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Die neue Welt · 1928-06-15 · Heft 39 (15.6.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 39 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 39 vsrsammhmg des Völkerbundes bekanntgegeben werden. Die Reglementskom-mission der in Genf stattgefundenen elften Session des Internationalen Arbeitsamtes hat dem Beschluß des Verwaltutigsrates hinsichtlich der Beteiligung von Arbeitervertretern aus den Kolonien und Mandatsländern an der Internationalen Arbeitskonferenz zugestimmt. Auf diese Weise erhält auch die jüdische Arbeiterschaft Palästinas Gelegenheit, sich von Fall zu Fall an den Arbeiten des Intcrnatfo* nalen Arbeitsamtes zu beteiligen. SONNERSPROSSEN G««lclitswimmeT]nr Pfekel, sonngebrfiunte Hanl, rote Wangen, HBnde und Nase, Hautausschlage nsw; bringt in Icnrzem mm Vorsehwinden die auf ßiM". Kampfer« ■wissenschaftlicher Basis hersestellte •l*',a ■ Santirstoft* Creme (matt fttr Tag), ttDIM"-Citroncm-Sauejrstoff-Creme (fett, für Nacht) und mnclit dio sprödeste oder ranheste Hau» Bamtweleh,.blendend weiß u. rein. Jode Tube S 2.— (beide Tuben S a.7o). „DIM««-Wmd- und Sonnenschute-Puder S I.—, zu haben in Diogerlen, Paifümerten, Apotheken oder direkt bei „D!M"-LaborntorIum, Wien, IL, Obere Donaustreße 17. — Zahlreiche Anerkennungen. Ein Kapitel zum Niedergang des Wiener Judentums. Bankerott. Selbstmorde. Kartenspielende und tanzende Mütter, Töchter und Frauen* Der Anblick, welchen das Wiener Judentum bietet, ist trostlos. Die lokale Statistik und Chronik künden einen •ziffernmäßigen moralischen und materiellen Abstieg an, der senkrecht hinunterführt. Auf 126 Geburten im Monat 296 Todesfälle und 85 Austritte. Wo ist der vielgerühmte jüdische Willen zum Leben und zoir Erhaltung der Art? Tagtäglich fortschreitende Verelendung. Die Liste der jüdischen Bankerotteure schwillt an, das gesunde jüdische Gewerbe verschwindet. Selbstmorde häufen sich. Viele gönnen sich einen mageren Trost und sprechen von der unvermeidlichen P r o 1 e t a r i s i e r u n g der Wiener Juden. Aber es stimmt nicht. Keine Arbeiter, Luftmenschen sind meistens das Endprodukt dieses Prozesses. Die Verfallserscheinungen lassen sich nicht mehr ignorieren. In gutjüdisch gesinnten Kreisen spricht und berät man schon lange darüber, wie dem Uebel zu steuern wäre. Man prüft die Ursachen und schlägt Maßnahmen vor: Kreditbeschaffung, Arbeitsvermittlung, gewerbliche Ausbildung usw. Aber an einer Erscheinung ist man bisnun scheu vorüber gegangen, die nicht eine Wirkung, sondern eine der Ursachen des Verfalls ist, die sicherlich nicht allein den Arussohlag gibt, aber doch wesentlich zum Verfalle beiträgt. Ueberall in Wien, wo es Gelegenheit aum Kartenspielen und Tanzen gibt, kann man zu allen Tages- und Nachtzeiten Jüdinnen treffen, Mutter, Töchter und Frauen, von sechzehn, bis zu,sechzig Jahren, nicht etwa aus ganz bestimmten sozialen.. Schichten, sondern aus allen Schichten« Mit der frommen Lüge,, daß es sich um seltene Ausnahmserscheimmgen handelt,, kommt man. nicht weit. Ihre Zahl geht in die Tausenden Wer kein Inhaber von Tanzlokalen oder Spielsalöns ist, könnte fragen, welches der'Zweck der Existenz dieser nach einem Stempel geprägten, zwischen Spieltisch und Tanzboden umherschweifenden, Karten und Beine schwingenden Wesen ist. Aber wenn man schon diese Frage beiseite läßt, eine andere frage läßt sich, nicht unterdrücken: Wie ist eswm die Häuslich-' keit, den Mann und die Kinder dieser Wesen bestellt? Wae groß ' ist die Summe jüdischer Völkskraft und Jüdischen Vo&svermOgens, die. in diesem öden, banalen 'Ta'iknel verschleudert wird? In 'dieser minderwertigen, mechanisierten Genießerei, die mit überschäumender Lebensfreude so wenig gemein hat, wie Champagner mit ordinärstem Fusel. - -Ueber diese Erscheinung gehen die. -berufenen Faktoren, wie verabredet,' stillschweigend hinweg. Jüdische Lehrer, Journalisten, Funktionäre, R-abbiner, und wie sie aHe heißen, sehen nicht und hören nicht. Sie tun dabei gewaltig hochmütig, als schiene ihnen das Ding zu klein. Zu klein für ihre . den allergrößten Problemen voribehalten.e Feder- und Zungenarbeit., In -Wirklichkeit ist es Feigheit, welche sie daran hindert, das Ding mit dem wahren Namen , zu bezeichnen. Man •fürchtet, als, Morajphilister beschimpft und verhöhnt .au werden, man fürchtet, in den Geruch eines Puritaners zu kommen. •Schrecklich! Weh* vertanfcte und verspielte Nächte gar so gut riechen! Man murmelt etwas vom Recht der . Frau auf Ausleben. Ja, ganz richtig, Ausleben heißt das. Man begeht dabei einen- Schwindel und macht aus dem Rechte der arbeit e n d e n, der zu Hause oder im Berufe arbeitend en Fr a u auf eine frei e, behagliche Ex i- Stenz, ein Recht der f a 11 lenzenden Frau a 11 f leere G e n ie ß e r e i, welche die Familie, den Mann, die.Kinder und das Volk schwer schädigt. Beliebt ist auch die Ausrede, das alles läge im „allgemeinen Geist der Zeit". Und wemi es so wäre, so besagt das für uns Juden nichts. Wir Juden haben .immer davon gelebt «nd haben uns dadurch erhalten, daß wir uns gegen den ,,Geist der Zeit", wenn dieser Geist zum Niedergang führte, zu wehren wußten, daß wir gegen den Geist 'unserer Umgebung zu leben wußten, wenn es mit dieser Umgebung bergab ging. Mögen die' das Leben verspielendenlind vertanzenden Frauen, Töchter und Mütter als Produkte des Geistes der Zeit genommen werden! Dem Geiste und dem Charakter des.Judentums entsprechen sie gewiß nicht.; Für un.s ist also diese Erscheinung nichts, was als unabänderlich hingenommen werden muß, -sondern etwas Wesensfremdes, das bekämpft werden muß. r. st. Ciro Glaß tödlich verunglückt. Der Präsident der italienischen zionistischen Organisation. Aus Rom, 10. d., wird uns berichtet: Der Präsident der italienischen zionistischen Föderation, Dr. Giro Glaß, ist bei einem Autounfall in Palermo 11 m s L e b e n g c komni e n. Seit Jahrzehnten widmete sich Dr. Glaß der Arbeit für die -zionistische Bewegung in Palästina. An der Organisierung des italienischen Propalästinakomitees nahm er hervorragenden Anteil. Sein jähes Ableben hat in der italienischen Judenheit tiefe Trauer geweckt, au der auch die Wiener jüdischen Kreise innigen Anteil nehmen. Dr. Glaß hatte in Wien viele Freunde, und er hat seinerzeit in der „Wiener Morgenzeitung" interessante Aufsätze zu den Kolonialproblemen veröffentlicht. Zusammenschluß der rumänischen Antisemiten. Der Cuzisten-Kongreß. In Jassy fand der Kongreß der nun wieder unter dem Präsidium des Professors Cuza vereinigten antisemitischen Liga statt. Ein ungeheures Aufgebo't von Gendarmeric sorgte für Ruhe und Ordnung. Die Straßenzüge der Antisemiten wurden aufgelöst, zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. An dem Kongreß selbst nahmen etwa 400 Personen teil. Es wurde eine Resolution angenommen, in der der Rücktritt der „von den Juden bezahlten" liberalen Regierung gefordert wird. Hierauf legten die jungen Ligamitglieder den Treueid für Güza ab. lodeschuhe AteRler | ff Ii r feine! auch nach Maß F. MEHLER, IV. ff eunttthlgasse Nr. 2 Eingang Margaretensftraße Universität. Umwandlung in eine Lehrhochschule, Der Direktorenausschuß und der Akademische Rat der. hebräischen; Universität haben. in ihrer in L 0 n d an: beendeten Tagung, den Beschluß gefaßt, daß die Universität all mä h l ich i n ein e L e h rh 0 ch sc hu 1 e, die .ihren , Absolventen a k a d e- ' m i s c h e G r a d e. verleiht,- umgewandelt werde. Die Tagung nahm folgenden Verlauf: Den Beratungen wohnten bei Präsident Doktor Chairn We.iz ma n n,:; der Kanzler der Universität Dr. J. L. M a g n e s,- Prof. S. A1 e x a n der von der Universität. Manchester; Prof. S. B r 0 d e t z k y von der Universität Leeds, Dr. Ml D. E d e r, Oberrabbirier;Dr. J. H^'Hertz, Prof, J. Horövitz {Frankfurttu M.), Prof. E. L a n d a u {Göttingen), Prof. L; S. 0 r e n s<t e i n (Utrecht),- James de Rot hsch 11 d, Dr. M. .Schioesinger (Haag), Nahum S 0 k 01 o w, Felix M." W a'r b ü r g, der Rektor des /Londoner'.; JeVvs*' College * Prof. Dr. Adolph Büchler, der Registrator der Jerusalemer Universität S. Ginsberg, und der Sekretär der Universität Dr. L. Kohn. Professor Albert Einstein 'konnte wegen Krankheit den Beratungen nicht beiwohnen, teilte aber seine Ansichten über mehrere der wichtigsten Fragen der Versammlung brieflich mit. Die Versammlung*'befaßte sich eingehend mit der Frage der Einführung eines normalen Universitätsbetriebes, Verleihung von akademischen Graden an die Studierenden und allen damit verbundenen Fragen. Nach sorgfältiger Prüfung des Berichtes des vom Direktörenaüsschuß in seiner Sitzung vom August 1926 eingesetzten Sonderkomitees, dessen Vorsitzender Prof. Brodetsky ist, wurde beschlossen, die Umgestaltung der Universität, die bis jetzt nur Forschungszwecken diente, in eine akademische Grade erteilende Universität zu genehmigen, . jedoch Bürgschaften zu schaffen, daß nur solche Studenten aufgenommen werden, die •in vollem Sinne zur Pflege eines intensiven Studiums Qualifiziert erscheinen, und daß nur für jene Gegenstände Universitätskurse eingeführt werden, für die Professoren und Dozenten von, hohem Unrversitätsrang zur Verfügung stehen und für - die auch eine angemessene Hilfsmittelausstattung ssur klaglosen Durchführung von Forschung und Studium vorhanden ist. Im Sinne dieser Erwägungen wurde beschlossen, daß mit der Errichtung einer philosophischen oder philologischen Fakultät begonnen werden soll, und zwar sotten d$s bereits bestehende Institut fürr judaistische Studien und die Schule für orientologische Studien als Abteilungen der neuen Fakultät konstituiert und Kurse für. Philosophie, Geschichte und Literatur neu eingerichtet werden. Sobald die wichtigen Themata der Fakultät mit einem vollen Stab und anderen Ausrüstungen versehen sind, wird der UniVfersitätsunterricht an der Fakultät beginnen. Dies soll in naher Zukunft geschehen. . Mit Beug auf die Naturwissenschaften kam man überein, vorläufig noch keinen nqr ma 1 etn Univer si tä tsu n t e r ri cht anzufangen, da gewisse Grundfächer noch nicht angemessen an der Universität vertreten sind. Es wurde jedoch beschlossen, eine K u n d g e b u n g zu veröffentlichen, wonach das Universitätsstudium in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie im Rahmen der Naturwissenschaftlichen Fakultät spätestens 1932 beginnen wird. Der Einführung von Mathematik-Unterricht und später, womöglich, in anderen Zweigen der Naturwissenschaft wurde unter der Bedingung zugestimmt, daß diese Kurse nicht als normale Universitätskurse, die Graduierungen im Gefolge haben, angesehen werden. Die Einführung medizinischer Weiterbildungskurse für Graduierte, die von Professoren der Hygine und der Parasitologie unter Heranziehung außerhalb der Universität wirkender Kräfte geleitet werden, wurde genehmigt In der Sitzung wurde ferner beschlossen, den Ordinarius für Mathematik an der Universität Kiel Professor Fraenkel, einzuladen, den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Jerusalem als Professor zü bekleiden, ebenso Dr. Fekete von der Universität Budapest zur_ Uebernahme einer Dozentur für Mathematik einzuladen. Ein Ausschuß zur Nominierung eines Professors für anorganische und physikalische Chemie wurde eingesetzt. Der gegenwärtige Leiter des Departements für Parasitologie an dem Mikrobiologischen Institut der Jerusalemer Universität Dr. S. Adler Wurde zum Professor ernannt. Eine hervorragende Kraft in der Industrie- Hygiene und Klimaforschung soll für das Hygiene- Departement als Forscher gewonnen werden. Dr. F. B o d e n h e i m e r, der Assistent im Institut für Naturgeschichte Palästina, wurde zum Forscher- Professor der Zoologie mit dem Ran« eines Dozenten ernannt. Beschlossen wurde weiter die Ernennung eines Dozenten für Assyriologie an dem Orientologdschen Institut und die Ernennung des Philosophie-Dozenten

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