165,745.265.82 erhöht. «Di« gei. iten Garantiemittel der Gesellschaft betragen! 92,368.487.51. Die Gesellschaft hat im Berichtsjahr drei 'tauten in Prag, je einen Neubau in Budweis, in Brünn, in B«*atisla.va, in Königgrätz und in Mährisch-Ostrau in Angri .enommen und weiters im ersten Halbjahr 1928 zwei Grundstücke in Krakau und ein Grundstück in Budapest erwü/ben. Aus dem Ueberschuß der Jahresrechnung im Betrage von S 533.278.11 werden S 300.000 zur Ausschüttung einer /Vsprozentigen Dividende nach dem volleingezahlten Mitling! * rfaMin bm nun vmb Größte Auswahl in von den weltberühmtesten o^in u°d Sängern staunend billig! I Samstag gesperrt! s. L SCHNEIER II. Floßgasse 3 20 f ffllllllllllltlllllllfltlllTO^ I Gänzlicher Saison-1 Wegen bevorstehender Uebersledlung verkaufe um jeden Preis alle Arten Reisekoffer, neu patentierte Auto- und Coupe-Schrankkofffer Reiserequisiten u. Lederwaren neuester Modelle L. STORCH VIII. Albertgasse 19 Erfindet und Erzeuger der patentiert. Luftschiff-, Touristen-, Auto- und Coupe-Schrankkoffer Aktienkapital von S 4,000.000 verwendet. In den Verwaltungsrat wurden die auscheidenden Mitglieder wiedergewählt und die Zu wähl des Herrn Dr. Eberhard Reininghaus, Generaldirektors der „Wechselseitigen Brandschaden" und „Janus", Allgemeine Versicherungsgesellschaft in Wien, bestätigt. E Die erste Palästinareise des Verbandes radikaler Zionisten wird mit der „Aus Olli a", dem neuen Liixusdampfer der „Sitmar", unternommen. Es muß 'besonders hervorgehoben werden, daß auf komfortable Unterbringung in den 'Willigeren Schiff skatogorien Bedacht genommen wurde und daß in der III. Klasse, einfach und spezial, eine große Anzahl Kabinen ä 4 Betten zur Verfügung stehen. Ein gemeinsames Spazierdeck für unsere Reisegesellschaft ist ein weiterer großer Vorteil, der den Aufenthalt auf diesem wirklich prächtigst ausgestatteten Schiffe besonders angenehm macht. Wir empfehlen allen, welche die Reise mitmachen ■ wollen, den dem Prospekte beigeschlossenen Anmeldeschein umgehend an die Adresse: Frau Berta Taubes, Wien, II., Böcklinstraße 92, abzusenden. Prospekte werden über Verlängern gratis zugesendet. Die Hochzeit des Oberkommandanten der Schonirim von Karpatho-Rußland. In Csap, Karpatho-Rußland, fand dieser Tage die Traung des Oberkuommandanten der Schomrim von Karpatho-Rußland Andor Proper statt, die wohl eine der originellsten und malerischesten Familienfeiern nicht nur in Karpatho-Rußland war. Aus dem ganzen Land strömten die jüdischen Skouts mit ihren Fahnen und in ihren Pfadfindertrachten herbei. Ueber der Chupah flatterte . die blau weißen Schomerfahne, Schomrim bildeten die Ehrenwache und empfingen den Bräutigam und die BrauJt mit den Klängen und dem Gesang der Schomer-Hymne „Techsakna"! Nach der Trauungszeremonie sangen das Brautpaar, die erschienenen Festgäste und der Chor der Schomrim, die Hatikwah, womit eigentlich die Trauung ihren Abschluß gefunden hatte. Bei dem Festmahl wurden mehrere Reden gehalten* und" bedeutende Beträge für die Zwecke der Schomrim und andere jüdischnationale Zwecke gespendet. Professor Sobernheim Leiter des deutschen Konsulates in Neapel. Wie die J. T, A. aus Berlin meldet, ist Lega- •tionsrat Professor Dr. M. Sobernheim mit der Leitung des deutschen Generalkonsulates in Neapel für die Dauer der Abwesenheit des gegenwärtigen Generalkonsuls betraut worden, Herr Prof. Dr. Sobernheim ward sich zwei Monate in Neapel aufhalten. Es ist dies der erste Fall, daß eine jüdische Persönlichkeit Deutschlands einen höhen konsularischen Posten im Auslande bekleidet. Vor den Missionären in den Tod. Auf der Eisenbahnstrecke zwischen Radoszcz nach W a w e r in Polen wurde dieser Tage die arg verstümmelte Leiche eines jüdischen jungen Mannes von etwa 23 Jahren auf den Schienen aufgefunden. Die Erhebungen führten zur Feststellung der folgenden tragischen Geschichte: Moses Spindel aus B u k y, in Galizien hat als sechzehn-. jähriger junge seinen Geburtsort verlassen, ist dann als Freiwilliger zum Militär gekommen, von wo er nach vierjährigem Dienst als teilweiser Invalider entlassen wurde. Seine nächsten Verwandten waren alle bereits gestorben und Moses Spindel ging auf die Wanderschaft. Er zog von Stadt zu Stadt, arbeitete hier als Lastträger, dort als Schustergehilfe und so weiter, bis «r sich nach Warschau durchschlug, wo er jedoen keine Arbeit finden konnte. Infolge der Entbehrungen, mangelhaften Kleidung und Unterkunft wurde er schwindsüchtig. In dieser Situation fiel er den Missionären in die Hände, die ihn gegen eine materielle Unterstützung allmählich für die Taufe vorbereiteten. Vor einigen Tagen nun hätte in dem Städtchen Radoszcz die Taufe des Moses Spindel vollzogen werden sollen. Zu diesem Zweck kam auch Spindel nach Radoszcz. Auf dem Weg zum Missionshaus, in dessen Kapelle er die Taufe hätte nehmen sollen, befiel ihn schwere Bangigkeit und Gewissensbisse marterten ihm das Herz ab. So machte er Kehrt zur Bahnstation. Unter furchtbaren Qualen irrte er in der Gegend des Bahnhofes umher, bis er, ohne Geldmittel, hungrig! und fröstelnd den Entschluß faßte, diesem qualvollen Leben ein Ende zu bereiten. Oberkantor A. Grußmann in Belgrad. Oberkantor Arnold Grußmann in Subotica, der noch von seiner Tätigkeit in Mödling in bester•■Erinnerung-, steht, wurde von der B e l g r a de r . KultusgepieHide. >. zum- Oberikantor für den neuenbauten Prächttempel bestellt. Die Humoristin im Altersheim. Im Altersversorgungsheim in N e w R e s s e 11 in Amerika starb dieser Tage Frau Ida Goldberg, über deren 107. Geburtstag im März dieses Jahres die Blätter berichtet hatten. Die Verstorbene war bis zu ihrem Tod eine lebenslustige, zu allerlei Scherzen bereite Frau. Sie pflegte diese Streiche mit ihrem unverwüstlichen „jugendlichen" Leichtsinn zu entschuldigen. Im vorigen Jahr erst an ihrem 106. Geburtstag ließ sie in die Blätter ein Inserat einrücken, in welchem sie einen zu ihr passenden entsprechenden Herrn behufs Eheschließung suchte. Nicht weniger als 148 junge Leute meldeten sich für die angepriesene „gute Partie". Am Tag ihres Geburtstages ließ sie in denselben Blättern die Erklärung einrücken, daß die Männer, welche sich ihr für eine Eheschließung angeboten hatten, nicht entsprechen. Ihr „Bräutigam" müsse ein Millionär und nicht unter 45 Jahren alt sein, denn — erklärte die heiratsj- Iustige Ida Goldberg — Männer, die noch nicht das 47. Lebensjahr erreicht haben, besitzen viel zu wenig Verstand, um einer Frau auf die Dauer in jeder Beziehung ein gutes! Eheleben zu sichern. Die verstorbene Greisin hat übrigens, an verschiedenen in den letzten Jahren in Amerika aufgetauchten sozialen Problemen, wie die „Kameradschafts^ ehe", mit großem Interesse teilgenommen, war eine entschic« dene Gegnerin der Prohibition (des völligen Alkoholverbotes) und hatte das Glück, bis zu ihrem Tod ohne Brille lesen und sogar einen Faden durch das Nadelöhr ziehen zu können. Das Leichenbegängnis dieses Lieblings; des Greisenasyls fand unter überaus großer Teilnahme statt. Die Hyam-Solomon-Universität. Die „New Yorker Staatszeitung" schreibt: Die Gründung einer nationalen Universität tn Washington, die dem Andenken des hervorragenden amerikanischen Patrioten der Befreiungskriege Hyam Solomon geweiht sein soll, ist das Ziel eines Werbefeldztiges, der am Memorialtag beginnen wird. Angehörige aller Rassen und Glaubensbekenntnisse haben sich zusammengefunden, um diesem Judien, der der jungen Republik auf die Beine half, durch die geplante Universität ein Denkmal zu setzen. Das Bemerkenswerte an der Bewegung ist, daß keine Geldbeträge gefordert werden. Solomon lieh den Vereinigten Staaten am Jahre 1776 600.000 Dollar. Die bisher aufgelaufenen Zinsen betragen über 180 Millionen Dollar. Davon soll eine gewisse Summe für die Errichtung der „Hyam-Solomon-Nationaluniversität" in Washington bewilligt wenden, die als geistiges und Kulturzentrum Amerikas und Mittelpunkt aller Universitäten gedacht ist. „Kein Schulbuch erwähnt seinen Namen, kein Gedicht besingt seine Taten, 1861 verwarf der Kongreß eine Vorlage, eine goldene Solomon-Gedächtnismünze zu prägen. Juden und Christen, Rabbiner und Geistliche werden nun gemeinsam an den Kongreß das Ersuchen richten, die Dienste dieses großen Juden für die Sache der Freiheit anzuerkennen. und, wenh auch ver- - später, .gebührend zu würdigen", erklärte Louis Fried* m a n, Brooklyn, der hinter der Bewegung steht. Nach den Plänen der Führer dieser Bewegung soll den Präsidenten der Vereinigten Staaten nach ihrem Rücktritt vom Amt das Rektorat der Universität angeboten werden. Femer sollen durch Freistellen Studenten aller Länder der Welt in Washington zusammengebracht werden. Besondere Berücksichtigung soll die Ausbildung und das Studium der Neger und amerikanischer Indianer finden. Hyam Solomon war in Polen geboren und stammte aus einer angesehenen Familie. Seine Reisen führten ihn nach vielen Ländern, und er kam nach New York, als die Engländer die Stadt besetzt .hielten. Er wunde verhaftet, entfloh aber aus dem Gefängnis und verhandelte im Auftrag der jungen Regierung mit Holland und Frankreich über Anleihen, die die Fortführung und siegreiche Beendigung des Freiheitskampfes ermöglichten. Bau einer jüdischen Touristenhütte. Der Touristik- und Skiklub „Hakoah" übersendiet uns den folgenden Aufruf zum Bau einer jüdischen Touristenhütte: Es ist uns gelungen, im Semmeringik ä n $ 1 i c h zu erwerben. Dort soll die H a Je o a h-T o uristenhüitte erbaut werden. Vierzig Personen werden bescheidene Unterkunft finden und das Hochgefühl des Besitzes einer eigenen, doch allgemein zugänglichen Hütte wird das Matratzenlager zur angenehmsten Lagerstätte machen. Aber nicht nur Matratzenlager, auch 20 Betten soll die Hütte nach dem vorläufigen Entwürfe des Herrn Baurates Dr. Ing. Arnold Kar plus enthalten, wenn es uns gelingt, die Bau/kosten aufzubringen. 6500 Schilling sind bis, heute gesammelt worden und wir sind überzeugt, daß die gesamte jüdische Oeffentlichkeit opferwillig mitarbeiten wind; um der jüdischen Jugend ein Heim in den Bergen zu schaffen. Die vorbereitenden Arbeiten sind in vollem Gange. Sammelt und spendet reichlich für unseren Hüttenfonds, dann wird noch in diesem Jahre die Hütte erstehen und so unserem ernsten Willen die ernste Tat folgen. Die Klubledtung des Touristik- und Skiklub „Hakoah". Die Administration der „Neuen Welt" ist beredt, abfällige Spenden (für obigen Zweck entgegenzunehmen. $Gc^^GSSSl9<5«$^GSS^ Malerarbeiten! gut billig und dauerhaft nur durch Hermann Baumgarten, Zlmmermaler, Wien, XX, Karl Meisslstr. O/SS $ 5*33961^96*^(91^^

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