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Die neue Welt · 1928-07-13 · Heft 43 (13.7.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 43 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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{r Seife '4 DIE NEUE WELT Nr. 43 I., BellarlaifraOe (2. Tel. 36-3-39 ' V.,Soh5nbrunner8tr.56.Telephon 95-55 SPRECHAPPARATE wie Bramola, Columbia, Ultraphone UNSER SPEZIAL- KOFFER -APPARAT „MINERVA".........S 78*— „MAJESTROLA" I......S 130*— „MA JE8TROLA", Luxus . . . S 105*- ¥ Auch auf Teilzahlung! ¥ Neuesie Schlagerplatien In größter Auswahl b r i t i s c h e n V o l k e in der Verwirklichung einer großen Aufgabe. Lord George sandte ein Schreiben, in welchem er daran erinnerte, daß Lord Balfotir als Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten in einer Regierung, deren Oberhaupt er, Lord George, war, die Deklaration über das Jüdische Natiouaiheim verkündigt hat, und schloß mit der Zuversicht, da/5 die englische Judenheit den Plan des Balfour-Waldes in glänzender Weise verwirklichen wird. Sir Herbert Samuel schrieb, der Balfour-Wald werde ein würdiges Denkmal für den großen Staatsmann Balfour sein, dessen Staatskunst die Anlegung des Waldes in Palästina ermöglicht hat. Es gelangten noch schriftliche Kundgebungen von Lord Plumer, der das Patronat über den Wald über nahm, und von Bernhard Baron zur Verlesung. Lord Melchett brachte den Toast auf die Regierung aus. Die britisch« Regierung, sagte er, habe die Erfüllung des Mandates übernommen, und man könne sich auf sie verlassen, daß sie ihre Aufgabe, Palästina aufzubauen, mit Erfolg durchführt. Der Balfour-Wald, der von vitaler Bedeutung für Palästina ist, wird jetzt die kahlen Hügel bedecken, von denen man auf Na'zareth sieht, und die Fruchtbarkeit des Landes, die infolge jahrhundertelanger Vernachlässigung verloren gegangen war, neu steigern. ■ Lord Birkenhead sagte, Lord Balfour, der eine ruhmreiche Vergangenheit hat, bereichert noch in der Gegenwart durch seine klugen Ratschläge die britische Staatskurtst. Vor einer Woche erst wohnte' er einer Käbinettssitzung bei.. Und man mußte* daran denken, daß er noch dem Berliner Kongreß neben pisraeli ynd Lord Salisbury beigewohnt hat. Die Idee des Wiederaufbaues Palästinas, fuhr Lord Birkenhead fort, ist vorläufig erst , ein Vorsatz, der'des Erfolgeä noch nicht sicher ist. Das Experiment ist ebenso schwierig wie neu. aber er gehöre zu denen;; (Sie an den Erfolg glauben. Man darf nie vergessen, daß die Bevölkerung von Palästina nicht einheitlich sei, und daß es außer den Juden noch andere gibt, die ihre Ansprüche auf volle Anerkennung und faire Behandlung auf eine lange Geschichte stützen. Ein Maßstab für Ihre Staatskünst wird es sein, in welchem1 Ausmaße Sie sich als fähig erweisen werden, diese Ansprüche anzuerkennen. Frau Philipp S n o'w d e n, die bekannte Führerin der Arbeiterpartei, stellte sich als begeisterte Anhängerin des zionistischen Gedankens vor, die keine Gelegenheit zur Bekundung ihres Glaubens an den Zionismus ungenutzt vorübergehen läßt. Marquis von Reading, erinnerte daran, daß die Stadt London in der Geschichte des Gleichberechtigungskampfes der Juden eine große Rolle mit: um jeden Preis eine Fahrkarte, Juden, Ich denk' mir, Ich hab' meine, in der Tasche und der Konduktor weit und ibreit nicht zu sehen. Der Zug fährt los, ich stall* beim Fenster und denk' an das ausgegebene Geld für die Fahrkarte, das. Herz tut mir weh. Geschäfte, was. man heutzutage hat. Und dann — ich muß gesteti'n — ich war's nicht gewöhnt, mit einer Fahrkarte herumzufahren. Geh' hin-und gib acht, daß du sie nicht verlierst! Jeden Augenblick betaste ich meine Westentasche, ist sie noch drin oder nicht? Es maent mich nervös, ich kann sie noch verlleren. Nacn ein paar Minuten, mitten auf der Fahrt, kommt sich mein Konduktor angestiegen. Wer Kontrollor, was Kontrollor — ein irrsinniger Einfall! Ich hab' nicht gewußt, wo mir der Kopf steht. Da hör' ich, wie der Konduktor zu mir sagt: „Na, mein Freund, was gibt's denn?" Schrecklich! loh kann ihm doch nicht mir nichts, dir nichts eine Fahrkarte vorweisen. Was er schon davon hat! Er muß sich doch darüber aufregen. Ich weiß, ihr werdet es vielleicht komisch finden, ich 'ha'be in die Tasche gegriffen, seine zwei Rubel herausgenpmmen und sie ihm gegeben. Ich hab' mich wirklich geschämt, ihm auch nur den Zipfel einer Fahrkarte zu zeigen. Es gehört sich ja nicht. Dein Leben lang fährst du ohne Billett, auf einmal stehst du in der Früh auf und bist verrückt. Versteht sich, daß meine Nerven dabei draufgegangen sind. Dieser Ausflug hat mich sozusagen zum Schnorrer gemacht: schwere blutige zwölf Rubel! Aber was gibt's da zu tun! SöH man seinen Konduktor ein für atlemaJ vor den Kopf stoßen? Das tut man einem Menschen nicht. Und unter, uns gesagt,; es war direkt ein Skandal mm»** / (Aus d^n liddJ^ü.). gespielt hat. Vor noch nicht 100 Jahren, 1835, wurde Sir Moses Montefiore immer wieder zum Sheriff der Stadt London vorgeschlagen und erst vor 80 Jahren konnte Baron Lionel de Rothschild von der Stadt London als ihr Vertre er ins Pariamen, entsandt werden. Es sei ein Symbtl, daß sich die Judenschaft zur Ehrung des großen Staatsmannes Balfour in der Güildhall versammelt hat. Dia Balfour-Deklaration war eine Botschaft der Hoffnung, eine Quelle der Inspiration für das jüdische Volk in der ganzen Welt, ein Sonnenblick durch eine Wolke. Durch diese Deklaration wurde Palästina eine Realität. Die Bäume des Balfour-Waldes werden ein lebendiges Denkmal der Dankbarkeit für Lord Balfour, die britische Regierung und das britische Volk sein. Zum Schluß sprach der Lord Mayor von London, der auf die Reihe großer Juden hinwies, die bisher das: Amt eines Lord Mayor bekleidet hatten: Sir David Salamarts, Sir Benjamin Phillips, Sir Henry Isaacs, Sir Faudel Philips und Lord Bearsted. Mit Ansprachen von Henry Mond und Major H. L. Nathan schloß die Kundgebung. Neue Unklarheiten. Zum Agencybericht. Von Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem, zurzeit Berlin. Viele Jahre lang hat das Problem der Erweiterung der Jewish Agency durch führende n i c h t z i o n is t i s c h e Juden die zionistische Oeffentlichkeit aufs ernsteste beschäftigt. Bekanntlich läßt sich keinesfalls aus dem Palästinamandat beweisen, daß die Zionistische Organisation eine solche Erweiterung anzustreben habe. Der Artikel 4 des Mandats erklärt vielmehr, daß die Zionistische Organisation als Jewish Agency solang anerkannt werden solle, als sie nach Ansicht der Mandatarmacht nach ihrer Verfassung dazu geeignet sei. Die Mandatarmacht hat bisher niemals einem Zweifel an dieser Eignung Ausdruck gegeben. Der Artikel statuiert dann weiterhin» daß die Zionistische Organisation weiteste Kreise der Judenheit am Aufbau Palästinas intenessieren solle. Diese letztere Bestimmung überläßt es also durchaus dem freien Ermessen der Zionistischen Organisation, welche Wege ihr zur Heranziehung nichtzionistischer Palästinafreunde passend erscheinen. Es war möglich, durch eine intensive zionistische Propaganda zu ver suchen, Massen des jüdischen Volkes zum Eintritt in die Zionistische Organisation zu bewegen. Dieser Weg, zionistisch bei weitem der sympathischeste, wurde bekanntlich nicht beschritten, weil .man, mit Recht oder Unrecht, es für unmöglich hielt, eine solche grundsätzliche Idcenpropäganda in einer Zeit zu führen, wo die Fragen der Finanzierung die gesamten Kräfte mobilisierten. Ein zweiter Weg ist ^vorübergehend versucht worden: Der Palästina-Aufbäufonds, der - K e r e n H a j e ssqd, sollte von Ziorifsten üjid^Micjitzionisteft" aufgebracht :j werden, " und die Nichtzionisten sollten im Direktorium / des Keren Hajessod vertreten sein und somit starke Ein- ' flußmöglichkeit besitzen. Diese Idee konnte nicht verwirklicht werden, weil die Gewinnung von Nichtzionisten für den Keren Hajessod nur in wenigen Ländern glückte . und vielleicht wohl auch, weil gerade in den wichtigsten Ländern die scharfe Trennung zwischen Zionisten und Nichtzionisten nur bei den Führern, nicht aber bei den Massen zu Recht besteht. Somr| konzentrierten wir unsere Anstrengungen darauf, führende nichtzionistische Juden zum Eintritt in die Jewish Agency zu veranlassen, womit diese eine mit der Zionistischen Organisation nicht mehr identische Körperschaft werden würde, die die oberste politische und wirtschaftliche Leitung des Aufbauwerkes in ihren Händen konzentrieren würde. Es soll hier nicht der Versuch gemacht werden, die verworrene Geschichte und die verschiedenen Stadien der Agencyangelegenheit zu rekapitulieren. Man erinnert sich, daß insbesondere die Kolonisation in Sowjetrußland und deren Förderung durch die amerikanischen Jpintkfeise zu einem schweren Konflikt zwischen Zjo(- nisten und Nichtzionisten in Amerika geführt hatten, den Dr. Weizmann mit größter Mühe beilegte; man erinnert sjch der Einsetzung der viergljedrigen Survey-Commission (Warburg, Frankl, Mond, Wassermann), dje von Weizijiann und Marshall den Auftrag erhielten, durch Sachverständige in Palästina das Material sammeln zu lassen, auf Oruqd dessen ein Arbeitsplan für die nächsten zehn Jahre ausgearbeitet werden sollte, für dessen Finanzierung und Durchführung die erweiterte Agency verantwortlich sein würde. Man erinnert sich auch, daß es iml Grunde nur äußerst wenige leidenschaftliche Anhänger des Agency-Gedankens in der Zionistischen Organisation gab: Die Jasager traten für den Plan entweder ein, weil sie zu Dr. Weizmanns Führerschaft ein1 grenze nr loses Vertrauen hegten, oder, aus der vernunftg^ mäßen Erkenntnis jieraus, daß die Aufbringung der erforderlichen Mittel selbst Opfer der Gesinnung in gewissem1 Umfange rechtfertigen würde, zumal man stets davon überzeugt war, daß der nationale Geist Palästinas sich) als stärker erweisen würde als etwaige philanthropische Tendenzen seitens der nichtzionistischen Agency-MUgUeder," Immerhin waren auch die Anhänger der AgencyTPolitik nicht gewillt, bedingungslos amen zu sagen. Auf Antrag, der Arbeiterpartei H i t a c h d u t h beschloß der Kohgreß, daß vier Kardirtalpunkte auch , in Zukunft der Bewegung zugrunde Hegen tnüßten: Einwanderung, landwirtschaftliche Kolonisation, Selbstarbeit des .Siedlers und der hebräischkulturelle Charakter. .; i Die Verzweiflung, mit der auch treueste Freunde Dr. Weidmanns sahen, daß die Verbandlwjgen gar kein KAUFEN SIE nur im Sp etialham ItajrtMLIIttin Gro$e Autwahl I Blinkte Preise! Ende nehmen wollten, war vielleicht nicht so schlimm, wie die Unklarheit, in der die zionistische Welt sich über die Tendenzen der zukünftigen Partner in der Agency befand. Handelte es sich um Leute, die wirklich den Wunsch hegten, mit uns zusammen zu arbeiten und die nur gewisse Voraussetzungen erfüllt sehen wollten, ehe sie ihre Ansicht eindeutig, verkündeten, oder waren es im Grunde nicht zionistische Philanthropen, denen an der ganzen Angelegenheit im Grunde nichts lag und die von den zionistischen Unterhändlern erst langsam dazu gebracht wurden, wenigstens äußerlich auf unsere Wünsche einzugehen. Unklar war auch stets, warum wir eigentlich diese ganze Politik verfolgten. Die Mehrheit der Organisation nahm an, daß die finanzielle Beteiligung der Partner am Aufbauwerk uns als Ziel vorschwebte, . während andere wieder annahmen, daß es im Grunde mehr darauf ankomme, die bekannten Namen führender reicher Juden politisch - agitatorisch für uns verwenden zu können. Kann man sagen, daß die ganze Unklarheit und Unsicherheit der Situation durch den jetzt veröffentlichten' Bericht der Agency-Kommission beseitigt worden sind? Ich befürchte, daß man diese Frage wird ver.nein.eii müssen. Der Bericht enthält den vollständigen Wunschzettel gegenüber der Regierung, den wir seit langem verfechten und wo viele von uns die Vorstellung haben» daß die zionistischen Instanzen diesen Kampf vielleicht etwas intensiver hätten führen können. Es ist gewiß erfreulich, daß auch die Sachverständigen bei ihrem Palästina-Besuch verstanden haben, welch ungeheure Erschwerung der Arbeit in der passiven Haltung der Regierung Hegt. Jmmerhin soll die Frage nicht unterdrückt werden, ob eigentlich Menschen, die bisher nicht das Mindeste für Erez Israel getan haben oder bestenfalls gelegentlich Summen gespendet haben, aktiv legitimiert sind, die Mandatsregierung, anzuklagen, die immerhin einiges getan hat. Aber wichtiger ist derjenige Teil, der die Kritik an der Vergangenheilt und die Vorschläge für die Zukunft enthält. Es findem sich in diesem Kapitel zahlreiche Forderungen, die heute zionistisches Allgemeingut sind, andere, die mindestens! von den Siegern des letzten Kongresses unter dem Schlagwort der Konsolidierung zur zionistischen Parole gemacht wurden, andere wiederum, die überhaupt nicht grundsätzlicher;: Nlttuv sind, sondern fbetriebstethniscl) Fragen behandein, wie etwa die des künstlichen Düngers. Aber daneben stehen ein paar Sachen, über die man1 nicht so leicht hinweggehen kann. Die Schaffung eines besonderen Bod enkauff onds neben dem Nationalfonds, der von djesem abweichend das Land an die Siedler zu vollem Eigentum verkaufen soll, bedeutet,, daß die Jewish Agency selbst von jetzt an Bodenspekulation! treiben soll und bedeutet zu gleicher Zeit, wenn man sich besonders vorsichtig ausdrückt, eine schwere Gefährdung des Nati.onalfonds überhaupt. Und hier geht es nicht mehr um Dinge der Organisation, 'der äußeren Formen, wo man zitieren kann: „Die Form mag zerbrechen, Was hat's denn für Not, ' Der Geist bleibt uns erhaben ■* * Der soziale Grundgedanke des Zionismus hat seinen reinsten> weil vom Parteiengezänk unabhängigsten Ausdruck im Nationalfonds, im Keren Kajemeth, gefunden, und wir hoffen, daß hier ohne Unterschied der innerzionistischeiv Stellung eine Einheitsfront bereit sein wird, Keren Kajemeth und Keren-Ka j e m e t h - P r in zip i e n zu retten. Es ist schon schwerer, mit derselben Einheitlich1keit. in der Frage der Kwuzah, der kommunistischen Siedlung, Stellung zu nehmen. Die Kwuzah ist stark! umstritten, sogar bis in die Arbeiterschaft hinein. After: hier muß ein ganz anderer Gesichtspunkt in den Mittelpunkt gestellt werden: Stets haben wir es anerkannt, daß die Verwirklicher des Zionismus in Palästina für sich das Recht beanspruchen dürfen, ihr Leben nach eigener Gewissensentscheidung zu gestalten. Nie hat ein Zionist.enkongreß gewagt, von diesem Prinzip: abzugehen. Kann es diskutiert werden, daß wir plötzlich unsere besten Kräfte aufopfern sollen, weil dies! von nichtjüdischen, unorientierten Sachverständigen und von Führern der nichtzionistischen Juden verlangt wird? Und ähnliches gilt vom Prinzip der Awodah Aztuith. Hier sei znächst gesagut, daß man darunter in Palästina versteht, daß nur der Bauer mit seiner Familie an der Siedlung, bzw. nur die Wirklichen Mitglieder einer Kwuzah die gesamte Arbeit machen, ohne daß Lohnarbeitet auch nur vorübergehend beschäftigt werden. Die, wie es scheint, im Galuth vielfach vertretene Auffassung, Awodah Azmith bedeute, daß auch der Besitzer mitarbeite, aber selbst-: verständlich berechtigt sei, auch Lohnarbeiter zu beschäftigen, ist in Palästina völlig unbekannt. Awodah Azmith in der richtigen Auffassung aber will der Sachverständigenbericht ebenfalls beseitigen. Auch hier ist zu-, zugeben, daß. auch Zionisten diese Forderung stellen, aber niemals wäre es bei uns möglich gewesen, durch einfachen. AkhrlwitsbescWaß des Kongresses derartiges an be-

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