Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-06-08 · Heft 38 (8.6.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 38 (8.6.1928)
Date
1928-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711653--0501-2713648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 38 DIE NEUE WELT Seite 5 BAD VOSLAU OESTERREICH Das führende Haus — 120" Zimmer — Appartements mit Bad - Anerkannt erstklassige Küche Grand Hotel BellevneB,s2H-Jui,'Zimmcr und Pension S12.— Bes.: P. PRLOUDR Wetter abhängig als in anderen Ländern. Umso mehr sollen wir tun, was In unseren Kräften steht,, diese Sied-> hingen widerstandsfähig zu machen und ihnen die Irri'- gation zu geben, durch welche sie vom Kommen oder, Ausbleiben des Regens unabhängiger gemacht werden. m Gelbands Klassenlose bringen Glück! — Bitte, alle Glaubensgenossen bis | 12. Juni zu bestellen bei 1 B. Gelband, XX., Karl IWeisslstrasse 3 I Telephon 41-4-32 Telephon 41-4-32 | V, V, V, | S 32 iuüUUUMMUUUUUUlU Wff »WC WwKI>W*!W»vTl»fJ* 16 V. I 4 I JUMiUMiUUiWWMe« Der Delegiertentag der deutschen Zionisten. Aus Breslau wird gemeldet: Auf dem 22. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland! gaben die Herren Kurt Blumenfeld und Dr. Martin Rosenblüth, wie schon mitgeteilt, Aufschluß über die zionistische Arbeit in Deutschland für die Zeit vom 1. Oktober 1926 bis 31. März 1928. Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina wirkten auch auf die Arbeit in Deutschland. Dem organisierten Antizioni'smus schien die Gelegenheit günstig zu sein, das jüdische Palästina in der Welt zu diskreditieren. Trotzdem ist der Keren Hajessod in der Berichtsperiode ständig gewachsen. Der Tätigkeitsbericht schloß einen Bericht der von Fräulein Frankenstein geleiteten Propagandaabteilung ein. Propagandaveranstaltungen wurden an al-Jen Orten, in denen zionistische Gruppen bestehen, sowie in Orten, in denen die Bewegung nur vereinzelte Anhänger besitzt, abgehalten. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Jugendpropaganda gewidmet. In Berlin und im Reich fanden eine Reihe großer Jugendveranstaltungen statt. Innerhalb der Zeire Misrachi ist es in diesem Jahre zu einem Zusammenschluß sämtlicher Gruppen zu einem Reichsverband gekommen. Das Kartell jüdischer Verbindungen hatte im letzten Jahre einen Zugang von zirka 209 Mitgliedern)-, Als ein neuer zionistischer Jugendbund ist der Pfadfinderbund „Zofim" entstanden. Ferner wurde in Berlin der zionistische Jugendbund „Nordau" gegründet. Die Gesamtergebnisse des deutschen Keren Hajessod (Palästina-Grundfonds und Jüdisches Palästina-Werk) betrugen im Jahre 5686: 592.216 Mark, im Jahre 5687; 780.035 Mark, im ersten Halbjahr 5688 : 485.167 Mark. Die Gesamtnettoüberweisungen des Keren Hajessod betragen per 31. März 1928: 141.063 Pfund. Die Keren Kajemeth-Einnahmen betrugen für das Jahr 5686: 270.579 Mark, für das Jahr 5687: 264.034 Mark. Im Halbjahr 5688 (Oktober bis März) sind 121.204 Mark eingegangen. In der Berichtszeit ist ein Rückgang der1 Einnahmen eingetreten. Dies hängt mit der allgemeinen Situation in Palästina und in der Zionistischen Organisation zusammen. In der Montag-Nachtsitzung hielt das Mitglied der' Zionistischen Weltexekutive Dr. Felix Rosenblüth sein Referat über „Die Lage in Palästina und im Gesamt» Zionismus". Die Handelsbilanz Palästinas hat sich im Krisenjahr' 1927 gebessert; die Ausfuhr wurde um 600.000 Pfund erhöht, die Einfuhr um 400.000 Pfund vermindert. Dieses Ergebnis ist besonders auf die Orangenausfuhr zurückzuführen. Dürre und Heuschreckenplage Haben die steigende Zuversicht nicht herabgemindert. Die Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeiterführern tragen aber nicht jenen Burgfrieden- Charakter, den der Zionismus für mindestens noch zehn. Jahre nötig hat. Immerhin ist ein Abgehen von intransigenter Dogmatik festzustellen. Die Arbeitervermittlungsbureaus haben den Verzicht auf das Streikrecht in der Landwirtschaft zugestanden. Das Ende der Krise muß durch ein Aufbauprogramm besiegelt werden. Eine Stärkung des nationalen Kapitals ist notwendig, ebenso die Erhaltung des Aufbaugeistes in der Diaspora. Die Lage in Amerika ist heute undurchsichtig, vielfache Elemente wirken durcheinander. Kurt Blumenfeld Präsident. — Wahl eines achtgliedrigen geschäftsführenden Ausschusses und eines 31gliedrigen Landesvorstandes. In der Sitzung von Dienstag Nachmittag wurden die Wahlen durchgeführt. Zum Vorsitzenden der Z. V. f. D. wurde Herr Kurt Blumenfeld wiedergewählt. Ferner wurden ein achtgliedriger Geschäftsführender Ausschuß (Alfred Berger, Dr. Bileski, Dr. Nahum Goldmann, Dr. K a n o w i t z, Dr. Kollenscher, Dr. Landau er, Richard Li cht he im und Dr. Martin Rosenblüth) und ein 31gliedriger Landesvorstand gewählt. Emile Vandervelde über Palästina. Aus Anlaß der Anwesenheit des 1 früheren belgischen Außenministers und internationalen Arbeiterführers Emile Vandervelde in Paris veranstaltete das Komitee France-Palestine einen Propaganda-Abend» der von zahlreichen führenden französischen und jüdischen Persönlichkeiten besucht war. Senator Justin G o d a r d verlas Begrüßungsschreiben vom Premier Raymond Poincare, Justizminister Barthou, Unterrichts minister H e r r i o t, Kriegsminister Painleve und Leon Blum. Außenminister Briand ließ sich durch Konsul Destrib o r, der belgische Gesandte durch Konsul Kränz vertreten. Professor Godard berichtete über die Fortschritte der Pro Palästina-Bewegung in den verschiedenen Ländern) worauf Frau Vandervelde, die ihren Gatten auf der Palästina- Reise begleitet hatte, ihre Eindrücke wiedergab und insbesondere bei dem Gesundheitswerk des Frauen- und Mädchenvereines „Hadassah" und bei der Schilderung der modernen Kinderpflege und Kindererziehung in Palästina länger verweilte. Emile Vandervelde leitete seine Rede mit den Worten ein, er wolle den Zionismus weder .loben noch kritisieren; denkt man aber tiefer über die Attacken nach, die von verschiedenen Seiten geritten werden, so kann man nicht stumm bleiben. Ich habe mich mit dem Zionismus als einem Problem und einer Tatsache befaßt. Ich will, nicht prophezeien, aber Zeugnis ablegen will ich' Was in Palästina geleistet Wörden "-ist, zeugt von einer ungewöhnlichen Kraft und Begeisterung der Zionisten. Die moralischen Faktoren spielen bei einem Aufbauwerk eine große Rolle. Ich bin Schüler eines großen Juden, der Karl Marx geheißen hat. Es gibt solche, die sich ebenfalls seine Schüler nennen und die moralischen Momente in der Oekonomik ganz und gar leugnen; es ®P II.. Taborsftrasse 8, Tel. 42 3 fSW Beginn: Wochentags 7 und 9 Uhr Sonn- und Feiertags: 6, V38 und 9 Uhr UlaviiiM plagen Sie sich und bringen es WCll Hill zu nichts? il#4*S| Sie noch k^in Klassenlos von HUGO WCll HORWITZ & Co. gekauft haben! Haupttreffer ev. S 750*000 Die große Prämie der Klassenlotterie (17. L.) von S 500 000 — wurde von den glücklichen Kunden der Firma HUGO HORWITZ & Co., Wien, I., Franz Josefs-Kai Nr. 65/A, gewonnen. Bestellen Sie x!°t?wİstk*'le °ict Te,cphon Ziehung 1. Klasse 14. und 15. Juni 1928. Vt Los 5 32'— V« Los S 16 — \jK n n 8'—- 78 , „ 4'— SC Mir Glück ist bald gemacht Die Hälfte der Lose gewinnt sicher! sind dies die Bolschewisten. Ich würde ihnen! raten, eine Reise nach Palästina zu machen; dort würden) sie wahrnehmen, daß der ökonomische Faktor noch nicht alles bedeutet, ohne Ideale kann man ein Land nicht bauen. Vandervelde wandte sich zum Schluß an seine jüdischen '.Zuhörer und rief ihnen zu: „Möget Ihr französische oder belgische Bürger sein, Juden müßt Ihr bleiben; gebet Ihr ein Beispiel, wie man ein guter Bürger seines:Landes und zugleich ein Weltbürger sein kann." (Rauschender Beifall.) Die jüdische Einwanderung in Argentinien. Aus'Buenos Aires, 1. Juni, meldet die J.T.A.: Nach dreitägiger Verhandlung ist heute die von dem jiddischen Wandererschutzverein und dem Zentralkomitee für Volkshilfe in Argentinien einberufene jüdische Einwanderungskonferenz beendet worden. Zahlreiche Delegierte aus Buenos Aires und der argentinischen Provinz und Vertreter aller jüdischen Institutionen Argentiniens nahmen an den Beratungen teil. Alle Probleme, die mit der jüdischen Einwanderung in Argentinien, mit der Unterbringung, Seßhaftmachung, Kolonisierung der Einwanderer sowie mit der Arbeitsbeschaffung für dieselben zusammenhängen, wurden von der Konferenz erwogen und in entsprechenden Resolutionen zusammengefaßt. Die Konferenz beschloß einstimmig, eine Landes:- organisation für Regelung und Förderung der jüdischen; Einwanderung in Argentinien zu gründen. Ausdehnung der Pariser jüdischen Gemeinde. In der Generalversammlung des jüdischen Konsistoriums von Paris stellte der Vorsitzende, Baron Robert de Rothschild, fest, daß die jüdische Gemeinde von Paris sich in der letzten Zeit stark ausgedehnt hat und Zweige in allen Vorstädten besitzt. Den kulturellen Bedürfnissen der Gemcindemitglieder und dem religiösen Unterricht der Schulkinder soll nun erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden. Dr. Eidlitz beklagte es* daß die zahlreichen ausländischen Juden ihr neues Franzosentum durch Abkehr von den religiösen Uebungen betonen wollen. Religiöse Uebung, sagte er, ist das einzige) Mittel zur Erhaltung der jüdischen Familieneinheit und zur Bewahrung des Judentums vor dem Aufgehen in die umgebende Welt. _■ Ein Schienenweg durch die Sinai-Wüste. Der Gouverneur des Sinai-Distrikt hat der ägyptischen Regierung den Plan unterbreitet, einen regelmäßigen Auto-Verkehrsdienst zwischen Aegypten, Palästina] und Syrien einzurichten und einen Schienenstrang, für die Automobile durch den ganzen. Sinai-Distrikt zu legen. billige Pauschalpreise lIIfllllllllllltlllllllllMIflllllllllMiriMIIIIIllIIIIIIIIIlIlfll Chefarzt: Dr. S. Weiss der Staat jedem Staatsbürger ein reichlich bemessenes Existenzminimum an Nahrung, Kleidung/ Wohnung und ärztlicher Pflege garantiere. Zur Herbeischaffung dieses Minimums soll jeder Mens ch eine Reihe von Jahren der Nährarmee angehören. Nach Ablauf seiner Dienstzeit ist er frei von allen materiellen Sorgen und kann, wenn er will, ein beschauliches Dasein in bescheidenen Verhältnissen führen, oder aber durch private Arbeit seinen Wohlstand erhöhen." Die ungeheure Bedeutung des Nährpflicht- Programms sieht Coudenhove-Kalergi darin, daß es eine „Synthese des Sozialismus und des Liberalismus' verkörpert. Denn kein sozialistisches System könnte sich dauernd ohne individualistischen Einschlag halten: das menschliche Sehnen nach Freiheit ist und bleibt natürliche rund elementarer als das nach Gleichheit." „Während der konsequente Marxismus die individuelle Freiheit auf dem Altare der Gleichheit opfert — öffnet ihr Poppers Gesellschaftssystem alle Entfaltungsmöglichkeiten." Bei Marx ist das Gleichheitsideal primär, bei Popper das Freiheitsideal, Marx will die Befreiung der MenschheH um der Gleichheit willen — Popper die Gleichheit der Menschen um der Freiheit willen. Darum fordert er Gleichheit nur dort, wo sie ihm unumgänglich erscheint: in der Bemessung des Existenzminimums und in der Arbeit, die zu dessen Sicherung notwendig ist. Alles übrige überläßt er der persönlichen Freiheit, dem persönlichen Geschmack, der persönlichen Initiative. Sein Ideal, ist: sozialiistiscihe Gleichheit der Lelbensnotwendigkeiteii — individualistische Freiheit der Lebensannehmlichkeiten! Ein weiterer Vorzug des Popperschen Systems ist, daß es keinen Haß sät, sondern Lie'be, keinen Kampf, sondern Ausgleich. Alle Stände, alle Berufe stehen seinem Herzen gleich nahe. Für seine Idee mobilisiert er nicht den Neid der Menschheit, sondern deren Vernunft. Diese Vorzüge beeinträchtigen den Tageserfolg, »aber sichern gleichzeitig' den Dauererfolg des Nährpflichtsystems." Im Spätherbst des Jahres 1921, wenige Wochen vor dem Tode des greisen Denkers, erschien als letzte Freude seines arbeits- und entbehrungsreichen Lebens das Buch: „Krieg, Wehrpflicht und Staatsverfassung", in dem vor allem ein Programm zur Lösung des Kriegs- und Friedensproblems gegeben wird; in Uebereinstimmung mit den von Popper deklarierten Fundamentalrechten des Individuums wird gefordert, die Institution der allgemeinen Wehrpflicht zu beseitigen und die Freiwilligkeit im Falle des Kriegsdienstes einzuführen. Außer den beiden eben erwähnten Problemen — Nährpflicht und Kriegsfreiwilligkeit — hat Popper in seiner im Jahre 1878 erschienenen Programmschrift: „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben" noch zwei andere, für das Zusammenleben der Menschen wichtige Probleme signalisiert. Diese beiden Probleme: „Ueber das Bedürfnis nach Religion und Metaphysik" sowie über „Verbreche n und Strafen, Rache und V e rg e 1 tu n g" wurden ebenfalls in gesonderten Werken behandelt und nach dem Tode Poppers, als erste Veröffentlichungen aus seinem literarischen Nachlaß herausgegeben. Daß Josef Popper auch auf den Gebieten der Technik und der exakten Wissenschaften große und bleibende Verdienste errungen hat, ist bekannt und ist von hervorragenden Fachleuten — für die Flugtechnik nenne ich 'die" beiden Professoren Richard von Mises und Theodor v. Kärmän — oft gewürdigt worden. Es dürfte interessieren, daß Josef Popper seine letzte flugtechnische Arbeit, das Grundschema eines Schraubenfliegers, kurz vor seinem Tode dem Professor v. K ä r m ä n, den er als Freund ungemein hochschätzte, zur Verfügungstellte, Professor v. Kärmän hat diese kleine Abhandlung der Universität in Jerusalem geschenkt, weil er, wie er in seinem Vorwort sagt, „glaube, daß die Ausführungen des greisen Meisters, der der Sache der jüdischen Universität in Jerusalem mit vollemJrterzen zugetan war und sein kostbarstes Besitztum, seine Bibliothek, der Universität geschenkt hat, dort ihre richtige Stelle finden werden." (Zweiter Teil in der nächsten' Nummer.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.