Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 42 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711630-2711657--0560-2713711- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Steffe f2 DIE NEUE WELT Nr. 42 ficgt guer $dm In mtfeie $mtH!!!!! I!! le|)|)i$'«itfSettiaB nma, »9Bä[rf)etei ttnD "Wejjaraturett fififtf(fjift 51*'®* ^raßeVY'/Ti^Äw-^^ Einer, der mit dem Numerus clausus Geschäfte macht. Im ungarischen Abgeordnetenhause wurde ein Bericht des Iramunitätsausschusses in der Angelegenheit des christichsozaiilen Abgeordneten Johann Bartos verteilt. Aus dem Bericht geht hervor, daß Bartos wegen des zehnfachen Verbrechens des gemeinen Betruges an die zuständigen Gerichte ausgeliefert werden soll. Bartos hat sich «rbötig gemacht, mehreren jüdischen Mittelschülern gegen Provision die Aufnahme, in die Universität zu ermöglichen. Er hat auch hohe Provisionen eingesteckt und sich um die Angelegenheiten nicht mehr gekümmert. Die rumänische Regierung an die amerikanischen Juden. Innenminister D u c a hat dem gegenwärtig in Bukarest weilenden Vizepräsidenten der Union 'rumänischer Juden in Amerika, Leon Fi s ch e r, im Namen der rumänischen Regierung eine wichtige Deklaration überreicht,, als Antwort auf deren Beschluß, die rumänische An- 1 e i h e, die in kurzem in Amerika zur Zeichnung aufgelegt werden soll, zu unterstützen. Die Erklärung lautet: „Die rumänische Regierung ist entschlossen, den Minoritäten gegenüber eine Politik des weitestgehenden Liberalismus anzuwenden. Die Gefühle der Regierung gegenüber den Juden äußerten sich in konkreter Weise durch ein Wahlbündnis zwischen der liberalen Partei und den Juden. Ich bin glücklich, festzustellen, daß seit^ dieser Verständigung die Beziehungen zwischen der Regierung und den Juden immer freundschaftlicher wurden und zu einer Serie administrativer Maßnahmen zugunsten der jüdischen Bevölkerung führten. >; Ich kann versichern, daß den erzielten Ergebnissen sowohl auf den religiösen Gebiete, als auch auf dem des Unterrichtes weitere folgen werden, da die Gleichheit in der Behandlung aller .Minoritäten 'eine Notwendigkeit ist, welche wir respektieren wollen. Daher verlangen, wir unsererseits von der jüdischen Bevölkerung G e d u 1 d u n d Vertrauen: Geduld, weil alle schwierigen Probleme, die in Neurumänien in. der 'Konsolidierungsepoche nach dem Kriege zu. lösen sind, nicht von einem Tag zum anderen bewältigt werden können. Vertrauen, weil die Absichten der Regierung und der liberalen Partei, die von einer höheren Staatsauffassung und vom menschlichen Rechtsstandpunkte ■ ausgehen, nicht . bezweifelt werden können." J. G. Duca, m. p. * Der Wert dieser Deklaration ergibt sich daraus,' daß die Pogrome in Siebenbürgen, an deren Vorbereitung ein Mitglied der Regierung 'beteiligt war, nach der Durchführung 'des Wahlbündnisses stattgefunden haben. 'Das Programm der rumänischen Antisemiten. Nae Jonescu teilt im „Cuvantul" den folgenden Beschluß, den der Antisemitenlcongreß auf Antrag von Cutava gefaßthat, mit: 1. Die Synagogen sind anzuzünden; 2. die Häuser der Juden sind zu zerstören; 3. den Juden sind alle Gebetbücher wegzunehmen; 4. die jüdische Religionsgemeinschaft ist aufzulösen; 5. den Juden ist alles Bargeld und aller Schmuck zu konfiszieren. Nach Annahme des Programms Tiefen die Delegierten: „Es lebe der Rumäne Cutava!" . Ausschreitungen auf einer rumänischen Eisenbahn- & strecke. Eine Gruppe rumänischer Theologiestudenten überfiel auf der Eisenbahnstrecke Jassy—Kischinew die jüdischen Mitreisenden und mißhandelte sie schwer. Die .Bahnbeamten holten Gendarmerie heran, die mehrere der Exzedenten auf der Eisenbahnstation Ungheni verhaftete und sie im Jassyer Gefängnis einlieferte. Der Staatsanwalt hat gegen die Exzedenten die Untersuchung eingeleitet. ,: _ i- ,, Plumers Rücktritt. ' Sir Gilbert Clayton sein Nachfolger? Die Londoner „Daily Expreß" veröffentlicht eine , Mitteilung ihres Jerusailemer Korrespondenten, in der es hedßt, Lord P'lumer habe eine Verlängerung seiner im Herbst ablaufenden Amtsperioden wegen scharfer Differenzen mit dem Kolonialamt betreffend die Verteilung der Lasten der transiordanisohen StreitkräSte zwischen dem britischen Schatzamt in Palästina ah gelehnt. Angesichts des Defizits im Palästina-Budget von über einer Million Pfund zu Ende des Hetzten Finanzjahres halte der Oberkoinmissär die gegenwärtige Verteidigungsform für unhaltbar; eine Verminderaing der Ausgaben um etwa 15 Prozent müßte die Folge sein. In Jerusalem nehme man an, daß Sir Gilbert Clayton, der drei Jahre lang Chefseikretär der Palästina- Regierung war, der Amtsnachfolger Lord Plumers auf dem Posten des Oberkommissärs werden wird. Der neiuerinannte C h e f s e k r e t ä x . der Palästina- Regierung H. C. Luke ist aus Sierra Leone ■ in London eingetroffen" und begibt sich anfangs ' Juli * nach Palästina. Dr. Kligler in Genf. An der Tagung der M a I a r i a- Ko m m i s s ion des Völkerbundes, die jetzt in Genf stattfindet, nimmt der Professor der Bakteriologie an der Hebräischen Universität zu Jerusalem, Dr. K1 i g 1 e r, teil; der. hiezu eingeladen worden -ist. : I ' ' Das 10-Millionen-Budget der Berliner jüdischen Gemeinde. Die Repräsehtantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde beriet am 28, Juni abends den Etat für das Jahr 1928, der — wie schon einmal mitgeteilt — in einer Höhe von ungefähr 10. 'Millionen Mark balanciert. Den stärksten Anteil am, Gesamtetat hat das Wohlfahrtsamt. Die Deckung, welche durch Steuern eingebracht werden soll, beträgt etwa 6 Millionen Mark. Die Steuerquote für das laufende Jahr Ist wie im Vorjahre mit 10-Prozent der Reichseinkommensteuer festgesetzt worden. Der Etat, der schließlich in beiden Lesungen mit Einstimmigkeit zur Annahme gelangte, sieht unter anderem die folgenden Hauptausgabenposten vor: Kultus und Ritual 2,763.815 Mark, Unterrichts- und Bibliothekswesen 1,126.639 Mark, Wohlfahrtswesen 3,886.090 Mark, allgemeine jüdische Angelegenheiten 415.000 Mark, Verwaltung 1,787.943 Mark, Vermögensverwaltung ,779.258 Mark. Bemerkenswert ist, daß zum erstenmal ein Posten für Jugendpflege, und zwar in Höhe von 30.000 Mark, eingesetzt wurde. Ringwalds Paketexpreß Täglich nach den Nord- und Weststaaten. Bedeutend schneller als Post, kein Frankaturzwang, keine Gewichtsgrenzen, freie Abholung I, Parisergasse 4 Tel. 64-3-72, 62*4-99 Boykott jüdischer Angestellter in Deutschland, Unter der Ueberschrift „Freie Bahn dem Schaffenden!" veröffentlicht Moritz A. Loeb (Berlin) in der „C. V.-Zeitung" einen Aufsatz, der die Frage des Boykotts jüdischer Angestellter in Deutschland behandelt.. Vielfach ist auf die Banken, insbesondere auf die Großbanken hingewiesen worden, in denen jüdische Arbeitskräfte sehr wenig 'beschäftigt werden. Es wurde a"ber bisher überhaupt noch nicht erwähnt, daß die Reichs-bank mit ihren Tausenden von Angestellten Juden als Beamte überhaupt nicht oder in so vereinzelten Fällen anstellt, daß sie nicht in Betracht kommen. Auch die Frankurter Bank, die für 'Frankfurt (Main), den zweiten Börsenplatz Deutschlands, eine vielleicht noch größere Bedeutung hat als die Reichsbank für Berlin, stellt Juden priziniell nicht an, obgleich ihr Aktienkapital sich zu einem guten Teil in jüdischen Händen befindet und ihre Kundschaft sich zu einem noch weit erheblicheren Teil aus jüdischen Firmen zusammensetzt. Am gleichen Platz befindet sich die Frankfurter Gewerbehank, eine Genossenschaftsbank mit mehreren tausend Mitgliedern, von denen die Juden einen erheblichen Prozentsatz 'bilden. Nicht nur der Beaimtenkörper dieser für den Mittelstand bestimmten Bank ist „judenrein", sondern, alt'ei Tradition zufolge, wird auch in den Aufsic'htsrat niemals ein Jude gewählt. In der chemischen Industrie steht es heute leider so, daß Juden bei den großen Werken als Chemiker, ■ wie als kaufmännische Angestellte kaum noch unterkommen können. Zu den Leitern des größten chemischen Unternehmens Deutschlands, der J. G. Farbenindustrie in Frankfurt (Main), gehören die Herren v. Weinberg. Ob sie, die mit dem neugebackenen Adel den Glauben ihrer Väter ablegten, noch ihres Ahnen, des Herrn Bernhard Weihberg aus Escheberg in Kuphessen gedenken, der vor 70 Jahren in die Firma Leopold Cassela & Co. einheiratete, eine. Firma, die der Friedberger Handelsmann! David Loeb Cassel vor 120 Jahren in der Frankfurter Judengasse ins Leben gerufen hatte? Nicht viel besser liegen die Dinge auf dem gewaltigen Gebiete der Technik. Bei Anstellungsverhand-, hingen wird hier fast stets die Frage nach der Konifession gestellt. Lautet die Antwort „jüdisch", so sinkt meist das Interesse des Personalschefs auf den Gefrierpunkt. So zum Beispielbei den S i e m e n s - S c h u c k e r t - W e r k e n, obgleich deren Leiter Karl Friedrich v. Siemens -bis vor kurzer Zeit zu den F ü h r e r n. d e r D e m o.k r a ti e gehörte und obgleich dieser gewaltige Konzern bei dem Absatz seiner Fabrikate jüdische Kundschaft nicht verschmäht. Auch hier finden sich Juden als kaufmännische Angestellte nur in seltenen Fällen, als Ingenieure so gut wie gar nicht. Herr Loeib fordert zu aktivem Kampf gegen diese Erscheinung auf; man dürfe nicht länger zusehen, wie eine Position nach der anderen verlorengeht. Dieser Kampf hat auch den e n zu gelten, die a 1 s Juden aus Bequemlichkeits- oder vermeintlichen Nützlichkeitsgründen die Einstellung, der . eigenen Stammesgenossen unterlassen. Gegründet 1882 Gegründet 1882 LEBENSVERSI CM ER UNS S - GES ELLSCHAFT PHÖNIX u^-Wu %JFvMWJ± II Zentraldirektion: Wien, I. Bezirk, Riemergasse 2 Versicherungsbestand Ende Februar1 1928 I Milliarde 550 Millionen Schilling Volleingezahltes Aktienkapital 4 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1927 70 Millionen Schilling Garantiemittel Ende 3927 190 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet! Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Aegypten und Palästina. f IiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM ||»|||||lll|,HIIII!IIMIIIfMfl'll»M'"llllMM'»lM'"»'luu"»""""'lWfrr ymtmts, jjjj^