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Die neue Welt · 1928-06-22 · Heft 40 (22.6.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 40 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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III.MARX ERGASS E 30?Si> T.e l e. p'fvo n? 0 . s■•6' je u ri d 95.^';f.Vj8 '; Vl.MARI AN I LFE R ST Tp L e p h o'.n,/ ^.ia''1, V^<hV V e.r e Vi h -g-^:t\^.^y^p^^i^^^^ DIE NEUE WELT Nr. 40 Von Wiener jüdischen Künstlern. Einige publizistische Beschäftigung mit akuten Wiener Kunstfragen hat mir jetzt manchen interessanten Einblick in einzelne Kunstzweige verschafft, und es war mir manche Begegnung mit bedeutenden Menschen gegönnt. Das Wiener Kunstgewerbe hat die Welt erobert, die neue Architektur nimmt in Wien einen steilen Aufstieg. Auf beiden Gebieten sind starke eigenartige jüdische Persönlichkeiten am Werke. So unsinnig es wäre, sie für die jüdische bildende Kunst reklamieren zu wollen (es gibt, glaube ich, vorläufig überhaupt noch keine), so haben wir allen Grund, uns ihrer und ihres Schaffens zu freuen. Ein ganz Großer ist der Architekt und Professor, an der Wiener Kunstgewerbeschule Oskar Strnad. Ich las1 jungst in einer vornehmen deutschen Kunstzeitschrift, daß die ganze hoffnungsvolle Architektenjugend unter seinem Einfluß steht. Es gibt bereits eine Strnad> Generation, denen er Führer und Wegweiser war. Ueberr dies gilt er heute als einer der bedeutendsten Bühnenbildner und — über seine Spezialgebiete hinaus — als einer von den berufenen zeitgenössischen Erziehern zur Kunst. Im Gespräch mit ihm lernt man einen Mann von Selbstzucht und ungewöhnlichem künstlerischen Ernst schätzen. Ein Charakter! Jeglicher Reklamemache abhold, jegliche Verquickung von Kunst und Betrieb fanatisch) ablehnend, wahrhaftig gebildet, von Ueberhebung ebenso weit entfernt wie von Gunstbuhlerei, gehört Oskar Strnad zu den edelsten Zeitgenossen jüdischen Blutes. Der Klaviervirtuose imd Komponist Godowsky be- .müht sich um Errichtung einer Hochschule für Mus* in Jerusalem und regte an, daß die großen jüdischen Tonn künstler, die als Meister ihres Instruments Weltruf haben, freiwillig alljährlich eine bestimmte Zeit an den Meisterklassen der geplanten Musikhochschule tätig sein mögen. Näher liegt, daß für den Aufbau von Erez Israel, für ein Land, in welchem landwirtschaftliche Siedlungen und Städte, Industrieviertel, Hafenanlagen und späterhin Momi,- : mentalbauten zu errichten sind, Männer vom Rang Strnads; und von der Anteilnahme an dem Gedeihen -und den Schönheit des Palästinawerkes, wie sie bei diesem Meisten in großem Maße vorhanden ist, freiwillig Dienst leisten, ferner die Entwicklung der Kunstgewerbeschule BezalejI beeinflussen. Es gibt auch auf diesem Gebiete eine Chaluzkrth und dieses, künstlerische Pi'oniertum ist nicht zu unterschätzen. * . Von der überragenden Erscheinung Strnads abgeiseh'en, steht in Wien noch eine ganze Zahl schöpferischer Juden a)Is Baumeister, Raumkünstler, Kunstgewerbler im Vordergrund oder zumindest weit vorne; In der kürzlich! eröffneten Ausstellung „Die neuzeitliche Wohnung" begegnet man gleich fünf in Wien wirkenden jüdischen Künstlern, die als Architekten, Maler oder Bildhauer berühmt geworden sind oder doch schon Geltung haben: Frank, S o b o t k a, Gö r g e, Groß und Löw. Aus dieser natürlich willkürlichen, bloß aus - Anlaß eines Ausstelhtngsbesuches aneinandergefügten Reihe von Namen hole ich die beiden letzteren hervor* denn sie gehören zwei jungen jüdischen Künstlern an,, deren Entwicklung wir verfolgen durften, die sich der* jüdischen Renaissance verbunden fühlen und durch Strejberi nach künstlerischer Vollkommenheit, durch Abkehr von Zweckstreberei und Erfolgshascherei ihr Bekenntnis zur jüdischen Erneuerung bewähren. Kein Zufall, daß sie sich auf dem Gebiete der Innenarchitektur zu gemeinsamer Arbeit gefunden haben. lieber Fritz Groß, den Maler und Architekten,, wurde in den letzten Jahren viel geschrieben. Ein Kunsthistoriker, der sich mit seinen Gemälden, Zeichnungen, Radierungen befaßt, fragt, ob Groß für seine sprühend lebendigen Blätter wirklich den Himmel, die Vegetation,, die Luft, das Meer des Südens brauche, in welchen en von Wien aus immer wieder flüchtet. Ja, es muß schon in seinem Blute liegen, es muß ein Begehren seiner Seele sein. Der Blick nach dem Orient, der Kunstverstand, die geistige Einstellung, die blitzschnelle Auffassung sind für diesen jüdischen Künstler bezeichnend. Vor allem aber, daß seine Landschaften mit Menschen, Tieren, Häusern, , Schiffen, trotz der scharfen Erfassung des Augenblicks/, den er auf die Leinwand oder den Karton bringt, nicht '•„Stimmung", sondern Egebnis sind. Es wäre wünschenswert, daß ihn die nächste Flucht in den Süden nicht mehr) an die diesseitige, sondern an die jenseitige Küste des Mittelmeers, nach Palästina, führt. Wohl das Bedürfnis, Probleme der Zeit künstlerisch! zu lösen, hat ihn zu der Beschäftigung mit der Raumkunst hingedrängt. Die. Siedlungsfrage steht ja im Zentrum! der zeitgenössischen großen sozialen Aufgaben. In der erwähnten Ausstellung ist sein „Einwohnraum" zu sehen, dessen Originalität, weitestgehende, bis ins kleinste Detail durchdachte Zweckmäßigkeit und — nach meiner her scheidenen Meinung — Schönheit größtes Interesse beansprucht. Aber hier will keine Ausstellungskritik geübt werden, zu der ich mich gar nicht berufen fühle. Ich will nur von einigen jüdischen Künstlern der Gegenwart Nachricht geben, daran erinnern, daß sie da sind. * Als Plastiker hat Jakob Löw, der ostjüdische Bildhauer an dem Großschen Ausstellungsraum mitgewirkt» der ebenso, wie Fritz Groß, Mitglied des Wiener Hagenbundes ist. Ich erinnere mich eines Besuches in Löws Atelier während der Kriegszeit. Eine Skulptur zu dem Bibelvers1 „Aber Lots Weib schaute sich um" stand, in Ton modelliert, fix und fertig da. Nur hatte der grausame Fros* den der Künstler zu bekämpfen nicht in der Lage war» das Opus über Nacht zuschanden gemacht. Lots nackende Frau, die sich frevelhaft umschaut, war nicht zu Salz erstarrt, sondern total zersprungen. Auch sonst war es in dem Atelier des jungen, bitter ringenden Künstlers, nicht! gerade wohnlich. Er hat sich tapfer durchgerungen, ist sich in den schweren Jahren treu geblieben, Lots Frau, in Bronze gegossen, befindet sich jetzt — bestimmt in recht wohliger Umgebung — in Privatbesitz, und Jakob Löw, der sich immer wieder heiter und liebevoll in das Reich der jüdischen Sage begibt und sich von dort Mäi;- chenfiguren holt, geht jetzt den Weg zur Höhe. Otto Abeles. MtoM9QQ&2OmtWd9*9®&QO9Wia9Q99*il9*91M09*a90t909C9Q* I., ADLERGASSE 5 9 II, Kl. PFARRGASSE 28 Sprechapparate jeder Art, sowie sämtliche jüdischen; , und hebräischen SchaSlpIatfien in reichster Aus. •wähl stets auf Lager •8»«eM«0<H>9oee«««e«doa«9«eaaooeMCTO Das Jüdische Lexikon, Dr. Kirschner tritt zurück. Aus Berlin meldet die J. T. A.: Der Mitbegründer 'und bisherige Mitherausgeber des „Jüdischen Lexikons" Dr. Bruno K i r s c h n e r hat sich gezwungen gesehen» seine weitere Mitarbeit an diesem von ihm in Gemeinschaft mit Dr. Georg Herlitz edierten Werke niederzulegen. Maßgebend für diesen nach achtjähriger Tätigkeit noK wendig'gewordenen Entschluß \varen, von anderen Gründen abgesehen, vor allem auch wachsende Differenzen mit den Fachredakteuren und dem Jüdischen Verlag, die sich auf, die von Dr. Kirschner geforderte ständige Vervollkommnung des „Jüdischen Lexikons" beziehen. Dr. Kirschner legt Wert auf "die Feststellung, daß er für die endgültige iext-< liehe und sonstige Gestaltung des in Vorbereitung befindlichen zweiten Bandes und der übrigen Bände keine Verantwortung mehr trägt. Wie der Jüdische Verlag hiezu mitteilt, wird das „Jüdische Lexikon" durch den verbleibenden Herausgeber und die sieben Fachredakteure mit Unterstützung des! Lexikon-Sekretariates unverändert weitergeführt, wobei im Interesse der Subskribenten Redaktion und Verlag bemüht bleiben, den vorgesehenen Umfang von vier starken Bänden nicht zu überschreiten. Der zweite Band, der sich bereits im Druck .befindet, erscheint noch im Juli dieses Jahres. Es ist Vorsorge getroffen, daß die beiden letzten Bände in rascher Folge herausgegeben werden. Charrna"te Schöpfungen der Haute coutuie füi» den Sommer wie dufiige Kleider, herrliche Mäntel, vornehme Toile len für Kurort, Stiand und Gesellschaft in V8i*bild9iohei* Eleganz Jede Dame findet In unseren Salons, was ihrem Geschmack entspricht und sie vorteilhaft kleidet, in der gewünschten Preislage MI I DVU. Kaiserstr. 115 Wir haben nirgends Filialen! Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hielt anläßlich der im Rahmen der „Pressa" veranstalteten jüdischen Kulturwoche ihre diesjährige Hauptversammlung im Kongreßsaal des Ausstellungsgebäudes in Köln- Deutz ab. Eine überaus starke Zuhörerschaft war der Einladung der Gesellschaft gefolgt, insbesondere erschienen auch zahlreiche Mitglieder aus dem Industriegebiet und vom Niederrhein. In der geschäftlichen Sitzung erstattete der Vorsitzende, Legationsrat Professor Dr. M. Sobernheim-Berlin, den Bericht über die Tätigkeit des verflossenen Jahres. In der Festsitzung begrüßte der Präsident des Deutschen Rabbinerverbandes Dr. B a e c k - Berlin die Anwesenden. Nach einer Begrüß-ang: der Versammlung durch die Vertreter der Stadt Köln und der Universitäten Köln und Bonn, gab der Schriftführer^ der Gesellschaft, Professor Dr. I. E l b o g e n - Berlin, eine Uebersicht über die Aufgaben und Leistungen der Gesellschaft. Den Festvortrag hielt Herr Dr. Fritz Bamberg e r - Berlin, über das Thema: Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns. Der Redner bemühte sich zu zeigen, daß das durch die populäre Tradition verbreitete Bild von Mendelssohn's Richtung und Anschauung nicht ganz der Wahrheit entspräche. Daß Mendelssohn durchaus nicht jener einseitige Aufklärer war, für den sein Zeitgenosse Hamann ihn bekämpfte und dip Nachwelt verehrte, sondern daß auch in Mendelssohn, wif in jedem echten Menschen sich Widersprüche zeigen, dal? er namentlich in seinen Schriften zur Aesthetik durchaus die Bedeutung des Irrationalen anerkannte, daß er zwar in seinen allgemeinen Anschauungen über Religion siejr auf dem Boden des Rationalismus hielt, abef sobald er auf Judentum zu sprechen kam, doch wieder jener Glaubo an das Jenseitige und Geheimnisvolle durchbricht, der die Stärke aller echten Religion ausmacht. — Reicher Beifall lohnte die gedankenreichen und gehaltvollen Ausführungen des Redners._ Ein Appell der Hebräischlehrer. Der „Verband der professionellen Hebräischlehrer" ersucht um Veröffentlichung des nachstehenden an 'die „J ü d-i sehen Eiter n" gerichteten Aufrufes: „Der hebräische Lehrer ist*es. der Ihr Kind zum Judentum erzieht, es mit der Schönheit der hebräischen Sprache bekannt macht, er schafft damit auch die Grundlagen eines jüdischen Familienlebens und hält den zersetzenden Einfluß der Straße vom jüdischen Kinde fern, kurz er schafft die Voraussetzungen des nationalen und religiösen Lebens in der Diaspora und in seinen Händen liegt die Zukunft des gesamten Judentums. Trotzdem der jüdische Lehrer mit größter Aufopferung und Idealismus seinen Beruf ausübt, gibt es doch viele jüdische Eltern, die bewüßt oder unbewußt ihn' alljährlich zu Beginn der Ferien auf Gnade oder Ungnade seinem Schicksal überlassen. Statt der wohlverdienten Erholung nach zehn Monate langer schwerer Arbeit wird dem hebräischen Lehrer nicht das gehörige Verständnis entgegengebracht und er wird somit in eine .unhaltbare Lage versetzt. Der hebräische Lehrerverbamd wendet sich daher'an die jüdischen Eltern mit der Bitte, dem hebräischen Lehrer f r ei w ilüg sein Recht einzuräumen und. ihm durch Entrichtung des ihm gebührenden Honorars während der Ferien zu einer Erholungsmöglichkeit zu verhelfen. Wir appellieren an Ihr i ü d i s c h e s Gewisse n und hoffen, daß unser Aptpell nicht ungehört verhallt und der hebräische Lehrer nicht gezwungen werde, sich sein Recht auf gesetzlichem Wege zu verschaffen. Ferner bitten wir Sie, den Beginn der Unterrichtstätigkeit gleich nach den Ferien zu ermöglichen, damit diese für den Lehrer ohnehin schwere Zeit nicht übermäßig verlängert werde." * Diesem Aufruf ist wenig hinzuzufügen. Der erhobene Anspruch ist gerecht. Es ist bedauernswert, daß nicht die jüdische G e m e i n d e die Sorge für den hebräischen Unterricht und damit auch die Sorge für das Schicksal der hebräischen Lehrer trägt. Dann wäre dieser Aufruf, der eigentlich demütigend — nicht für die Lehrer — ist, überflüssig. Wie aber die Dinge nun einmal liegen, ist es Ehrenpflicht der jüdischen Eltern, den schwer kämpfenden Lehrern beizustehen und ihnen Lohn und ErhohingsmögliclTkeit nicht vorzuenthalten. Das wäre schlecht angebrachte Sparsamkeit, Der wirkungslose Cherein. Aus Budapest wird uns geschrieben: In der vorigen Woche fand eine Sitzung der Zentralkommission der orthodoxen Landeskanzlei in Ungarn statt, in welcher unter anderem dem Präsidium vorgehalten wurde, daß es den in der vorigen Sitzung beschlossenen Bann nicht zur Durchführung gebracht habe. Der Zionismus nehme überhand im Lande, es wäre daher unerläßlich, die orthodoxem Gemeinden des Landes aut das strenge Verbot, Zic>- misten als Mitglieder zu dulden oder gar in den Vorstand, einer orthodoxen Gemeinde zu wählen, nachdrücklichst aufmerksam zu machen. Diese Interpellation ist offenbar unter dem Eindruck der Tatsache entstanden, daß. auch in den Kreisen der ungarischen Orthodoxie trotz aller Bannsprüche der Zionismus an Boden gewinnt. Ueber diese Wahrheit kann auch die Antwort des Vizepräsidenten H artstein nicht hinwegtäuschen; er beruhigte den Interpellanten mit der Versicherung, daß seit der letzten Sitzung sich kein wesentlicherer Fall ergeben habe, der die nachdrücklichere Durchführung des Beschlusses begründet hätte. Das Präsidium sei jedoch entschlossen, im Notfalle dem Willen des Zentralrates Geltung zu verschaffen.

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