Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 41 (29.6.1928)
- Date
- 1928-06-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711630-2711656--0538-2713688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 41 DIE NEUE WELT Sdte 3 S >f ii % AI IE fei l.i ADLERQASSE S WIGNl II, Kl» PFARRGASSE 28 Sprechapparate jeder Art, sowie sämtliche Jüdischen und hebräischen Schallplatten in reichster Auswahl stets auf Lager MOIIHIHIWtflHMmMIMIMMeiMII>MM«MOMM<Mi( herrschenden Verhältnisse informiert werden. Zu diesem Zwecke soll die Jewish Agency ein gut arbeitendes Informationsbüro au unterhalten, das in. ständiger Verbindung sowohl mit der Palästina-Regierung als auch mit den Hauptzentren, aus denen die Einwanderer kommen, steht. 5. Immigranten, die über die in der Regierungsverordnung vorgeschriebenen Mittel verfügen und die qualifiziert sind, industrielle und kommerzielle Unternehmungen zu leiten, sollen ermuntert werden, sich in Palästina seßhaft zu machen. 6. Das Palästina-Amt muß einen Charakter reiner Wirtschaftlichkeit tragen; es hat unter den direkten Anordnungen und Instruktionen des Immigrationsdepartements der Jewish Agency und unabhängig von lokaler Politik zu arbeiten. Es versteht sich von selbst, daß dieses Bureau mit den lokalen jüdischen Organisationen zusammenarbeiten solle. 7. Die Immigranten sollen zu Rückzahlungen aller an oder für sie gezahlten Vorschüsse verhalten werden, und zwar in so schneller Folge, als sie solche Rückzahlungen zu leisten in der Lage sind. Landwirtschaft. 1. Auf der Basis der Berechnungen der Sachverständigen, ohne die Verbesserung des Landes durch künstliche Düngung in Betracht zu ziehen und indem man alles kultivierbare Land in Palästina ins Kalkül zieht, würde es möglich sein, solches Land in 33.000 bewässerte (intensiv bewirtschaftete Felder, Plantagen) und 50.000 unbev/ässerte Farmen zu parzellieren. Von diesem Boden sind jetzt annähernd 8 Prozent in jüdischen Händen. 2. Bis die Jewish Agency genügend Fonds in der Hand hat, um die Konsolidierung aller bestehenden Kolonien, wo eine solche Konsolidierung als erwünscht erachtet wird, ins Werk zu setzen, sollen keine neuen Kolonien begründet werden. Vor Ihrer Abreise In die Sommerfrische vergessen Sie nicht, uns Ihre-Adresse anzugeben, damit Ihnen die Zeitung regelmäßig nachgesendet werden kann. 3. Die Kommission bedauert, daß die Pal äs t i n a - R e g i c r u n g es bisher noch nicht für tuniieh gefunden hat, Schritte zur Erleichterung einer „g es c h I o s s c n c n A n s i e d 1 u n g von Juden a u f d e m Lande einschließlich Staatsländercien und für öffentliche Zwecke nicht benötigten Brachlandes" zu ergreifen, wie dies von Artikel 6 des Mandates ins Auge gefaßt wird. Sic nimmt die Erklärung der Regierung zur Kenntnis, daß die Zuteilung von Staatsländcreien an jüdische Siedler nicht stattfinden kann, bevor nicht die Katastervermessung des Bottens beendet ist, würde es a'bcr für angemessen halten, wenn die Jewish Agency die Regierung dringend ersucht, Vorkehrungen zu treffen, daß gewisse Ländereien noch vor Vollendung der Vermessung für Sicdlungszwcckc verfügbar gemacht werden. 4. Die Bedeutung einer systematischen Aufforstung in ganz Palästina kann nicht genug betont werden. Sie würde nicht nur das Klima günstig beeinflussen und der Wasserliefcrung sehr nützen, sondern sie würde es auch ermöglichen, cventueH die hügeligen Teile gegenüber Rotanturmstrasse, Zugang Marienbrllcke Ab 8 Uhr GRIföZiNIGi ÄßS SCHIFF. Gute Küche Massige Preise :: Bier vom Fass :: Eigenbauweine des Landes dem Anbau nutzbar zu machen, die sonst für die Landwirtschaft nicht verfügbar sind. Es wird angenommen, daß dieses Werk ebenfalls zu den Funktionen der Regierung gehört, und es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Palästina-Regierung dieses Thema einer ernsthaften Erwägung unterziehen wird. 5. Eine progressive Kolonisation in Palästina ist nicht durchführbar, bevor nicht eine Modifizierung des gegenwärtigen Besteuerung s- Systems stattgefunden hat. Die Kommissionsmitglieder nehmen von der Tatsache Kenntnis, daß die Regierung von Palästina, als einen vorübergehenden Notbehelf, einen Plan für die Ablösung der Zehentsteuer durch eine Reform, die einen Durchschnitt von fünf Erntejahren zur Grundlage nimmt, angenommen hat. Diese Reform ist jedoch nur in bestimmten Dörfern zur Anwendung gelangt. Obwohl dieses neue System einige der bedeutenderen Uebel der Zehentsteuer eliminiert, wird es auf die Dauer nicht befriedigen, da eine Steuer nicht auf dem wirtschaftlichen Erträgnis, sondern auf dem unkultivierten Wert des zu besteuernden Eigentums basiert werden müßte. 6. Es ist erwünscht, daß die Regierung Palästinas die landwirtschaftliche Entwicklung des Landes dadurch ermutigt, daß sie neue 1 a nd w.i r t s c h af t Ii c Ii e Unternehmungen für eine Zeit von fünf Jahren von der Besteuerung ausnimmt; dies OESTERREICH Das führende Haus — 120 Zimmer — Appartements mit Bad - Anerkannt Grand Hotel Bellevue er™oc 1 oche Bes.: F\ PHLOUDR BAD VOSLAU lllllllllllll in Uebereinstimmung mit der Praxis, die in anderen Teilen der Wölt, wo eine Ermunterung 'landwirtschaftlicher Kolonisation als wünschenswert erachtet wird, als selbstverständlich in Geltung ist. 7. Es sollten in Zukunft Anstrengungen gemacht werden, um auch solche Siedler heranzuziehen, die über eigene Mittel verfügen, unbeschadet der Ermunterung derjenigen Immigranten, die, obgleich, ohne Mittel, besonders qualifiziert für landwirtschaftliche Siedlertätigkeit sind (Chaluzim). 8. Es ist erwünscht, daß, bevor noch ein Kolonist auf dem Lande seßhaft gemacht wird, die Vorbereitung des Bodens bis zu einem Punkte durchgeführt worden ist, die den Siedler in die Lage versetzt, schon vom Beginn, an sich bei guter Haushaltung eine Lebensexistenz zu schaffen. Dies bedingt eine vorangegangene Entwässerung des Bodens, Sicherung der späteren Wasserversorgung, wo es sich um bewässerte Farmen (Intensivbewirtschaf timg) handelt: geeignete Bewässerungsanlagen, Bau von Verbindungswegen zu den nächst erreichbaren Landstraßen und Vorbereitung des Bodens für das vom Siedler gewählte Erntegut. Diese Auswahl soll auf der Basis wissenschaftlicher Hinweise geschehen. Die dem Kolonisten zur Verfügung gestellten Maschinen und Werkzeuge müßten den besonderen Erfordernissen angepaßt sein. 9. Das landwirtschaftliche Kolonisationsdepartement soll von der Jewish Agency in einer Weise reorganisiert und geführt werden, daß eine sachgemäße1 Geschäftsführung und die Anwendung gesunder wirtschaftlicher Prinzipien gesichert erscheinen. 10. Nach der Meinung der Experten ist die Errichtung weiterer K o 11 e k t i v s i e d 1 u n g e n KAUFEN SIE Anzugstoffe nur im Spezialhtm Tuclaüs jum HifsdienMLTan Groge Auswahl! Billigste Preise f fcMI zuENGROSi PREISrfl tf* VERKAUF DIREKT W IN DER FABRIK V1I.KAISERSTRA6. IHSTOCK Die Juden in Südafrika, Aus Anlaß der kürzlich in Johannesburg abgehaltenen zionistischen Jahreskonferenz schreibt Dr. Epstein in der Berliner „Jüdischen Rundschau": In Südafrika leben etwas mehr als 60.000 Juden meist litauischen, zum kleineren Teil baltischen Ursprungs;- davon in Johannesburg und Capetown zusammen ungefähr 40.000. Ihre wirtschaftliche Lage muß an europäischen Maßstäben gemessen, ausgezeichnet genannt werden; doch fällt dies nicht übermäßig auf in einem Lande, in dem wirkliche Armut fast nur vom Hörensagen bekannt ist. Naturgemäß haben neue Einwaderer zu kämpfen, aber die meisten haben Verwandte, jeder versucht ihnen zu helfen und jedem bietet sich über kurz oder lang eine Chance. Antisemitismus ist weder im politischen noch im ökonomischen Sinne vorhanden. Jede der drei Parteien der Union hat jüdische Anhänger und jüdische Abgeordnete. Das heißt nicht, daß, uns die Nichtjuden hier besonders gern haben, natürlich nicht. Und jeder, der die Dinge mit offenen Augen sehen will, stellt fest, daß die gesellschaftliche Abgeschlossenheit der Juden auch hier in einem gewissen Grade vorhanden ist, wenn auch nicht im mindesten zu vergleichen mit der fast völligen gesellschaftlichen Scheidung zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland und anderen Ländern. Von ökonomischem Antisemitismus ist kaum etwas zu merken. Doch ist es möglich, daß sich dies in absehbarer Zeit ändern wird, und zwar wird die Jugend zuerst davon betroffen werden. Denn hier lassen auch alle jüdischen Eltern ihre Kinder studieren, und es ist völlig ausgeschlossen, daß das Land mit seinen kaum l3/* Millionen Europäern eine so große Zahl von Akademikern absorbieren kann. Schon heute ist es in einzelnen akademischen Berufen, zum Beispiel dem ärztlichen, so schwer unterzukommen, daß manche junge jüdische Mediziner es vorziehen, In kaufmännischen Betrieben zu arbeiten, als in irgend einem weltfern gelegenen Farmerbezirk Landarzt zu werden. Im Lehrberufe bestehen ebenfalls schon heute gewisse Schwierigkeiten für Juden, da es fast unmöglich ist, in Distrikten, in denen ausschließlich Buren leben, eine Stelle zu finden. Denn die Buren ziehen es natürlicherweise vor, ihre Kinder von einem Buren, der auch in ihrer Religion zu unterrichten vermag, erziehen zu lassen-, ebenso wie ein Engländer einen englischen Lehrer für seine Kinder einem Buren vorzieht. Doch ist diese Bevorzugung eines Engländers vor dem Buren und umgekehrt in der Regel nicht so ausgeprägt wie dem Juden gegenüber. Der Lehrerberuf ist hier daher einer von den Juden am meisten vernachlässigten Berufe. Selbstverständlich spielt hierbei auch das Abhängigkeitsverhältnis des Lehrers eine gewisse Rolle, obwohl die Bezahlung der Lehrer auch für südafrikanische Lohnverhältnisse eine ausgezeichnete ist. Unbestreitbar bestehen demnach für den Juden in Südafrika gewisse Schwierigkeiten, die der Engländer und der Bure nicht teilen. Doch es wäre völlig falsch, hier auch nur im entferntesten mit deutschen Verhältnissen vergleichen zu wollen. Südafrika ist in jeder Hinsicht ein für den Europäer freies. Land und der Jude gehört als Europäer zur „Herrenschicht" gegenüber Asiaten und Eingeborenen als Minderberechtigten. Ferner begünstigt die Stellung des Juden in Südafrika der Umstand, daß er keiner einheitlichen Nation gegenübersteht, von der er als nationaler Fremdkörper betrachtet werden könnte. Soviel hier auch über eine Verschmelzung der verschiedenen europäischen Nationalitäten zu einer einheitlichen südafrikanischen Nation die Rede ist, so ausgeschlossen erscheint dem objektiven Betrachter eine solche Verschmelzung, zum wenigsten für die nächste Zukunft. In der Wirtschaft des Landes spielen die Juden eine außerordentlich große Rolle und haben weit mehr zur Entwicklung Südafrikas beigetragen als dies ihrer Zahl entspricht. Aber diese Tatsache wird ihnen hier nicht, wie sonst allgemein, auf die Debet-, sondern auf die Kreditseite geschrieben. So äußerte vor kurzer Zeit einer der führenden Männer der südafrikanischen Wirtschaft, ein Engländer, öffentlich' den Wunsch, die Juden Südafrikas sollten mit der christlichen Bevölkerung Mischehen eingehen, um dieser einen Teil ihrer wertvollen, Beispiel* gebenden Eigenschaften zu vermitteln. Und dieser Wunsch wurde nicht etwa von Buren oder Engländern, sondern von den Juden zurückgewiesen. Da es den Buren im allgemeinen an wirtschaftlicher Initiative mangelt, sind in den letzten Jahren und auch schon früher eine ganze Anzahl von Farmen aus den Händen der Buren in die der Engländer, Juden und Deutschen übergegangen. So sehr man auch diese Erscheinung im Lande beklagt, so wird die Ursache doch klar erkannt und ausgesprochen und der Jude ist nicht der Sündenbock. Bei einem Besuche der größten Versuchswirtschafts¬ und Landwirtschaftsschule des Landes hörte ich von den verschiedensten Seiten — und dies scheint allgemeine Ansicht zu sein —, daß Engländer, Juden und Deutsche die besten Farmer Südafrikas sind. Als Illustration sei erwähnt, daß sowohl der Maiswie auch der Kartoffelkönig Südafrikas Quiden sind. Ersterer, Mr. Lazarus, ist überdies der größte Maisproduzent der Welt. Es ist eine außergewöhnliche Erscheinung, daß die Juden Südafrikas trotz ihrer verhältnismäßig ausgezeichneten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation ihr Judentum nicht vergessen haben — und dies 'kann nicht nur von einem Teil, sondern der Gesamtheit des südafrikanischen Judentums gesagt weiden. Wer die südafrikanische Judenheit einmal hier im Lande selbst gesehen hat, weiß, daß sie trotz geringer Zahl einer der positivsten Faktoren des heutigen Judentums ist. Dies will nicht etwa heißen, daß die Jaiden Südafrikas sonderlich religiös sind. Die litauischen Juden sind selten übermäßig orthodox, wenn sie in westeuropäischen oder überseeischen Ländern leben. Die südafrikanischen Juden sind bewußte Juden mit gutem jüdischen Gefülil und Instinkt. Sie haben weder ihre Leiden in Osteuropa vergessen — dies ist auch ganz ausgeschlossen, da Jeder eine oder mehr verwandte Familien dm Osten zu unterstützen hat —, noch die Art wie Deutschland und be* sonders die deutschen Juden sich gegenüber jüdischer Einwanderung nach Deutschland verhielten. So sei nebenbei