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Die neue Welt · 1928-07-13 · Heft 43 (13.7.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 43 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 43 . RUNDSCHAU Internationaler Rechtsschutz für Flüchtlinge. Die Genfer Konferenz der Vertreter verschiedener Regierungen, die sich mit der Schaffung eine« juristischen Statuts für internationalen Rechtsschutz der Flüchtlinge zu befassen hatte, hat ihre Arbeiten beendet. Es wurde vorgeschlagen, daß der Völkerbunds-Oberkommissar für Flüchtlingswesen in eine möglichst große Zahl Länder, in denen Flüchtlinge ohne konsularischen Schutz und ohne jede juristische Hilfe und Stütze leben, Vertreter entsende, die als die legalen Vertreter der Füchtlinge gegenüber den Regierungen gelten sollen. Ihre Aufgabe . soll sein, die Identität der Flüchtlinge durch Ausgabe von Personalscheinen zu bestätigen und die.Zivilrecht) 1 che Lage der Flüchtlinge zu fundieren. Diese Vertreter sollen auch dafür zu sorgen haben, daß den Flüchtlingen Freizügigkeit gewährt und nach Bedarf Aufenthaltserlaubnisse, Visa usw. gegeben werden. Das Recht auf Arbeit und auf Bekleidung von Stellen soll den Flüchtlingen in jedem Lande gewährt werden. Die Völkerbundligen und die rumänischen Juden. Der Kongreß'der Union der Völkerbundgesellschaften, der am 1. Juli im Haag mit seinen Beratungen begann, ging nach längeren Erörterungen über die Prinzipien und die Probleme des M i n d e rheitenschutzes in die Behandlung der J ud e n f r a g e in Rumänien ein, die schon den letzten, in Berlin stattgefundenen Kongreß eingehend beschäftigt hat. Von rumänischer Seite wird mitgeteilt, daß die Debatte einen überaus konzilianten Charakter trug. Es wurde eine Resolution angenommen, in der festgestellt wird, daß die rumänische Regierung und die rumänische öffentliche Meinung die Ün'ruheri von Groß-Wardein verurteilten und. daß sich die Lage der Juden in Rumänien verbessert. Die Liebe wechselt wie des Mondes Phasen. Im Mai sind Mädchen, was im Herbst die Hasen. Doch machen jene oft durch Eines sich beliebt, Muß Eines immer sein, das diesen Güte gibt. Eines Huber-EsslK. Ueberall erhältlich. Ein Stresemann-Organ empfiehlt eine Ritualmordhetzschrift. Das Organ des rechten . Flügels der Deutschnationalen Volkspartei, „D e u t s c h e Z e it ü n g'\ empfiehlt die im Verlag für Völkische Aufklärung erschienene Hetzschrift von Erich Rudolf: „Ritualmord, Judentum uriäF^eimaiirere i". Die Zeitung macht sich die Behauptung von der Existenz des Ritualmordes, zu eigen und schreibt, daß die! Freimaurerei gänzlich in jüdische'n Fesseln liege und, den Gang des' jüdischen Willens zur Beherrschung der Völker der Erde gehe.. Der verrrückte Ludendorff. Unter der Ueberschrift: „Der ,Landesvater' — ein Judenhohn" veröffentlicht General L u d e n d o r f f in der von ihm herausgegebenen „Deutschen Wochenschau" einen Aufsatz, in welchem er den Komment der deutschen Studentenschaft als „jüdisch" bezeichnet. Einer der beliebtesten Studentenbräuche ist 4er „Landesvater", eine patriotische Demonstration, bei der die Mütze durch-, stochen wird. Ludendorff schreibt darüber: . . „Aus Wilhelm Teil wissen wir, daß der Hut ejn Sym-, bol des Landesherrn ist. Dieser Hut stellt ihn in Abwesenheit bildlich dar. Genau so wie nun in den schwarzen Logen die Brr. die Augen auf Bildern freimaurerischer Feinde durchbohren, so durchbohrt hier der junge harmlose deutsche Student, indem er den Couleurhut durchbohrt, bildlich mfit der gereichten Waffe seinen Landesherrn in absentia. Deshalb heißt das Loch in der Mütze, das als Stich dem Landesherrn gilt, der „Ländesvater"." Die Stelle des Stiches in die Mütze, die Stelle des angedeuteten Mordes am Landesherrn wird in goldenen oder silbernen Fäden, die den metallenen Lohn andeuten sollen, mit einer Stickerei verziert. So ehrt, im Sinne der „Alten Pflichten" de* Freimaurerei das Ritual, der „Landesvater", den in der französischen Revolution gelehrten Fürstenmord, es ehrt ihn als Sinnbild der Verschwörung gegen eine völkische Staatsgewalt."... „Antworten doch Hochgradfreimaurer bei der Aufnahme auf die Frage: Wo ist dein Vaterland? stolz: Mein Vaterland ist Judäa. Dieser Begriff des Vaterlandes, der schon zur Zeit der Dichtung für die jüdische Weltrepublik arbeitete, liegt dem „Landesvater" zugrunde." ... „Will der deutsche Student sich weiter durch den Juden und seine Mitarbeiter in der Altherrenschaft verhöhnen lassen?" Die „Frankfurter Zeitung" bemerkt dazu: Was ist mit Ludendorff los? Es wird langsam beäugstigend. Wir gestehen, daß wir nicht mehr recht lachen Wonnen. Es handelt sich immerhin um einen deutschen Namen, um einen General, dem jahrelang das deutsche Schicksal an-' vertraut war. OTEL CONTINENTAL WIEN, II,« PRATERSTÖASSE 7 (neben Schwedenbrücke) 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise Wann kommt das zionistische Kontrollamt. Ich habe wiederholt und mit Nachdruck die schleunige Durchführung des Beschlusses des letzten Zionistenkongresses, welcher die Schaffung eines unabhängigen K o n t ro 11 a mt es' vorschreibt, gefordert. Ich habe die Unhaltbarkeit und Schädlichkeit des .jetzigen, koiit,rolloscn Zustandes hervorgehoben und an die zionistische Oeffentlichkeit appelliert, meine Forderung zu unterstützen. Ich bin lange ohne Antwort geblieben. Jetzt katin ich zwei Antworten verzeichnen. In einigen zionistischen Blättern •ist ein Artikel eines leitenden journalistischen Beamten, des Herrn Dr. Manfred Reifer auf Czernowitz, erschienen, in welchem mir Beamtenfeindlichkeit vorgeworfen und mein Antrag als oppositionelles Manöver dargestellt wird. Der Artikel ist so vom Geist eines verstiegenen Bürokratismus durchtränkt, daß er als bestes Argument für mein Begehren nach Kontrolle dienen könnte. Aber ich möchte um nichts in der Welt den Geist der zionistischen Beamtenschaft mit dem Geist, der Herrn Dr. Mähfred Reifer beseelt, in Vergleich bringen und lasse daher den Artikel besser unbesprochen. Erfreulich und bedeutsam scheint mir dagegen eine zustimmende Aeußerung der Berliner „J üd t s c h e n Rundscha u",„ erfreulich darum, weil dieses Blatt gewiß von keiner Seite als beamtenfeindlich oder tendenziös oppositionell angesehen werden kann. Das Blatt spricht von B e s c h l ü s s e n d e s Kongresses, welche nicht ausgeführt wurden, und sagt: „Zu diesen gehört zum Beispiel der Beschluß über die Einrichtung eines zionistischen K o ii t r oll a m t c s, das als Bedürfnis empfunden wurde, zu dessen Einrichtung aber nach dem Kongreß nichts mehr getan wurde. Viele Vorgänge der letzten Zeit beweisen, wie wohltuend ein solches Amt hätte wirken können, zum Beispiel a n g e s i c h t s d e r in dem a m e r i - k a n i's c h en Konflikt laut gewordenen Vorwürfe, oder aber gelegentlich gewisser Beamtenentlassungen in Palästina. Bei einer ständig wachsenden Organisation mit einem notwendigerweise außerordentlich ausgedehnten Beamtenapparat in allen Ländern ist eine oberste K o n.t r o 11 i ü s t a n z unentbehrlich, zum Schutze der Beamten vor den in der menschlichen Natur liegenden .Verdächtigungen, ebenso wie zum Schutze der Oeffentlichkeit: Wir glaubeil, daß Stricker recht hat, wenn er i n der letzten Zeit wieder- 'li ol1 d'i c. :D u r-ch f ii h r,u n.g .d i:e s' e.s:' B e solll u.ss es gefordert ha t." ...... ......... Die „Jüdische Rundschau" steht der zionistischen Leitung sehr nahe und ist das Blatt der Majorität. Die Aeußerung eines solchen' Organes läßt hoffen, daß bei der kommenden Sitzung des zionistischen Aktionskomitees diese wichtige Frage endlich gelöst werden wird. Es ist höchste Zeit! ' Robert Stricker. Ein schändliches und beschämendes Dokument. Die palästinensische Arbeiterschaft ruft zum Kampf gegen Präsidenten Weizmann auf. Der Pakt, ■ welchen Präsident Weizmann namens der zionistischen Weltorganisation mit einigen reichen amerikanischen Nichtzionisten unter dem Schlagworte „Erweiterung der Jewish 'Agency" soeben abgeschlossen hat, enthüllt die Kurzsichtigkeit, Nutzlosigkeit und Unaufrichtigkeit der von ihm betriebenen und von der zionistischen 'Majorität gestützten' Politik. Uni das Geld der reichen Nichtzionisten zu erlangen, lieferte man ihnen die zionistische Organisation, aus und brachte ihnen <We natio-, nalen und demokratischen Grundsätze des Zionismus, das heißt den ganzen Zionismus zum Opfer. Mit der Absicht, wenn erst das Geld da ist, zu tun, was einem beliebt. Nun haben die reichen Herreu Nichtzionisten. genommen. MCfämtfam was man ihnen demütig angeboten hat, aber nichts gegeben als strenge Vorschriften und leere Worte. Kein Geld, ,keine Garantien. Man-wollte die anderen täuschen und hat sich selbst" hineingelegt. Weizmann konnte diese Politik der letzten fünf Jähre nur mit' Hilfe der zionistische« Arbeiterschaft führen, der er versprochen hatte, ihre Grundsätze und Forderurigen zu sichern. Nun sieht sich diese Arbeiterschaft getäuscht, sie sieht nicht nur die aMgemeinen zionistischen Postulate, sondern auch ihre speziellen restlos preisgegeben und ruft zum Kampf gegen Weizmann auf, In einem Leitartikel der pailästf* nensischen sozialistischen Tageszeitung „Dawar*4 schreibt der Arbeiterführer B. Katzenelson unter dem Titel „Ein schändliches und beschämende« D o k u rn e n t"-wie folgt: ■ \) „Auf zwei Fragen hat die jüdische Oeffenttliohkelt die Antwort seitens der Herren der erweiterten Agency erwartet: Welches wird ihre Beteiligung am Aufbauwerk sein? Welcher Art sind die Wege, die sie uns führen wollen? Auf beides ist die Antwort gegeben worden, sowohl durch das Gesagte, wie durch das Ungesagte. Die Antwort auf die erste Frage: Wir nehmen den zionistischen Sammelapparat und die -zionistische Kasse in unsere Hände; wir glauben, daß in unserer Hand dieser Saminelapparat dann nicht 650.000 Pfund einbringen wird, sondern 1 Million Pfund. Wir sind 'bereit, alle zionistischen Positionen zu übernehmen, auch die noch nicht fundierten Siedlungen, die Kolonisationsabteilttiig, die reorganisiert werden muß, die Palästinaämter und den Keren Hajessod -und so fort. Darin liegt auch schon das Negative enthalten: Nene finanzielle Methoden haben wir nicht. Kein Hinweis auf große Investitionen, auf irgend ein großes Kolonisationswerk. Alle diejenigen, die prophezeit haben, daß die neuen Herren auch nette Arbeitsmittel bringen werden, einen neuen Schwung, haben falsch prophezeit. Die Serltiments des zionistischen Steuerzahlers, der in Zukunft seinen Beitrag verdoppeln soll und der Ruhm der neuen Herren, das ist unsere einzige Aussicht. Dies ist die Antwort der Kommission, in der die großen jüdischen Geldmagnatenaus Amerika, England und Deutschland saßen und in der kein Niebtmillionär geduldet wairde. Armselige Agency!" „Wenn aber unsere Kompagnons kein neues Geld bringen, so bringen sie dafür umsomehr Ratschläge. Bedeutsam ist die Ansicht der Kommission, daß in Palästina 33.000 neue; bewässerte Wirtschaften und ,50.000 .neue unbewässerte-Wirtschaften geschaffen werden können, was bedeutet, daß im Lahde noch Platz ist für eine halbe Million. Seelen in der Landwirtschaft und mithin einer weitereu Million außerhalb der Landwirtschaft. Diese Anerkennung der Kommission ist an sich .bedeutsam, aber ihr realer Wert wird sehr gering, wenn hinterher gesagt wird: „Sei still und tu e ni ch t s." Dieses „Nichtstun" umfaßt fast alle Zweige der zionisri- sehen..Tätigkeit.-.Einwanderung — nach der : Aufnahmefähigkeit des Landes (als ob dies aHein die Möglichkeit der Einwanderung bestimmt und nicht die .zionistische Kraftanstrengung) Kolonisation — man darf'ikeiric neuen Kolonien gründen, bis... usw. (im bekannten Stil);. Industrie — platonische Segenswünsche und nichts Konkretes; Erzielung — keine prinzipielle Stellungnahme nach innenbezüglich der Notwendigkeit hebräischer Kulturarbeit; "Nur 'hinsichtlich der Oräng'enpläntagen ■ und in-Fragen; für.die. LqLrd Melchett (Sir.Mond), eine*besondere §chwache, hat, wie. zum Beispiel .chemische. Düngung und die Errichtung von Hotels, zeigt sich irgend eine Bereitschaft zur Aktivität". „Wie . groß auch die ökonomischem und nationalen Fehler dieser Anschauungen sein mögen, so kann man sich weder wundern noch empören über die Geld- leute dieser Experten-Kommission. Warum soll Mond für nationalen Bodenbesitz sein und selbständige Arbeiterwirtschaft? Seine Beziehungen mm Keren Kajemeth halben wir im Lande selbst erkennen 'können. Warum soll MarshaW, der Vormund für alle Angelegenheiten jüdischer Philanthropie, auf die Vormundschaft über die form der, Kolonisation verzichten?" „Das Beschämende an diesem s c h ä n d 1 i c h e u Dokument, das die Seelen mit tiefem Schmerz erfüllt und das Dokument zu einem zionistischen V erbrechen macht, ist die Unterstützung durch den Präsidenten der Organisation, durch C h a 'i m Weltmann. Nicht darin liegt seine Schuld, daß sein Glaube, daß die erweiterte Agency Großes vollbringen würde, Lügen gestraft wurde, daß die Sache sich in Kleinigkeiten und Nichtigkeiten auflöst. Nicht darin besteht seine Schuld, daß die gesuchten. Kompagnons großzügig sind, in ihren eigenen Angelegenheiten- und kleinlich werden, sobald es sich um Palästina handelt. Seine Schuld besteht darin, daß er sich-diesem 'kleinmütigen Willen unterworfen hat, diesen1 schändlichen V e r pf 1 i c h.tu nge ndiesen schiefen Anschauungen über den Aufbau Palästinas. Soeben hat noch die zionistische Welt von Weizmann klare Worte gehört über diejenigen, die die Bedeutung der nationa- . len Fonds herabsetzen wollen und gegen die Angriffe auf die Leistungen der Ghaluzim. An das kurze Gedächtnis unseres Präsidenten ist die zionistische Beiwegung bereits gewöhnt; aber 'hier handelt es sich nicht um die Erinnerung an gehaltene Reden und nicht einmal um Verpflichtungen und klare Resolutionen der Kongresse. Sind denn die Ablehnung jeder Vormundschaft in der Kölonisätionsarbeit und das Prinzip des ' nationalen Bodenbesitzes nicht grundlegende.moralische Prinzipien der zionistischen Bewegung? Hat der Präsident der zionistischen Organisation die Macht, die Prinzipien der Bewegung zerstören zu *es- . s en, die die Vorausse tzu ng für die Einheit sind?" „Einen schweren Irrtum hat der Präsident der ' zionistischen Bewegung in 'seinen strategischen Berechnungen begangen. Aus dem starken Willen nach der Erweiterung des Aufbauwerkes hat der Arbeiter in Palästina die Erweiterung, der Agency bejaht. Aber niemals hat der Arbeiter die innere Fäuinis bejaht, an der die Bewegung leidet, die UnwatohaftlgkeH: -und die Lügen, die zu den Grundlagen der zionistischen Diplomatie geworden sind, den Verrat an den grundlegenden sozialen und moralischen Prinzipien, die durch die Arbeit unserer Besten zum Gemeingut der gesamten Bewegung geworden sind.'! „Palästina bezahlt die Rechnung" hat vor einiger Zeit der Präsident der Organisation erklärt. Jawohl/ Das arbeitende, 'das. schaffende, das leidende und ilebeudi^e beza/Wt» aber es wird aak* wisse«, sfcJi <m

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