Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 39 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 DIE NEUE WELT Seite 3 BAD VOSLAU OESTERREICH Das führende Haus — 120 Zimmer — . Appartements mit I Bad - Rnernannt _ erstklassige Küche Grand Hotel Beüevue ^fesas'ir Bes.: T. PHLOUDR an der Universität Manchester, Dr. Leon Roth, zum Professor für Philosophie an der Universität Jerusalem. Der Philosophie-Lehrstuhl der Universität soll den Namen Achad Haams, des verstorbenen hervorragenden hebräischen Denkers, tragen. Der Leiter der National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem Dr. Bergmann wurde zum Dozenten für moderne Philosophie, Dr. Schwabe (Jerusalem) zum Dozenten für klassische Philologie ernannt Dr. Z s c h e r i k o w e r (Jerusalem) wurde zum Instruktor für griechische und römische Geschichte, Dr. Pflaum (Jerusalem) zum Instruktor für mittelalterliche Geschichte ernannt. In den Direktorenausschuß kooptiert wurden der Rektor des Londoner Jews4 College Dr. A. Bu ecb 1 e r, M. M. Ussischkin (Jerusalem) und Charles Rosen boom (Pittsburgh, Vereinigte Staaten). Das Ausgabenbudget für das Universitätsfafir 1928-28 In Höhe von 54.000 Pfund als das regelmäßige Ausgabenbudget wurde genehmigt und der Direktorenausschuß aufgefordert, Maßnahmen zur Sicherung dieser Summe zu treffen. Weitere außerordentliche Ausgaben, die mit der Fertigstellung des Bibliotheksgebäudes zusammenhängen, wurden genehmigt In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur führte der Kanzler der Jerusalemer Universität, Dr. J. L, Magnes, aus, die hebräische Universität habe die ersten drei Jahre hinter sich; es waren dies nur Vorbereitungsjahre. Weitere zwei Vorbereitungsjahre werden notwendig sein, bis der äußere Bau einer wirklichen Universität fertig sein wird. Es herrscht bei allen das Bestreben vor, die Universität zu einer Institution höchsten, akademischen Grades zu gestalten. Gegenwärtig gibt es an der Universität rund 200 Studenten aus Palästina und aus vielen anderen Ländern, besonders aus jenen Ländern, in denen Numerus clausus-Einschränkungen bestehen. Ein großes Bauprogramm ist in der Durchführung, allein die Universität bedarf noch finanzieller Unterstützung. Das Bauprogramm wird in zwei Jahren durchgeführt sein. Herr Samuel Untermyer aus New York plant die Errichtung eines den Namen Minnie Untermyer führenden Freilufttheaters; mit dem Bau der Bühne soll demnächst begonnen werden. Frau Roosenbloom aus New- York hat bereits Pläne für das Rosenbloom-Haus für judaistische und orientologische Studien unterbreitet; sie wird in ganz kurzer Zeit Vorkehrungen zum Beginn der Bauarbeit treffen. Auch mit dem . Bau des Wattenberg-Physik-Gebäudes wird in einem Monat begonnen werden. Zu den bereits auf dem Scopus-Berge errichteten vier Gebäuden wird jetzt ein neues Gebäude für die Bibliothek mit einem Kostenaufwande von 45.000 Pfund errichtet, das voraussichtlich im März 1929 fertig sein wird. Dr. Magnes begibt sich nach Berlin, um mit Professoren, die an dem Institut für judaistische Studien interessiert sind, Besprechungen zu pflegen. Xerxes versprach einst vieles Geld zum Lohn Für jedes neu erfundene Venningen. Hätt's damals Huber-Essisr 'geben schon, Sein Koch hätt* müssen alle Gelder kriegen. Brief aus Palästina. Aus der Praxis der Palästina-Regierung. — Willkürliche Sperrung der Einwanderung. — Ausweisung und Prügelstrafe. — Raubüberfälle. Von Dr. Fritz Löwensteiii, Jerusalem. Die unzweifelhaften Verdienste, die sich die Palästina-<Regierung im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit erworben hat, und die anerkennenswerte Energie, mit der sie den Kampf gegen die Heuschrecken geführt und schwerere Schäden angewandt hat, vermögen nicht darüber hinwegzutäuschen, daß wir auf den verschiedensten Gebieten ernsteste Veranlassung haben, mit dem Verhalten der Regierung unzufrieden zu sein; ja, das Wort unzufrieden ist kaum ausreichend, man fühlt sich versucht, weit stärkere Ausdrücke zu verwenden. Seit mehr als zwei Jahren ist die Einwanderung auf Grund von Zertifikaten eingestellt Chaiuzim, der Kern und wichtigste Faktor der aufbauenden Elemente, dürfen seit zwei Jahren nicht nach Palästina. Wir stehen nicht an, zuzugeben, daß dies zum Teil unvermeidlich war, aber seit August vorigen Jahres sind die Einwanderungsbeschränkungen auch für andere Kategorien eingeführt worden, so daß in praxi die Einwanderung fast völlig gesperrt ist. Während früher Kapitalisten mit mindestens 500 Pfund das Recht' zur Einwanderung hatten, ist es jetzt völligin das Belieben der zuständigen Regierungsabteilurig gestellt; unter welchen Bedingungen sie jemand für ausreichend kapitalkräftig hält, um in Palästina zu 'bleiben. Und auch die letzte noch übrig gebliebene Einwandererkätegorie, nämlich die Einwanderung von Verwandten, ist durch die- Bestimmung vom August 1927 völlig' zum Stillstand 'gebracht. Wir glauben nicht, daß die Rigorosität dieser Bestimmungen objektiv gerechtfertigt war. Aber wir verstehen, daß, nachdem die Zionistische Exekutive sich außerstande Meine Damen/ Gefesse sind Sie bei Besichtigung unserer Schaufenster ' Preisreduktion bis zu 50°/0 Wir wollen vor Saisonschluss unser Riesenlager gänzlich räumen. Georgette u. SWousseline, bedruckt.....S15'— Herrl. Crepe de chinet bedruckt S9'—, S12'—, S15'— ca.20.000m Foulards,bedruckt S5'—, S7'—t S 9*— Rohseide u* Shantung, bedruckt (Modetupfen, karo und gestreift) . 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Dennoch härten wir es nicht für möglich gehalten, daß man die' die Einwanderung fast völlig albdrosselnden Bestimmungen noch in einer Weise auslegen und handhaben könne, die den Eindruck erweckt, als ob die Einwanderung nach Palästina ausdrücklich und ausnahmslos verboten sei. Der Leiter der .Jmmigrationsabteilung der Regierung ist Herr H y a m s o n, ein Jude, in England zurzeit des Kampfes um die BalföurJErklärung ein aktive/' Zionisl. Herr Hyamson hat es verstanden, sich bei den Juden in Palästina derartig verhaßt zu machen, daß man wahrscheinlich jeden Nichtjuden lieber an seiner Stelle sähe als diesen Zionisten. Es gibt ein paar Dutzend von Fällen, wo Herr Hyamson Entscheidungen getroffen hat, bei denen man sich an den Kopf faßt. Immer und immer wieder findet sich folgender FaM: Bin Jude mit VerlÄSÄSVUUnkcWlchaseflc infolge vorgerückter Saison, ganz aussergewöhnlich preiswert zu kaufen nur WMMnflMBf^'^'^iPT^l'f irr^^TTTT^^^^Tif^^^^Tr^^^^ ~M—^. Nr. 40 (im Hofe) Popper-Lynkeus. Von Margit Ornstein. II. Ich möchte hier*) einige Worte über Poppers Stellung •zur Judenfrage sagen. Popper-Lynkeus, der mütterlicherseits einer jüdischen Gelehrtenfamilie entstammte, hat das Gefühl der Zugehörigkeit zum Judentum, in dem Sinne, wie man sich des Gefühls der Zusammengehörigkeit mit seiner Familie bewußt bleibt, bis an sein Lebensende bewahrt. Wer dies nun in Widerspruch zu manchen Aeußerungen Poppers finden sollte, befände sich ganz sicher in einem Irrtum, hervorgerufen durch den Umstand1, daß Popper von ungeheurer Vorurteilslosigkeit, Freidenker von unvergleichlicher Kühnheit, religiöse wie nationale Bindungen für seine Person absolut und unbeirrt ablehnen mußte. Bei einer Kritik an den weit verbreiteten Ansichten über die Ursachen des Weltkrieges sagt Popper-Lynkeus: „... und ferner muß ich vorausschicken, daß ich damals wie heute und wie immer als echter Pannationaler spreche und keiner Partei angehöre." Es ist daher auch notwendig, der immer wieder auftauchenden Behauptung, Popper sei in der letzten Zeit Zionist gewesen, entgegenzutreten. Dagegen ist Popper das Schicksal der Juden und die Frage des Zionismus außerordentlich nahegegangen, und in Gesprächen über diese Probleme soll er wiederholt ausgesprochen haben, er könne nur zu gut verstehen, was die jüdische Jugend zum Zionismus treibe. Man kann es einem Juden nicht verübeln, wenn er gleich empfindet wie alle anderen Vöjker! Hat die Natur für ihn ein anderes Gesetz geschaffen und ist es nicht zu verstehen, wenn nach all- *) Siehe „Neue Welt" Nr. 38 vom 8. d. M. dem, was die europäische Kultur ihm durch alle die Jahrhunderte an Liebe und Erbarmen geschenkt hat, er sich ebenfalls nach einem Winkel sehnt, wo er von ihr ausruhen .kann? Er hat genug auf Scheiterhaufen gebrannt und Ritualmordprozesse und Pogrome durchgemacht, daß es natürlich ist, wenn er diesem heuchlerischen und mbrdlustigen Europa endlich sagen möchte: ich habe genug von dir. Popper sieht eben die Probleme von allen Seiten, frei von irgend welchem Fanatismus, kühl und sachlich in der Betrachtung, schaut er mit seinem klaren, unbestechlichen Blick in die Tiefe der Dinge, sammelt Erkenntnis, prüft sie an der Erfahrung und findet so seine hellen, dem Leben angepaßten Lehren, deren oberster Zweck es ist, den Menschen zu nützen, ihnen zu helfen. Es sei in diesem Zusammenhange auch noch auf die im Jahre 1886 erschienene Schrift „F ü r s t Bismarck und der Antisemitismus", vor kurzem von Emst Czuczka rneu herausgegeben, verwiesen, in der Popper an einer sehr bemerkenswerten Stelle die Frage zur Untersuchung stellt, wieso es komme, -daß ein Trieb, die Juden zu verachten, schon seit Jahrhunderten und bei den 'mannigfaltigsten Völkern überhaupt vorhanden ist? „Die Antwort auf diese in der Tat wichtige Frage ist folgende: Der wahre Grund dieses, jedes Rechtsgefühls baren Hochmutes liegt in der historischen Tatsache, daß die Juden seit so langer Zeit nirgendswo auf dem ganzen Erdball einen selbständigen Staat besitzen. Wie ein Hagestolz so betrachtet wird, als ob er seine Bestimmung als Mann nicht erfüllt hätte und daher nicht als „ganzer Mann" geachtet wird, gegenüber jenem, der seine Familie gegründet hat, genau so ist es mit der Auffassung einer Rasse oder einer Nationalität, die nirgendwo „ihren" Staat hat. Man stelle sich aber vor, es existiere oder entstünde beute irgendwo ein jüdidscher Staat. Sofort wäre eine Art völkerrechtlichen Respekts vor dieser „irgendwo" existienenden politischen Macht vorhanden. Existierte dieser Staat, wie Meiner a u cfo' s ei, so müßte man sich bedenken, sich so iieichthin gehen zu lassen; jede Beleidigung eines Juden wäre ja dann nicht mehr bloß eine unmoralische Handlung, sondern ein Fall für eine vöJkerrechtlichie Reklamation." Man wird aus den hier zitierten Stellen entnehmen, daß Popper schon im Jahre 1886 sich ernsten Betrachtungen über die Frage des jüdischen Staates hingegeben hat und völkerpsychologisch wichtige Argumente gefunden hatte, die von einer Seite des Problems aus dte Gründung eines solchen Staates wünschenswert erscheinen ließen. In derselben Schrift finden wir den Appell des großen, glaubenslosen Juden Popper-Linkeus an seine Stammesgenossen: „Wo immer von einer „Judienfrage" gesprochen wird, wo immer sich Menschen „An t'-isemiten" nennen, da müssen sich sofort alle Juden, ohne Ausnahme, solidarisch fühlen. Es mögen noch so viele weder religiöse noch Stammessolidarität fühlen, sie mögen Atheisten, Kosmopoliten sein, die Umstände zwingen sie dennoch, sich moralisch in Reib* und Glied zu stellen. „Alle die, die durch eine gemeinsame Not verbunden sind, bilden ein Volk", schrieb einmal Richard Wagner, und das gilt jetzt genau von dem jüdischen Volke. „Sprecht doch, ihr Juden, bei jeder Gelegenheit offen und klar es aus, daß ihr nicht gesonnen seid!, vor irgend etwas Respekt zu behalten, wenn es sich um Verteidigung eures allgemein-menschlichen Rechtes, des Rechtes auf Gleichheit handelt. Seid erfüllt von dem Bewußtsein, daß der winzigste, unbedeutendste Mensch, der seine Individualität zu schützen im Begriffe ist, hoch hervorragt über tausende und tausende indifferenter gesättigter Existenzen, möge .noch so viel Ruhm und Glanz um sie her ausgebreitet sein." Zum Abschluß dieser Betrachtung lassen S4e midi