Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 37 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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SeHe* DIE NEUE WELT ite.sr o I., Beflarfastraße 12. Tel. 36-3-39 V.,8oh3nbrunner«ir. 56. Telephon 95*55 SPRECHAPPARATE wie firamola, Columbia, UKraphono UNSER SPEZIAL- KOFFER -APPARAT „MINERVA".........S 75'- „WA-JESTROLA" I......S 130'- „MAJESTROLA", Lu*ua . . . S 195 ¥ Anob auf Teilzahlung) ¥ Neuesie Schlagerplnäen in größter Auswahl der jüdischen Advokaten Palästinas schaiMen, deren Zahl gegenwärtig 108 beträgt (gegen 107 Nichtjuden). Sie tat aber noch etwas darüber. Vor dem Organisationsreferat <tes Rechtsanwaltes B e n - M e i r hörten die Teilnehmer des Advokatentages zwei besondere Referate über Gesetzgebung (E1 i a s h) und Gesetzesanwendung (W c i n s h a 1 i) and widmeten der Diskussion dieser Fragen allgemeiner Natur mehr Zeit und Sorgfalt als der eigentlichen Organisation, deren Statut erst in zwölfter Stunde durchgepeitscht wurde. Diese Tatsache zeuigt von dem hohen Geist und dem Verantwortungsgefühl, die diese Versammlung beherrschten und die dem jüdischen Anwaltsstande Palästinas zur Ehre gereichen. (Ein zweiter Artikel folgt.) Soll Deine Kochkunst Stimmung bringen. Mit Hiiber-Essig Wird's gelingen! Denn sein Genuß macht den Unmut so schwer, Wie den Weg des Kamels durchs Nadelöhr. Tagungen im polnischen Zionismus. Von. unserem Warschauer..^ R.-Berich te r s t a 11 e rv Die Beschlüsse der II. Konferenz der radikalen Zionisten Polens. — Der Parteirat der Zionisten Kongreßpolens in Warschau. — Der Zionistische Parteirat in Lemberg." Die II. Koiiierenz der radikalen Zionisten Polens, „AI Hamischmar", hat folgende Beschlüsse gefaßt: Die Konferenz macht die zionistische :0.effentliehkeit aufmerksam auf .den. unhaltsamen Zustand in der politischen Leitung in. London; -und in Jerusalem. Eine wirkliche politische Exekutive-gibt es\-überhaupt nicht., Inf folgedessen werden wichtige politische Möglichkeiten nicht ausgenützt und die dringendste politische Arbeit wird vernachlässigt. Die Konferenz verlangt eine schnelle und gründliche : Aenderung in dieser Hinsicht durch die Einsetzung einer politischen Exekutive,»die v eran twortilch die politische Arbeit führen und zielbewußt die zionistischen Forderungen gegenüber' der Mandatarmacht vertreten soll, um eine aktive Unterstützung unserer Arbeit zu erreichen. In diesem Sinne begrüßt die Konferenz die Kritik von Dr. Wise gegenüber der politischen Leitung und' seinen Kampf für die Umgestaltung der politischen Exekutive. Die Konferenz stellt fest, daß die Ereignisse im Zionismus seit dem letzten Baseier Kongreß bewiesen haben, daß sich die Opposition gegen die Erweiterung der Jewish Agency vergrößert hat. Sie ist überzeugt, daß alle Geschehnisse seit dem Kongreß die Erfolglosigkeit dieser Politik bestätigen und sie betrachtet das Weiterführen dieser Politik als schädlich und demoralisierend. Die Konferenz ist entschlossen, ihren Kampf gegen diese Politik bis -zur endgültigen Liquidierung der Erweitcrungsafosichten fortzusetzen. 'Die Konferenz begrüßt die oppositionellen Strömungen im amerikanischen Zionismus als ein Symptom des Gesundungsprozesses der amerikanischen zionistischen Organisation und hofft, daß der Konflikt zu einer Umgestaltung der Organisation des amerikanischen Zionismus führen und die jüdischen Massen in Amerika zu einer Kampfpolitik für die Grundsätze des Zionismus und 'gegen die Assimilation in allen ihren Gestalten erziehen wird. Die Konferenz stellt fest, daß alle Bedenken, welche die Opposition auf dem letzten Kongreß bezüglich der Palästina-Exekutive geäußert hat, sich erfüllt haben. Die Exekutive konnte sich das Vertrauen des Jisehuw nicht erwerben. Ihr Programm ist das der Liquidation und des Aufhebens wichtiger zionistischer Positionen. Die Exekutive ist in der Panikstimmung entstanden, in der sich die Mehrheit des Kongresses, wegen der Krisis in Palästina befand. Jetzt, da sich die Lage in E r c z Israel bedeutend gebessert hat, ist es notwendig, an Stelle der Liquidationscxekutive eine Exekutive des A u f b a u c szu setzen, die eine neue Alijah der Organisation beginnen und die das Vertrauen des J isc.hu w besitzen soll; eine Exekutive, die Verständnis hat für die nationalen und sozialen Ideale, die in Erez Israel verwirklicht werden sollen. * Die Leitung der zionistischen Organisation in Polen haben die Anhänger der von der jetzigen Exekutive der zionistischen Weltorganisation vertretenen Richtung inue. Der bedeutendste Mann im Zionismus Polens, Abgeordneter Grünbaum, und die von ihm geführten radikalen Zionisten, die in Polen den Namen AI Baimischmair (auf der Wacht) führen, stehen seilt Jahr und Tag gegen sie in Opposition. Auf der letzten, der VJIf. Landeskonferenz der Zionisten Polens . waren die radikalen Zionisten auch zahlenmäßig fast so stark wie die offiziellen, die eine ganz geringe Mehrheit als genügend erachteten, um Kfias Zentralkomitee zu bi?den. Der Umstand, daß die radikalen Zionisten demzufolge die Leitung nicht beschicken konnten, beeinflußte die Arbeit gewiß nicht günstig. So oft jedoch Gefahr drohte, oder, restloses Aufgehen du schwierigen Aufgaben '.nötig .„war, .sprang . Gir.ünbaum mit der AL-Hamischmar-'Gr^ppe s.elil^tlos in die Bresche. So war es, als die ■ Geschehnisse 'im Palästinaamt in Warschau für die Leitung eine wirklich autoritative Persönlichkeit enheisphten,,. dasselbe wiederholte .-/sich:;bei .:den; letzten Parlameutswahlen.. Kopf lUndYSeele des Wahikampfes war Grün b a u m, Iii; der Arbeit: standen' die radikalen Zionisten in den ersten Reihen.. Dieser Führung ist der große Sieg des Zionismus im Judentum Polens zu verdanken, die nochmalige Bestätigung semer Hegetmonit in der jüdischen Gasse. . , - Nach den Wahlen, als es' galt, den bedeutenden Erfolg festzuhalten und für -die Organisation auszuwerten', fanden die Offiziellen wieder, daß sie-ja doch die Leitung innehaben. In Westgalizien, in Krakau, gibt es fast keine Opposition, in Ostgaliz'ien, in Lemberg,'kämpfen die von Dr. I n s 1 e r geführten radikalen Zionisten gegen das Regime des Dr. Reich an. Rasch waren Fäden zwischen Warschau, Lemberg und Krakau gesponnen. Die Konferenz aller drei Parteileitungen in Lodz sollte eine Unifizierung der Organisation in die Wege leiten. Die radikalen Zionisten, die eine sachliche, meritorische, und keine künstliche, formelle Unifizierung anstreben, blieben dieser Konferenz fern. Sie wollten zumindest und zunächst herbeiführen, daß'.'in Kongreßpolen und in den Randgebieten die Englische und französische aschseide letzter Ausmusterung, in bester Qualität, erhalten Sie sehr preiswert nur im Speziälhau*s Tnchbam zobi HiraDen. H. TatorilraflE I7d Leitung in ihrer Zusammensetzung dem tatsächlichen Kräfteverhältnis entspricht. Die M. Konferenz des AI Hamischmar hat diesbezüglich das Folgende beschlossen: „Besonders günstige Aussichten für eine fruchtbare Arbeit eröffnen sich für die zionistische Bewegung in Pollen nach dem großen Sieg, den der polnische Zionismus unter Izchak Grünbaums Führung während der letzten Parfahientsr wählen errungen 'hat. Die Konferenz konstatiert, daß das jetzige Zenitraikomitee der zionistischen Organisation Polens nicht fähig ist, die großen Möglichkeiten auszunützen, was dessen bisherige Tätigkeit bezeugt. Deshalb fordert die Koniferenz die Einberufung der IX. Landeskonferenz in der nächsten Zeit, um eine neue, arbeitsfähige Leitung ziu bilden, die durch Ihre Autorität alle arbeitsfähigen Kräfte im Lande um sich konzentriert. Bis zu dieser Konferenz sollt« ein aus den Mehrhieitsanhängern, den Radikalen und den Revisionisten zusammenzusetzendes Zentralkomitee die Geschäfte 'leiten und die Wahlen zur Konferenz durchführen. Der vor einigen Tagen in Warschau abgehaltene Parteirat der Zionisten Kongreßpolens hat mit elf gegen zehn Stimmen, also mit einer Stimme Mehrheit, alle diese Forderungen abgelehnt. Die Landeskonferenz der Zionisten Kongreßpolens soll vor der Konferenz def Zionisten des gesamten Landes im Herbst stattfinden. Sollte die aill'polnische Zionistenkonferenz im Herbst nicht zusammentreten können, dann wird die Landeskonferenz im Winter einberufen werden. In das Landeskomitee wollte man zu den zehn Mitgliedern der offiziellen Richtung fünf radikale Zionisten -kooptieren. Die Radikalen lehnten jedoch entsprechend den geschilderten Umständen eine Teiljiahme ab". H.¬ Auf dem in Lemberg stattgehabten Parteirat der Zionisten Ostgaliziens traten die radikalen Zionisten unter Führung des Dr. I n s.'I e r sehr entschieden der Politik der Offiziellen Leitung unter Dr. Reich entgegen. Es kam zu sehr bewegten, oft stürmischen Auseinandersetzungen üben die politischen Methoden. Die Opposition, hatte Ii,Stimmen,- die Leitung 50 Stimmen. / . .. Der Delegiertentag der deutschen Zionisten. "Am Sonntag, den 27. Mai wurde In Breslau der 22. Delegiertentag der zionistischen Vereinigung für Deutschland in Anwesenheit der Mitglieder des geschäfts-- führenden Ausschusses und des Landesvorstandes sowie 108 Delegierter aus allen deutschen Ländern und zahlreicher Gäste feierlich eröffnet. Zur Eröffnungssitzung erschienen Vertreter der Regierung, der Stadt Breslau, des Polizeipräsidiums, der jüdischen Gemeinde und des Rabbinats. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident der Z. V. f. D., Herr Kurt Blum e >n fei d, der den Zionismus als den Sinn des Judentums definierte. Er begrüßte die Delegierten und die Gäste, unter ihnen Vertreter der zionistischen Organisationen Oesterreichs und der Tsechchoslowakei, worauf der Vizepräsident der Z. V. f. D., Dr. Martin absolvierten nach alter Sitte mit ihr das Ehrentänzchen. Die Arrangeurin des fidelen Hochzeitsamusements war aber längst verschwunden, nicht ohne einen „Geschenktisch" etabliert, ein ansehnliches Goldstück hinterlegt und alle anderen zu gleichem löblichen Tun veranlaßt zu haben. Noch heute singen die Krakauer Mädchen nach einer lieblichen rhythmischen Weise das Lied von der einsamen Arme^Leut-Hochzeit, bei der plötzlich, Freude spendend, die Bube erscheint. — Das Volkslied ist ihr Denkmal. Beim Fürsprecher der Frauen. Im Weinen Hof hart an der Ramu-Schul ist Reb Moische Isserls Grabstatt. Ein wirrer Haufen beschriebener Papierstückchen bedeckt sie. Hier legen die Frauen ihre Wunschzettel nieder, vertrauen dem großen Fürsprecher der Bräute, Gattinnen, Mütter mündlich an, was man nicht zu Papier bringen will — zumal manche Geschlechtsgenossin hier länger verweilt, als der Zweck der frommen Handlung erheischt, und sich in die Lektüre der an jene Welt gerichteten Briefe vertieft. Die Bube, gläubig und gottergeben, erübrigte gleichwohl für Andachtsübungen nur wenig Zeit, denn das tätige Leben, die Sorge um die Gasse, die täglich wachsende Aufgabe, in das Schicksal der andern ordnend, schlichtend, retteud einzugreifen, ließ wenig Raum für länger währende Andachtsübungen. Zu Reb Moische Isserls Grabstein ging sie, glaube ich, zeitlebens nicht. Sie mußte ja unverzüglich und mit sichtlichem Erfolg im Diesseits erwirken, was der Heilige, unglaublich in Anspruch genommen und streng nach dem Akteneinlauf amtierend, im Jenseits zunächst spfgfältig zu überprüfen und dann erst befürwortend wdterjwlelten hatte. Mit ihren eigenen Angelegenheiten den feuern Reb Moische Isserl zu befassen, blieb ihr keine Zeit. Sie hätte sich wohl kaum je entschließen können, den Vielgepilagten mit ihren Aufträgen zu belasten. Denn Menschen, die, wie die Bube, gewohnt sind, Hilfe zu bringen, wird nichts schwerer, als Hilfe zu suchen. Aber einmal, ein einziges Mal, da sie schwerste Herzenspeiii bedrängte, da sie die Verzweiflung befiel, weilte auch Bube Macliele an der geheiligten Stätte, die, von dichtem Efeu umsponnen, das kostbarste Gut Alt- Krakaus ist — und'idas kam so: . . In Krakau ging der böse „Steckfluß" um und raffte die Kinder weg. Die Bube hatte Acrzte zu holen, Mütter zu trösten, die Geschwister der Erkrankten zu isolieren, Essen in die Häuser der Trauernden zu schicken. Sie war ja die Säule der Gasse. Bis ihr einziges Enkelkind im hohen Fieber lag, die achtjährige, zwitschernde, kernige Gitel, welche der Großmutter prächtig nachgeriet und von ihr Über alles geliebt wurde. Und in einer kalten nebligen Spätherbstnaoht rang auch Gitel mit dem Tode. Das Kind wälzte sich in den Kissen, der Arzt erklärte den Fall für hoffnungslos und verabreichte kein Mittel mehr und als Gitel die Großmutter mit weitgeöffneten Augen wie flehend anstarrte, als suchte sie Hilfe bei der Bube, die doch für alle Menschen ein linderndes Wort, einen gütigen Rat, eine rettende Handlung bereit hatte, brach die starke Frau laut jammernd über dem Bette des Kindes zusammen. Aber plötzlich, sprang sie auf, trocknete eiligst die Wangen, als schämte sie sich der Tränen, nahm das Kind in den Arm, küßte es. in froher Erregung, legte es sachte wieder hin und eilte fort, . Wie sich die Enkelin in der Todesnot In ihre Arme geflüchtet hatte, so flüchtete die Großmutter — zum ersten Male bezwungen durch die Angst um ihr Teuerstes, zum ersten Male hilfesuchend — hinaus in die Nacht, von einer letzten Hoffnung getrieben, zu einem Unternehmen bewogen, daß« ihrem kraftvollen, auf sich selbst gestellten Wesen, nicht angemessen war:,Am Grabe Ramus woMte sie einsam und brünstig beten. Sie hat ihn nie behelligt, nie mit kleinlichen und1 lächerlichen Anliegen erzürnt, heute wird er sie erhören. Sie fand natürlich die Pforte des Friedhofs verschlossen, aber das war für die Greisin kein Hindernis. Sie erkletterte die ziemlich hohe Umfassungsmauer und fiel dumpf auf die Gräber hinab. Lautlos kroch die Bube mit gebrochenem Fuße und keuchender Brust bis zum heiligen Grabstein. Des Morgens wurde sie dort bewußtlos und halb erstarrt aufgefunden. Bube Machele starb am selben Tage, ihr Enkelkind aber — sagt die Legende — ist durch ihr Opfer gesund' geworden. Resümee. Sie war eine alte Frau mit jugeudfrischen Augen und einer heiteren Stirn. Sie war von der Vorsicht mit einem männlich starken Herz begabt worden, weil der Gasse die tätigen Männer fehlten. Sie war Führerih und Richterin. Sie entschied gegen das verknöcherte Gesetz und gegen die Sitten. Alle fügten sich, denn ihre Gründe waren bezwingend, ihr Regiment war gütig, ihr Geist scharfsichtig. Mit ihrem Humor erquickte sie die Guten, Frohen, Klugen und hielt die Knicker, Schleicher, Angeber im Zaum. Sie war eine Große, Freie, Tapfere in der Enge des Ghettos,