Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 43 (13.7.1928)
- Date
- 1928-07-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Mr. 43 die mm weit Seite S 1000 Dollar sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! OTTO KASIRBR schließen. Denn welche Mittel hat denn im Grunde die Zionistische Organisation oder Jewish Agency,. um die Siedler von Nahalal oder Kfar Jecheskiel zu zwingen, Lohnarbeiter zu beschäftigen? Wir können uns nicht vorstellen, daß eine sich selbst achtende zionistische Organisation den soeben besprochenen Forderungen, denen noch einige andere an die Seite! gestellt werden könnten, ohne weiteres zuzustimmen vermag. Jedenfalls aber ist die Sitzung des Aktionskomitees, die im Juli in Berlin stattfinden wird, völlig inkompetent zu so weittragenden Entschlüsse n. Ob man sich entschließen wird, seine Zuflucht zu einem außerordentlichen Kongreß zu nehmen, scheint uns recht zweifelhaft. Somit ist klar, daß mindestens noch ein Jahr verstreichen wird, ehe der zionistische Verhandlungspartner sich zu den Forderungen offiziell äußern kann, die man ihm vorgelegt hat. Und da berühren wir einen weiteren sehr wichtigen Punkt. Der Schlußabsatz des Berichtes, der die Finanzierung behan" delt, läßt durchaus die notwendige Klarheit vermissen. Man kann diesen Teil zum mindesten dahin auslegen, daß eine Aktivität der Berichterstatter erst einsetzen soll, wenn die Von ihnen aufgestellten Forderungen angenommen worden sind. Man kann aber weiterhin aus diesem Schlußteil den Eindruck erhalten, daß die Gegenleistung, die man uns nach Erfüllung aller Forderungen zu gewähren bereit ist, im Grunde in nichts weiter besteht, als in der Bereitwilligkeit, in Zukunft an der Keren-Hajessod-Arbeitt aktiven Anteil zu nehmen, was eventuell in nichts weiter zu bestehen braucht, als in der Mitunterzeichnung des Keren-Hajessod- Aufruf es. Wie gesagt, vielleicht tut diese Auslegung der Kommission bitteres Unrecht: aber umsomehr hätte dann eine Form gefunden werden müssen, um eindeutig die Frage zu beantworten, die uns allein interessiert und über die wir nun leider wiederum nicht das geringste erfahren haben: Was gedenken unsere nichtzionistis c h en Freunde nun eigentlich für den Aufbau von Palästina zu tun? Wenn sie uns ermöglichen, von jetzt an in einem wesentlich beschleunigterem Tempo die Palästinakolonisation führen zu können, so ist dies schon eine Messe wert. Es gibt keine Politik ohne Kompromisse, und unsere Lage ist nicht derart, daß wir stolz jedesi Kömpromiß ablehnen können. Aber es gibt auch eine Grenze für jedes Kompromiß, und wo diese Grenze im vorliegenden Falle überschritten wird, das haben wir oben, anzudeuten versucht. Die Friedhofsschändungen. Der 57. Fall in Deutschland. In Ibbenbüren in Westfalen ist der jüdische Friedhof zum dritten Male von Verbrechern heimgesucht worden. Nachdem einmal S c h u 1 k n a b e n, das zweite Mal Soldaten Grabsteine auf dem einsamen Friedhof der kleinen Gemeinde während des Krieges beschädigt hatten, sind nun am 24. Juni fünf Grabsteine, darunter ein Kindergrab, umgeworfen und teilweise zerstört worden. Dies ist der 57. Fall der Schändung jüdischer Friedhöfe, der bekannt wird. Eine Synagoge in Polen überfallen. In dem Städtchen Swilin, Distrikt Radom, ist an tfer Nacht auf den 5. Juli die Synagoge von unerkannt gebliebenen Tätern geschändet worden. Am Morgen fand man die . Tür zur Synagojre gesprengt, die Thora-Lade erbrochen undrdie T'ho,r«-Rollen in Stücke zerfetzt herumliegen. ' i 1 .... iii Der „Storch"-Wunderkoffer. Mizzi war nicht wenig erstaunt, als sie beim Abschiedsbesuch,, den sie ihrer Freundin Anna wenige Stunden vor deren Abreise in die Sommerfrische machte, an Stelle vieler Riesenkoffer nur einen kleinen Proviantkoffer vorfand. „Ja, um Gottes willen, Anna, nimmst du denn heuer keine Toiletten ins Bad mit? Du willst doch nicht etwa Höhlenbewohnerin werden oder im Badekostüm den Urlaub verbringen?" „Aber nein, fällt mir gar nicht ein," replizierte belustigt ihre Freundin, „laß dir die Sache erklären! Vor einigen Tagen besuchte ich die Firma L.. Storch, VIII., Albertgasse 19, um mir dort für kleine Touren einen Proviant'koffer zu besorgen. Herr Storch, der Erfinder der patentierten Coupe-Schrankkoffer, empfahl mir nuii diesen kleinen Kleiderverschlinger hier, den du vor dir siehst, und der zufolge einiger einfacher, aber ungemein sinnreicher Vorrichtungen in seinem Innern in der Lage ist, .eine ' Unmasse Toiletten aufzunehmen. Man sieht es dem Ding wahrlich nicht an, was er alles fassen kann. Die volle Garderobe für zwei Personen birgt dieser Miniaturkoffer!" Fassungslos vor Erstaunen, sah Mizzi dem geöffneten Köfferchen eine ganze Serie von Kleidern, Wäschestücken, Schuhen usw. entquillen. „Wenn du, liebe Anna, nicht soeben vor meinen Augen das alles dem Koffer entnommen hättest, ich müßte an Zauber oder Wunder glauben", sagte sie. »Ein Glück für die Lederwarenfabrikanten, daß diese verblüffende Neuheit erst jetzt, gegen Ende der Reisesaison, auf den Markt kommt. Sonst hätte wohl jeder Reisende die Riesenkoffer zu Hause gelassen, und sich dieses kleine, handliche und bequeme Kofferchen gekauft. Ich werde ganz bestimmt noch heute Herrn Storch aiifs'iichen, um bei ihm einen solchen kleinen Wunderkoffer zu besorgen." Sie sind elegant — wenn Sie Ihre Seidenstoffe für den Sommer im Spezialhaus „Tuchhaus zum Hirschen", II., Taborstraße 17 b, kaufen. Reiche Auswahl, billigste Preise. Besuch lohnend 1 Zwischen der magyarischen Irredenta und dem tschechischen Chauvinismus. —y. Die Pester israelitische Religionsgemeinde hat beschlossen, im Wege der israelitischen Landeskanzlei an alle größeren Judengemeinden der Welt die Aufforderung zu richten, an dem Kampfe gegen den Friedensvertrag von Trianon teilzunehmen. Das ist einerseits eine grobe Verkennung der Aufgaben jüdischer Gemeinden, andererseits ein Zeichen des absoluten Mangels jedweder politischer Psychologie. Zunächst geht es die jüdischen Gemeinden als solche überhaupt nichts an, was ein Friedensvertrag über Ungarn bestimmt. Sie haben sich um die Verwaltung jüdischer Dinge zu kümmern und hätten auf diesem Gebiete unendlich viel zu tun. Wie malt sich aber in den Köpfen der magyarischen Israeliten die Welt? Glauben sie wirklich, daß die Judengemeinden von Prag, von Preßburg, von Agram und Belgrad und Bukarest gegen Trianon protestieren würden? Sie müßten die an sie kommende Aufforderung zumindest, wenn sie sehr höflich sein wollen, als grobe Taklosigkeit behandeln und ins Archiv legen. Nun ist aber der Beschluß der Budapester Synagogenmagyaren noch etwas Aergeres. Er ist ein von der Regierung diktierter antisemitischer Akt schwersten Kalibers, ein Versuch, den Nachweis zu erbringen, daß das in der antijüdischen Phantasie bestehende Weltjudentum als politische Einheit dem Magyarentum feindlich gegenübersteht. Wenn die Gemeinden in Oesterreich und in den Sukzessionsstaaten die geforderte Antwort nicht geben werden, weil sie dies nicht tun können und nicht dürfen, so werden die Gömbös und Hejjas daraus die ihnen genehmen Schlüsse ziehen und die Gesetzgebung in Ungarn, deren Pogromcharakter immer mehr die Hüllen fallen läßt, wird ein rascheres Tempo annehmen. Zu solchem Beginnen bietet die »••••«••••»«•oeoMOOooi Ii. RiiH Beizog WIE« ü^V^IIIse^. Telephon 73-4-90 Sprechapparate jeder Art, sowie sämtliche jüdischen und hebräischsn ScBtaiBpBaSften in reichster Auswahl stets auf Lager PROVINZVERSAND! B>ROVINZVERSANDI >»w»9»<Mwe<»aaeeo»ceo»ae»eaeaco«(»9»««pe8 Pester Gemeinde und mit ihr die Landeskanzlei die Hand. Dieses politische Renegatentum, das sich in der Numerus clausus-Affäre, in einer jüdischen Frage also, so emphatisch die Interventionen des „jüdischen Auslandes" verbeten hat, gibt sich zu einem politischen Akt her, der aber auch für die Juden des Auslandes große Gefahren bringt. Die „Neue Welt" hat bereits (als das einzige jüdische Organ der ganzen Welt), auf das hebräische Rundschreiben der Gruppe des Rabbiners Hevesi aufmerksam gemacht, das die englischen und amerikanischen Juden gegen. Trianon aufruft. Dieses Rundschreiben ist auch in die Tschechoslowakei gelangt, in der es auch einen Nationalismus gibt, für den Trianon eine ganz andere Bedeutung besitzt. Der Nationalismus dieser Art, ist immer auf der Wacht und er sieht immer das Vaterland in Gefahr. Und so hat der Hevesi-Brief bereits ..eine Würdigung gefunden. Eine tschechische Revue, die „Prudy" in Prag, bespricht das Schriftstück in folgender nied-, licher Art: „Wiir. müssen darüber nachdenken, sowohl über das Faktum, daß das Memorandum überreicht worden ist (an den Grafen Bethlcn. Red.), als auch darüber, was darin behauptet wird. Unter anderem, daß die Juden in den Sukzessionsstaaten angeblich unterdrückt werden. Und unsere Juden in der Tschechoslowa- Die billige FROUO-SchreibmascMne für jedermann S 95,- Teilzahl u naen Gewicht 2»5 kg! G a i* a n t i 0! Telephon 71-3»35 Typenräder In allen Sprachen lanernd Auch he&räfisch Gen.-Vertr.; Rudolf Wacht, Wien, I., Akademiestr. 3 frischen ' Republik schweigen über dieses Memorandum; und vielen gefällt es vielleicht. In Ungarn gibt es dem Numerus clausus auf den Universitäten, die nationale Presse ist täglich angefüllt von Invektiven gegen die Juden, die alimählich nicht einmal mehr zu öffentlichen Aemtern zugelassen werden usw. Und doch lieben die Juden Ungarn und fühlen sich angeblich nicht wohl im tschechoslowakischen Staate. Das bezieht sich vor allem auf die Slowakei. Logisch würde daraus folgen, daß es besser wäre, sich magyarische Art anzueignen, wenn unsere Demokratie nicht lockt, nicht gewinnend wirkt und. nicht imponiert, wozu allerdings niemand bei uns raten wird. Aber wir möchten etwas mehr über dieses Memorandum auch von unseren jüdischen Mitbürgern in der Slowakei hören, da doch in der letzten Zeit in der Presse ziemlich oft von der jüdischen Frage geredet wird —i denn die tschechoslowakische Öffentlichkeit könnte es verschieden deuten, wenn man sich nicht darum kümmert Wir sind neugierig auf diese Antwort aus der Slowakei, denn das Memorandum verlangt eine Antwort und wir haben in unserem demokratischen Wohlwollen das Recht, zu hören, wo das Unrecht ist, das gutgemacht werden soll, und gar durch eine Revision des Trianoner Vertrages „im Interesse der Juden". Was die „Prudy" hier verlangen, ist Gesinnungsschnüffelei ärgster Art. Aber man halte einander gegenüber, was der Graf Bethlen und was der tschechische Patriot von den Adressaten des Rundschreibens zu hören wünschen und man erkennt, mit welcher raffinierten Leichtfertigkeit hier eine fast unmögliche Situation herbeigeführt ist Es ist sicherlich unwahr, daß unter den Juden der Slowakei, die doch in nächster Nachbarschaft des Horthy leben, nennenswerte Sympathien für dieses Ungarn vorhanden sind. Im ganzen Gebiete der tschechoslowakischen Republik hat sich eine politische Umschichtung der Juden vollzogen. Der Prozeß ist bei den Juden nicht leichter als bei anderen Völkern, im großen aber ist das nationale Judentum zur Mehrheit gelangt und dieser Umstand läßt eine magyarische Orientierung als ausgeschlossen erscheinen. Die tschechoslowakische Nation aber hat diesen Prozeß nicht verständen und es ist vielleicht bei den „Prudy". ein Symptom schlechten Gewissens, wenn sie den Juden eine Loyalitätsversicherung zumuten. Durch tschechische leitende Organe ist in der Slowakei die Einigung der Juden auf ein jüdisches Programm hintertrieben worden, mit Bestechung und Drohungen ist der Sieg der jüdischnationalen Liste verhindert worden. Die Richtlinien, in denen Masaryk und Benesch das jüdsche Problem behandelt wissen wollten, sind auf Sabotage gestoßen von seiten jener Elemente, die den Staat mit sich verwechseln und die in Verkennung der tschechischen Geschichte Mehrheitsnation spielen. Diese Tatsache stellt auch die jüdischnationale Politik vor nicht geringe Schwierigkeiten und schafft Verwirrungen, die dann von den Horthy- Agenten ausgenützt werden. Das karpathorussische Judentum. Der Vizegouvemeur für Karpafhorußland, Rozsypal, äußerte sich in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter in optimistischer Weis e über die wirtschaftliche Lage der Juden in Karpafhorußland. Von den zu wählenden 18 Mitgliedern der neuen Landesverwaltung, sägte er, dürften zwei bis drei Juden sein. 80 Prozent derj karpathorussischen Juden, fuhr er fort, seien im Besitze von Feldern und widmen sich der Landwirtschaft. Sie seien in der Agrarpartei organisiert. Einige Juden spielen in dieser Partei eine führende Rolle. Bei der Durch1führung der Bodenreform werde zwischen Juden und Nichtjuden kein Unterschied gemacht. Wir befürworten auch die Aufbauarbeiten Palästina. Von hier aber wandern nur sehr wenige Juden nach Palästina aus, da die Juden im Innern Karpathorußlands verhältnismäßig gut gestellt sind; nur an der Grenze ist die Not groß. Dasi hebräische Gymnasium hat einen Kostenvoranschlag in der Höhte von tseb. K 250.000 vorgelegt und um eine" Subventionierung nachgesucht. Einen Betrag in dieser Höhe dürfte die Regierung nicht bewilligen, sie würde bestenfalls bereit sein, die Subvention allmählich zu erhöhen. Die ungarische und die jüdische Bevölkerung Karpathorußlands sagte Vizegouvemeur Rozsypal weiter, sei gegen die ruthenische Bevölkerung, die die Majorität in dieser Provinz bildet, eingestellt; im allgemeinen seien diese Völkerschaften für eine Autonomie noch nicht reif. Die Juden aber seien/ Ioayl gegen den Staat. Alljährlich wird einer Reihe von! Juden die Staatsbürgerschaft verliehen. Es bestehe kein Antisemitismus, einzelne Orte weisen eine jüdische Bevölkerung von 60 bis 70 Prozent auf. Bei der Anstellung von Arbeitern bei staatlichen Bauten; und Meliorationen frage die Regierung nicht, ob es. sich um|