Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 37 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37. DIE NEUE WELT Seite 9 sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! OTTO KASERER Die Jugendgeliebte des Kronprinzen. Die Jugendgcliebte des durch Selbstmord geendeten ' ehemaligen österreichischen Kronprinzen Rudolf von Habsburg, die in Prag geborene Jüdin Eleonore Kolmann, wurde auf einer Gartcnban'k im Präger Stadtpark r tot aufgefunden. In den .letzten Jahrzehnten hat sie als Bettle r in ihr Leben gefristet. Der Vater der Eleonore Kolinann war ein reicher Fellhändler und lebte im Präger Ghetto. Als er infolge verfehlter geschäftlicher Transaktionen sein Vermögen verlor, beging er' Selbstmord. Kronprinz Rudolf sah in Prag die junge Eleonore, die schon eine Waise v/ar, verliebte sich in sie, nahm sie nach Wien mit und ließ sie in einer Wiener Thcatcrschulc zur Schauspielerin ausbilden. Als aber Rudolf sich verheiratete, wurde Eleonore trübsinnig. Sie kehrte : nach Prag zurück, wo sie aillmählich zur S t r a ß e.n d i r n c 'herabsank und 'mm als Bettlerin im Wahnsinn endete. Vergebung von Lieferungen und Arbeiten bei der israelitischen Kultusgenieinde Wien. Seitens der 'israelitischen " 'Ktilhtsgemeiiide in Wien gelangen im Laufe der nächsten Zeit die nachfolgenden Arbeiten und Lieferungen zur Vergebung: 1. XVIII., Spital der israelitischen Kultusgemeinde: a) Diverse Verputzherstellungen in den Kranit ensälen usw.; >b) Ausbesserung der OeJanstriche und Malerei in 'den Krankensälen; c) Instandsetzung eines Einfahrtstores (Tischler-, Schlosser- und Anstreicherarbeiten). 2. Lieferung von rituellen Holzsärgen. Jene Firmen, welche zur Offferterstellaing herangezogen werden wollen, werden eingeladen, dies •bis längstens 10. Juni 1928 dem technischen Amte der israelitischen Kiiltusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 2, IV. Stock, woselbst auch während der üblichen Amtsstiinden (Samstage ausgenommen) alle näheren Auskünfte erteilt werden, schriftlich bekanntzugeben. \ : ■ ' ' -: Die freie Aus wahr unter den sich meldenden Firmen', zwecks Heranziehung zur Offerterstellung für 'die einzelnen Arbeiten behält sich der Vorstand der israelitischen Kultusgenieinde ausdrücklich seinem alleinigen Ermessen vor. . Bezüglich der Sarglief er u<ng' wird außerdem bemerkt, daß hiefür nur solche Firmen in Betracht kommen, welche ihren Betrieb an Samstagen 'geschlossen halten. •«..•■ „Der Dorfsjing." , •Drama in vier Akten von Leon Kolbrin. Im Rahmen einer Wohltätigkeitsvorstellung brachte ein vom Spielleiter Bernhard Witt'ler zusammengestelltes Ensemble jüdischer Künstler das düstere, von Mystik angefüllte Drama des Fischerjungen Jankel Boile zur Auftführung. Man kennt das Stück noch" von der „Freien- Jüdischen Volksbühne" her und es verdient festgestellt -zu werden, daß die ausgezeichnete Wiedergabe am Sonntag einer Propaganda-Aufführung zur Wiedererrichtung! einer, jüdisch-literarischen Bühne in Wien würdig gewesen wäre. Das Stück hat schärf umrisserie Typen, die' starke Charakterisierung verlangen. Jeder einzeihe bot, eine Glanzleistung: da ist in erster Linie Jehuda Ehrenkranzi zu nennen, der den edlen Ton und die Ekstase der WMnaer mitbrachte, dann Bernhard Wittler als der von Freund und Feind gehetzte, gepeinigte „Dorfsjing" Markus H e r s c h k o w i t z, derb-polternd als Fuhrmann, Dr. Nahum B r i n d, fein und unaufdringlich als alter Bauer, Minna Deutsch, diese wunderbare Darstellerin alter Frauen, Rachel W e i ß b e r g und Benzion S i g a 11, der eine vollsaftige Figur auf die Bühne stellte. Reicher und wohl* verdienter Beifall lohnte allen Mitwirkenden. . c. k. ,*Die Opferung Isaks", die bekannte biblische Operette von Goldfaden, wird Mittwoch,' den 6. Juni, in. der Jüdischen Bühne, 2. Bez., Taborstraße 12, aufgeführt. Die Rolle des Abraham spielt Melzer und Frau Leresco die Sarah. Sommer spiel zeit der Jüdischen Ktinstlerspiele. Freitag, den 1. Juni, findet die Erstaufführung der Operette „Die drei Kalles" statt, die Samstag, den. 2.' und Sonntag, den 3. wiederholt wird. In dieser Opelrette tritt wieder der aus Paris soeben zurückgekehrte Oberregisseur Isak Deutsch auf. Von Montag, den 4. bis inkl. Freitag, den 8. Juni bleibt das Theater zur Vorbereitung der Sommerspielzeit geschlossen, mit Ausnahme von Donnerstag, den 7. Juni, wo der H. Jüdische Liederabend Isak Deutschs mit neuem Programm stattfindet. Für die Sommersaison hat die Leitung der Jüdischen Künstlcrspiele ein Sensationsgastspiel vorberei1tet. Es handelt sich um ein künstlerisches Trifolium, das nach Absolvierung einer Welttournee über Südamerika und Südafrika in Polen die größten Triumphe gefeiert hat. Diese Künstler, und zwar die berühmte Soubrette Vera Kanjewska, der Sänger und Liebhaber Paul Breitmann sowie der CharaKterkomiker Max Brun wurden von den Jüdischen Künstlerspielen verpflichtet und treten ab 9. Juni in einem für Wien vollständig neuen Repertoire auf. Zu diesem Zweck wurde das Orchester vergrößert und der szenische Apparat ausgebaut.; In den Publikumskreisen sieht man diesem künstlerischen Ereignis mit gespanntestem Interesse entgegen. Ausstellung der jungen jüdischen Künstler in Palästina. In d'er Baracke des „Ohe!" in Tcl-Awiw wurde die dritte Ausstellung der jungen jüdischen Künstler in Palästina eröffnet. Zehn junge Maler und Bildhauer haben 52 Werke ausgestellt, die ein Abbild geben von den künstlerischen Eindrücken des neuen Palästina und des eigenartigen Kolorits dos Landes. Jüdische Biilnio, II.. Taborstraße 12. Wochenprogramm. Frcifafr, I. Juni, bis Montag, 4. Juni: „S n r k c a Doktor", Komödie mit Gesang in drei Akten von Lilien (Titelrolle L. G 1 Ii c k s m a rt n). Sonntag, 3 Uhr: „K c 11 e n vi n Liebe", Lebensbild in vier Akten von Feinmann. Dienstag, 5. Juni: ,,D u s S c H ii f f a 1 c", Operette in drei Akten von Tomasclicwski. Mittwoch, 6. Juni: „Die Opferung Isaks", Biblische Operette in drei Akten von Goldfaden (M c 1 z o r — Abraham, Leresco—* Sarah). Donnerstag; 7. Juni: ,,S u r k c a D o k t o r". Beginn 8 Uhr. Ende 11 Uhr.. Mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage freier Eintritt. G5LBAN& & C9, WIEN, IX. GRUNQLSTR. 5 Telephon 19-0-69 beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit *J Chaies-Realgymnasium, Wien, 2. Bez., Castellezgasse Nr, 35. Aufnahme in die erste bis achte Klasse täglich von 12 bis 1 Uhr in der Dircktionskauzlei. Zlonlstlsch-akad. Verbindungen und Vereine Oesterreichs. Keren K a j c m e t h - R e f er a't: Nominierurig der K. K. L.-Kommissäre. Abholung der restlichen „Imi"-Taschcn und Leerung derselben. Verteilung der Blau-Weiß-ZUnder. Sitzung der K. K. L.-Kommissärc am 14. Juni,, um 6 Uhr abends (Kärntnerstraße 28). Keren Hajesso d- Refera-t: Nominierung der K. H.-Kommissüre. Die Listen sämtlicher Mitglieder der Korporation sind in der nächsten Präsidialsitzung mitzubringen. Sitzung der K. H.-Kommissärc am 21. Juni um 6 Uhr abends (KÜrntnerstraöe 28). S c Ii e k e I r e'f c r a t: Vorläufige Abrechnung der bisher verkauften Schekel im Laufe dieser Woche und weitere Verteilung derselben. Gesellschaftsreise nach Bratislava. Am 17. Juni findet die Gesellschaftsreise der Wiener Zionisten mit einem. Salondainpfer nach Bratislava statt. Die Abfahrt erfolgt um 7.30 Uhr vom Praterkai (Reichsbrückc). Um 10.30 Uhr landet das Schiff in Bratislava, wo die Gäste vom Bürgermeister sowie von der zionistischen Organisation der Slowakei begrüßt werden. Sodann Besichtigung der Stadt unter Leitung ortskundiger Führer, und zwar Rathaus, Museum, Burg (Innenansicht zum ersten Male gestattet), altjüdischer Friedhof und Ghetto. Für diejenigen Teilnehmer, welche die Stadt selbst schon kennen, wird ein Ausflug nach dem nahen Kurort Eisenbrlindl veranstaltet. Am Nachmittag Gartenfest. Die Rückfahrt erfolgt um 18 Uhr, so daß die Teilnehmer um zirka 24 Uhr wieder in Wien eintreffen, wo Separatwagen der Straßenbahn bereitstehen werden. Anmeldungen werden entgegengenommen: Zionistisches Bureati (K. K. L.), I., Kärntnerstraße 28 (Tel. 77-4-85, 77-4-86) und Jugendverein „Erez Israel" (Sekretariat), IL, Zirkusgasse 33. Preis der Fahrkarte S 9 (plus 10 Prozent Zuschlag für den K. K. L.). Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden I., Elisabethstraße 9, I. Stock, 10, Telephon 45-8-34 und B 30-3-49, stellt einwändfreie, gewerbcbcrcchtigfe, sprachen- und branchenkundige Handelsvertreter, reisende Kaufleute und Kommissionäre kostenlos sofort zur Disposition. — Partejenverkehr: Jeden Dienstag, 6 bis 7 Uhr abends im Sekretariat, I., ElisabethstraUe 9, 1. Stock, 10. — Verbandsdiskussionen jeden Montag um halb 8 Uhr abends im Cafe Exzelsior (1., Rotenturmstraße 24). Auskünfte für Mitglieder kostenlos gegen Beischluö des Portos, für Nichtmitglleder gegen Porto und S 2 in Briefmarken für gemeinnützige Zwecke. Angebote und Nachfragen. Firma in W o. 1 i s b e r g bei Wilden (Steiermark) will Bürsten aus bei ihr lagernden Borsten herstellen lassen. Firma in Paris benötigt Luxusledergalanteriewarcii. Firma in Kanaren, Ppst Rüden (Kärnten), sucht Vertreter in Butter und Eiern. Firma.jn Hilversum sucht Seidenbänder für Blumengeschäfte. Firma |n,Brünu benötigt eine Roßhaarkraus- und eine Roßhäar- , Spinnmaschine. Firma in Hamburg benötigt Holzbearbeitungswerkzenge. Firma in Gablonz benötigt echte Eltenbeinzigarcttensyiity.cn und Perlmutterperlen. Firma in Patras benötigt Wassermesser. Firma in Budapest benötigt Fahrräder. Firma in H e I I e r u p (bei Kopenhagen) benötigt Hcrrenstoife aller Art. Firma in F r i b o u r s (Schweiz) sucht Vertreter in Wien für Früchte und irische Gemüse. Firma jn Johannesburg (Südafrika) benötigt Seiden-, Email- und Glaswaren. Firma in B r e g c n z benötigt Glas- und Flintensteinpapier. Firma in Wiesbaden benötigt Trikot- und Strickkleider. Firma in L ü 11 i c h sucht Vertreter in Superphosphat, Ammoniak, Dungstofte und Thomasschlackc. Firma in Wie u sucht Vertreter für deutsche Thermometer. Firina-in Wien benotigt einige Waggon Pappe für Lederwarenerzeugung. Firma in Wien benötigt ein oder zwei kleinere PariUmcriegeschätte. Firma in Wien benötigt Feinleder in allen Sorten. Firma in Mailand benötigt Winkel-, U- und T-Eiscnblcche, Röhren, Nieten. Firm», in Nottingham benötigt Nappalcdcr. Firma in Bologna benötigt Aniline. Firma in Z e m u n (S. H. S.) benötigt Brokate für Daiiioiistrunipibandhalter. Firma in Wien benötigt Schuster- und Tischlerleim und Gelatine. Firma in Sofia benötigt Darnentaschenbügel. Firma in W ä i d h o f e n benötigt Kunstleder. Firma iu A 1 e p p o (Syrien) benötigt Zephirwolle. Firma in Wien benötigt Verdampfiingsanlagen. Firma in Wien benötigt Schafdärme. Firma in Port Louis (Insel Mauritius) sucht Stickereien. Ein Sprechsaal für unsere Leser Die Erneuerung des Volkes Israel Bei der Verfassung der Schrift „Der Judcnstaat" war Theodor Herzl der Ucbcrzeugung, daß ein von Juden, nach ihrer Art .mit den Erfahrungen und. Mitteln der Neuzeit geschaffenes, selbständiges Gemeinwesen grundsätzlich und wesentlich anders beschaffen sein werde ails alle bestehenden Staaten und er war weiter« der Meinung, daß nur auf diesem Wege die anderen Völker verstehen lernen werden, worin das Wesen dessen besteht, wodurch sich die Juden von Mi n en unter s c ih e id c n. Es dürfte nun kaum einem Widerspruch 'begegnen, daß die Grund- und Kcrnwentc des Judentums aus jener Epoche stammen, die mau als die Urepoche des Volkes Israel bezeichnen 'kann. Ein Gemeinwesen, das den Anforderungen der Neuzeit entsprechen soll, muß sich jedoch aHe wissenschaftlichen Errungenschaften der Neuzeit zunutze machen. Soll nun dieses Gemeinwesen »ich auf die Grund- und Kernwertc des Judcntuincs stützen, so müßte deren Wesen mit dem Stande der ncuzeitilichen Wissenschaft nicht nur iin Zusammenhang gebracht werden, sondern es müßten jene Werte auch von diesem Standpunkte aus für die Lebensführung erkennbar und feststellbar sein. Es* «'st nun meine Absicht; in zwei bis drei Vorträgen zu zeigen, wie dieser Weg vom Standpunkte neuzeitlicher Wissenschaft betreten Werden könnte. Diejenigen, die diese Vorträge 'hören wollen, mögen mir Naffleit und Adresse m i 11 e i 1 e n; damit ach sie zu diesen Vorträgen, an die sich auch eine Aussprache schließen kann, einladen kann; Otto Lang, Wien, XV., Beingasse 28. Ein Zwischenfall in den Jüdischen Künstlerspielen, An den Herausgeber! Wien, am 28. Mai 1928. Ich möchte\ Ihre Aufmerksamkieiit auf einen Vorfall lenken, dessen "Zeuge ich war. Ich besuchte Samstag abend die „J ü d i s c h e n Künstlers p Ii e I c"\ Zur Aufführung gelangte „Iii Nurncn vin Gott". Der Schauspieler Herr Deutsch legte ein jiddisches Lied, •betitelt „Gruß vom neuen Rußland'!" ein, welches leiine .kleine Verherrlichung des -jetzigen Regimes in Rußland ist. Einige anwesende Zionisten begannen zu pfeifen, woraiuif.. Herr Deutsch erklärte, diese Leute hätten wahrscheinlich kein Eintrittsgeld bezahlt. Die Erklärung wurde vom Publikum beklatscht. Ich halte einen Kommentar für übteirflüssig. Hochachtend Tli. G. Anrac r.'ku ng. Die Bolschewiken lasseh junge und alte Juden in Kerkern faulen oder schicken sie in die grausige Verbannung, wie das seinerzeit der Zar getan. Nur weil sie Zionisten sind und helfen wollen, das jüdische Land aufzubauen. Daß Zionisten nicht davon begeistert sind, '■im jüdischen Theater als Draufgabe eine Verherrlichung düeses Blutregimieis vorgesetzt zu bekommen, .ist sehr begreiflich. Herr Deutsch täte übel daran, durch den Beifall eines nicht sehr verständnisvollen Publikums verleitet, auch weiterhin politische Demonstrationen für dite Sowjets von Stapel zu lassen und jene, die dagegen« Stellung nehmen, mit mehr .derben als witzigen Bemerkungen abzutuu. Sport- und Tombewegung Hakoahs Kampf um die Erstklassigkeit. Vor ungefähr acht Jahren gelang es der Hakoah, in einem hochinteressanten, spannenden Kampf auf dem W. A. C.-Platz durch einen Sieg gegen Germania die Erstklassigkeit zu erringen. Vergangenen Sonntag kämpfte Hakoah ebenfalls auf dem W. A. C.-Platz vor 15.000 Zuschauern gegen Simmering um den Verbleib in der ersten 1 Verband radikaler Zionisten Mittwoch, den 6. Juni 1928 um halb 9 Uhr abends findet im Klublokale Cafe Atlashof, Wien, I., S Aspeinplatz, eine S= Mubversammlung Gegenstand: Aktuelle jüdische und zionistische Fragen« Referent: ROBERT STRICKER Freie Aussprache statt m Tr&X e-pM .v jfi 9.-p,;-5.i:§;'7l.'.iji ry!d:i#5 jq'-'i 8 ,;;:';;'>>.■/"■■. ' \H -Ü" aVKe :.::.^!"'''':% V'--" Yl.f*ARl^ •"'.'"'^v-T^i^f ^.'.lij'o' K *.- 4 .iV';^-;■ 'V'e'r' ( $l n g e n . S.-j e'..,>Ar;o;s jj^Vtae^' |