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Die neue Welt · 1928-07-06 · Heft 42 (6.7.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 42 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 42 DIE NEUE WELT Seite 3 VERKAUF DIREKT IN DER FABRIK 1LKÄISEHSTRA6. III STOCK am 24. Jänner 1902. Er hat nachher noch ungeheure zionistische Arbeit geleistet. * Je höher die Faszikel der Herzischen Tagebuchblätter anschwellen, um so seltener werden die persönlichen Anmerkungen, Reflexionen, die intimen Randglossen. Schon im Oktober 1897 schrieb er: „An keren Tagen bin ich zu matt, an vollen zu! beschäftigt, um in dieses Buch etwas einzutragen. Sä wird es eigentlich immer ärmer, während die Bewegungi immer reicher wird. Als ich den Roman meines LebenB1 aufzuschreiben begann, waren alle Schatten, die übeif meine Seele zogen, und alle Lichter auf diesen Blättern« Jetzt hat sich alles veräußerlicht. Größer fühle ich auch die Verantwortung, mich über Personen zu äußern, da diese Bücher offenbar dereinst Material für die Geschichte der Juden sein werden." Man sucht nach diesen für alle, die ihm nahe sein wollen, tuersten Aufzeichnungen und ist immer wieder ergriffen, bereichert, wenn man auf eine Bemerkung stößt, die Einblick in seine große Seele gibt. Als er bei Max Nordau Zeichen der Eifersucht zu sehen glaubte, schrieb er: „Nordau ist mir wohl, davon bin ich überzeugt, aber es kostet ihn einige Anstrengung, sich in meine Erh folge zu finden. Ich wäregewißim umgekehrten Falle nicht besser, wahrscheinlich sogar mißgünstiger. Er empfindet die gewissen verwandtschaftlichen Demütigungen beim Gelingen einer Unternehmung des Vetters." ) Und nach den Tagen in Rußland, da ihn die Juden von Wilna als den Befreier aus furchtbarster Not umjubelten, notierte er: „Ich konnte meine Tränen nur mit dem Gedanken an die Zeitungsberichte zurückhaltn." Kein Augenblick gehörte ihm und Aeußerung des MMeidens blieb ihm versagt. Da mußte der überanstrengte Herzmuskel versagen. * „Die Welt ist mir nicht mehr Vorstellung, sondern Wille. Es ist merkwürdig, wie die ganze Weltanschauung unwillkürlich und unbewußt einen anderen Zug bekommt, wenn man in eine solche engrenage gerät, wie es mij| passierte." Geschrieben im Mai 1901, als Herzl nach fünf Jahren in demselben Hotel Reval und in denselben Zimmern „bei Beginn der Sache" in Konstantinopel wohnte: „Aus den Fenstern blicke ich auf das unveränderte Goldene Horn als ein anderer Mensch. Die Schönheit rührt mich nicht mehr." Eine große Genugtuung für das jüdische Volk ist diese Tagebucheintragung Theodor Herzls. Wie eine Fackel hat er sich für uns verzehrt. Aber es war doch ein Hochgefühl, ein heroisches Glück, in dieser Hingabe. „Die täglichen Leute gehen ihren dumpfen, verdrossenen und behaglichen Gang weiter, ohne eine Ahnung von Weibgeschichte." Er ahnte sie nicht nur, er gab ihr Richtung und fühlte sich in großen Stunden als ihr Werkzeug. Das war Herzls Leberisglück. Das rechtfertigt seine Hingabe vor uns, für die er sich opferte. I». 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Sieben Jahre hat er in ihrem Namen gewirkt und diese Zeit war erfüllt von eifrigster, heißer Arbeit, als sollte in der kurzen Spanne eines Lebens alles nachgeholt werden, was in Jahrhunderten versäumt worden war. Und es war wie ein Wunder. Ein völlig neues Volk stand aus einer Idee, aus einem Buch, ja noch weniger, aus einem Buchtitel, aus dem „Judenstaat" auf. Viele Tausende hatten vor Herzl dasselbe gedacht, aber er hatte es ausgesprochen und mit kühnem Wagemut die Frage des jüdischen Volkes in die politische Diskussion der Welt hineingestellt. Die Jtidenfrage verschwand, das jüdische Volk erschien auf dem Schauplatz. Das war etwas Neuartiges in dem absterbenden 19. Jahrhundert, am Ende einer Epoche, reicher als jede vorhergegangene an Keimen einer neuen Ordnung. Jäh und unvermittelt, in der Unbekümmertheit des revolutionären Entschlusses warf Herzl die Frage auf und beantwortete sie auch im Namen 'des souveränen Volkes. Völker, Staaten, Regierungen stan.den vor schicksalshaften Entscheidungen, die aus den Bahnen des Humanismus hinausführten in das Gebiet des lebensvollen, aber zugleich auch totbereiten Nationalitätengedankens. Die herrschenden Systeme begannen Marasmus zu zeigen, neue Ordnungen kündigten sich an. Und da fand ein Mann, ein einziger, daß es an der Zeit ist, auch das Problem des Judenvolkes aufzurollen, ungeachtet aller Stimmungen und Verstimmungen. Er fand, daß das jüdische Volk selbst Gegründet 1896 Gummistrümpfe S 12.60 aufw. Fesselformei' S 6.S0 aufw. Bandag an aller Art Senkfuß-Einlagen, fertig u. nach Gipsaodruck S 2.40 aufw. O- und X-Beuie-Korrektur GUMMILOSe Krampfadernstrumpf, bewährter Schlankformer, haltbar, waschbar, unsichtbar, per Paar S 33 aufw. Fachkundige Bedienung MIKOLASCH Bandagen Taborstr. 22 Herren- und Frauenbedienung Theodor Herzls mütterliche Vorfahren. Von Dr. Paul J. Diamant, Wien. Im Zeitalter der erbbiologischen Forschung und ihrer sensationellen Ergebnisse braucht man kein Wort über den Wert und keine Silbe über den vermeintlichen Unwert von Familienforschung zu verlieren. Trotzdem ist der Zweifel berechtigt, ob eine Gestalt wie Herzl aus seinen Vorfahren zu verstehen ist. Große Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte sind — besonders in neuerer Zeit — meistens ein Anfang, nicht ein Gipfelpunkt von Generationen, die Heroen unserer Geschichte sind selten aus der .geordneten Bahn sicheren FamiHenbesitzes und wohlbehüteter Familienüberlieferung zu erklären. Herzls Vorfahren wohnten nicht in Semlin und nicht in Budapest, sondern sind seit Juda Makkabi und Bar Kochba alle jene Männer, die aus Stolz und aus Verzweiflung dem jüdischen Volkeden Gedanken vom Judenstaatin die Seele hämmerten. Möge man es trotzdem nicht überflüssiges Beginnen nennen, wenn im folgenden der Versuch unternommen wird, Nachricht und Kunde über. Herzls leibliche Vorfahren der Vergangenheit und dem Vergessen abzutrotzen, auch wenn das Deutungsresultat nicht im Verhältnis zur Mühsal der Forschung steht. Sprechen wir doch diesmal über die Vorfahren von Herzls Mutter, deren großer Einfluß auf ihren Sohn bekannte Tatsache ist. Theodor Herzls mütterlicher Großvater, Herrmann Diamant, lebte in Budapest und starb in dieser Stadt am 9. Jänner 1871. Er war in Pest ungefähr im Jahre 1805 geboren. Es bietet einen eigenartigen Reiz, in den alten Archivalien, die 4ie Budapester Gemeinde und die Chev ran Kadischah pietätvoll aufbewahren, nach den Daten und Lebensumständen seiner Familie zu forschen. In der ältesten heute bekannten Familienliste von 1820 erscheint der Name seiner Mutter, Charlotte Diamant, als nichttolerierte Witwe, 40 Jahre alt, in Hubalec geboren, wohnhaft in der Theresienstadt im v. Farkaschischen Hause, ihre Töchter, die elfjährige Anna, die neunjährige Josefa und die fünfjährige Magdalena, werden als in „Pesth" geboren, bezeichnet. Ihr Mann, Theodor Herzls Urgroßvater, der Wolf Diamant hieß, mußte, wenn man der Altersangabe seiner jüngsten Tochter Glauben beimessen würde, im Jahre 1814 noch gelebt haben. Da diese Angaben in den Familienlisten, wie wir noch später sehen werden, keineswegs die dokumentarische Glaubwürdigkeit unserer heutigen Matriken besitzen, so kann man immerhin annehmen, daß Wolf Diamant, der aus einer cohenidischen Familie stammte, mit jenem Wolf Cohen (Caz) identisch ist, der nach dem Totenbuch der Chevrah Kadischah am 22. Tebet 1813 in Budapest starb*). Wolf Diamant muß seine Witwe und seine Kinder in ziemlich beschränkten Verhältnissen zurückgelassen haben, da als ihr Beruf in der erwähnten Konskriptionsliste der zwar nahrhafte, aber sozial nicht hochstehende einer „Brattenbraderin" genannt wird. Man muß sich darunter wohl eine primitive Verköstigungsstätte, eine kleine Traiteiirwirtschaft vorstellen, die im damaligen Judendeutsch „Gorkech" genannt wurde. Bei den beschränkten Vermögensverhältnissen erscheint es einigermaßen verwunderlich, daß in der Liste auch zwei Personen als Dienerschaft angeführt werden, die vierzigjährige, aus Hubalec gebürtige Sali Diamant, und .deren Sohn, der achtjährige in Pesth gebürtige Salomon. Man dürfte aber nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß dieses Dienerschafts- *) Seine Gattin Charlotte (Schöndl) Diamiant starb in Budapest am .13. Adar 1843. (Totenregister dsr Oh. K.) Verhältnis nur ein fingiertes'war, um Verwandten — und um solche handelt es sichjiier sicherlich — die so begehrte AufenthaltsmögÜchkeit in Pesth zu-gewähren. Herrmann Diamant, das älteste Kind von Wolf und Charlotte Diamant, erscheint nicht in der Familienliste von 1820, da er in diesem Jahre in Budapest nicht wohnhaft, sondern auswärts — vielleicht auf Wanderschaft oder in einer Lehre — war. Aus der Konskription von 1825 ergibt sich aber, daß er wieder nach Pesth zurückgekehrt ist. Seine Mutter hatte wiederum geheiratet, und zwar einen wesentlich jüngeren Mann, den 28jähnigen Kleinhändler Jakob T—r—k. (Da diese Liste mit hebräischen Buchstaben geschrieben ist, so läßt sich nicht erkennen, ob dieser Name Török oder Türk gelautet haben mag.) Charlotte T., verwitwete Diamant, scheint sich ihrem Gatten und dem Konskriptionsbeamten gegenüber als einige Jahre jünger, nämlich als Einundvierzigjährige ausgegeben zu haben, während sie, wenn man, ihren glaubwürdigen Angaben aus ihrer Witwenzeit von 1820 Glauben schenkt, 1825 bereits fünfundvierzig Jahre zählte. Als ihre Kinder und Stiefkinder ihres Gatten werden 1825 der achtzehnjährige H e r r m a n n Diamant und die Mädchen Hanni (14 Jahre) Josefa (12) und Therese (11 Jahre) erwähnt. Man sieht also, daß auch die zwei älteren Mädchen etwas verjüngt in der Immatrikulation erscheinen, während die Jüngste, Therese, wohl identisch mit der Magdalena von 1820 — mit ihrem richtigen Alter — eingetragen ist. Bald darauf heiratete Herrmann Diaman.t. Die Konskription von 1836 verzeichnet folgendes über ihn und seine Familie: Nr. 304. Waitznerstraße Nr. 395. Hermann Diamant, Waarenhändler, geb", da Pesth, 31 Jahre alt.

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