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Die neue Welt · 1928-06-22 · Heft 40 (22.6.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 40 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 40 DIE NEUE WELT Seite 5 BADVOSLAU OESTERREICH Das führende Haus — 120 Zimmer — Appartements mit Bad - Anerkannt *% «*««•«•«. erstklassige Küche Grand Hotel Bßilevue ät Bes.: P. PALOUDA Zwischen den Mühlsteinen. —y. „Weshalb haben Sie den acht Monate alten Säugling erwürgt?" fragte in dem kürzlich durchgeführten Prozeß in Krems der Richter den Massenmörder Sourada. „Weil er so geweint hat", war die Antwort. Für das unerklärlichste Verbrechen sucht und findet der Täter irgend eine Erklärung, an der er festhält, auch wenn sie zur Tat in keinem Verhältnis steht. Der Budapester Korrespondent des „Lavoro d'Italia", efies großen faschistischen Organs, hat den Häuptling der Rassenschützler, den Sektionschef und Abgeordneten Gömbös, nach den Motiven für seinen Antisemitismus gefragt. Gömbös erklärt: Die Juden sind der ewige Erbfeind Ungarns; sie haben die Revolution gemacht und sie wollen jetzt unter dem Deckmantel des Liberalismus wieder den Freimaurern zur Macht verhelfen. Da die Revolution ins Jahr 1918 fällt, ist das Wort vom ewigen Erbfeind ein bißchen zu stark, selbst wenn es ein Gömbös gebraucht, und was die Toten von Orgovany mit den Liberalen von heute zu tun haben, kann nur so ein Generalstäblergehirn wie das des Gömbös verstehen, das an den Mord gewöhnt ist, ihn aber irgendwie rechtfertigen will. Wobei es auf eine Lüge mehr oder weniger nicht mehr ankommt. Denn so viel Geschichtskenntnis muß sogar ein Gömbös besitzen, um zu wissen, daß die wirtschaftliche Stellung Ungarns in der Vorkriegszeit im wesentlichen auf jüdischer Arbeit beruhte und daß die Revolution, die nicht von „den Juden", sondern nur von den verhungernden Soldaten, Arbeitern und Kleinbauern gemacht wurde, gerade die Juden schwer betroffen hat. Gömbös bleibt eben bei der Formel. Von derselben Seite geht Pater K o r o s e c, ehemals österreichischer Abgeordneter, heute Innenminister Jugoslawiens, das Problem seines Staates an. Er läßt in seinem Laibacher 31att, dem „Slovenec", erzählen, daß „die Juden" Jugoslawiens Feind sind, dem sie durch die Aktion des englischen Juden Rothermere Schaden zufügen wollen. Korosec und sein „Slovenec" wissen, daß daran nicht einmal ein Wort wahr ist und daß die Aktion des englischen Lords und Antisemiten just von den Gömbösleuten (sehr zum Mißvergnügen Bethlens) begrüßt und bejubelt wird. Welchen Zweck hat es also, die Juden Jugoslawiens zu denunzieren? Nun, denselben Zweck, den Gömbös im Auge hat. Für die inneren Schwierigkeiten ein Ventil zu öffnen, das sich noch immer bewährt hat. Korosec und Gömbös sind eben beide in der österreichischen Schule erzogen worden, für die ja stets der Antisemitismus, der Appell an den Patriotismus des dummen Kerls, ein wirksames Ablenkungsmittel gewesen ist. In Ungarn ist diese Gömbös'sche Diktion Bestandteil des politischen Systems geworden. In Jugoslawien ist das, insolange die heute' herrschenden Anschauungen von Moral und Recht bestimmend bleiben, nicht so leicht möglich. Aber es sind, wie man sieht, Ansätze vorhanden. Und so wie es in Ungarn geschieht, in Jugoslawien erstrebt wird, so geht es auch in anderen Staaten, in Polen wie in Rumänien, in Deutschland wie in Oesterreich. Ueberall stehen die Juden zwischen den Mühlsteinen und ihre Situation wird nirgends von dem Recht an sich, sondern nur von dem Standpunkt des Opportunismus bedingt. Und wie die Staaten, so sind die Parteien, und so sind schließlich die Massen. Es ist kein Fortschritt der geistigen Kultur eingetreten und es scheint, daß die Völker trotz aller Demokratie noch immer im Mittelalter stocken. Aeußerlich ist in der Position der Juden nach dem Kriege eine Aenderung eingetreten. Sie sind als Minorität, als nationales Individuum anerkannt worden und es ist sogar ihr Recht auf ein eigenes Land in den Friedensvertrag eingegangen. Um diese Wendung auszunützen und sie zur nachhaltigen Wirkung zu bringen, hätte sich das gesamte Judentum national organisieren müssen. Die Ueberzeugung von dem neuen Recht hätte in die Okkaslon I Okkaslon I verkaufe Ich die Resfbestände meines aufgelassenen Qetail-Lederwaren-Geschaftes rvon $8.~ VKd^oUff vo« S 8t^- Etllt HOiUI"li6C(3$S3ill!S waren" und'* Rdserequlsften 'all i^Art VIJ1., Lederergas?« 2, TUr 2 Werkstatt?: Vlli., Albertgasse 18 Samstao flescMossen L. Storch letzte Hütte, in -die kleinste Gemeinde getragen werden müssen. Dann wäre es möglich gewesen, dem Haß die organisierte Kraft und den Willen eines Volkes entgegenzustellen und jeden einzelnen Angehörigen -der Volksgemeinschaft unter ihren Schutz zu nehmen. Dann wäre es auch möglich gewesen, diesem jüdischen Volk in irgend einer Form eine legale Vertretung im Völkerbund zu sichern und es aus der Unwürdigkeit der Kammerknechtschaft zu befreien. Daß dies nicht geschehen ist, dafür sind zwei Dinge verantwortlich, die wie kommunizierende Röhren miteinander in Verbindung stehen: Die Assimilation, die die Gunst des Augenblicks verschmähte, und die Zionistische 0 r g a n i s a t i o n, die sie nicht verstanden hat. Hätte der Zionismus den Kampf um das Volk, um Mann für Mann und Haus um Haus aufgenommen, so wäre er erstarkt, hätte an Gewicht und Bedeutung gewonnen. Der Zionismus hat es aber vorgezogen, sich zu einer Partei zu machen und mit den anderen Parteien zu paktieren. Der Respekt, den die Politik hatte, ist fast geschwunden und die Juden, die auf dem Weg zur Anerkennung und Freiheit waren, stehen dort, wo die Entwicklung begann: zwischen den sich drehenden Mühlsteinen. Auf dem Wege zu Kraft und Schönheit ♦ < ► < > l > . M ► ,►<><><►<► < » . , I < O . » ♦ **......."> * &* & ati vergebt nicht ä& •; 'kK'-mrii •>,!'»V.v»'<v Av vjr'vVV"'''j.;> '* ':•<' *>".'■■. iPF&Zft^'■■ '^^V-v v7>; ¥'',■•"•(;' Y.ll Sie ist kräftigend öl erfrischend und X <► wohlschmeckend!!!!! Die Zukunft der Juden Polens und ihre Wiederaufrichtung. Vom Abgeordneten J. Grünbaum. Der Verband der polnischen Juden in Amerika hat anläßlich seines 20jährigen Bestandes auf Anregung seines Präsidenten Benjamin Winter ejne Konferenz der großen jüdischen Organisation in Amerika veranlaßt, welche beschloß, eine ' fünfköpfige Studienkommission nach Polen zu entsenden, um dort gemeinsam mit den Führern der Juden in Polen, einen Wiederaufrichtungsplan auszuarbeiten, an dessen Durchführung die Juden in Polen, unterstützt von ihren Heimatsgenossen in Amerika, zu arbeiten hätten. Vorher veranstaltete das Präsidium des amerikanischen Verbandes bei den Führern der einzelnen polnisch-jüdischen Gruppen eine Rundfrage darüber, wie sie sich die Zukunft des Judentums in Polen und seine Wiederaufrichtung denken. Die Antworten erschienen in der Jubiläumsausgabe, des Verbandsorganes „Der Verband"; ihr ist auch der folgende Aufsatz deä Sejmdeputierten J. Grünbaum entnommen. Die Zukunft der Juden in Polen selbst für die nächsten zehn Jahre ist sehr schwer vorauszusagen. Die politische wirtschaftliche Lage in Osteuropa im allgemeinen und in Polen im besonderen ist noch lange nicht stabilisiert. Davon aber hängt naturgemäß auch die Lage der Juden in weitem Maße ab. Abgesehen hievon jedoch kann, so lange viele Verdienstquellen verschüttet werden und neue Quellen überhaupt nicht aufgeschlossen werden, kaum davon die Rede sein, daß das polnische Judentum, besonders wenn es seine nationalen und kulturellen Bedürfnisse befriedigen will, ohne entsprechende Hilfe von außen sein Auslangen finden kann,' Dementsprechend kann auch die Hilfe, welche von den amerikanischen Juden geboten werden müßte, nicht mit ganzer Genauigkeit im voraus angegeben werden. Eines jedoch muß nach den Erfahrungen der ersten Nachkriegsjahre als feststehende Voraussetzung angenommen werden: Die Hilfe muß eine konstruktive sein und mit den Entwicklungstendenzen des polnischen Judentums im Einklang stehen. Ihre Richtung und ihre Formen müssen durch das Judentum in Polen selbst bestimmt werden. Es müssen alle Fehler der ersten Nachkriegsjahre vermieden werden. Damals wurden den polnischen Juden sowohl die Führung als auch die führenden Personen aufgezwungen und auf solche Weise unter dem Deckmantel der Unparteilichkeit eigentlich SCHWEDEN-KINO Z. Bezirk, Taborsirassc Nr. 1 Telephon R-49-0-60 * Heute and Mgllch!! Der gröfjte Erfolg in Wien t! Therese Raquin (Die Ehebrecherin) nach Emil Zola« berühmtem Roman Beginn der Vorstellungen t 7 und 9 Uhr an Sonnu. Feiertagen: 5, 7 und 9 Uhr Kräfte und Einflüsse wieder an die Oberfläche gebracht, die bereits verschwunden gewesen waren. In besonderem Maße muß sich die Hilfe auf die gesellschaftlichen und kulturellen Anstalten erstrecken. Das polnische Judentum hat große nationale und kulturelle Bedürfnisse, die es aus seinen eigenen finanziellen Mitteln nicht zu decken vermag. Der Staat und die Munizipien leisten nur geringe Beiträge. Ohne Hilfe aus Amerika müßte diese Arbeit eine starke Einschränkung erfahren, wodurch das nationalkulturelle Niveau des polnischen Judentums gedrückt würde, was wieder zu einer Verstärkung des Assimilationsprozesses führen müßte. Ich persönlich glaube nicht a n 4 i e M ö g H c Iikeit einer landwirtschaftlichen Kolonisier u n g der Juden in Polen selbst. Ein solches Projekt halte ich für eine Phantasie. Solange die Agrarfrage nicht gelöst erscheint, kann von größeren Plänen auf diesem Gebiet nicht die Rede sein. Der Bauer, der selbst an Bodenhunger leidet, wird jeden Versuch, Juden auf dem Boden, der seiner Meinung nach ihm gebührt, zu kolonisieren, als eine Provokation ansehen. In verstärktem Maße würde sich das in den Grenzgebieten zeigen, wo noch der leidige nationale Kampf hinzukommt. Kleine Umschichtungen auf diesem Gebiete wären wohl möglich, aber ihre Bedeutung für die allgemeine wirtschaftliche Lage der Juden ist bedeutungslos. Der Verband der polnischen Juden in "Amerika müßte der autoritäre Vermittler zwischen den Juden in Polen und dem amerikanischen Judentum werden. Er müßte in ständigem Kontakt mit dem polnischen Judentum stehen, verläßliche und einwandfreie Informationen über das Leben der Juden in Polen besitzen und weitergeben und in allem, was für das polnische Judentum getan werden soll, die Initiative ergreifen. 1 Kämpfe zwischen Juden und Rekruten. In dem Städtchen Maciejow bei Kowel kam es am 7. Juni zu einem blutigen Kampf zwischen Rekruten und der dortigen jüdischen Bevölkerung. Als die Juden um die Mittagszeit das Bethaus verließen, wurden sie von mehreren stark angeheiterten Rekruten angerempelt. Ein heftiger Wortwechsel ging bald in eine Schlägerei über. Die Juden riefen die ganze männliche 'Bevölkerungi des Städtchens zusammen. Eine heiße Schlacht entbrannte» die solange währte, bis es der Polizei mit großer Mühe gelang, die Kämpfenden zu trennen. Auf beiden Seiten blieben zahlreiche Verwundete zurück. Ein Jude erlag seinen Verletzungen, zwei wurden durch Messerstiche schwer verletzt. Wir laden Sie höfl. ein, unsere Schaufenster zu besichtigen! Wenn Sie unsere ausgestellten Seidenwaren sehen, werden Sie von den aparten, geschmackvollen Dessins ebenso entzückt sein, wie von den erstaunlich niedrigen Preisen für die erstklassigen Qualitätswaren. Wir führen selbstverständlich auch die alierfeinsten Seidensorten, haben aber auch In den kleinsten Preislagen wirklich gute und schöne Ware, Wir begnügen uns mit einem sehr geringen Aufschlag zu unseren Gestehungskosten, um einen möglichst großen Umsatz zu erzielen. Daher kaufen Sie bei uns so gut und billig, wie kaum noch irgendwo. Ueberzeugen Sie sich durch einen unverbindlichen Besuch. 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