Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 38 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 38 sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Öäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! OTTO KÄSEREI* Brief aus Polen. Von unserem Warschauer N.-R.-Berlchterstatter. Der jüdische Klub im polnischen Parlament hat sich noch immer nicht konstituiert. Die Geschäfte leitet provisorisch bis zur Wahl des Präsidenten das älteste Mitglied Dr. Wygodzki. Der Klub ist demnach ein altösterrcichisches Provisorium geworden. Die sachlichen, taktischen und persönlichen Gegensätze zwischen den kongreßpolnischen und ostgalizischen zionistischen Parlamentariern haben sich eher vertieft. Zum Generalredner in der Budgetdebatte wurde zuerst Abg. Grün bäum gewählt. Prinzipiell war beschlossen worden, daß sich der Klub der Abstimmung fernhält, während Grünbaum für die Ablehnung ist. Er mußte es ablehnen, den Standpunkt der Mehrheit zu vertreten, und so wurde Dr. Reich zum Redner bestellt. Während der diesbezüglichen Debatte im jüdischen. Klub gab es scharfe Zusammenstöße. Grünbaum warf den ostgalizischen Abgeordneten Verrat vor und. will dies vor einem Ehrengericht, das bereits eingeleitet ist, begründen. Dem Antrag des jüdischen Klubs, die noch aus der zaristischen Zeit vorhandenen Beschränkungen der jüdischen Bevölkerung in Kqnigreßpolen und in. den Randgebieten endlich zu beseitigen, wurde im Plenum des Sejm die Dringlichkeit zuerkannt. Die Steuerbelastung der Juden in den Städten wird immer unerträglicher, zumal ein Steuergesetz, das auch die bäuerliche Bevölkerung in einem gewissen Sinne zu Leistungen heranziehen sollte, mit den Stimmen der rechten; (allpolnischen) und linken (sozialdemokratischen) Parteien verhindert wurde. Fast 50 Prozent der polnischen, Steuern tragen die jüdischen Zensiten. . * . \ ■ Bei-der Behandlung des Dringlichkeitsantrages des jüdischen Klubs betreffend die Wahlmißbräucjhe begründete nach einer Rede des Abg. G r ü n b a u rnf.der Innenminister die ablehnende Haltung der Regierung1 gegenüber der Liste der nationalen Minderheiten. Der'ifMiuister führte aus: „Der Abgeordnete Grünbaum und die .anderen Abgeordneten der nationalen Minderheiten betonen,:,daß der Charakter des Blocks ein rein technischer war. Die' Regierung ist and wird anderer Meinung bleiben. Der Abgeordnete Grünbaum, der den Minderheitenblock geschaffen und organisiert hat, weiß gut, daß sein Standpunkt von der jü-# disphen Bevölkerung weder geteilt würde noch wird. In-, •rierlialb der 'jüdischen Gesellschaft gab es scharfe Kämpfe wegen dieser Frage und auch Verwahrungen, die zeigten, daß dem Block nicht -nur eine technische, sondern vor allem aber eine politische Bedeutung zukommt. Die Vereinigung aller nationalen Minderheiten atif einer Liste sollte die Abgrenzung von den polnischen Bürgern demonstrieren, und die Existenz des Blocks durch die Tatsache seines Entstehens und seiner späteren Wirksamkeit muß. zu einer Verschärfung der nationalen Kämpfe führen. Dies ist ein Widerspruch zum Standpunkt der Regierung, die ein einvernehmliches Verhältnis, nicht, aber das Schaffen einer Barriere zwischen den Bürgern eines Staates wünscht. Mit einer solchen Politik, deren Repräsentant der Abgeordnete Grünbaum ist, wird sich die Regierung nie einverstanden; erklären und wird sie, bekämpfen, und dies sowohl mit Rücksicht auf das Staatsinteresse wie auch auf das wohlverstandene Interesse der jüdischen Bevölkerung." '" ' * * ' Die Entwicklung der jüdischen Kreditgenossenschaften in Polen im Jahre 1927 war eine gute. Am 31. Dezernber 1926 gab es in Polen 320 in einem Verband vereinigte jüdische Kreditgenossenschaften, die 114.000 Genossenschaften umfaßten. Im Laufe des Jahres 1927 hat sich die Zähl auf 372 Kreditgenossenschaften und 148.000 Genossensphaften erhöht darunter 84.000 Kauileute und Gewerbetreibende. Die Bilanzziffern betrugen am 31. Dezember des Vorjahres 101,000.000 Zloty gegen 84,000.000 Zloty 'am Schluß des Jahres 1926. Die eigenen Kapitalien der Kreditgenossenschaften wuchsen von 4,000.000 Zloty Ende 1926 auf 7,600.000 Zloty am Schluß des Jahres 1927 an. Die Einlagen haben sich von 10,186.000 Zloty auf 20,408.000 Zloty verdoppelt. Die mit Ende des Jahres 1926 erteilten Kredite betrugen 19,000.000 Zloty, sie wuchsen mit Schluß des Jahres 1927 auf 38,822.000 Zloty. Es macht dies 2 Prozent der ^gesamten kurzfristigen Kredite Polens und 5 Prozent der durch private Finanzinstitutionen erteilten Kredite aus, Das Entwicklungstempo der jüdischen Kreditgenossenschaften Ist ein günstiges, ein viel besseres als das der privaten Bankaktiengesellschaften. Die jüdischen Kreditgenossenschaften stellen bereits einen ernsten Faktor in dem Finanzgebiet Polens dar. Die Juden und das polnische Budget Im Verlauf der Budgetdebatte im polnischen Sejm hielt Abg. Dr. Leon Reich im Namen des jüdischen Parlamerctsklubs eine Rede, in der er an Hand von Daten und öffentlich bekannten Tatsachen nachwies, daß da» jüdische Element in Polen auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens zurückgesetzt wird. Er forderte Herabsetzung der Steuern» das Recht der Juden auf Arbeit (Beschäftigung bei öffentlichen Diensten usw.) und die Gewährung an die kulturelle Autonomie an die* Juden, ähnlich der, wie sie die Preußische Regierung de* polnischen Minderheit konzediert hat. AUS PALÄSTINA. Autounfall. Die Führer der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina D. Ben Gurion und Berl Katzenelson erlitten bei einem Autounfall schwere Verletzungen und mußten in das Hospital gebracht werden. Sie befanden sich auf dem Wege nach der jüdischen Kinderkolonie Ben Schemen, wo sie einer Beratung der sozialistischen Jugend Palästinas! beiwohnen wollten, als in Ludd ihr Auto umkippte und die Insassen hinausschleuderte. Berl Katzenelson erlitt einen Arm- und einen Beinbruch, Ben Gurion zog sich Verletzungen am Kopf und am Arm zu. Ihr Zustand gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß. Frau Ben Gurion und die Frau des Chauffeurs erlitten leichtere Verletzungen. Der Chauffeur wurde wegen Fahrlässigkeit verhaftet. Palästina-Touristen dürfen seßhaft werden. Die Palästina-Regierung hat zwei jüdischen Familien, die auf Touristenpässe ins Land kamen und wegen. Ueberschreitung der Aufenthaltszeit ausgewiesen werdem sollten, nachträglich erlaubt, sich dauernd in,Palä.- stinaniederzulasscn. Drei weiteren Familien wurde erlaubt, solange im Lande zu bleiben, bis über ihren Fall! entschieden werden wird. Die sechste der ausgewiesenen Familien hat inzwischen, ohne eine Entscheidung abzuwarten, das Land verlassen. Die Tote-Meer-Konzession. Nachdem sich das englische Unterhaus in der' letzten Zeit infolge wiederholter Vorstöße seitens des Colonel H oward Bury sehr oft mit der Angelegenheit der Vergebung der Konzession zur Ausbe.i ng der Salze d.s To.en Meeres zu beschäftigen hatte, kam nun diese Frage auch zur Verhandlung vor dem Oberhaus. Lord Islingt o n, der sich schon oft antizionistisch betätigt hat, fragte die Regierung, welche Personen und Gruppen sich hinler Nowomeysky und Tulloch, die die Konzession erhalten sollen, verbergen. Die Bevölkerung Palästinas, sagte Islington, würde gerne sehen, wenn die Konzession der starken britischen Gruppe gegeben würde, die im Februar dieses Jahres ein Angebot, gemacht hat. Die Hälfte des' Konzessionsgebietes liegt in T r a n s j o r d a n i e n, wa Dienstag, den 12. bis Samstag, 16. Juni, ab l/«ß Uhr: Grosse Söndepau&ison V., Strpbachgasse 8 idarunter die hochelegante Einrichtung einer Herrschaftswohriung wegen Villenverkaufes und eine große moderne Bureau- und Direktorenzimmereinrichtung, welche vor kurzer Zeit von der Firma Üngethüm gelietert wurde. 1 Auszug aus dem aufliegenden Verzeichnis:;• Moderne und antike Möbel: Ausrufspreis Ausrufspreis P.-Nr. in Schlllins P.-Nr. in Schillingen 141 H. Zatzka, Oelg......-100 Ausrufspreis 142 K. M. Schuster, Oelg. . . 400 23 Antiker Hallenschrank . ISO 144 R. Ruß, Tempera .... 250 1 32 Abtell.-Glaswand .... ISO '257 O. Herschel. Oelg. •. . . 100 52 Biedermeier-Rollschreib- 258 85 alte Augsbiirgcr tisch............ 150 Stiche......... .; 70 ' 59 Kirschliolzsalon ..... 250 3G8 A. H. Schräm, Oelg. -.100 81 Herrenzimmer mit einsre- 422 H Charlcmont, Oelg. . . 00 bauter Kasse...... . 150 432 J. N. 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April zu den Erfolgen der Zionistischen Organisation- Nowomeysky soll der Zionistischen Organisation nahestehen, man wolle also den wichtigen Besitz des Toten Meeres für die zionistische Bewegung erhalten. Im Namen der Regierung erklärte Lord Lpvat, .daß die Regierung alle Angebote der verschiedenen Gruppen aufmerksam geprüft und im April 1927 die Herren Tulloch und Nowomeysky verständigt habe» daß man sie als die passendsten Bewerber befunden habe und mit ihnen nähere Verhandlungen über die Konzession pflegen wolle. Man habe darüber die Regierungen vom Paliistina und Transjordanien verständigt und warte auf deren Antwort. Es entwickelte sich eine lebhafte Debatte, an der Lord Danesfort, Lord Gainford, Lord Haidane, Lord Birkenhead und andere teilnahmen. Lord Islington forderte zum. Schluß, daß die Regierung dem Parlament alle die Konzession betreffenden Dokumente vorlegen solle. Der Antrag wurde mit 38 gegen 25 Stimmen abgelehnt. Die Zwaiigssabbatruhe in Tel-Awäw. Das oberste Gericht von Palästina hat das Urteil des Jaffaer Distriktsgerichtes bestätigt, welches bekanntlich entschieden hat, daß der Beschluß des Gemeinderates von Tel-Awiw, wonach die Sabbatruhe in Tel-Awiw für alle obligatorisch sei, weil in Widerspruch zu Artikel 15 des Palästina-Mandates stehend, u n g e s e t z 1 i c h sei. Es verlautet, daß die Palästina-Regierung gegen den Beschluß des obersten Palästina-Gerichtes b ei dem; K r b n r a t -,i n London Berufung einlegen werde. '; Die Frage wurde, wie! erinnerlich,; durch den iah genden Fall.aufgeworfen: Das Magistratsg.ericht von Tel- Awiw hatte den jüdischen Ladeninhiaber . Altschuler, der am Sabbath seinen Laden offen hielt;' zu einer iGeldstrsafä verurteilt. Altschuler appellierte an das Jaffaer, Distriktsgericht, welches das Urteil des Magistratsgerichtes aufhob. Der palästinensische Oberstaaitsanwalt steht dagegen auf dem Standpunkt, daß die Stadt Tel-Awiw, die eine jüdische Bevölkerung hat, das Recht auf Einführung der Sabbatruhe habe, da Artikel 23 des Mandates .besagt,.daß „die- Palästina-Administration die heiligen Tage jeder Gemeinschaft in Palästina als gesetzliche Ruhetage für die Mitglieder dieser Gemeinschaft anzuerkennen habe." Die Kommunistenausweisungen. Elf jüdische Kommunisten, die zu Gefängnisstrafen und Landesverweisung verurteilt worden sindi begannen im Gefängnis einen , H u n g e r s t r e i k. Sie klagen über brutale Behandlung.1 Das Jaffaer Gericht hat zwei Juden, Chaim S c h 1 e» singer und Joseph Ba s k i n wegen Zugehörigkeit zur kommunistischen Bewegung zu je zwei Monaten Gefängnis und Landesverweisung verurteilt. Das Ziel aller Wünsche ist ein Haupttreffer! Friedmanns Glück ist kolossal! Kaufen Sie daher Ihre Klassenlose nur bei L. Friedmann, 1. Bez., Salzgries 12. Füllen Sie sofort den Bestellkoupon auf Seite 7 aus. 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