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Die neue Welt · 1928-06-29 · Heft 41 (29.6.1928) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 41 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 41 DIE NEUE WELT Seite 71 1000 Doli sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Oast ist die beste Empfehlung! OTTO KASIRER saugte — statt das Kind beim richtigen Namen zu nennen - daß dies aus „Mißverstehen" heraus geschehe und bat Vandcrvcldc um vermittelndes Eingreifen. Statt das jüdische Renegatentum zu bekämpfen und'zu brandmarken, vor den Augen der Nichtjudcn zu entlarven, wie dies zionistische Pflicht und Notwendigkeit ist,: bittet man den Nichtjudcn VandcrveJdeu er möge Ordnung schaffen und vermitteln, wo es nichts zu vermitteln gibt. Unmännlich, unklug, •unzionistisch. * Der Grundsatz vom einheitlichen Judentum ist oberster zionistischer Grundsatz. Die Verleugnung dieses Grundsatzes ist der häßlichste, verächtlichste und schädlichste Grundzug des Assimilationsjudentums. Die Juden, die sich was Besseres dünken, weil sie näher zu Paris als zu Warschau auf die Welt gekommen sind, und die. anderen vor sich und den Augen der Welt schlecht zu machen bemüht sind, diese Juden als Schädlinge zu bekämpfen, ist eine der ersten Aufgaben des Zionismus gewesen. De r Kampf zwischen Ost und West ist Assimilation. Die rückhaltlose Ablehnung dieses Kampfes ist nationale, zionistische Pflicht. Wie ist es heute um die Wahrung dieser Pflicht bestellt? Scheinbar nicht gut. In einem gegen die zionistische Opposition gerichteten Artikel Im Warschauer „Hajnt" schreibt der Abgeordnete Dr. Osias Thon, einer der ältesten und einflußreichsten zionistischen Führer, ein Mann aus der alten Kampfzeit, folgendes: „Ich will Euch aber noch etwas •mehr sagen. Ich will Euch ein Paradoxon verraten, das besonders auf unsere Radikalen geht. Ich halte den Präsidenten der Zionistischen Organisation, Chaim Weizmann, für einen mindestens so guten und nationalen Zlonisten, wie wir alle es sind wir alle, einschließlich der radikalsten Radikalen. So viel Vertrauen habe ich: wenn eines Tages Chaim Weizmann als englischer Lord aufstehen sollte, wird er immer noch der Z i o n i s t aus P'i n s k sein, das heißt der ursprüngliche Zionist, dessen Zionismus nicht angelernt ist, wie,vielleicht der eines Radikalen, der den Zionismus erst auf dem Umwege über das Deutsche, Französische, Russische, Polnische oder sonst eine Sprache g e l e r n t hat, nur nicht aus dem Hebräischen oder Jiddischen." Dr. Thon, der Zionist, nimmt den assimilatorischen Spieß zur Hand und dreht ihn einfach um. Vollwertig ist nur, was östlich von Kattowitz aus der Mutter Leib gc-' kommen ist. Bei Kattowitz hört der vollwertige Zionismus auf, da fängt das Minderwertige, das „Angelernte" an. Man könnte Dr. Thon fragen, ob er denn gänzlich daran versessen hat.woher der Zionismus stammt, wem er, Herr Dr. Thon, den Zionismus abgehorcht und „abgelernt" hat? Man könnte ihn fragen, wie er die „angelernten" Zionisten Herzl und Nord au einschätzt. Man könnte ihn fragen, was vom ganzen Zionismus, also auch von Weizmann und auch vom Herrn Thon da wäre, ohne den „nicht ursprünglichen" und „über das Deutsche angelernten" Herzl. Nichts, aber schon gar nichts. Man 'könnte Herrn Dr. Thon die billige Demagogie in seiner Argumentation, die Billigkeit seiner Phantasie, welche sich am Bilde des englischen Lord aus Pinsk berauscht, deutlich vor Augen führen. Aber nicht darum geht es. Der Umstand, daß ein höchst qualifizierter, zur Führung befähigter und berechtigter Zionist in seiner Argumentation assimilatorisch wird, im schlechtesten Sinne assimilatorisch wird, das ist wesentlich und erschreckend. Das ist Verfall im zionistischen Denken. Der Zionismus ist eine demokratische Volksbewegung. Durchs Volk, fürs Volk. Anders hätte er keinen Sinn und es stünde nicht dafür, zu seinen Gunsten einen Finger zu rühren, geschweige denn, die jüdische und nichtjüdische Welt aufzurütteln. Diese Erkenntnis gehört zum Grundbestand zionistischen Demkens. Wie ist es heute darum bestellt? Im Leitartikel eines in Rumänien erscheinenden oftizieleu zionistischen Blattes „Die Neue Rundschau" heißt es: „Es gilt doch, Menschen von Kapital, von u n g eheucrem politischen Einfluß für den Zionismus zu gewinnen und da müssen wir persönliche Opfer 'bringen. Sicherlich wäre uns allen der Weg durch das Volk nach Erez Israel sympathischer, sicherlich w ä r e er würdiger, allein das Volk, die Masse ist ein Schlagwort, eine Phrase, mit der Palästina 'kaum aufgebaut w e r d e n kann. Das Volk soll die moralische Grundlage für das Autbauwerk geben, es soll Menschen liefern, es soll die Idee repräsentieren, allein für die praktische Aufbauarbeit müssen große Kapitalien vorbanden sein, die man von den nichtzionistischen Mitgliedern der Agency-Kommission erwarten darf. Was taugen uns alle Scb 1 ag w o r t e von Demokratie, wenn wir trotz angestrengtester Arbeit auch nicht ein Zehntel von dem für Palästina aufbringen können, was einer dieser Magnaten für die K r i m - K o 1 o n i s a t i o n spendet. Die praktische Palästinaarbeit, die Not des Tages zwingen uns im Interesse Palästinas, den Boden d*r Demokratie zu verlasse n. So beurteilt auch unser arbeitender J i s c h u w, welcher in erster Linie für Palästina die Verantwortung trägt, die Situation." Der Autor spricht nicht nur für sich und seine Gruppe. Er zieht die zionistische Arbeiterschaft als Kronzeugen .heran. Und leider mit voller Berechtigung. Auch die zionistische Arbeiterschaft bat den demokratischen Grundsatz preisgegeben. Ist das zionistische Art des Denkens? * Das sind Einzelheiten. Man könnte an jeder herumklügeln und herumdeuteln. Als ganzes genommen sind sie ein Symbol, an dem man nicht vor.beihören und vorbeisehen kann. Sic stammen nicht aus einer ausgesuchten Quelle, sie kommen von Rumänien, Polen, der Tschechoslowakei und Palästina, von den verschiedensten zionististischen Gruppen und Personen her. Sie sind der Ausdruck der herrschend gewordenen Anschauung. Sie zeigen, wo die Arbeit einzusetzen hat, wenn man den Zionismus wieder aufrichten will. r. str. Schwere antijüdische Pöbelexzesse. 84 Verletzte. In der Warschauer Vorstadt Praga kam es am 19. Juni zu sehr schweren Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Große Trupps zogen durch die Gassen und Parks und überfielen' alle ihnen entgegenkommenden jüdischen Passanten, die nicht nur schwer mißhandelt, sondern auch ausgeraubt wurden. 84 jüdische Einwohner erlitten Verletzungen, 30 Personen, die zum Pöbel geboren, wurden von der Polizei in Haft genommen. Erst spät abends, als ein größeres Polizeiaufgebot heranrückte, trat Ruhe ein. 0S9 ai.Taborsftraße 8 :: Tel. 42-3-41 Wegen des großen Eifolges p r o 1 o n gi e rt Das gigantische Filmwerk Der Beginn: Wochentags 7 u. 9Uhr. Sonn-u. Feiertags 5,7 u. 9Uhr Der Antisemitismus in Rußland. Kiewer Z e i t ungen veröffentlichen Proteste gegen die andauernde antisemitische Propaganda, die der Mathematik-Professor der Kiewer Universität, Tschudino w, unter der Studentenschaft führt. Die Zeitungen fordern die Entfernung Tschudinows vom Lehrstuhl. Angesichts verschiedener antisemitischer Vorkommnisse in der Gegend von Poltawa hat das Kreiskomitee der kommunistischen Partei beschlossen, einen systematischen;'Kampf gegen den Antisemitismus zu beginnen und Parteimitglieder, die sich antisemitischer 'Propaganda schuldig machen, auszuschließen und auch sonst unschädlich zu machen Es ist festgestellt worden, daß die Schul- C o o p e r ä t i v e von Poltawa sich geweigert hat, ihr von der Ärbeitsbörse zugewiesene jüdische Angestellte zu beschäftigen. Die Moskauer Zeitung „Emess" druckt eine Korrespondenz aus dem Distrikt W i n i z a ab, in welcher die besonderen Formen des Antisemitismus in der Provinz und die Leiden, die die jüdische Bevölkerung durch ihn durchzumachen hat, geschildert werden. Ein arabischer Kongreß in Jerusalem. Am Mittwoch, den 20. Juni, ist in Jerusalem der 7. palästinensisch-arabische Kongreß zusammengetreten. Anwesend waren 210 Delegierte, unter ihnen 42 Christen. Einen großen Raum in den Verhandlungen nahm die Frage der Beteiligung an einer gesetzgebe n d e n Körperschaft ein. Es wurde beschlossen, an den Völkerb ti n d, an das britische Kolonialamt und an führende Zeitungen Englands je zwei Telegramme zu senden. In dem ersten wird festgestellt, daß Palästina seit der britischen Okkupation ohne Parlament und ohne Selbstbe-. Stimmung ist und darum sehr zu leiden hat. In dem zweiten Telegramm wird gegen die Feststellung von Colonel S.ym.es. vor der Mandatskommission des Völkerbundes, daß sich die Lage Palästinas gebessert und das Land sich auf dem Wege zur S e l b s t r e g i c r u h g entwickelt, protestiert. l%jpli der Wahl einer Exekutive, in der alle an dem Kpngreß beteiligt gewesenen Parteien vertreten sindi wurde der Kongreß geschlossen. OkkasionJ Okkaslon! Zu Spottpreisen verkaufe ich die ReslbestSnde meines aufgelassenen Detail-Lederwaren-Geschaftes ReisekQffer VOn S 8>*;ti toupMctakkolfer VOn j 35.— teilt Kiotolil-Ilecessaires l" Le Storch leer und mit Eimichtung ✓ Ledetwaren und Rviserequisiien aller Art VIII., led«rergasse 2, r|)r 2 Werkstätte: Vir., Albertgasse 19 Samstag geschlosscm Herzl-Grabgang und Herzl-Feier. Das Zionistische Landeskomitee hat den Gang zum Grabe Theodor Hcrzls für Sonntag, den S.Juli, festgesetzt. Am diesjährigen Grabgange werden Delegationen der un« garischen und tschechoslowakischen Zionistenorganisation teilnehmen; ferner sind Vertretungen aus Bratislava und aus der österreichischen Provinz gemeldet. Am Abend findet im Festsaale des Hotel „Con tinental" eine Herzl'-Gedcnkfeier statt, die mit einer Akademie verbunden ist. Die Herzt-Feier wird gemeinsam mit den zionistischen akademischen Verbindungen und Vereinen Oesterreichs veranstaltet. Karten im Zionistischen Landeskomitec im Vorverkauf. Aus Palästina. Lord Plunier entläßt einen jüdischen Richter. Der Oberkommissär Lord Plumer verfügte die Entlassung des jüdischen Mitgliedes des Haifaer Distriktsgerichtes Joseph Strumza, nachdem eine Kommission festgestellt hat, daß Strumza ein richterliches Dokument uiiffenatt. unterzeichnet hat. Strumza appellierte an das Kolonialamt. : Judenjustiz. Das Gericht in T e 1 - A vv i w hat drei Kommunisten, die gegen die Prügelstrafe demonstrierten und der Polizei Widerstand leisteten, verurteilt, und zwar L i p sm a n zu 25 Tagen Gefängnis und Landesverweisung, H o l zm a n m einem Monat, Rachel I z e v s k y zu 10 Tagen Gefängnis. Dem brasilianischen Juden Joseph Almag, der iii Palästina' 600 Dunam Boden besitzt, - und seiner Familie wurde der Aufenthalt in Palästina verboten, weil er nicht angegeben hat, welcher KategOPie von Einwanderern er zuzurechnen sei. \ Die Prügelstrafe. Die Exekutive der palästinensischen Arbeiterföderation (Histadruth Haovdim) hat sich bekanntlich vor'kurzem an die Palästina-Regierung mit dem Ersuchen, gewendet, die Prügelstrafe für politische Häftlinge abzuschaffen. Die Regieruh« hat es in einem schriftlich erteilten Bescheid abgelehnt, den politischen Häftlingen eine' besondere Bebandlunig angedeihen zu lassen. Die öffentliche Sicherheit. Mu'hameid Hussein;R i z i k, der zweite der jungen Araber, die, weil sie In der Nacht vom 8. Juni In Jerusalem ein jüdisches Mädchen auf der Straße belästigten, in einen Streit mit jüdischen jungen Leuten verwickelt worden sind, ist beute an den Folgen der damals erlittenen S chii live riet zu ng gestorben; so daß diese Schießerei z w e i. M.e n sc h-e n Opfer gefordert bat. Infolge der Klagen -.über die sich häufenden nächtlichen Belästigungen jüldiischer junger. Mädchen hat der Oberkomimissär Lord- P-limne r: strenge Instruktionen au die Polizei erlassen. Die Polizeikräfte sollen beträchtlich erhöht werden. Eine neue jüdische Kolonie. Eine Anzahl palästinensischer Juden und die zwei kanadischen Juden S h i p p e r' Und Alpern habenin Abu Kishak, in der Nähe von Petach Tlkväh, 4000 Dunam landwirtschaftliche Kolonie eingerichtet. ....... ' Die Haifa Bay Company. Wie der J. T. A: aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, hat die Palestine Economic Cor p o r a t i o n in Amerika von der Haifa Bay Development Company das Options recht auf den' Erwerb von 25.000 Dunam Boden im Distrikt der Haifa-Bucht erworben« Die Mitteilung, daß der Kauf bereits fest abgeschlossen worden ist, erwies sich als verfrüht. Dem Jüdischen Nationalfonds ist laut dem Abkommen das Recht vorbehalten,, innerhalb einer bestimmten Frist das Optionsrecht; von der Palestine Economic Corporation zu übernehmen; Dayan Chaikln in Tel-Awiw verstorben. In Tel- A w i w verstarb im Alter von 76 Jahren Dayan Moses Avlgdor Cbalkin, der frühere Ghef-Geist- Iiohe der Federation of Synagogues in London und Dayau: des Londoner Beth Diu. Rabbi C ha i k i n wurde 1852;iu Schklow (Gourv. Mohilow) geboren und wanderte .1881, in der Zeit der russischen Pogrome, aus Rußland aus. nS Der polnische Sejm lehnt alle jüdischen Anträge ab. Der polnische Sejm hat a 11 e vom Jüdischen Klub eingebrachten Resolutionen, die sich auf Zulassung von Juden zu Staatsämtern undvzu öffentlichen Arbeiten, Er-, teilung des Oeffentlichkeitsrechtes an Schulen mit jiddischer und hebräischer Unterrichtssprache, auf Staatszuschüsse für das jüdische Schulwesen, auf Aufgabe der Numerus clausus- Praxis gegen jüdische Studierende usw. bezogen haben, abgelehnt. Gegen jüdische Bodenrechte in Polen. In der Kommission für Agrarreform des Sejm wurde die Novelle zum sogenannten Pächtergesetz in den Ostgebieten behandelt. Nach dem ausder Zaren« zeit stammenden Gesetz durften in diesen Gebieten Polen wie Juden keinen Boden besitzen. Sie figurierten deshalb nur als Pächter. Nach der neuen Gesetzesnovelle sollen nun diese Pächter das formelle Recht erhalten, als Besitzer ihres Bodens aufzutreten. In der Novelle heißt es aber nur, daß die „polnischen" Pächter Bodenbesitzer werden sollen; von den jüdischen Pächtern ist nicht die Rede. Abg. Hartglas stellte den Antrag, auch das Wort „jüdische" Pächter in den Text der Novelle aufzunehmen, da nachweisbar eine große Zahl Juden auf dem ihnen gehörenden Boden als Pächter lebt. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Hartglas angenommen. Gegen ihn stimmten die Nationaldemokraten und der unparteiische Block. Die Vertretelp dieser Parteien gaben zu verstehen, daß sie eine Propaganda gegen die Annahme des Antrags Hartglas im Sejm durchführen werden.

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