Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 41 (29.6.1928)
- Date
- 1928-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Preis 30 droschen VL ft* m Pa Da BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich 2ioty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.-, vierteljährig Kc 15-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien .monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schwellet Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A2S-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 29. Juni 1928 m 41 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Die Jewish Agency. Die Londoner Verhandlungen. — Der Bericht der Kommission. Die zur Entgegennahme der Expertengutachten eingesetzte Kommission zur Vorbereitung der Erweiterung der Jewish Agency (Joint Palestine Survey Commission) hat nach Abschluß ihrer Sitzungen ihren Bericht veröffentlicht. Das Resultat ist ein umfangreiches Schriftstück, das in vielen Punkten eine Verurteilung des bisherigen Systems des Aufbaues bedeutet. So wird das System der kollektiven Siedlungen (Kwuzoth) abgelehnt und die Einstellung gefordert. In einem weiteren Punkte wird die Gebarung der zionistischen Palästina-Exekutive als unrationell und verschwenderisch gekennzeichnet. Die Hauptfrage, ob die Nichtzionisten bereit sind, große Summen für den Palästina-Aufbau zu gar a n t,i ere n, bleibt unbeantwort e t. Der u Bericht erteilt lediglich den Rat, das Budget, das bisher zirka 600.000 Pfund betragen hat und ''yQ^\'-deh',^föhjst'ehl allem* aufgebracht wurde, in Hinkunft auf eine Million Pfund zu erhöhen. Ein Resultat, das die Zipnisten allein längst erreicht hätten, wenn nicht zufolge der Politik Weizmanns und seiner Freunde f ü n f J a h r e damit verschwendet worden wären, einige Plutokraten zu umwerben, statt das jüdische Volk aufzuklären und zionistisch zumachen. Die Herren erklären, von dem Verlauf der Konferenz befriedigt zu sein. Dazu mögen sie Ursache haben — das jüdische Volk, die Zionistische Organisation und Palästina haben keinen Grund zur Befriedigung.; * Nun müßte ein außerordentlicher Zion.is.tenkongreß zur Entscheidung das Wort erhalten. Er wird jetzt zur Notwendigkeit. * Der Bericht, den wir an anderer Stelle veröffentlichen, wird nunmehr Gegenstand der Beratungen des am 19. Juli in Berlin zusammentretenden zionistischen Aktionskomitees bilden. Ende September wird der Bericht der aus den nichtzionistischen amerikanisch-jüdischen Gruppen beschickten „Unparteiischen Palästina-Konferenz Vorgelegt werden. Es würde viel Mühe -und Streit erspart werden, wenn inzwischen ein außerordentlicher zionistischer Kongreß zu der Sache Stellung nimmt. fierzl-Sondernummer Unsere nächste Nummer vom 6. Juli erscheint in bedeutend verstärktem Umfange und illustriert als fierzl-Sondernummer m Die Sensationsaffaren Kun, Pöffel und Nowosad. Nun ist der Prozeß gegen Bek Kun vorbei, der Prozeß, in dessen letztem Hintergrund sich der legale österreichische und der weniger legale, aber brutalere ungarische Antisemitismus die Hand reichen wollten. Es handelte sich weniger darum, daß Kun die Ruhe der österreichischen Republik mißbraucht hat und daß er hier an einem Werk arbeitete, das, wenn es gelungen wäre, den Frieden Mitteleuropas in die Luft gesprengt hätte. Vor dieser Gefahr schrecken die Leute, die hinter dem Prozeß.steckten, weder hüben noch drüben zurück. Ihnen, die nicht einrücken, ist ja Krieg und Blutvergießen nur ein Stahlbad. Aber da Kun nun einmal dem Judentum zaigez; ' wird, hofften sie sich einen J u d e n p r o e ß. den sie in Oesterreich wie in Ungarn auszuschroten vercht hätten. Die Sache endete mit einer R i eVe nblamage und die Anklage stürzte in sich zusammen. Es blieb nur das Wagni^'der •" unbefugten Rückkehr und diese'eine Sache ist es, die d a s V e r b re c h e-n' Kuns an der jüdischen Gerne i nsc ha f t darstellt. Er hat sie durch seine zynische Dreistigkeit geschädigt und dem Antisemitismus die billige Handhabe geliefert, das Judentum in Bausch i. Bogen als den Friedensstörer zu erklären. Der Kommunismus, für den sich Kun opfert, wird ihm wenig Dank wissen, denn in Rußland ist ja Kun in Verruf, seit er zum Gefolge Trotzkis gehörte und seitdem der Kurs die antijüdische Flagge gesetzt hat. Kun wollte sich durch eine heroische Tat wieder zu Ehren bringen! Auch ihm ist das mißlungen und den Schaden hat das Judentum, vor allem das ungarische, in dem die Horthy-Schergen sich wieder umtun* werden. In Oesterreich ist man ja gesetzlich und der Staatsanwalt erhob schwere Anklage g e g e n die Geheimbündelei. Kein Staat darf sie dulden, weil er von den geheimen Organisationen angefressen und zerteilt wird. Das war ganz gut gesagt, nur lag vor dem Staatsanwalt ein Zeitungsblatt, in dem die Freilassung des Nowosad mitgeteilt war. Das ist jener Bube aus der Schlageter-Brigade, der 1923 seinen Freund von hinten erstochen hat. Er war zum Zweck der Gerichtsverhandlung wahnsinnig geworden, behauptete, mit Bismarcks Astralleib zu verkehren und kam pünktlich nach dem Steinhof. Dort wurde er gesund und wurde jetzt nach fünf Jahren der Gesellschaft wieder geschenkt. Er hat das Hakenkreuz in Ehren getragen und es gebührt sich, •c^ß er mit dem Rothstock gemeinsam v/ieder ins öffentliche Leben zurückkehrt. Denn Leute, wie die, haben gute und mächtige Freunde. Sie sind zur B ek.ämpfung des „verderblichen Judentums" erzogen und wenn sich ihre Erziehung zuerst im Mord manifestiert, so macht das wenig aus. Der Geist ist's ja, der die Zeit regiert, und dieser Geist ist vom Hakenkreuz repräsentiert, dem sich hier .alles willig beugt und das den Staat unter den Druck* eines ungeschriebenen Gesetzes stellt, welches alle Freiheitlichkeit im Sumpf der politischen Korruption . erstickt. Daher schreibt es sich, daß sich Oesterreich ununterbrochen in einer Krise befindet. ' Der Judenhaß ist das hervorstechendste Symptom' dieser Verschlampung, die sich auf alle Gebiete erstreckt und jede Partei in ihren Bann zieht. .'Man gibt sich denn auch zu wenig Rechenschaft über die' Wirkung dieses Zustandes auf das Ausland, das.; "sich: durch Fahnen und Festwochen nicht bestechen läßt.- Draußen, beurteilt man Oesterreich nach seiner Wiener Universität, nach dem lA'rierparagraphen in den A1 pengebieten, /wo jeder Gemeindeyorstand die Verfassung, und - die Grundgesetze außer Kraft setzt, und nach Ereignis-, sen, wie' dem" Fall des Hakenkreuzlers P ö f f e-1, vder mit dem Revolver in der Tasche zu Gericht geht- und seinen Gegner vor dem Richter über den . Haufen schießt. Oesterreich isf was es ist, hat Mussolini .gesagt, und daß es so geworden ist, das ist die Schuld der Oeffentlichkeit selbst, die in dem antisemitischen Treiben die Untergrabung alles Rechtlichkeitsgefühles duldet. : ' " - Mitschuldig ist aber a uch d i e j ü -d i sche/Gemeinschaft selbst, die mit ihrer Existenz an dem Schicksal und der Entwicklung jedes j Staates teilnimmt, in dem sie lebt. Das österreichische Judentum wehrt sich nicht und sieht es nicht, daß/es in jeder Partei betröge nund belogen wird. Das österreichische Judentum lebt geistig noch immer in der Zeit der Kammerknechtschaft und ist hoch -beglückt, wenn es< von den Sozialdemokraten oder von den Rechtsparteien mit einem gnädigen Wort beschenkt wird. Es wird denn auch so niedrig eingeschätzt, daß man es n u r mehr als Stimmvieh gelten läßt. Es ist nicht bloß das Gefühl für Solidarität verloren gegangen, sondern sogar die R ü c/ksicht a uf das eige-ne Int.er-e s se. Dieses Judentum von mehr" als hunderttausend Wählern, von so großer wirtschaftlicher Kraft und Intelligenz, wäre eine große Summe politischer Kraft, wenn' es den Gedanken d e r n a t i o n a 1 e n O rganis a t i p n erfassen würde. Eine Gemeinschaft aber, .die sich treten läßt, findet keine andere Behandlung, als sie sich in den letzten Sensationsfällen äußert. Das zionistische Aktionskomitee. Sitzung in Berlin am 19. Juli. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur, von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist. der Beginn 'der Berliner' Tagung/ des Aktionskomitees, der^ Zionistischen Organisation,auf Ersuchen der palästinensischen Mitglieder der Exekutive und des Aktionskomitees vom 17. Juli auf den; 19. Juli verschoben worden. Das jederKQche ist ein Verlanen Sie Prospekt oder bßSilCtlCIl Sie der Generalreprf sentanz Warchalow* ki, Finiterle & C9 W ST IS«"'.*