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Die neue Welt · 1928-06-29 · Heft 41 (29.6.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 41 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 4\ IOTEL CONTINENTAL WIEN, II., PRATEttSTRASSE 7 (neben Schwedenbrücke, 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise Die Prügelstrafe. —y. Die Mandatskommission hat die Berichte über die Verwaltung Palästinas entgegengenommen. Ihre Beschlüsse wird man erst im September erfahren, wenn die Kommission an das Plenum des Völkerbundes ihre Anträge stellen wird. Diese Beschlüsse kann man aber schon jetzt niederschreiben, ohne sich der'Gefahr eines Dementis auszusetzen. Die Kommission wird alles gutheißen und, dem Plenum anraten, dasselbe zu tun. Wie denn auch nicht! Die Auskünfte zu den vorgelegten Referaten erteilte der frühere Chefsekretär Symes, der doch eben erst nach seinen Verhandlungen mit dem Wahäbitensultan Palästina besucht hat und aus seinen frischen Eindrücken heraus alle Fragen beantworten konnte. Es geht alles in der schönsten Ordnung und gemäß den Grundsätzen der Mandatskommission. Leider kennt man zu wenig von diesen Grundsätzen, aber dafür* erfuhr man um so mehr über die Verwaltung, so wie sie eben Colonel Symes sieht. Die britische Regierung sei nach wie vor bestrebt, die Prinzipien der Selbstreg lern ng zur Geltung zu bringen; das Interesse für die öffentliche Verwaltung wächst von Tag zu Tag; wo noch Schwierigkeiten bestellen, sind sie durch das Mandatssystem selbst bedingt-, das Land wird darauf eingerichtet, eine große Einwanderung zu absorbieren, weshalb die Einwanderung jetzt „gemäß der Aufnahmsfähigkeit des. Landes" begrenzt wird. Ferner werden Reformen für Landwirtschaft und Industrie vorbereitet. Und so weiter. Während Colonel Symes seine Rede hielt, geschah in Palästina einiges, was der strikte Gegensatz zu diesem Wohlwollen ist,, was aber die Mandatskommisison nicht erfahren hat. Vielleicht wird ihr das im nächsten Jahre zur Kenntnis kommen. Es wurde also ein Einwanderer aus Brasilien ausgewiesen, weil er nicht angegeben hat, in welche .Rubrik des amtlichen Schemas er gehört; et ist eift j.üd$. ,rEs:wurde ein: Richte'r abgesetzt, weil er einen Akt ungenau unterschrieben hat; er ist ein Jude.'Der Oberkommissär erklärte einer Abordnung cte.s. .Nafionalrates;. des jüdischen nämlich, daß er keine Juden in die E,e n z4 r u p.p.e aufnehmen könne, die doch ohnehin verringert werden wird (das heißt, daß die paar jüdischen Mannschaften auch noch entfernt werden) und es wurde weiters entschieden, daß kein Grund .bestehe, die Prügelstrafe gerade bei politischen Häftlingen .zu unterlassen. Das sind Meldungen .ans einer einzigen Woche,, und diesmal just, aus jenörl -Woche, in der? Colonel Symes das Bild der SelbstrQgierung auf den Genfer Film zauberte. •-••Die Tatsachen solcher-Art häufen, sich und dies so sehr, daß sie auch schon in der europäischen Presse, auftauchen. Sogar die Wiener „A r b el t e r- Zeitung" hat am Sonntag ihren.Lesern, denen sie sonst das Jüdische aus Palästina nicht vergönnt, erzählt, daß „der Moschel" die Juden prügeln läßt. Das Organ der Internationale freut sich aus vollem Herzen. Diese Vorfälle in Palästina erhalten eine Publizität und zwar deshalb, weil sie den Gegensatz zwischen Mandat und Mandatspraxis aufzeigen. Bei dieser Feststellung aber darf man es nicht bewenden lassen. Es muß nach den Motiven geforscht werden. Denn es ist an sich unerklärlich, daß England dort mit Ausweisungen und Prügeln arbeitet und daß es sogar antisemitische Allüren zeigt auf einem Gebiet, auf das die Augen des Völkerbundes und die Gefühle aller Juden gerichtet sind. Wenn die englischen Beamten in Palästina sich solche Maßnahmen leisten, so müssen sie das Empfinden haben, daß es ,in London mit dieser jüdischen Palästinafrage nicht so ernst genommen wird, und in London wieder besteht das Empfinden, daß es der Völkerbund damit, nicht so ernst meint; Und für alle zusammen ist bestimmend die Tatsache, daß die Zionistische Organisation in ihrer Wachsamkeit nachgelassen hat, daß. sie den weltpolitischen Charakter der Frage aus den Augen verliert und von der Ghettokrankheit des bescheidenen Sichfügens ergriffen, worden ist. Die Leitung der Zionistischen Organisation mußte sich von allem Anfang an auf den Standpunkt stellen, daß sie zumindest in der gleichen Weise wie England Kontrahent des Mandatsvertrages ist und daß sie als Sachwalter eines Volkes aufzutreten hat, das nicht nur in England allein lebt. Sie hatte in den Anfängen Widerstand w leisten und, wenn es nicht anders ging, ihre politischen Kräfte zu mobilisieren, die niemand, auch England nicht, unterschätzen kann, da sie doch in allen Ländern der Weit au&seten können. Da die zfooisiiseke Leitung sich aber hat zurückdrängen lassen, so ist sie zurückgedrängt worden. Erst von England durch das C h u r c hi 11 sc h e Weißbuch, dann von der Mandatskommission, schließlich von Lord Plumer und heute von jedem Aktenschreiber in Palästina. Die zionistische Leitung hat schließlich den Kopf und das Vertrauen zu sich selbst verloren; sie hat nicht an ihre Massen appelliert, nicht einen Sturm der Empörung entfesselt, sondern sie hat die national e Politik abgeblasen und ist zu den reichen Amerikanern bitten gegangen, denen jede nationale und demokratische Tendenz bis in den Hals hinein verhaßt ist. Die zionistsche Leitung hat es verschuldet, daß Palästina ein Kolonialland geworden ist, das nach Tropenmethoden regiert wird. Sie hat es auch verabsäumt, zu den englischen Massen zu sprechen und sie mit dem Geist und dem Inhalt des Mandates vertraut zu machen. Wenn zionistische Redner in jahrelanger Arbeit in Tausenden von Versammlungen zu dem englischen Bürger und zum englischen Arbeiter gesprochen hätten, dann hätte niemals der Fall eintreten können, daß in Palästina ein britischer Beamter an politischen Häftlingen die Prügelstrafe vollzieht. Jeder Engländer weiß, was Freiheit ist und er würde es nicht 811 bekanntesten und renommiertesten Hotels von ||| Abbazia und ortorose sind komplotto Pensionen zu besonders billigen Preisen unter den günstigsten Konditionen (auch auf Teilzahlung) abzugeben ✓ Auskünfte beim Oesterreichiscben Verkelusbttro, Wien, I., Friedlichst!nße t und semen Filialen und beim Reisebüro Schenker & Co., Wien, i. III dulden, daß seine Organe eine Bewegung, die unter Englands Schutz steht, schimpflich beleidigen. Unter dem Druck einer .solchen systematischen Propaganda hätte — dies nebenher bemerkt — auch in England eine starke zionistische Organisation entstehen können, deren Willensmeinimg sehr ins Gewicht gefallen wäre. Sofcrne die Reichen überhaupt kommen, geben sie billige Ratschläge und kein Geld und keine Garantien, die Organisation ist zerfahren, geschwächt, verbittert und verdrossen, die Leitung ist zaghaft und unentschlossen und Lord Plumer läßt prügeln. Der Bericht der Jewish-Agency ssion. Die Folgerungen und Vorschläge. Die J. T. A. meldet aus London: Der Bericht der Jewish-Agcncy-Kommission zerfällt in ein Vorwort und zwei Haupttcile. Das Vorwort behandelt/die Geschichte der zionistischen Bewegung bis San R e m o. Der erste Hauptteil beschäftigt sich mit dem gegenwartigen Stand des Palästiriawerkes und dem Bericht der Sachverständigen. Der zweite Hauptteil enthält die Empfehlungen und Schlußfolgerungen der Kommission. Zwischen dem ersten und zweiten Hauptteil ist ein besonderes Kapitel über die Pflichten der Mandatsregierung eingefügt. ' ■ * Die Schltißfolgerunge>n und Vorschläge werden wie folgt formuliert: Einleitende Feststellung. Geht man daran, eine Uebersicht über die Ergebnisse einer zehnjährigen jüdischen Arbeit in Palästina zu schaffen, so muß man zunächst den besonderen Charakter des Problems, dem man dort gegenüberstand, gebührend betonen. Die ungewisse Position Palästinas bei Abschluß des Krieges, die dort herrschende politische Unruhe, gaben schon; an sich Anlaß genug, um sowohl der. Regierung als auch allen kolonisierenden Instanzen Vorsicht anzuraten. . Bis 1920 wurde Palästina als ein m i 1 i tä r \ s c h e s 0;k k -ti p a t i o u s 1 a n d regiert. Im Juli 1920. wurde unter einem britischen High Commissioner eine zivile Verwaltung eingesetzt, es vergingen weitere zwei Jahre, bevor der Statuts Palästinas durch die Bestätigung der Bestimmungen des Man- '. ' ■ , dat.es; *.. •. -k durch den Rat des Völkerbundes geregelt worden ist. -Während dieser Zeit wurde' Palästina-durch, eine politische Agitation, die hi den Jaffa - T'ti m u 11 e n vom Mai 1921 gipfelten, in Unruhe gehalten. Von da au aber kam keine Störung des öffentlichen Friedens vor und die gespannte Stimmung löste sich allmählich. Die antizionistische Agitation unter den Arabern hat praktisch aufgehört, zum großen Teil darum, weil sie sich darüber klar geworden waren, daß eine jüdische Immigration, weit entfernt davon, ihnen Schaden zuzufügen, in vieler Hinsicht ihnen zu wesentlichem Vorteil gereicht hat. Nichtsdestoweniger sollte man, wenn man die in Palästina geleistete Arbeit einer Schätzung unterzieht, dessen eingedenk sein, daß es sich um ein Land handelt, in dem die große Mehrzahl der Einwohner nicht jüdisch ist. Es handelt sich ferner um ein Land, das nicht Hindurch den Krieg verwüstet worden war, sondern auch an den Folgen einer Jahrhunderte währenden Vernachlässigung litt. Es war nicht ohne natürliche Hilfsquellen, aber es war wenig oder nichts mit ihnen angefangen worden; zu ihrer Entwicklung brauchte es nun wieder Zeit und Geld. Angesichts der Lage, in der sich Palästina bei Beendigung des Krieges befand, war es kein vielversprechendes Gebiet für Kolonisation, auch wenn seine Fläche ausgedehnter , und sein Boden fruchtbarer gewesen wäre. In vielfachen und wichtigen Hinsichten stand d i c Zionistische Organisation einem ungewöhnlichen Problem gegenüber. Die Zionistische Organisation ermangelte der Regierungsbefiigiiissc. Sie besaß nicht die Land- .und Geldhilfsquollen einer Regierung. Sie stützte sich auf freiwillige Beiträge. Daß sie immerhin in der Lage war, ihrem Werke einen Fonds von durchschnittlich 650.000 Pfd. Sterl. jährlich zu sichern, ist ein schlagendes Zeugnis für die Hingabe und die Begeisterung ihrer Anhänger für dieses Werk. Die meisten der .Einwandererhatten,, wenig .oder gar. keine landwirtschaftliche Erfahrung. Die meisten kamen aus'Ländern; in denen dje-'igesamten -i.Öbens'bedingungen von den in Palästina .. vorherrschenden unterschieden waren; Sie waren aber von einem erhabenen Ideal durchdrungen. .....r. Wenn man alle diese Erwägungen gebührend in "Betracht zieht, so ..muß ein Ueberblick über die jüdischen Tätigkeiten in Palästina seit Beendigung des Krieges zu •dem. allgemeinen, Schluß führen, . daß die Ergiebni.sse als hoffnungsvoll1 für die Zukunft angesehen werden können, mögen auch: im Verlauf der Jahre Fehler , begangen worden'sein. Gestützt auf die Berichte der Experten und auf ihre .eigenen persönlichen Beobachtungen, sind die KommissionsmitgUeder zu den folgenden Schlüssen gekommen und sie machen die folgenden Vorschläge: 1. Das Inimigratiousprogramm der zionistischen Palästina-Exekutive hat nicht immer die aktuellen Tatsachen •und Verhältnisse in angemessener Weise berücksichtigt. Schlüsse allzu sanguinischen Charakters wurden zuweilen unter zeitweiligen und abnormen Arbeitsbedingungen gezogen, als noch nicht genügend Grund zur Annahme vorhanden war, daß diese Bedingungen von Dauer sein werden. Während es einerseits als erwünscht erscheint, nach Palästina so viele Immigranten zu bringen, als es absorbieren kann,, ist es anderseits klar, daß auf die Dauer jüdischen Interessen am besten durch ein Programm gedient ist, nach welchem immer eine vernünftige Balance zwischen der Zahl der Immigranten und den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes gehalten wird. 2. Bezüglich der Einwanderung von Personen ohne Vermögen wird vorgeschlagen, daß die bestehenden Regierungsverordnungen, die wohl im allgemeinen befriedigend sind, in der Weise verbessert werden, daß die Jewish Agency in die Lage versetzt wird, dreimal statt zweimal im Jahre Vorschläge f tt r d i c A r b e i t e r e i n w a n d e r e r 1 i s t e z u unte rbreiten. Die jetzt geltende Periode von sechs Monaten ist zu lang für eine Erforschung der Bedürfnisse des Arbeitsmarktes. 3. Es sollte eine gründlichere Aussah I der einzelnen I m m i g r a n t e n, als dies bisher der Fall war, getroffen werden, und dies meinin Uefoereinstimmung mit den Bedürfnissen des Landes. 4. Was die vermögenden Einwanderer betrifft, so bedeutet die Auswahl solcher Immigranten die U e b e rnähme einer Verantwortlichkeit, die von dem Palästina-Bureau der Jewish Agency nicht getragen werden sollte. Es muß dem Privatunternehmen freier Spielraum gelassen werden. Die Immigranten soüten in auefubtiieber und detaillierter Weise über die in Palast»?. ■j'^ii^^S;^^'

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