Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-06-15 · Heft 39 (15.6.1928) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 39 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711654--0515-2713663
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 39 Der Judenmord des Bolschewismus. —y. Ein Aufruf des russischen Zentralkomitees der kommunistischen Partei schildert den Zustand des Staates, so wie er sich heute, zehn Jahre nach dem Beginne darstellt. Der Aufruf ist durchsetzt vom Geiste eines verzweifelnden Pessimismus. Zehn Jahre sind im Leben eines Staates und Volkes kein großer Zeitraum, in dem die Entwicklung soweit gehen kann, daß sie ein Urteil ermöglicht. A.ber was der Aufruf besagt, ist, daß eine Aenderung der politischen Psyche in Rußland in diesen zehn Jahren nicht erzielt werden konnte, und es ist stets System einer herrschenden Schichte gewesen, erstens einmal eine Schuldfrage aufzurollen und in der Beantwortung die Schuld von, sich abzustreifen. Das Zentralkomitee verzeichnet als Momente des Mißlingens: den Widerstand der Bauern, die Sabotage der Spezialisten, die Bureaukratle des Staatsapparates und — wörtlich — Fäulnis, Nachlässigkeit, Trunksucht und bösartige Unaufmerksamkeit in der Arbeiterklasse selbst. Heilmittel sei die Demokratie, die Freiheit der Kritik und die unbeeinflußbare Wählbarkeit der Parteiinstanzen. Das ist ein substanzloses Rezept, mit dem keine Partei der Weit etwas unternehmen kann, am wenigsten die Reform einer so weit dimensionierten Staatsmaschinerie. Das Neue an dem Aufruf ist, daß er von der entscheidenden Körperschaft kommt und daß er das S. O. S.-Signal hlnausgibt in eine Welt, die schon jängst erkannt hat, wie es um Rußland bestellt ist und die sich in der letzten Zeit daran gewohnt hat, mit besonderer Aufmerksamkeit den Lauf der Dinge zu beobachten. Sie hat'seit der Verbannung der Opposition gesehen, daß in der Innerrussischen Atmosphäre das a n t i j ü d i s c h e Element wieder stärker hervortritt und sie weiß aus alter Erfahrung, daß hier eines der beliebten, wenn auch nicht immer bewährten Ventile geöffnet wird. Und tatsächlich schieben alle Blätter des Bolschewismus mit einer unheimlichen Uebereltistimmung das J u d e n p r o b 1 e <m in > den Vordergrund. Sie wenden sich in löblicher Absicht gegen das Umsichgreifen der antisemitischen Strömung, sie zitieren Berichte, Geriohtsprot'okolle, Flugschriften, und allen sind die aus der Zarenzeit stammenden Parolen gemeinsam. Sie sind von der Konterrevolution wieder eingeführt.worden, atoe^sie finden: wjllige Aufnahme und die Regierung läßt die Dinge'gehen. , Und mit diesen Tatsachen muß sich die jüdische' OeffentHchkeit intensiver beschäftigen'. Sie Ist vielfach mit 'den* Bolschewismus 'identifiziert worden. Von reaktionärem Gesindel, das nun einmal hinter jeder Neuerung, die ihm unverständlich bleibt, den Juden sucht, von H'aJbdemökraten, die im Bolschewismus eine Art jüdischen Spartakus erblicken, von Finsterlingen, denen-das Gespenst der alljüdisoheir Weltrevoiutibn den Schlaf der Nächte raubt/ Keiner dieser Kategorien ist. es aufgefallen, daß das neue Regime sich mit' der vollsten Wucht auf den voiri Zarismus? verKrüPpelten und vom Weltkrieg ausgelausteh Körper des russischen Judentums stürzte! daß das innere Leben des. fast vier: Millionen starken Judentums ersticlct wurde, 4em Religion, Volkstum, Besitz genommen urtd durch ein helotisches Proletariatsbewußtsein ersetzt wurde, . Niemandem, auch kaum dem jüdischen Sozialpolitiker, ist es klar, was hier geschehen ist und was der jtidi'schen: .Gemeinschaft an unersetzlichem Schaden zugefügt worden ist. Aus der Entwicklung einer * Nation, in der alle Stämme sich gegenseitig befruchten und trotz aller Staatsgrenzen zur harmonischen Verbindung streben, ist gerade der tüchtigste, stärkste und.. national und kulturell einheitlichste Stamni ausgeschaltet und physisch dezimiert worden^ Im Namen der Idee des Sozialismus, der Verbrüderung und der Freiheit. Die fast kosmische Unfähigkeit des Bolschewismus, die im Besitze einer unumschränkten Macht nicht einmal das Analphabetenproblemr bewältigt, hat auf. dem jüdischen Gebiet Vollendetes geleistet und erst in Jahrhunderten werden die Forscher beurteilen können, wie unheilvoll die. Entwicklung des Judentums beeinflußt worden ist Der Schaden ist um' so größer, als, das Gift des zedotischen,' intransigenten und intoleranten Kommunismus auch die jüdische Jugend erfaßt und sie zu Helfershelfern in dem geistigen Pogrom gemacht hat. Es waren j ü d i s c h e S k 1 a v e ri Lenins, die als Jewsekzia den Gedanken suggerierten, dem Palästinaideal, dem letzten seelischen Trost der jüdischen Rasse, die K r i m k o 1 o n i s atlori entgegenzustellen und, als diese sich als Trug erwies, die Mandschurei an die Wand zu malen, Es sind jüdische Sklave*, dje als Spitzel und Sbirren in - die jüdische Familie eingedrungen sind 'und. zionistische Redner un<4 Arbeiter in die Tundren eskortieren lassen, Der Neger kann nur 4urch den Neger besiegt werden, heißt es bei den Bantus. Das Verhängnis des russischen Judentums waren die jüdischen Renegate n, die; Hysteriker und Konvertiten* die' ihre Herkunft; durch Ueberspitzen > des Parteigeistes vergessen lassen wollen. Sie sind auch anderwärts zu finden und wenn ihre Methoden anderwärts kultiviertere sind, sq ist daran nicht ihr Wille schuld, sondern nur das Unvermögen und der Umstand, daß hier doch noch eine Kontrolle der jüdischen OeffentHchkeit besteht und daß das jüdische Palästina langsam schon zu wirken beginnt. Die Verstärkung dieses Einflusses ist eines der schönsten Ziele des Zionismus und je fester sich das Judentum im Mutterland verwurzelt, um so leichter wird es sein, gegen „den Geist der Zeit", gegen die Entjudung anzukämpfen. Hätten wir nicht» Palästina, dann hätten wir alle schon das Schicksal des russischen Judentums geteilt, und der Zionismus wird auch diesem russischen Judentum, wenn einmal die Möglichkeit sich öffnen wird, die Kraft zur Erholung bringen. _' Das Martyrium jüdischer Arbeiter in Rußland. Aus Moskau meldet J. T. A.: Der jüdische Arbeiter Abraham M a s c h 11 n wurde von selnon christlichen Arheitsgenossen In der Fabrik in einen Kessel kochenden W a s s c r s geworfen. Es gelang ihm, sich zu rotten, er kam mit schweren Verbrühungen davon. Auch andere jüdische Arbeiter in der Fabrik sind schweren Verfolgungen ausgesetzt. Die Kontrollkommission der kommunistischen Partei befaßt sich jetzt mit dieser Angelegenheit. Der jüdische Arbeitslose Rubin Gar her, der aus Berditschew stammt, ist an Herzschlag gestorben. Seine Kollegen erklaren, daß sein Tod m unmittelbarem Zusammenhang mit den Verfolgungen und Verhöhnungen steht, denen er seitens des Kiewer Arbeitsamtes ausgesetzt war. Krampfadern und deren Bekämpfung* Von Anton B s t ä n d i g. Krampfadern sind eine dauernde und krankhafte Eaweiterung der Venenwände und können mitunter dem damit Behafteten xinerträgliche Schmerzen verursachen. Stehender Beruf, Gewichtszunahme, Schwangerschaft, Vererbung usw. sfcrtd die Ursachen von Krampfadern und ist es unbedingt notwendig, schon im Anfangsstadium, der Erkrankung energisch dagegen vorzusorgen- Frauen zum Beispiel sollen, während der Schwangerschaft, die eine ganz besondere Gefahr für Krampfaderbildung bedeutet, alles tun* un* der Entstehung der lästigen nriq gefährlichen Krampfadern vor» zubeugen. wie beugt man nun der Bildung von Krampfadern am besteh vor, beziehungsweise wje verschafft man sich Erleichterung bei schon entwickelten Krampfadern und verhindert damit eine eventuelle Vergrößerung der Krampfadern? Das einfachste Mittel, Um dein Fuß, beziehungsweise Bern einen festen Halt zu geben und dadiirch ein Fortschreiten .der Krampfaderbildung zu verhindern, sind die Patschen (tetrabinden, Idealbinderi, Gummifatschen usw.). Es ist aber -gerade keine angenehme Sache, solche Fatscben anzulegen Und wird speziell dem Laien anfangs1 nicht leicht fallen« Daher sind Gümnüstrüritpfe oder aUch; KrAmpfadernstrümpfe;aus Reingtimtniplatte entschieden vor« zuziehen- Ehirch de^'gleichnvHßigen, zentralen Druck, den der Gummistrumpf auf das Bein, ausübt» werden die Aldern festgehalten und eine weitere Vergrößerung des Leidens unmöglich gemacht. Es gibt heute-noch viele Aerzte, die »hren Patienten» Tiicht erlauben, Qumniistrürripfe zu tragen und blieb solchen Patienten bis nun nichts übrig, als'die imbequerhen Fatachcn zu verwenden. ,;.;.',.<; Erst in letzter/Zeit ist man darangegangen, frummik>se Krariipfader^tFüinpfe? herzustellen, die auf ein eigenartiges1. System aus Garn gewirkt, dieselbe Zugfestigkeit aufweisen.,, wie der Gummisirumpf. Diese Zügfestigkeit wird durch den Zug nach aufwärts erreicht und ist dies für die Blut- Zirkulation besser als der konzentrische Druck bei den Gummistrümpfen. Die gummilosen Strümpfe sind waschbar wie jeder Florstrumpf und können auch gestopft werden. Ob es sich nun um Gummi- oder gummikise Strümpfe bandelt, ist es auf jeden fall notwendig, daß sie gut passend am Fuß sitzen innd ist daher geraten, sich vor Einkauf eines- Krampfaderstrumpfes an einen tüphtigen Fachmann behufs Beratung wegen der Ausführung und Qualität sowie der genauen Maße zu wenden. -' ■' •—i-———~ ■"............■!»■■« um.......iiwi i'i Ii...... »i ii i. Der Judenhaß in SowjetmßUnd. Ein iüdisoher Kommunist als Hetzer, : Die zur Untersuchung des antisemitischen Regimes des Direktors des Großen Moskauer Theaters Golowanow eingesetzte Kommission hat die Entfernung Golowa* itows ausgesprochen. „Prawda" teilt m|r, daß der jüdische Kon> tn u n i s t Abraham A r b e r, der Sttkretär des Stadtrates von Mobile w-tPodolsk, in einer öffentlichen Stadtratsslteuhg die Lluuldiewng der Stadtmagazine der zentralen Arbeiterkooperative beantragt hat, mit der Begründung, daß in den Bureaus der Magazine ,<nur Juden" sitzen. Ferner berichtet „Prawda", daß der Kiewer Kommunist T s c h a uko öffentlich gesagt hat; „Sobald es zu einem Kriege kommt, worden wjr alle Juden ers c h'« ß e n!" „Prawda" fordert „den antisemitischen Mist aus dem kommunistischen Hause zu. entfernen", ' Die Lenlngrader kommunistische Zeitung „Krasnala '^^^MtfttättäiiittttMAMNtti i^w^ ,Dte bezauberndste Stimme dieser Zeit* JOSEF ROSENBLATT der weltberühmte Kantor« Konzeris&nger und Komponist au« NEW YORK singt Mittwoch, den 27. Juni 1028,8Uhr abends Im GROSSEN KONZERTHAUSSAAL Reichhaltig«* Programm relltflftser, klassischer und volkstümlicher Ckesansje Begleit it von dem berühmten Pianisten A. ELLSTEIN aas New York Wer die Komposittonen in den auf der ganzen Welt verbreiteten Orammophonplatten „Josale Roaenblatt's" gehört hat, wird die Gelegenheit nicht verteilten, den populären Künstler persönlich zu höre» Karten in S f.- bis S 15,— und Logen so S 100.— bei der Konter ihaufkatta, Ketzendorf er, Gcnttfioss and bei den Bnchh«ndlange»t Lew«, Schlesinger, Rath EINZIGES KONZERT IN WIEN Gazeta" tritt der antisemlKsclien Bewegung unter de« Kommunisten scharf entgegen und weist an Hand der Statistik nach, daß die jüdischen Händler in Rußland nur 15 Prozent der allgemeinen Händlerzalil in der Sowjettinion ausmachen, daß aber die Zahl der jüdisohe« Arbeiter in den Fabriken ständig wächst. Heute zahlt man in den Fabriken mehr als 160.000 jüdische Arbeiter, ferner rund 200.000 jüdische Beamte und Ingenieure. Nie .hätten Juden die Arbeit gescheut, aber unter dem Regime der Zaren wurden sie systematisch der Arbeit fern gehalten. 200.000 jüdische Bauern mit einer halben Million Familienangehöriger arbeiten auf den Feldern. Die Zeitung schließt: Antisemitismus i s t H u 1 i g a n i s m u s. „Krasuaja Gazeta" berichtete in einem zweiten Artikel Uber die Ausbreitung des Antisemitismus unter den Schulkindern. Die Zöglinge der deutschen Volksschule in Taganrog haben die Losung ausgegeben: „Schlagt die Juden und rettet Rußland!". Eine zweite Losung lautet: „Kein Jude darf In unsere Kflasse kommen!" Palestine Touring Club, Wien* Wie wir bereits berichtet Jiaben, ist in Wien ein Klub unter obigem Namen gegründet worden. Die erste Genera-lversarmung fand am 6. d. M. im Kiubsaaie des Verbandes 1 radikaler Zionisten statt und wurden iZ-um Präsidenten Herr Ing. F. A-cik.e rm&n n, zum; Vizepräsidenten Herr' Max Schiff maiin urid'"Frau Dr. P erde Wc c h s I c r gewählt. In den Vorstand: wurden folgende Mitglieder entsendet: Herr Hans Kandl, Herr Kiumak, Herr Saiomon Kör n e r, Herr David N e b e n z a h 1, Herr Dr. Leopold P1 a s e h k e s, Herr Öberbaurat Robert Stricker, Herr Dr. David T a u b e s, Herr Dr. Israel Waldmanu, Frau Lotte Piasch'keS, Frau Paula Stricker und Frau Berta Taubes. Der Vorstand wählte aus seiner Mitte Frau Berta Taubes zur 1. ' Sekretärin, zu deren' SteWvcrtretoriti Frau Lotte Plaschkes, zum Kassier Herrn Saiomon Körn er und zu dessen Stellvertreter Herrn David N e b;e n z ab 1. In das Schiedsgericht wurden die Herren. Dr. PI a s c h ke s (Obmann), Niwes, Schorzer, Samonsid und Dr. Waidmanu enteendet. ' Der Klub, zu dessen vornehmsten Aufgaben die Organisierung vpn Gesellschaftsreisen': nach Palästina gehört, hat das Arraugeineut der vom Verbände radikaler Zionisten und der Vereinigung demokratischer Zionstinnen veranstaiteten 1. P a 1 ä s t i n a r e 1 s e übernommen und zur Vorbereitung und Durchführung dieser Reise ein Speziaikomltee unter der Obmannschaift des Herrn Dr. David Taubes gewählt. Diesem Komitee gehören ferner an: Frau Paula Stricker (Stellvertretertn), Herr Saiomon Körner (Kassier), Frau Lotte pilaschkes,' Frau Dr. Perle Wechsler und dte Generalsekretäriii des Klubs, Frau Berta Taubes. Der KJub hat als erste Ywanstaltmiig am 13. d. iw Kiu'blokaie des Verbandes radikaler Zkwristen emw Lichtbildervortrag veranstaltet, bei weilchem Herr Sek- »SITNAR« SocUlli Itallana dl SarvUI Harltllml » ' wwwwiwmiww wöchentlich mit den Luxusdampfem und Ittiiwwwiiiii tv Mg«lm8l|l|« llllinitn nach |»«lll9llfii«v arl«cht)nl«nfli KonilMtliiQp«! Rundfahrt« n Im Mltt«iim««r Billige So mtncr.fahrt«o . Auskünfte: .Sitmaf*. I Kürntnerring 18 (Ecke Schwai?pnbergplata;) Telephon 55009 SHBPPPP W

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.