Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 39 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711630-2711654--0513-2713661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seife 4 die mm mir Nr. 39 o o I., Bellariastraße 12. Tel. 36-3-39 V.,Sch8nbrunnerstr.56. Telephon 95-55 SPRECHAPPARATE wje Gramola, Columbia, Uflraphone UNSER SPEZIAL-KOFFER-APPARAT „MINERVA".........S 75*— „M A tl ESTR OIiA(* I......S 180*— „MAJESTROLA", Luxhb . . . S 195*— ¥ Auch auf Teilzahlung! ¥ Neueste Schlagerplaiien In grOßier Auswahl mögen fährt nach Palästina in der Absicht, die Verhältnisse des Landes zu studieren und, falls es sich als möglich herausstellen sollte, im Lande zu bleiben, vielleicht aber auch nach einiger Zeit zurückzukehren. Ein solcher Jude nimmt ein Tou risten Visum, denn ein' Einwanderervisum kann er ja keinesfalls nehmen, da er noch nicht fest entschlossen ist, im Lande zu bleiben. Der Jude 'kommt Jiach Palästina und der Hafenoffizicr fragt ihn, ob er eventuell im Lande zu bleiben gedenke. Der jüdische Reisende, in der naiven Vorstellung, die jüdische Heimstätte zu betreten, und hier endlich einmal keine Golusschliche nötig zu ha'ben, antwortet bejahend und — wird nicht i i? das Lan<l gelassen, da er kein Tourist sei, wenn er mit der Absicht umgehe, eventuell im Lande zu .bleiben. Herr Hyamson hat derartige salomonische Entscheidungen seiner Untergebenen immer wieder -bestätigt. Ein Mann, der bereits einen großen eigenen Orangengarten in Palästina besitzt, und kam, um ihn zum ersten Male zu sehen, wurde nicht an Land gelassen, weil er auf die Frage, ob er eventuell auch im Lande bleiben würde, Nicht entschieden genug „Nein" sagte. Ein anderer beliebter Trick: Es galt stets als zulässig, daß ein Tourist nach Ablauf seines Visums den Antrag stellte, nunmehr ein Dauervisiim zu erhalten, da er eine Möglichkeit gefunden hat, im Lande zu bleiben, In früheren Jahren sind Tausende. von Neueinwanderern so ins Land gekommen,und man muß sagen, daß es sich Wer um eine überaus gesunde E r s c h e 1 n i\ n.g band ei te.. Neuerdings, macht Herr Hyamson es diesen Menschen so gut wie. unmöglich,, nach .Ablauf ihrer Visa, im Lande zu bleiben, Und was soll man. dazu sagen, daß Herr Hyamson verfolgte. Zionisten aus Sowjetrußland, i m G e g e n s a t z zur bisherigen T r adi t ion nicht nach Palästina, läßt; weil irgend ein Visum fehlt? Und was dazu, daß auch der Besitz von mehr e r e n t a u.ste n d Pfund nach.. Ansicht des-Herrn Hyamson nicht ausreichend ist, um in Palästina leben zu dürfen? . .. Herr Hyamson hat es sich bereits, in einigen Fällen gefallen lassen müssen, daß man ihn desavouiert hat, ein-. mal die Londoner Regierung, einige Male, in den letzten Tagen die palästinensische Regierung. Die Exekutive hat diese Fragen mit dem1 Oberkommissar besprochen und es soll angeblich ein Gesetz in Vorbereitung-sein, durch das Kapitalisten , und Verwandten wieder ein gewisses Entgegenkommen gewährt , wird. Man kann, natürlich, ehe das Gesetz publiziert ist, nicht darüber urteilen, ob die Lage sich dadurch bessern wird: eines ist sicher, daß es nicht nur auf "das Gesetz, sondern auch auf die Durchführung ankommt, und daß diese zurzeit sich In den für uns schlechtesten Händen befindet, die wir uns vor» stellen können. Nicht umsonst drückt der arabische „Palest i n" Herrn Hyamson sein Vertrauen aus. Nicht zum ersten Maie werden ■ Fragen des palästinensischen Strafrechtes und Strafvollzuges in der zionistischen Presse behandelt. Mit dem notwendigen Nachdruck freilich sind diese Dinge bisher nur selten behandelt worden. Wir Wolfen hier nur zwei Punkte erwähnen, welche. Gegenständ deir Empörung im Lande sind. Wir denken einmal an' die Praxis der A u' s weis u n g e n, die .gegen Kommunisten üblich ist und eigentlich ausnahmslos gegen jeden Kommunisten angewendet wird, der überhaupt in die Hände der Regierung fällt, auch wenn sein Vergehen in. nichts weiter besteht, als in der Zugehörigkeit zu einer kommunistischen, d. h. in Palästina illegalen Organisation. Es ist wahrlich nicht aus Sympathie für die „M o p s 1 n" genannten palästinensischen Kommunisten,- wenir wir uns als entschiedene. Gegner dieser Praxis bekennen. Gerade wer ein arbeitendes Erez Israel wünscht, kann sich nicht scharf genug gegen jene Elemente wenden, weiche Vertreter der Moskauer Jewsektia in Palästina sind, jener Körperschaft, die unsere Gesinnungsgenossen in Rußland blutig verfolgt. Aber „wir sehen -den Anfang und fürchten das Ende". Kommen die. Juden, wie es selbst das Weißbach bestätigt, kraft Rechtes nach Palästina, nicht als Einwanderer in ein fremdes Land, sondern als heimkehrende Söhne in ihre Heimat, so darf es keine Ausweisung geben und es darf kein Unterschied zwischen dem schon eingebürgerten und dem noch nicht eingebürgerten Juden gemacht werden. Niemand weint den. ausgewiesenen Kommunisten eine Träne nach, sie werden, ohne Zweifel in Rußländ freudig aufgenommen werden. Aber wer garantiert uns dafür, daß nicht morgen ein findiger Richter eine andere Kategorie findet und auch da von der Ausweisung Gebrauch macht? Im Augenblick sind im Jerusalemer Gefängnis zehn K o ni m u n i,s t 9-tt, die 'kürzere Freiheitsstrafen verbüßen und dann zwangsweise auf ein Schiff gebracht werden sollen, Einige von ihnen haben ihre Strafe bereits, verbüßt, werden aber im Gefängnis zurückgehalten, bis der Abtraiisport erfolgt. Hier kam es in den letzten Tagen zu einem empörenden Vorgang. Während des üblichen Morgenspazierganges im Gefängnishof erhielten diese Gefangenen den Befehl, sich in ihre Zellen zurückzubegeben. Sic wiesen darauf hin, daß die übliche Zeit für den Spaziergang noch für öftehriiehe und fix Angestellte '09wie deren '■ Angehörige Pauschalpreis inklusIve^Fahrt in 5 Teiltahlungen„' . aijsügliph vey«intüeH«p' Visum- und Fahrtbegünstigungen, 'einschließlich eralfclawigär Logis, Verpflegung, «öbescbrilnktör Bädergebrauch samt Zelt,. Kurtaxe etc. Reiseantritt schön nach Anzahlung gewährleistet Auskünfte und Prospekte durch die Generalyertref urig ... des internationalen Reisebüros F.GR1GOLON « CO. Wien, I. Kohlmarkt 8 (Eingang Waltnerstraße) Telephon 69-4-17 noch eine Stelle aus einem Aufsatz des als Lehrer wie als Philosophen hochangesehenen unvergeßlichen Professor« Wilhelm Jerusalem zitieren. In dem Aufsatz „Josef Popper-JLyaikeus als Ethfker" finden wir die Steile: ,,Popper hat auch tatsächlich trotz seiner ganz freien Weltanschauung sein Judentum niemals verleugnet. Ich weiß, daß er vor einigen Jahren einen Ihm eng befreundeten jungen Mann, der seinen Austritt a u s dcm Judentum bereits angemeldet hatte, durch energische Vor« s t e 11 u n s e n d a z u bewogen h a f, d i e s e n Schritt rückgängig zu machen. Josef (Popper hat den Weg, den die Propheten des alten Bundes mit so strahlender Deutlichkeit gezeigt haben, aus eigener Kraft selbst gefunden, den Weg meine ich, der vom reinen Judentum geradeaus hinführt zum reinen Menschentum. Josef Poppers Ethik zeigt uns einen durchaus sangbaren Weg zur wahren Menschengemeinschaft, m der Jedes ein* zelne Mitglied Anspruch auf gesicherte Existenz hat, dafür aber auch die Verpflichtung übernimmt, für das Bestehen der Gemeinschaft zu wirkten und zu arbeiten." In diesem Aufsätze gelingt es auch Professor Jerusalem, uns In einem wunderbaren Vergleich zu zeigen, wie Popper trotz seiner antireligiösen Anschauungen an die Propheten des alten Bundes erinnere und wie ihn ganz besonders mit dem überaus eigenartigen und kraftvollen Sittenprediger Ezechiel eine tiefe Wesensverwandtsetoaft verbinde. Ezechiels Sittenlehre Ist so wie die Poppers dem Leben zugekehrt. „Ich wiltf nicht denTodldes Sünders, sondern daß er zur üc kkehre und leb e." Und Jerusalem fügt noch htomi: „Schon der Vergleich Poppers mit dem Propheten Ezechiel zeigt, daß das ethische Omndgefühl dieses edlen Menschen mit der geläuterten Sitteniehr« de« Judentums im innersten verwandt tot. Dies geht aber noch deutlicher aus folgendem hervor: Poppers ethische Griindfordermig ist die unbedingte Achtung vor' der physischen Integrität eines jeden m e n s ch liehen' In d i v i d u ums. Darauf beruhen alle seine Mahnungen und Reformideen. Nun, lesen wir im Mischna-Traktat Satihedrin folgenden Satz: „Deswegen ist Adam als der einzige Mensch in der Welt erschaffen worden, damit man daraus lerne, daß jedem, der ein einziges Menschenleben vernichtet, es so angerechnet wird, als hätte er eine volle gauzte Welt vernichtet, und jedem, der ein einziges Menschenleben im Dasein erhält, es so angerechnet wird, als hätte er eine ganze-volle Welt im Dasein erhalten." Man sieht, daß hier jedes einzelne Menschenleben genau so eingeschützt wird!, w&e es der Verfasser der „allgemeinen Nährpflicht" verlangt. Als Dichter der- „Phantasien eines Realisten" Ist Josef Pooper unter dem Pseudonym „Ly nk e u s" am frühesten und in weitesten Kreisen bekannt gewordten. Wir haben in diesem Buche, das <mehr als 80 Piecen enthält — Novellen, Skizzen, Erzählungen — den ungeheuren Reichtum einer Gedankenwelt, die alle Zeiten und alle Völker umspannt. Der Schwieteer Dichter I. V. Wiidimawi schrieb nach dem Erscheinen der „Phantasien" im „Berner Bund": „Wer mag der Mann sein, der so •freimütig denkt* der so ungewöhnlich, doch immer fohl« und waisbeitsvoll■, urteilt? An den holländischen Dichter und Denker M u 11 a t u l i wird 'man vielfach erinnert. Aber es kommt mir . vor, in Lynkeus sei mehr geistige 'Disziplin, Auch sind mir logische Finessen aufgefallen, die mich an das seit Jahrhunderten geschulte Denken des jüdischen Geistes gemahnten, au die spinnwebeufeine und dabei eisenstarke Dialektik alter Rabbiner," » Zum Schluß möchte ich Ihnen aus den „Phantasien", Englische und französische aschseide letzter Ausmusterung, in bester Qualität, erhalten Sie •ehr preiswert nur im Spezialhaus iMliliaus jmn HirsdienMLTaliorstraBe 17t nicht beendet sei und daß überdies einzelne von ihnen ihre Strafe längst verbüßt hätten. Statt aller Antwort wurden sie in Ketten gelegt und zwangsweise in ihre Zellen zurückgebracht. Sic stellten darauf eine Reihe von Forderungen: Trennung der politischen von den kriminellen Gefangenen, Betten für die Gefangenen, Erlaubnis zum Lesen und ähnliches. Als davon nichts gewährt wurde, traten sie in den Hungerstreik. Darauf ließ die Gefängnisverwaltung drei von ihnen mit 10 bis 12 Stockhieben bestrafen. Sämtliche Gefangenen setzen den Hungerstreik fort. Sie sind sämtlich gefesselt, mit Ausnahme eines, der nach Tagen des Hungers und erfolgter Prügelstrafe mehrere Ohnmachtsanfälle erlitten hatte. Die Prügelstrafe in Gefängnissen ist nur nach vorheriger Zustimmung des Gouverneurs zulässig, man muß also abnehmen, daß diese Zustimmung erte44t wo-rd e n i s t. Die bloße Darstellung der Vorgänge genügt eigentlich und macht jede weitere Auseinandersetzung überflüssig. Es mag daran erinnert werden, daß in Palästina nicht wie etwa in Ungarn eine bolschewistische Herrschaft gestürzt wurde und nunmehr ein weißer Schrecken dem roten gefolgt ist. Die völlige Einflußlosigkeit der palästinensischen Kommunisten ist unbestritten. Was hier vorliegt, ist ein Schandfleck für eine Regierung, die als eine aufgeklärte und europäische angesehen: werden will und überzeugt ist, das Land von der türkischen Barbarei befreit und mit den Segnungen europäischer Kultur beschenkt zu haben. Aber man möchte das fast bezweifeln, wenn man denkt, daß diese Vorgänge nach zehnjähriger britischer Herrschaft noch möglich sind. Vor einigen Monaten schon führte ein Gerücht, das angeblich nicht auf Wahrheit beruhte, über Prügelstrafe im Gefängnis zu Protestdemonstrationen, Auch das hat die Regierung nicht dazu veranlaßt, die türkische Bestimmung' des Prügclns endlich aufzuheben. Die Zionistische Exekutive sollte diese Angelegenheit mit allem Nachdruck aufnehmen.-Sie mag bei. dieser Gelegenheit die Tatsache erwähnen, daß es palästinensische Juden gäbt, die es ablehnen, sich einbürgern zu lassen, weil sie gegenüber derartigen Zuständen auf den Schutz ihres Konsuls nicht glauben verzichten zu können. ... * . ' .; ' _ ",'" Noch ein drittes Gebiet soll berührt werden. Wir meinen die auff allende U n s .i ch e r h e i t im Lande . in den letzten Monaten, die ganz besonders in Jerusalem selbst zutage getreten ist. Die Zahl der Fälle, wo Juden in der Nähe der Klagemauer von Arabern überfallen,, ber raubt, vergewaltigt, verprügelt wurden, ist außerordentlich groß; dazu kommen die weiteren Fälle von Störungen des Gottesdienstes, an der Klageinauer. Aber auch au anderen Stellen der Stadt sind derartige Fälle, so häufig geworden, daß es schwer ist, sie als vorübergehende Ereignisse der Lokalchronik zu betrachten. Die Polizei hat bei der Verfolgung derartiger Vorgänge keine Erfolge aufzuweisen, mit der einzigen und gewiß nicht uninteressanten Ausnahme, daß, als vor einigen Wochen amerikanischen Juden etwas Derartiges geschah ^ggnammKmmmammmmmmmmmmw\ i 'mmmmmaauem wenn auch wesentlich gekürzt, eine Geschichte .wiedergeben, von der ich glaube, daß Sie gerade in Ihrem Kreise, in dem wahre Mütterlichkeit sich die Aufgabe gestellt hat, den heimatlosen Kindern des eigenen Volkes eine neue Heimat zu sichern, tiefes Verständnis und warme Teilnahme finden wird. Sie sollen die schönste der Phantasien •hören, von einer Mutter, dieren Güte bis in den Himmel drang. Ich meine die Erzählung von AI a di n und die merkwürdige Unterhailtung von vier arabischen Dichtern, die in einer Oase zusammentrafen und, unter Palmen gelagert, höchste Dinge miteinander besprechen. Warum wurde gerade Aladin der Wunderlam-pe teilhaftig? Er war doch ein halsstarriger Junge, ungebärdig und wtöd und sein Vater Mustafa hatte viel Verdruß mit ihm, Lange Zeit soll er es schlimm getrieben haben. Was konnte den AHbarmherzigen bewogen 'haben, diesem Menschen die Lampe zu geben? Darauf erwidert Abu! Faradsc h: „Alles wird, dem Menschen verziehen, der so an seiner Mutter hängt wie Aladin." Und dann erzählt er, wie Aladlns Mutter einmal erkrankte und der Junge zum Arzt 'geschickt wurde. Auf dem Wege begegnete ihm eine wunderschöne Frau, die dem -Knaben zuwinkte und ihn ermunterte, mit ihr «u gehen. Aladin war bleich geworden vor Entzückung und hatte einen Augenblick lang alles in der Welt, auch seine Mutter vergessen. Aber gleich darauf erinnerte er sich, sie sei krank und er sei geschickt, den Arzt zu holen. Da schrie er auf vor Entsetzen, daß er daran hatte vergessen können, und in seiner Einbildung sah er die gräßlichsten Schmerzen, die er seiner Mutter durch sein Zögern verursacht hatte. Laut schreiend lief er der schönen Frau davon und holte den Arzt, Und ein andermal, auf. dem Wege zu einer Frau, die Hm zu einer Liebesnacht eingeladen, kam er au einem Hause vorbei, aus dem Schmer-zensrufc und Klagen drun-