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Die neue Welt · 1928-07-06 · Heft 42 (6.7.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 42 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Titl. Universitätsbibliothek V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich. Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweber Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX.f Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 6. Juli 1928 Nr. 42 mm Sklaven am Grabe des Befreiers. . Theodor Herzl war der Liebling der reichen und satten Juden. Er schrieb für ihr Leibblatt und dichtete nette Sachen für ihr Leibtheater; Er war nie wie sie, aber er redete eine Sprache, die sie verstehen konnten. Sonntags, nach dem guten Essen, durfte Herzl's Artikel nicht fehlen und wurde in Muße genossen, zwischen Likör und schwarzem Kaffee. Er schrieb so schön und so elegant. Und er war auch ein so schöner und eleganter Mensch. Die reichen und satten Juden waren in ihn verliebt. Es war1 ihnen eine Ehre und ein Vergnügen, von ihm oder zu ihm zu sprechen. Die Türen ihrer Prunkzirrtmer standen ihm immer offen. Man war auch nicht abgeneigt, ihm die Tochter zu. geben, trotzdem sein Einkommen gar "nicht groß war. '■>''• Eines Tages erkannte dieser verwöhnte, schöne, elegante junge Mann, daß' sein Leben und das Leben der reichen und satten Juden und das Leben des ganzen jüdischen Volkes eine fressende, quälende Schande ist. Man ist getretener.. beschimpfter Sklave oder hinaufgekommener Schmarotzer, Betrüger oder Betrogener, sich zum Ekel und den anderen zum Ekel. Er schrieb ein Buch und warf es den Gönnern auf den Tisch. Statt einer geistreichen Abhandlung über die letzte Hoftheaternovität, die neueste Tanzschöpfung oder die letzte Skandalsache in Paris, : den „Juden staat". Ein Buch, aus dem es schrie, daß die feinen Herzen und. die kostbaren . Tafelgeschirre erzitterten . . , „Nun meine ich, daß das elektrische Licht durchaus nicht erfunden wurde, damit einige Snobs ihre Prunkgemächer beleuchten, sondern damit wir . bei seinem Scheine die Fragen der Menschheit lösen. E i n e ist d i e J u d e nfrage!"... „Wir sind ein Volk. Ein Volk" . . . „Der Judenstaat ist ein Weltbedürfnis, folglich wird erentstehen." . . . „Die Juden die wollen, werden ihren Staat haben." . . . „Die ersten Männer, welche diese Bewegung, beginnen, werden schwerlich ihr ruhmvolles Ende sehen. Aber schon durch das Beginnen kommt ein hoher Stolz und das Glück der innerlichen. Freiheit in ihr Dasein" ... Da heulten die Snobs, wie ins Herz getroffen. Sie verfluchten ihren schönen,- eleganten Liebling, beschimpften und bespieen ihn und .verrammelten.' die Türen ihrer Prunkgemächer. Herzl schüttelte den süßlichen, faden Dunst fieser satten und reichen Gesellschaft aus seinen Kleidern und ging fort, fort von den Snobs. ' * Herzl ging zum Volke, zum jüdischen Volke, daß er nicht kannte und das ihn nicht kannte. Er machte aus Slkayen Freie. Er lehrte das Volk, das bisher in den Staub gebeugt gebettelt hatte, das Haupt heben und fordern. In sieben kurzen Jahren 'brach er tausendjährige, felsige Mauern und schuf das jüdische Licht, die jüdische Nation. Dann löschte er aus, eine Flamme, die allen leuchtet, alle wärmt und sich'verzehrt. * i Herzl war tot, aber sein Werk lebte weiter in der von ihm geschaffenen Organisation treuerjüdischer Männer. Diese Männer wichen nicht von seinem Wege und der Weg führte zum Erfolg. Herzl schrieb im „J ud e n Staat": „Die Judenfrage ist -eine nationale Frage und um sie zu. lösen, müssen, wir sie vor allem zu einer p o Ii tisch en Weltf rage machen,- die im Rate der Kulturvölker zu regeln sein wird." Als nach zwanzig Jahren der entscheidende Augenblick kam, leuchtete dieser Satz, welcher den ga nzen Inhalt des Zionismus, erschöpft, vor den Augen der Zionisten auf und sie taten, was ihnen der Befreier geboten hatte. Sie traten vor den Rat der Kulturvölker hin, vor den Völker b u n d, den Herzl gesehen hatte, zwanzig Jahre vor seiner Schaffung, und forderten Recht für das jüdische Volk, und das jüdische Recht, Palästina ward ihnen zugesprochen, Herzl hat damals gesiegt. Herzl! u Die Zionisten gingen jedes Jahr zum Grabe Herzls, um dem Befreier zu danken. Stolz bewegt, erhobenen Hauptes, weil sie sich "als treue Vollstrecker seines Willens fühlten. : Sie gehen dieses Jahr wieder zu.ihm, weil es der Brauch befiehlt. Wenn noch Ehrlichkeit in ihnen lebt, dann müssen sie, das Haupt senken, weil der Geist.des Befreiers vom Zionismus gewichen und der G e i s t d e r G 'h e t t o s k 1 a v e r e i über ihn gekommen ist. Herzl ging von den Satten und Reichen, von den Snobs , weg zum Volke. Die Führer von heute g e h e <n ■' o*rii Vol k e weg z u: m Snob. Statt von der Welt und vom jüdischen Volke zu fordern, betteln sie vor der Türe der Reichen mit den vollen Taschen und den leeren Herzen, vor der Türe, die Herzl zornig und entschlossen hinter sich zugeschlagen hatte. In ihrem Bettelsack trafen sie den Zionismus, den sie klein, stumpf und schäbig gemacht haben, damit er nicht, — wie der starke, scharfe, klirrende. Zionismus Herzls — die reichen Herren, die Snobs erschreckt, sondern in seiner elenden Kleinheit, ihr gnädiges Mitleid erregt. Man spricht nicht vom Judenstaat, vom nationalen Befreiungskampf, von der Judenrevo'Iutiou. Man redet von bescheidenen Siedlungen zwischen den Arabern, von Schul- und Sanitätswerken, die ja niemanden belästigen, und zwischendurch vom Hunger und' von den Leiden der Siedler, Arbeiter, Lehrer und Kinder. Den reichen Herrschaften wendet man ein demütiges, flehendes Antlitz , »u, dem-Volke aber sagt man mit kecker Stirne, daß das Z i o n i s m u s i s t! ■ ■ * Das Wort „Herzl" sprechen diese Zionisten selten oder nie aus. Ist " es grenzenlose Ueberheblichkeit kleiner Erben eines-Großen, welche der Welt und sich vortäuschen möchten, daß sie nicht Erben, sondern Schöpfer sind? Oder ist es ein Rest. ehrlichen Schamgefühls? \ « Was'sich jetzt am Grabe Herzls abspielt, ist trauriger, leerer Brauch. Ein- Schattenspiel abgestorbener zionistischer Seelen. Sie kommen und .neigen sich und gehen und es bleibt keine Spur. Aber der traurige Spuk wird schwinden! Der Mann ist zu groß und das Werk ist z»u groß,>Es werden wieder Freie zum Grabe des Befreiers kommen. Robert Stricker. Das HERZ jeder Küche ist ein Kühlschrank üerlansen Sie Prospekt odcr tiesuchen Sie o^^^r^ Warchalowski, Fintterle & ^?,'i37

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