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Die neue Welt · 1928-07-06 · Heft 42 (6.7.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 42 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 42 0 Ii MITH CN*11.......--.............mmm „öAW lÄü C0W1PRI-VENA der neue Krampfadernstrumpf u. Schlankformer ohne Gummi nsflfut für Fußheimetielfe und Bandagen Anfion Bsf indig I., Telnfaltstraße nur 7 Von Theodor Herzl an den Rand geschrieben. Aus seinen Tagebüchern. „Die Geschichte meines Lebcnsromaits" nennt Theodor Herzl wiederholt seine Tagebücher, diese grandiosen drei Bände, welche für die Geschichte des Zionismus nicht mindere Bedeutung haben als für die Weltliteratur. Sie zählen zu den echtesten, lebensvollsten Memoirenbüchern aller Zeiten. Aus dieser schier unendlichen Fundgrube für den Historiker, Politiker, Philosophen, Psychologen ist hier eine kleine Auswahl intimer Bemerkungen hervorgeholt, die für Herzls Persönlichkeit und Genius besonders bezeichnend sind und die Größe seiner Konzeption, die Reinheit seines Willens und Handelns, die Schärfe seines Geistes und den Edelmut seines Herzens klarer und voller in die Erscheinung treten lassen, als es dicke Abhandlungen vermöchten. Die zitierten Stellen sind aller! drei Bänden der Tagebücher entnommen und . tunlichst chronologisch aneinandergereiht. Nur dort, wo die den Worten Herzls •beigefügten Glossen es erforderlich machten, wurden spätere Tagöbucheintragungen vorweggenommen oder zeitlich früher nachgetragen. L e c t o r. „Als ich in meinen blutigen Anfängen mit einem* Manuskript zur Wiener „Deutschen Wochenschrift" ging, riet mir Dr. Friedjung, einen weniger jüdischen Namen als Federnamen zu wählen. Ich lehnte das rundweg ab und sagte, daß ich den Namen meines Vaters tragen wolle! und daß ich bereit sei, das Manuskript zurückzuziehen/' Man unterschätze diese Tagebuchnotiz nicht, gleich zu Beginn seiner Memoiren vermerkt, um Pfingsten 1895. Der. junge ehrgeizige Schriftsteller, der sich scheute', das Eintrittsgeld in die Literatur mit der Verleugnung seines' guten jüdischen Familiennamens zu bezahlen,-offenbarte in dieser Zeit tiefsten moralischen Falles just der jüdischen Intellektuellen, Promovierten, Literaturbeflissenen eine große sittliche Kraft. Alle, alle haben es getan, als müßten sie Schmutziges, Häßliches, Entehrendes abstreifen, bevor sie sich in die kultivierte,,moralisch einwandfreie europäische Gesellschaft begeben. Und haben damit auch die Wohlmeinenden in ihrem Urteil über das Judentum schwankend gemacht: Es muß doch etwas Wahres daran sein, wenn die jüdische Gemeinschaft als sittlich minderwertig, verworfen, unedel erklärt wird, denn die .Gebildeten, die Geistigen, die Schöpferischen' wollen ihre Abstammung vergessen machen. Die Besten taten es skrupellos. Auch unser großer Führer Nordau, ntaürlich bevor er sich, mit Herzl im Zionismus fand. Nord-Au ist nicht, schöner als „Süd-Feld" und das Pseudonym wurde nicht als Parole gewählt, sondern damit er nicht als Jude erkannt werde. Das Festhalten am Namen „Herzl" kündigte die neue Aera an und zeigte, daß dieser Einzige prädestiniert, war, sie zu bringen. Auch heute noch wird diese Falschmeldung — leichter zu vollziehen und erfolgreicher als der Gang zum Taufbecken — von Juden begangen. Mitunter sogar von solchen, die sich Zionisten nennen. * „Ganze Milieus, in denen die Juden sich wohi fühlen, verpflanzen." Diese kleine Eintragung vom 8. Juni 1985 zeigt die Größe von Herzls Konzeption. Es ist nicht wahr, daß er bloß die Opfer der blutigen und moralischen Pogroms, die vom Antisemitismus Betroffenen, ferner die, welche sich aus Begeisterung entschließen, ins Judenland schaffen wollte: Auf die Enklaven, in denen sich die Juden besonders wohlfühlen. Es war schon, in der ersten Konzeption nicht bloß ein nationales Beginnen „zur Beseitigung der Judennot". * „Den Selbstmord strafe ich: beim Versuch mit dauernder Anhaltung im Irrenhause — beim Gelingen mit Verweigerung des ehrlichen Begräbnisses." Interessant, daß Herzl gleich zu Beginn seiner ernsten Beschäftigung mit der Lösung der Judenfrage, während er die gewichtigsten staatsrechtlichen und volkswirtschaftlichen Probleme erwägt, sich r.u't dem Selbstmord als einer die Regeneration des Volkes hemmenden sittlichen Verfehlung auseinandersetzt. Und leider auch sehr aktuell. Er kommt nach der ersten zitierten Notiz (9. Juni 1895) wiederholt auf den Gegenstand zurück, ein Beweis, wie nahe er ihm ging, für wie wichtig er ihn hielt. Tagebticlmotiz vom 22. Juni 1895: „Wie mache ich den Selbstmord unehrlich? Leicht im Leben beim Versuch (Irrenhaus, somit Verlust aller politischen und Piivatrechte).- Schwerer im «Tod. Das Begraben auf abgesondertem Platz, nach Benützung des Kadavers für Wissenschaft — genügt nicht. Es muß auch Rechtswirkungen haben. Die letztwilligen Verfügungen des Selbstmörders (soweit konstatiert werden kann, daß er sie bereits im Hinblick auf den Selbstmord getroffen hat) werden als die eines Irrsinnigen ungültig. Seine Briefe und hinterlassene Schriften dürfen nicht publiziert werden. Sein Leichenbegängnis muß bei Nach erfolgen." * „Mimikry der Juden. Wir gewöhnten »ins dabei hauptsächlich unsere guten Eigenschaften ab, weil solche Nationalmimiker zumeist nur schlechte haben." Dieser lapidare Satz (Tagebucheintragung vom 15. Dezember 1895) ist wohl die schärfste Kritik, die zutreffendste Verurteilung der Assimilation (der gewollten), die je formuliert wurde. :|: „ . . . Was ich vorschlage, ist tatsächlich nur die Regulierung der Judenfrage, keineswegs die Auswanderung aller Juden . . . Durch die Türe, die ich für die Juden aufzustoßen suche, wird ein den Gedanken recht erfassender christlicher Staatsmann in die Weltgeschichte eintreten." ...... , Prophetische Worte, gerichtet an den Grafen Badeni, als er ihm den „Judenstaat" überschicktc (19. Februar 1896). Der christliche Staatsmann, an dem sich Herzls Voraussagung erfüllte, ist Lord Balfcur. * „Dieses Volk muß erzogen werden, und zwar durch unser Beispiel." (16. März 1896.) Der Vordersatz spricht sich leicht aus ,— der Nachsatz läßt «Ich schwer erfüllen. Herzl hat ihn erfüllt. '; * Nach dem ersten Zionistenkongreß: „Die Geschichte des gestrigen Tages brauche ich» nicht mehr zu schreiben. Die schreiben jetzt bereits an- EN SSE mir nicht \>1 ind Vertrauen, sondern seilen Sie sich meine unglaublich billigen Okkosions-Pi eise an. Konkurrenzlos i v ßCHLAGISR Kank -»rrenzlos! 1 Vorslijbdrter Gll.'etta ROsfar-Apparat *";ijt '^«miierifgijnien Etiil 1 Gillette Ras!erltHrigft/t^ ,'..', «'•.....Ii'' 1 Olilctte Raslersc}fffci^;<fe:.. . .{..Zusammen S 3-80 1 Flasche „Sita" ERif .de Cotogne . I ];Wtr:: ' 'r-R* Hiß täfäp'r- Uptfl Li GroBe f lasche Original Wocnnrow»krJl?Ö,; Orarnh'; mit Spritzköik .'• . V... •' ' •'. .. 1 Klein« Flasche Mecnarowakl, 60 Gramm mit Sprltzkork .. >•'. . ,v. . ■ . .. . 1 StUck Klng-Ivory-Selfe. groß . .... 1 Stück KlnjHvofV'Solfe, mittel .. . . 1/Stuck Klng-Raaferselfe ... nur 8 2*10 nur 8 1'tO . . . S -'38 -•78 ir ■■■« Tel. R.'4a-2'81 (Scke'Rqtenoterng aase) Voi. R-42-2-81 dere." (30. August 1897.) — „Fasse ich den Baseler Kongreß' in ein Wort zusammen, — das ich mich hüten .werde, öffentlich auszusprechen — so ist es dieses: In Basel hab« ich den Judenstaat gegründet . . . Der Staat ist wesentlich im Staatswillen ... begründet," Wer diese wichtigen Tagesblätter Hebt, versteht die verblüffende Sicherheit, mit der Herzl, 'der Politiker und Diplomat, immer wieder „den Ritt über den Bodensee" wagte. Die Ueberzeugung, daß mit der Schaffung und Tagung des jüdischen Weltparlaments das Recht auf die eigene Nation und das eigene Land erstritten ist, gab ihm Riesenkräfte, obwohl er die physische Schwäche der jungen Bewegung genau kannte: „Unsere Bewegung besteht aus Bettlern, wenn auch im Hintergrunde die großen Gcldsäcke der J. C. A. us\v stehen. Was ich da für Kunststücke mache, wird man nie I., Bellariastraße 12. Tel. 36-3-39 V.,Seh'önbrunnerstr.56. Telephon 95-55 SPRECHAPPARATE wie Gramola, Columbia, Ultraphone UNSER SPEZIAL- KOFFER - APPARAT „MINERVA"....... „MAJESTROLA" I. . . . „MAJESTROLA", Luxus . ¥ Auch auf Teilzahlung} ¥ Neuesie Schlagerplatlen In größter Auswallt verstehen, nie würdigen. Ich muß mir die Werkzeuge selbst machen, um den Baum zu fällen. Die Steinzeit der Politik." (Eintragung vom 11. September 1897.) * „Standhaft war ich in den schlimmsten Tagen, ruhig in den besten. — Es gehört auch was dazu: schweigen, wenn man den Enthusiasmus durch ein Wort erregen! könnte, den Mut der Leute wachhalten, auch wenn manf innerlich verzagt ist. Zu allem bösen Spiel gute Miene machen, mit Lumpen verkehren, von Bettlern heimge-. sucht sein und von Protzen sich ablehnen lassen. Dies« Bettler wären wie die Protzen, wenn sie Geld hätten, und umgekehrt. Dazu Neid, Verrat, tückische Angriffe und kein Lohn — denn ich werde es doch wohl aus Eitelkeit getart haben." Herzl, der Führer, der Menschenkenner, der Philosoph, er schrieb diese Worte, als er daran dachte, Nordau die Präsidentenwürde zu überlassen 19. Februar 1898). * „Die reichen Burschen wollen uns erfrieren lassen." Soschrieb er am 9. August 1898 vor dem 2. Baseler Kongreß, als es mit den Bankzeichnungen nicht vorwärtsging. In diesen Zusammenhang gehört auch eine bezeichnende Bemerkung vom 7. Oktober 1898 nach dem Besuch bei Eulenburg auf dessen Rittergut: „Natürlich fühlt er sich überlegen als der Angehörige einer Rasse, die er für die höhere hält. Aber kann ich es ihm übel nehmen, wenn ich bedenke, wie miserabel sich gerade .die „höheren" Juden, also diejenigen, mit denen er im günstigs'en Falle zusammengekommen ist, sich gegen un- . scre. ideale. Sache verhalten? Uebrigens scheint er doch anzuerkennen, daß man mit dem Juden Herzl .verkehren kann." „Der Wind saust durch die Stoppeln, '.: Ich muß meinen Schritt verdoppeln ..." Diese erschütternden Verse schrieb Herzl, der Heros, an seinem 41. Geburtstage, am 2. Mai 1901, ins Tagebuch, Er wußte um seine Krankheit, fühlte sich alt, war sehr müde und legte sich Rechenschaft, daß er mit verdoppelter Anstrenngung für. den Zionismus wirken müsse. Typischer Höhepunkt seines unsterblichen. Logbuches. Hier sei eine Stelle beigefügt, geschriebn am 30. Jänner 1902 nach einem schweren Herzanfall: „Wenn ich bald sterbe, werden um mich meine! Eltern am meisten, dann weniger, durch ihre Jugend getröstet, meine Kinder'und das ganze jüdische Volk trauern. Ein y'öner cortege: Tragisches, Liebliches und das Erhabene." 19. Februar 1902: „Ich werde wohl den Charter einmal in meinem ganz unvorhergesehenen Augenblick bekommen, wenn überhaupt. Wenn wir ihn nämlich nicht erst nach der Teiilung der Türkei von den Mächten bekommen werden." ' So geschah es. Allerdings wurde aus dem „Charter" das Mandat plus Jewish Agency. * Zwei spätere Randbemerkungen über die damalige jüdische Hochfinance und über das Assimilantentum sind besonders kräftig und seien in diese Sammlung aufgenommen: „Sie glauben nicht, daß jemand Geld (im Großen)' aufbringe — weil sie das Geld anbeten." Ueber den getauften deutschen Legationsrat Baron Oppenheim, dem er in Kairo begegnete: „Eine lebenslange Komödie. Er spielt preuß'schen Junker; und ich glaube, am liebsten wäre ihm, er könnte Schma Jisroel sagen, wenn er eine Durchgezogene auf die Quartseite kriegt. Und dazu Herr und Frau Mosse, Inseratenbureau aus Berlin, die ihn vornehm finden. Wie sich diese Juden anstrengen, um komische Rollen zu spielen." # „Der Zionismus war der Sabbat meines Lebens. — Ich glaube, meine Wirkung als Führer ist darauf zurückzuführen, daß ich, der ich als Mensch und Schriftsteller so viele Fehler habe und hatte und so viele Fehler und Dummheiten beging, in der zionistischen Sache reinen Herzens. und ganz selbstlos war." Diese Bilanz zog Herzl verhältnismäßig früh, ^'^iftMtxiAiz^fX^r.

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