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Die neue Welt · 1928-07-13 · Heft 43 (13.7.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 43 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 43 DIE NEUE WELT Seile 3 IN SCHUHEN DIAEKT IN D€R fAMIK ^y$o scmANGENSctiim« ^s2a-*.voN^o^w. VII. KAIS« ftSTR ASS€ 46. Iii STOCK. •6>o ,S^'5o" empören. Wer das Schwert erhebt gegen die Grundlagen der Arbeit im Zionismus, gegen die Freiheit des Siedlers in der Wahl seiner Lebensformen, gegen das Prinzip des nationalen Bodenbesitzes, der erhebt das Schwert gegen die Einheit der zionistischen Bewegung. Und diese eure Absicht wird nie verwirklicht werden." Michael Ritter v. Newlinski. Die Gestalt Newlinskis ist, wie H e r z 1 selbst meint, eine der interessantesten Figuren aus dem zionistischen Roman. Herr Dr. Gelber beschäftigt sich in einem Aufsatze mit der Person Newlinskis, doch glaube ich, bedürfen die spannenden Ausführungen des von mir verehrten Herrn Dr. Gelber in mancher Richtung einer Ergänzung. Was Newlinski unternommen, was er geplant hatte, insofern er sich darüber geäußert hatte, ist vyohl aufbewahrt geblieben. Groß ist die Zahl der geheimen . Berichte, die das Staatsarchiv in Wien aufbewahrt und die Newlinski zum Gegenstände haben. Es ist auch erwähnenswert, daß die Herausgeber der „Tagebücher" Herzls viel Material über Newlinski aus dem Manuskripte nicht übernommen haben. Es haben verschiedene Umstände dagegen gesprochen. Dieses Material ist leider derzeit der Forschung nicht zugänglich. Newlinski erwirbt zuerst die Zuständigkeit in Budapest (zehn Jahre später 1884 in Wien), er tritt in den österreichischen Staatsdienst, den er in Konstantinöpel bis zum Jahre 1876 besorgt, und verbleibt im Staatsdienste bis 1879. Aus jener Zeit weiß ein Akt zu berichten2), daß seine Schulden 13.405 Florin ausmachen, und daß er sich in Verbindung mit einer angeblichen russisch-politischen Agentin befinde. Während des orientalischen Krieges war Newlinski wegen-der Errichtung eines Preßb.ureaus in Konstantinopel engagiert.3) Im Jahre 1880 geht er nach Paris, woselbst er sich der russischen Botschaft als politischer Konfident und Preßagent anbietet, aber abgelehnt wird.4) In den folgenden Jahren sind wir Zeugen verschiedener Affären, die Newlinski zum Urheber haben. Er bleibt aber immer noch in österreichischen ' „Diensten", wenn auch nicht offiziell, und bezieht eine Subvention. Im Jahre 18S415) verlangt, er sogar eine Erhöhung seiner Bezüge von 3Ö0Ö Fr. auf .4500 .Fr. jährlich. Diese Erhöhung verlangt er „auf Grund seiner langjährigen Verbindung mit der k. k. Regierung und unter Hinweis darauf, daß er Mitarbeier des „Journal des Debats" sei, und daß seine Verbindung mit dem „Temps" in letzter Zeit erhöhte Wichtigkeit erlangt hätte. Sollte die , k. k. Regierung die Erhöhung nicht bewilligen, sei er außerstande, die Verbindung mit der k. k. Regierung aufrecht erhalten zu können." . Die k. k. Regierung hört natürlich die Drohung heraus und die Erhöhung wird über Befürworten des Literarischen Bureaus bewilligt, „obzwar das Lit. Bur. nicht verheimlichen kann, daß die Verbindung mit Newlinski, zu den vielfach anderen auf ihn einwirkenden Influenzen und bei dem Umstände, daß seine Zuverlässigkeit ziemlich fraglich ist, nicht so sehr in seinen positiven Leistungen ihren Wert finden, und notwendig ist diesen fähigen Journalisten in einer Stellung zu erhalten, welche ihm eine Rücksichtnahme auf die Interessen der k. k. Regierung auferlegt." Dieser Bericht ist voller Beweis dafür, wie richtig H e r z 1 N e w 1 i n s ki, auch ohne Geheimberichte von Konfidenten, beurteilte. „Wenn er auch nicht viel nützen konnte, so konnte er doch furchtbar schaden."8) Erst im Jahre 1887 gründet er mit fremdem Gelde die „Correspondance de l'Est", die aber schon im Jahre 1889 in finanzielle Schwierigkeit gerät, weil eben Newlinski Unsummen für seine Passionen verbraucht. Das Unternehmen als solches weist sogar einen bedeutenden Gewinn auf. Der Ge- BADVOSLAU OESTERREICH Das führende Haus — 120 Zimmer — Appartements mit Bad — Rnerfcannt Grand Hotel Bellevneersmiasslac Küche Bes.: r. PHLOUDK winn stammt, wie ein Auszug aus den Geschäftsbüchern der „Corr. de l'Est" beweist, von Subventionen.7) Im Jahre 1889 bezog die Correspondance an Subventionen aus: Serbien, der Türkei, Rumänien, Paris, Rom, Rußland, Budapest usw. insgesamt zirka 38.000 Fr. In demselben Jahre sucht Newlinski in Paris den General Boulanger auf, um ihn für seine Correspondance zu interessieren. Auch erfahren wir von Verhandlungen Newlinskis mit dem rumänischen Minister C a r p wegen der Gründung eines rumänischen Preßbureaus.8) Doch hilft alles nichts. Dr. Willner geht in den Konkurs, Newlinski wird Eigentümer einer insolventen Correspondance ... Im Jahre 1892 führt die Correspondance den Titel „Correspondance-Financiere". Die Correspondance bleibt aber an und für sich ein peinliches Unternehmen und deren Leiter nicht weniger als vertrauenswert.0) ( Newlinski gibt die Correspondance weiter j heraus, „doch fristet sie eine kümmerliche Existenz, j erscheint unregelmäßig und nur der Subvention wegen."10) In demselben geheimen Berichte lesen wir auch die vertrauliche Mitteilung vom Minister C a- 11 ce aus Konstantinopel, daß entgegen der von Newlinski gemachten Aeußerung, „er wäre in Belgrad vom König Milan in Audienz empfangen", Newlinski die angesuclite Audienz bei Milan nicht erhalten habe, ja Milan seinen Sohn vor Newlinski gewarnt hätte. Diese Aktnberichte berechtigen wohl zur Behauptung, daß Herr Dr. Gelber sich irrt, wenn er zur Schlußfolgerung kommt — „Newlinski wat absolut keine Abenteurernatur, wie er öfters in Herzls Aufzeichnungen geschildert wird. Diese sind vielmehr unter einem allzu flüchtigen Eindrucke niedergeschrieben worden." Herzl hatte wohl im Laufe seiner dreijährigen Bekanntschaft Gelegenheit genug, Newlinski näher kennenzulernen. Newlinski bleibt eine Abenteurernatur, wenn ihn auch anscheinend andere Ziele geleitet haben. Die ewigen Geldsorgen waren es nicht, sie waren der Motor, der seine ewige Spielernatur getrieben hat. Die anderen, ja geheimsten, ihn in seinem Leben leitenden Ziele sind in seinem polnischen Patrotismus zu suchen,? Herzl ist der Person Newlinski sowohl als Politiker, wie auch als Künstler nahegekommen und gerecht worden. Er hat diesen Grandseigneur in seiner Problematik erfaßt und letzten Endes am besten gewußt, was er Newlinski zu verdanken habe. „Und dennoch war uns dieser Mann nützlich. Sein Hau»ptverdienst, daß ich durch ihn lernte, vor den Paschas keinen Respekt zu haben."11) Tuto Nussenblatt, 2) Inforrhatioiis-Bureau 248/1878. 3) I.-B. Akt 1759/1880. 4) I.-B. Akt 455/1886. ö) P.r.eßdepartetnent Akt 90/1884. fl) Tagebücher Bd. II 295. 7) I.-B. Akt 1059/1889. 8) I.-B. Akt 586/1889. B) I.-B. Akt 2381/1892. MhlLvii^MK 4xt^ühMtn'?! iV; & ■■' e ■ ' \ Q -f Eine Balfour-Feier in London« lieber 15.000 Pfund für den Balfour-Wald in Palästina. Mehr als 800 Vertreter der englischen Judenheit, wohnten dem Diner bei, das am 3. Juli abends, zu Ehren! des 80jährigen Lord B a 1 f o u r, des Urhebers der Deklaration über das jüdische Nationalheim in Palästina, gegeben worden ist. Die Veranstaltung sollte auch der Erweiterung des Balfour-Waldes dienen, der in Palästina von englischen Juden angelegt worden ist. Die Stadtverwaltung von London stellte die Guildhall zur Verfügung. Das Ziel des Abends war die Erlangung von 15.000 Pfund zur Anpflanzung der ersten, 50.000 Bäume des Balfoun-Waldes. Dies sollte eine Aktion einleiten, die die Aufbringung von 75.000 Pfund zur Anpflanzung von 250.000 Kiefern zum Ziele hat., Die Sammlung des Abends erbrachte 15.590 Pfund, wozu Herr Bernhard Baron 5000 Pfund und Lord Melchett 1000 Pfund beisteuerten. Die Leitung des Banketts hatte Major H. L. Nathan inn.e- Lord Balfour, der aus Gesundheitsrücksichten dem Diner nicht beiwohnen konnte, sandte die folgende schriftliche Kundgebung: Die Aktion der englischen Judenheit, die ein lebendes und dauerndes Symbol ihrer Teilnahme an der Erneuerung und Entwicklung Palästinas schaffen will, bewegt mich tief. Ich sehe in dem Balfour-Wald nicht allein einen Beweis der Zuneigung für mich persönlich, sondern auch ein Symbol loyaler Zusammenarbeit zwischen der englischen Judenheit und-dem 10) I.-B. Akt 396/1894. 11) Tagebücher Bd. II 302. Nur keinen Skandal! Von A. Reisen. Ha'bt ihr eine Fahrkarte? Dumm, sehr dumm! Wozu den Bauernkropf mästen? Man erzählt sich zwar, f * daß auch unser Rothschild einen Anteil hat an der Bahn. Aber was ist der schon, nicht einmal ein richtiger Jude ist er mehr! Und wenn auch, von der Linie gehört sicher nichts ihm. Na — vielleicht doch. So oder so, eine Fahrkarte kaufen — die reinste. Trottelei . . . Das Geld zum Fenster hinauswerfen. Ihr werdet vielleicht sagen, tut. das ein anständiger Mensch? Jetzt sind wir doch in der dritten Station und noch immer können wir keinen Platz bekommen, zusammengepreßt wie die Heringe. Haben nicht noch einen Waggon anhängen können, die Lümmel! Warum einen? Zwei. Und dann, ist denn überhaupt eine ganze Fahrkarte zu erschwingen? Ja, ihr — ihr fährt einmal in zehn Jahren. Ihr könnt euch das Vergnügen leisten, aber ich — versteht ihr —, ich bin ein Händler, fahre achtmal im Jahr um Ware, mein* ganzer Kram drum und dran, reicht nicht aus, eine Fahrkarte, so oft man fährt, einzuhandeln. Fahr' ich mit dem Konduktor und nicht mit der „Bahn", ist's auch kein Haupttreffer für mich, Es kommt vor, ich fahr' um ein Faß Hering. Lös' ich 'mir eine Fahrkarte, verteuert sich der Hering von selbst um einen Groschen. Wüßtet ihr, wie unsere Kunden ausschauen, na, könnt* ihr eure Wunder erleben. Unsere Kunden würden, so lang das Jahr ist, keinen Hering in den Mund nehmen, so daß es auf unseren Kopi ausgeht. So sind nun einmal die Kunden in unserem Städti. Fahr' ich halt ohne Fahrkarte, Gott soll uns nur weiter helfen. Unter uns gesagt, die erste Zeit hab' ich Herzklopfen gehabt wie ein Einbrecher. Es ist ja keine Kleinigkeit, man hat es ja schließlich mit diesen Erzfeinden zu tun. Dreht man die Sache um, kann man da eigentlich nicht viel riskieren. Nach dem Gesetz haben sie nur das Recht, einen bei der nächsten Station hinauszuwerfen. Dort fragt der Vorstand nach dem Paß, nach dem Namen, setzt ein Protokoll auf, und hast du keinen Paß in der Tasche, bringt man dich per Schub nachi Hause. Das ist kein Unglück. Das heißt, wie und für wen. Für imich zum Beispiel wäre das der Tod. Mein Geschäft würde auf einmal draufgeh'n. So soll mir Gott weiter helfen, mich haben sie hoch nicht heruntergeholt. Ich bin, von allem anderen abgesehen, vorsichtig. Da ist es einmal vorgekommen, daß ich kein Billejt hab', und der Kontrollor kommt, ich bin klug und kriech nur unter die Bank, I'hr könnt es glauben, es ist gar nicht so arg dort, bequemer als oben. Es hat nur einen Haken, daß man dort auch nicht sicher ist. Es kann vorkommen, daß ein Kontrollor kommt, der ein ganz ausgewachsener Judenfresser ist, unter der Bank suchen läßt — aber damals hat man nicht gesucht, hab' ich Glück gehabt. Aber, das ist mir leider nur einmal passiert, ich kann sagen — die feinste■■ Fährt,-hat keinen Groschen gekostet, nichts dem Konduktor geben müssen. Sonst kostet der Konduktor, ich geh' ihm ja nicht viel, so ein, zwei Rubel, aber es kommt was zusammen, solche Passagiere wie ich hat er ein paar Dutzend. Im allgemeinen sind ja die Konduktors nette Leute, ganz nette Leute. Gibst ihm seine Taxe und du erlebst es, er ist dir, dem Juden, ein Freund. Sie sind wirklich nette Leute. Meine Konduktors auf meinei Strecke —. direkt ein Vergnügen. Wenn man's genau nimmt, hat er doch ein Anrecht auf die Taxe, und doch sagt er „Dank' schön". Ihr mögt sagen, was Ihr wollt, es ist doch ein vornehmes Benehmen von dem Kerl. Einer von ihnen ist direkt ein guter Kamerad von mir. Sehr häufig fähr' ich mit ihm. Er kennt meinen Namen, klopft mir immer auf die Schulter: „Wohin geht's Freunderl?", schließlich hat er ja von mir schon schöne Beträge bekommen in den fünfzehn Jahren, was ich achtmal jährlich mit ihm fahre, außer der Taxe bekommt er von mir manchmal ein Geschenk, ein klein's Hcringerl, zwei, drei saure Gurken, man ist ja schließlich kein Schmutzian, er verdient sich's ja für die Gefälligkeit, die er einem Juden erweist. Ich 'komm' bei all dem ja billiger heraus, darüber gibt's kein Wort zu verlieren. Aber einmal, ich muß euch sagen, es hätt* nicht viel gefehlt, wär' er geradezu wütend geworden. Und mit Recht. Ich hab' es aber in letzter Minute nicht darauf ankommen lassen, wenn mich auch der Spaß hübsches Geld gekostet hat. Schuld daran ist nur ein Narr yon einem Traumichnicht, hat auf dem Bahnhof unter uns direkt eine Panik hervorgerufen — was ist los? Ein gestrenger Kontrollor, man muß Fahrkarten kaufen. Anfangs ist mir das wie ein Witz vorgekommen, was heißt ein Kontrollor! Der Konduktor hätte gewiß' Meldung erstattet, ich hab' ihn gesucht und nicht gefunden. Nun, tiol's der Teufel, löst man sich halt eine Fahrkarte — schwere blutige zehn Rubel. Geschäfte, was man heute hat . . . hin ist bin . . . also eine Fahrkarte gelöst. Ich besteige den Zug, alles fassungslos. Einer sagt dem andern, e« fährt wirklich ein KotttroHpr

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