Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 37 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 37 tm NEÜE W1LT Seite 5 BADVOSLAU Grand Hotel Bellevne OESTERREICH Das führende Haus — 120 Zimmer — Appartements mit Bad - Anerkannt erstklassige Küche Bis 2o. Juni Zimmer und Pension S12.— Bes.: r. PÄLOUDÄ RosenbJüth, Begrüßungsdepeschen fast aller zionistischer Verbände der Welt sowie des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Welz mann, des Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Nahum S okolow, und des Vorsitzenden des Keren Hajessod, Dr. H a n t k e, verlas. Weizmann telegraphierte u. a.: Unsere Bewegung steht heute am V o t a 'b e n d eim e r neuen Periode. Ich kann, nicht ahne eine gewisse Befriedigung, heute darauf hinweisen, daß wir die Hauptschwierrgkeiteti der Krise überwunden haben. Die Aufgabe, die jetzt vor uns liegt, ist eine sorgfältige Vorbereitung des Bodens für neue produktive Tätigkeit auf einer gesunden Basis in einein größeren Ausmaß; wir müssen zunächst fortfahren in der K o n s o Iii dliiiejr u rag unserer Finanzen und unserer K o i o n i s a t i o n, gestützt auf, den Rat der '. Experten und den Beistand der Jewish Ag e n cy-K o m mi s s i o n, die demnächst in London z u s a m m e n t r i 11. Die Exekutive ist mi>t allem Nachdruck bemüht, den Beginn einer Periode neuer schöpferischer Arbeit m beschleunigen, indem sie neue f i> n a liidü e 1 i c 0 u eil i e n auf Grund systematischer Wirtschaftspläne zu erschließen sucht und zugleich unsere politische Position befestigt. . Aus Südafrika telegraphierte Dr. 0 1 s v a n g c r, daß die bisherige Keren-Hajessod-Kampagne in der südafrikanischen Union rund SO.000 Pfund Sterling erbracht hat. Regierungsrat L a n g e n h a g c n beglückwünschte den Delegiertentag im Namen der Regierung und führte aus, daß der Aufbau Palästinas Zielsicherheit und Geduld erfordert und daß die von den Zionisten entwickelte Energie und die von ihnen gemachten Anstrengungen die Anerkennung und die Billigung aller verdienen. Der Vertreter der Stadt Breslau, Stadtrat Zigon, überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters und des Magistrats, Geheimrat Dr. Goldfeld begrüßte im Namen der Synagogengememde Breslau deu Delegiertentag, Gustav Finzi, Troppau, überbrachte die Grüße der tschechoslowakischen zionistischen Organisation und des mährischen Genieindeverbandes, dessen Vorsitzender er ist. Dr. Morgenstern, Linz, überbrachte die Grüße der österreichischen Zionisten. Zum Vorsitzenden wurde Kurt Blumcnfeld, zu Vizevorsitzenden Dr. Landsberg, Wiesbaden, Doktor Hugo Schach t e 1, Breslau, Dozent Dr. R abin, Breslau, Regierungsrat Dr. Marcus, Breslau, Richard Lichth e i m, Berlin, Benzion Fett, Berlin gewählt. Sonntag nachmittags erstattete Kurt. Blumcnfeld im Namen des Präsidiums der Z. V. f. D. das Referat über die Arbeit in Deutschland für die Zeit vom L: Oktober 1926 bis 31. März 1928. . An das Referat schloß sich ©ine lebhaft geführte Generatausspraehe, in der zunächst Dr. Wolfsberg im Namen des Misrachi, Dr. Hugo Schachtel als Einzeldelegierter, Dr. Rudolf Samuel für Hapoe.1 Hazair und Doktor Nahum Goldmann für die radikalen Zionisten sprachen. Den Hauptpunkt der Debatte bildete die Frage, ob man die Z. V. f. D, in der „bisherigen Form beibehalten oder zu einem Daohverband selbständiger Fraktionen (Arbeitsgemeinschaft) umgestalten solle. Die Stimmung auf dem Delegiertentag scheint für die Beibehaltung der bisherigen Einheitsform der Z. V. f. D. zu sein, damit' die zionistische Arbeit in Deutschland auf der Basis der Gemeinsamkeit erledigt werden könne. Dr. Heinrich Brody — 60 Jahre alt. Der Oberrabbiner von Prag. Am 26. Mai vollendete der Oberrabbiner von Prag* Dr. Heinrich B r o d y, sein 60. Lebensjahr. Die Prägen Judenheit verehrt in ihm ihr religiöses Oberhaupt, dero maßgebenden Theologen, den eindringlichen Redner und den großen Kenner des jüdischen Schrifttums. Dr. Brody ist in der gesamten jüdischen Welt als einer der besten Kenner der hebräischen Poes'ie bekannt. Er ist einer der hervorragendsten Führer derl Weltorganisation Misrachi. Sechs Jahre vor dem ersten Zionistenkongreß begann Dr. Brody in Wort und Schrift für die Kolonisation Palästinas einzutreten. Im „Hamagid" des Jahres 1891 schon führte er eine eindrucksvolle Polemik gegen Adolf F r a n k 1, den Kopf der orthodoxen Landeskanzlei Ungarns, der in der Erstarkung des nationalen Judentums und seiner Werte, insbesondere der hebräischen Sprache und Literatur, eine Gefahr gesehen hatte. Die Lebensarbeit Dr. Brodys, der 1868 in Uzhorod geboren wurde, ist die Erforschung der jüdischen Dicht-« kunst im Mittelalter, der er mehrere Werke gewidmet hat. Berühmt geworden ist seine hebräische Anthologie, die vor wenigen Jahren im InselJVerlag zu Leipzig erschienen ist, ferner eine Edierung der Gedichte Jehuda Halewis. Gegenwärtig arbeitet er an der Jüdischen Enzyklopädie des Verlages Eschkol, in Berlin hervorragend mit. In der zionistischen Arbeit in Böhmen hat Dr. Brody in früheren Jahren fruchtbare Arbeit geleistet. Er hatte seine wissenschaftliche Ausbildung in England genossen und war eine Zeitlang Rabbiner in Nachod gewesen. Nach dem Tode des Oberrabbiners Dr. Ehrenfeld, dessen Schwiegersohn er war, trat er an die Spitze, der 'Prager Judengemeinde, als deren geistiger Führer er sich» insbesondere in der schweren Zeit der Revolution, bewährte, Du sollst nicht morden! —y. In einer volkreichen Stadt Deutschlands ist dieser Tage eine eiserne Flasche geborsten und aus ihr zog eine unsichtbare Wolke des Todes durch die Straßen. Giftgas war aufgestapelt und hatte sich plötzlich befreit. Das Grauen, das ihm folgte, wirkte in der ganzen Welt und überall fragte man, ob sich nicht diese Gefahr in der nächsten Nähe befinde. Und da kamen aus London, aus Paris, ja sogar aus Oesterreich die Meldungen des Entsetzens, daß auch in diesen Ländern, in der Nachbarschaft der großen Städte, solche Lager sich befinden. Es zeigte sich, daß man überall, trotz alles Geredes vom Frieden zum Massenmord rüstete und daß die Erfahrungen des großen Krieges nicht von der Demokratie, sondern von den Militärs und der von ihnen unterjochten Wissenschaft geprüft werden. Es geschah dies in derselben Woche, in der überall, wo Juden wohnen, in ihren Gotteshäusern das Gebot verlesen wird: Du sollst nicht morden! Es war in der Zeit verkündet worden, in der das jüdische Volk, der Sklaverei entronnen, von seinem Führer zu einer kraftvollen Einheit zusammengeschweißt werden sollte. Ein einheitliches Gesetz gab er ihnen, das sie noch emporhob über die Welt, die rings um sie sich in Kampf und Krieg verzehrte. Ein Gesetz, das den Rechtlosen und Verfolgten sagte, alle menschliche Gesellschaft könne sich nur auf Recht und Ordnung aufbauen. Ehre, Ehe, Eigentum und Leben müssen unantastbar und heilig sein. Allein mit sich und dem Führer, in der Unendlichkeit der weiten Wüste, vernahmen die gestern noch in Fron und Kerker gehaltenen Flüchtlinge die zehn Worte, die einfach und klar alles, was den Hörern bisher als Selbstverständlichkeit ihres Sklavendaseins erschienen war, verneinte. Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen, du sollst nicht stehlen, nicht morden, nicht nach Weib und Eigentum des Nächsten streben. Und der Nächste, das war jedermann. So klar lautete dieses Gesetz, daß seine Worte dann von allen anderen Völkern übernommen und zur Grundlage ihrer gesellschaftlichen Ordnung gemacht wurden. Es ist dem Gesetz recht übel ergangen. Es stand gewiß äußerlich in Ehren, aber es wurde nicht lUaviim PlaSen Sie sich und bringen es ffVCil IIIII zu nichts? llf^SI Sie noch kein Klassenlos von HUGO Weil HORWITZ & Co, gekauft haben! Haupttreffer ev. S 750.000 Die große Prämie der Klassenlotterie (17. L.) von S 500 000.— wurde von den glücklichen Kunden der Firma HUGO HORWITZ & Co., Wien, I., Franz Josefs-Kai Nr. 65/A, gewonnen. Bestellen Sfe iÄip6M7Postkar,e oia Te,eph<ffl Ziehung 1. Klasse 14. und 15. Juni 1928. Vi Los S 16 — V» » n Ihr Glück Ist bald gemacht Die Hälfte der Lose gewinnt sicher! Vi Los ö 32'— V* - * 8 - Der Leiter der Pariser LT. A.-Filiale erschossen. Tragischer Tod des Rechtsanwaltes Dr. Jacques Goldberg. Aus Paris wird uns gemeldet: Am 25. Mai ist der, Leiter des Pariser Bureatis der Jüdischen Telegraphen- Agentur, Rechtsanwalt Dr. Jacques G o 1 d b e r g, in sei nem Bureati von einem Angestellten namens Jakob B ü r,- ger. einem 18jährigen jungen Mann, erschossen worden. Dr. Goldberg war vor kurzer Zeit von Freunden gebeten worden, sich eines verzweifelten Mannes namens! Jakob Bürger, Sohn einer früher wohlhabenden, dam? aber verarmten R i g a e r Familie, anzunehmen, der, um nicht mehr hungern zu müssen, in die französisch!« Fremdenlegion eintreten wollte. Herr Goldberg ließ den jungen Mann zu sich kommen, redete ihm sein Vorhaben aus und stellt ihn im Bureau der Jüdischen Telegraphen-Agentur an. Der junge Mann erwies sich aber als unmöglicher Arbeitsgenosse, und Herr Goldberg sah sich gezwungen, ihn zu verwarnen. Am vergangenen Samstag verließ Bürger die Arbeitsstätte, kam am Dienstag wieder und verlangte den Chef zu sprechen. Goldberg ließ ihn in seinBureati treten. In diesem Augenblick zogBürfger einen Revolver und gab auf Goldberg vier Schüsse ab,'von denen drei trafen. Der Täter ergriff; die Flucht, stellte sich aber bald selbst der Polizei. B# dem mit ihm angestellten Verhör war es nicht möglich^ 16. 3ttttt aWorflctt faflinnt ber SBot'bnItutf «bei* ©-tna&cnf&a!r)ufa'^r:fcf>eiite für föittfoer ('für 1 ©o!lu§^u'(Mta&eit), iter. ©rttÄSfaidien .für &te ifcnij'atio.nieik Ö^ntetctoO^ffieHttittfl• (für. 3 $olu3Ä$ftabcn) atnö bet #its&al|.arffafic (für 2 ©oiks^udfltaften). #eibe§ &>§• ■ei« Treffer. 25ie 9fot§.güi6e erfoligt in .alkn "befanukn '^öe^i'iiBcin'löfoftelkn wnib im 3mtT)a;tprciiniiticii)'&U'Pon;u./ Söien, 17. ®efl., Dtta* friu'gcilftra&c 2i. <*tämbwzU>t fctte^nifcfye SfotSKutf-fc unter: S>otu§=ß8iU.ä)i|taif)cn firtib an iefoer 5Doifr 2>oI'H§=^c&U!bcreinc, ®aritä^n&'(>oib'cnfj3ia!fta rntib im jöber Blauten Wartung tes aUfte* tocihrticn Me'ta^ScifettyatfiberS 'Cfoiigefoigt befolgt, ja, es mußte dazu verhalten, den Mord, den Angriff auf 'des Nächsten Ehre und Besitz zu verdecken und zu verklären. Aus diesem Gesetz ist eine einzige große Lüge geworden und die schlimmsten Verbrechen wider den Geist und wider das Vertrauen, wider Freiheit und Menschlichkeit decken sich hinter der Lehre und sie zielen vor allem auf das Volk, von dem die Lehre gekommen ist. Den Völkern selbst, 'die das Gesetz mißbrauchen, ist der Widerspruch zwischen Gebot und Uebung zum Schlechten ausgefallen. Es ist die Krankheit der zivilisierten Menschheit Europas geworden, die sich berechtigt glaubt, die Welt zu beherrschen und die allen, mit den sie in Verbindung tritt, dieses giftige Gas ihrer Heuchelei als Geschenk bringt, das alle zwingt, an der großen Lüge teilzunehmen, die das Gebot von der Heiligkeit des Lebens und der Ehre täglich und stündlich bricht und dies als politisches System mit der Autorität der Macht umhegt. Nicht immer wird der Mord angewendet, aber er steht immer griffbereit; und wenn nicht das Leben gemordet wird, so die Freiheit, der Wille, der gute Ruf, im Namen der Ordnung und des Staates. Alle, die in einem Staat wohnen, werden um des Vaterlandes willen gezwungen, ihr Teil an der Lüge m tragen und so müssen auch Juden daran teilnehmen und das Unrecht, das sie als Unrecht in der Seele empfinden, mitzumachen. Der Zionismus will das Judentum auch aus diesem Gashauch der . moralischen Korruption befreien. Er will ihm, wie ehedem nach der Erlösung aus der ägyptischen Fron, den Weg zur Heimat wieder weisen, er will ihm aber auch den Weg zur geistigen und sittlichen Freiheit, zur vollen Genesung von der Pest des Exils öffnen. Es ist kein leichtes Werk, den Schutt wegzuräumen, den zwei Jahrtausende der Verbannung auf die Seele des Volkes gelegt haben, aber es muß und es wird gelingen. Wir sind wieder auf dem Heimweg und wir streben fort aus einer Gesellschaft, in der das Giftgas heilig ist. Unschädliches Entfettungsmittel. Man kaufe sich In der nächsten Apotheke 4 Dekagramm Fucabohnen, davon nimmt man zwei Wochen hindurch zweimal täglich je eine Bohne nach der Mahlzeit, hernach drei Wochen dreimal täglich je 2 Bohnen nach der Mahlzeit, sodann wiederum zwei Wochen dreimal» täglich eine Bohne nach der Mah> seit Der Erfolg ist überraschend. E von ihm Stichhältiges darüber zu erfahren, was ihn zu der unseligen Tat getrieben hat. Herr Goldberg wurde in das Krankenhaus gebracht. Seine Verletzungen erwiesen sich als tödlich; eine Kugel hatte das Rückenmark getroffen. Am Donnerstag vor Mitternacht trat der Tod ein. Dr. Jacques Goldberg erreichte ein Alter von vierzig, Jahren. Er wurde in Odessa geboren, studierte in Italien! und in Frankreich Jurisprudenz, ließ sich in Rußland ab Rechtsanwalt nieder und entwickelte auch eine viel bä achtete publizistische Tätigkeit. Nach dem Kriege ghu? er nach Frankreich und übernahm vor etwa 4 Jahren die Leitung des Pariser Bureaus der Jüdischen Telegraphen- Agentur, das er mit großer Hingebung und Können geleitet hat. Die Pariser Presse widmet Herrn Goldberg ehrende Nachrufe und hebt dessen Hingabe an den journalistischen Beruf und dessen treue Pflichterfüllung hervor. Die Palästina-Anleihe der amerikanischen Finanziers. Die Zionistische Korrespondenz meldet: Die von Louis Lipsky kürzlich angekündigte Anleihe amerikanischer Bankiers für Palästina scheint vor ihrer VerwiTkli'Chung zu stehen. Laut Berichten der palästinensischen Prosse ist der Leiter des Palästina-Amtes der amerikanischen Zionistischen Organisation, Schwarz, in Jerusalem eingetroffen, wo er mit dem Direktorium des Ki&ren Kaijemeth eine Reihe von Beratungen abgehalten hat, welchen die vom Keren Kajemeth ausgearbeiteten neuen Vorschläge als Grundlage dienten. Es sei gelungen, eine Einigung zoi erzielen, so daß der endgültige Abschluß der Anleihe In Bälde zu erwarten sei. Die in verschiedenen Zeitungen, darunter auch in der „N. Fr. Pr." veröffentlichte Mitteilung, daß die Anleihe bereits abgeschlossen ist, eilt demnach den Tatsachen voraus. Das Anleihekapital beträgt 3 Millionen Dollar und ist bei einer Verzinsung von 6,5 Prozent in 20 Jahren rückzahlbar. Diese Anleihe des Jüdischen Nationalfonds, die auf privatem, geschäftlichem Wege erfolgt, ist wohl zu unterscheiden von der geplanten internationalen Anleihe, die mittels politischer Unterstützung der Völkerbundsmächte angestrebt wird. Die 3-Millionen-Dollar- Anleihe, die durch, erste Hypotheken gesichert wird, dürfte Jn erster Linie zur Entlastung des Keren Kajemeth und der übrigen Bodenkaufsgesellschaften dienen, das heißt zur Fundierung der letzten Bodenkäufe sowie der Haify Bay Company. Im einzelnen ist die geplante Verwendung natürlich noch nicht 'bekannt, doch kann auf alle Fälle ge-