Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 36 (25.5.1928)
- Date
- 1928-05-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 3(? Jüdische Sport- und iii'iiiiifiifiiiiii'iiiiffiiiiiiiiTurnbeweöung Zur Tagung des Makkabi-Weltverbandes. Am 27, und 28. d. M. findet, wie bereits berichtet in Brünn eine Präsidialsitzung unter Hinzuziehung von Vertretern der Kreise und einzelner, dem Makkabi-Weltverbnd aangeschlossener Vereine statt. Nach langer Zeit gibt die oberste jüdische Sportbehörde wieder ein Lebenszeichen. Der Makkabi-Weltverband hat seine Pflicht nicht getan. Seine ganze Arbeit besteht darin, daß einmal im Jahre eine Sitzung einberufen' wird und Beschlüsse gefaßt werden, die aber selten durchgeführt werden. In den Makkabi-Weltverband gehören jüdische Sport-Fachleute. Die jüdische Sportbewegung, die auf einem toten Punkt angelangt, ist und in vielen Ländern sogar stark zurückfällt, muß belebt werden. Die jüdische Jugend muß dem jüdischen Volke gerettet werden. Das wäre die wichtigste Aufgabe der obersten jüdischen Sportbehörde. Mit Neuwahlen, Besprechungen und schönen Reden ist dem jüdischen Sportnicht gedient. Die Fußballspiele der Hakoah. Hakoah trug Donnerstag und Sonntag zwei Freundschaftsspiele aus, und zwar gegen Austria 1:1 und gegen Nicholson 0:0. .Gegen. Nicholson stellten die Krieauer folgende Mannschaft:.. «R o s e n f e 1 d; Scheuer, F e 1 d- "manu; Po 11 a k, St r o ß., B a r b a c k; Berglen N euf e 1 d, Posan e r,. He ß,. M a u ßn er. Kommenden Sonntag tritt der jüdische Verein in der: Meisterschaft gegen Simmering auf dem Platze des letztgenannten Vereines an. Beide Klubs nehmen in der Tabelle die zwei letzten Plätze ein. Die Simmeringer sind bereits aussichtslos geschlagen und müssen absteigen. Der zweite Abstiegskandidat ist unter den Ver-. einen Slovan, B. A. C, W. A. C. und Hakoah zu suchen. Nach Verlustpunkten sind die Blau-Weißen am besten ddran. Gelingt es dem jüdischen Verein, die Simmeringer zu besiegen, so ist ihm auch das Verbleiben in der ersten Klasse gerettet. Hakoah hat nebst Simmering gegen Admira, W. A. C. und Slovan zu spielen. Die Meisterschalt der jüdischen Amateurvereiiie. H a s m o n e a unterlag gegen Hac-Nordstern 1:4. Die Stürmer des jüdischen Vereines vergaben mehrere günstige Torchancen. Durch diesen Mißerfolg hat sich die Lage der Hasmonea bedeutend verschlechtert. Der jüdische. Verein rahgiert in der Tabelle auf dem vorletzten Platz und wird vielleicht am kommenden Sonntag auf den letzten v Platz zurückfallen. Es wäre tief bedauerlich, wenn der einzige jüdische erstklassige Amateurverein absteigen müßte. In der zweiten Klasse Ost erlitt H a g i b o r wieder eine empfindliche Niederlage, und zwar gegen Ostmark 0:5. '/Der jüdische Verein trat in folgender Aufstellung an: Lorant; Pollitzer, Feldmar; Stern, Hüß,'Keßler; Heller* Blumenzweig,r Bpndy, Ronis, Zuckerberg. Durch diesen Mißerfolg fiel Hagibör in der Tabelle auf den sechster. P I a t z zurück. . .., Eine . unverdiente 1:2-NiederIage erlitt M.enor ah in der. dritten Klasse Ost gegen Alexandria. Die jüdische Mannschaft war. ihrem Gegner technisch stark überlegen.; Der beste' Mann war Kohn. Den einzigen Treffer für Menorah schoß Schleifer. Größe Erfolge der Hakoah im Schwimmen. Das. internationale Schwimmeeting der Hakoah brachte den Veranstaltern einen sportlichen und finanziellen Erfolg. Eine' Sensation bildete der Start der deutschen Weltrekordler Rademacher, K ö p p er s und Fräulein E r k.e n s. Diese siegten auch in allen von ihnen bestrittenen Bewerben. Große Erfolge errangen die Hakoahner. So unterbot Fritzi Löwy ihre Bestleistung über 400 Meter Freistil. Hedy Bienenfeld stellte über 100 Meter Brust ihren Rekord ein und Idy Kohn kam im Rückenschwimmen über die gleiche Strecke dem bestehenden Rekord bis auf 2 Zehntelsekunden . nahe. Im 100 Meter-Freistil für Neulinge siegte Gbldschlager (Hakoah) in 1:12,4. G,o 1 d b e r-g e r (Hakoah) gewann im 100 Meter-Freistil (1:05,2) vor Prediger (S. A. K.) und Lichtenstein (Hakoah). Das 200 Meter-Brustschwimmen für Jugendliche entschied ebenfalls ein Hakoahner, und zwar Stein (3:12,4). Im Entscheidungsspiel um den Wasserball-Silbercup siegte Hakoah gegen W. A. C. 5:2 (4:1). Die Tore für Hakoah erzielten Rosenblatt I (3), Reich und Guth. Der jüdische Verein stellte folgende Mannschaft: ( Klein; Rosenblatt II, Haftl; Reich, Guth, Rosenblatt I, Ehrenkranz. \ Tin Qr..Körner-HandbälItiirnler spielt am Sonntag F. A. C. II gegen Hertha und Amateure gegen Hakoah; tagsdarauf finden die Spiele der Un.terlegenen und der Sieger statt. Die Hakoah-Schwlnimer werden am 21. August in Graz starten. Das Schwimmen „Quer durch Wien" findet am 24. Juni statt. Im Hqckey-Olymplocup, siegte B 1 a u - W e i Q gegen Kritzendorf 3:0 und Hakoah unterlag gegen W. A. C. 1 : 4, Die' Grazer Hakoäb spielte in der Meisterschaft gegen Sturm 2:2 unentschieden. Für den jüdischen Verein waren Kraus und Quastler erfolgreich Aus den Vereinen. Hasmonea. Freitag, 8 Uhr, Spielerversammlung und Aufstellung im Klubbeim. H a g I b o r. Samstag, 8 Uhr, Spielerversammlung. Mittwoch Training. Hechawer. Samstag Mitgliederversammlung. Besprechung wegen der Jubiläumssportwoche. 2ion. Samstag, 8 Uhr, Spielerversammlung und Aufstellung. Jüdischer Sport In Berlin. Bei dem nationalen Boxkanjpfahend des J. B. Maccabi wurden einige bemerkenswerte Resultate erzielt. So mußte sich , der deutsche Bantamgewichtsmeister Ausböck (München) gehörig strecken, um gegen Friedländer II (Maccabi) ein Unentschieden herauszuholen. Auch Lang (bayrischer Mittelgewichtsmeister, (München) konnte gegen den sich sehr verbesserten 9 ach bäum, der, nebstbei gesagt, seinen 101. Kampf hatte, nur ein mühevolles Unentschieden erringen. Auüerdem siebten Balsam (M.) gegen; Patzschke (Sparta), V e, y n e r (M.) gegen Luckstadt (Sparta), Kanter (A. E. G.). gegen Samuel (M.) nach Punkten und Hofmann (Heros) gegen den bis dahin überlegenen Fried Und er III (M.) durch. pisqualifiMtion. .Unentschieden trennten sich Ball (M.) von Seile (Astoria) und L e vi nsohn (M.)' von Esgcr's (Sparia). — Eine' Sektion Berlin des Touristik- und S k i k I u bs ,,H a k o a h" » W i e n wurde hier gegründet. Auskünfte und Aufnahmen bei Herrn Fred Beck. Berlin S 14, Annenstraße 44.;mmiiimnitnmminn»mmiMn«uiniumnimtmmimiimnii^ ^"''iNmiiimnitmitnftmtnwmimmmnmmmmnmnmtimmuiiiiiffl^^ SIE GM. KORNMEHL i GROSSFLEISCHHAUEREI I Zentrale IX., Berggaase 19, Telephon 17-3-99 tu 16-9 34 f Lieferant für Heilanstalten! Abteilungen für ■^■Fleisch I unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lsr. Kul-! tusgemeinde Wien 1 IX. Bergg. 15 ✓ XVIII.« Währingerstr. 97 | Austritte aus dem Judentum, Dr. Leo Schlesinger, geb. 26. VI. 1899, Wien, getrennt, II, Obere Donaustraße 45. — Hajek Walter, geb. 4. IV. 1907, Wien, iedig, XV., Sohusel'kagasse 5. — Rosner Viktor, geb. 28. IV. 1895 Wien, ledig, XIX.,. Heili'genstädterstraße Nr. 223. — Robitscher Gertrude, geb. 11. IV. 1909, Winterberg, ledig, V., Anzengruibergasse 8. — Deutsch Eugen, geb. 23. XII. 1903, Brünn, ledig, XIX., ..DöMinger Hauptstraße 15. — Dikmann Jonas, geb. 8. 12. 1894, Czofikau, ledig, Buchhalter, IV., Favoritenstraße 48. — Holzer Sehen!, geb. 25. XII. 1898, St. Martin, ledig, IV., Wiedner Gürtel 61. — Baneth Frieda, geb. 25. III. 1888, Agram, ledig, II., Nova ragasse 15. — Sperlinger Siegmund, geb. 26. X. 1902, Szatoadka, ledig, Zahntechniker, I., Franz Josefs-Quai 25* —Korärtyl Eugenle, geb. 14. IX. 1913, Wien, ledig, I., Hofburg. — Dr. Otto Weinstock, geb. 2. X. 1902, Wiien, ledig, Arzt, I.,.Seilerstätte» 16. — Rosenberger Felix, geb. 7. IV. 1900, Wien, ledig,.!., Gonzagagasse 23. — Mahler Grete,, geb. 19. VIII. 1907, Wien, ledig, I.,. Zelinikagasse 13. — Trinari Margarete, geb. 23. II. 1908, Wien, ledig, II., Krummbaumgasse 20. — Welsz Martha, geb. 25. IX. 1901, Wien, ledig, XIII.,. Pacassistraße 21. — Wiener Walter, geb. 28. VII. 1906, Wien, ledig, XIII., Hauptstraße 108, — Engel Tibor, geb. 6. IV. 1903, Ujpest, ledig, XIII., Pachmanngasse 1. — Löwy Herinlne geb. Jonoschek, geib. 22. V. 1896, Kileinstettendorf, gef. gesch., XIII.', Töpfelgasse '"2;'.'~ Löwy Renee, geb. 13. IV. 192.1, Mödling, XIlI.,-töpfelgass,e Nr. 2. — Friedjung Elise, geb.-26. IX.. 1895, Wien, ledig, VII., Kandlgasse 37. — Augenfeld Julia^ geb. 27. IX. 1902, Budapest, ledig, XVIII., Martimstraße 13. — Stemser Saml, geb. 9. I. 1910,. Przemysl, ledig, IL, Wolfgang Schmäilzlgasse 12. — karer Gertrud geb. Sommer, geb. 22. IX. 1899, Wien, ger. getr., XIX.,;,Armibrustergasse 10. — Szamek Andor geb. 27. IX. 1894, Wien, ledig, VI., Brüokengasse 16. — Plaisek Irma, geb. 1. I. 1897, Wien, ledig, VI., Dienergasse 15. . ■. ■_ Verband de'r jiid. Kanfleute. Montag, den 28. Mal, entfällt die Versammlung. Montag, den 4. Juni., Plenarversammliing im Cafe Exzelsior (I., Rotenturmsträ^e 24), wirtschaftlicher' Vortrag' desi Verbandsanwaltes Dr. Ludwig ,E h r I i e.h. / Das. Ziejl, aller Wünsche ist ein Haupttreffer! Friedmanns Glück ist kolossal! Kaufen Sie daher Ihre Klassenlose nur bei L. Friedmann, 1. Bez., Salzgries 12. Füllen Sie sofort den Bestellkoupon auf Seite 7 aus. ' ' ■■■ Mercurbank. Der Verwaltungsrat hat in seiner Sitzung vom 18. Mai 1928 beschlossen, der am 18. Juni. 1928 stattfindenden ordentlichen Generalversammlung für das abgelaufene Geschäftsjahr' die Verteilung einer Dividende von S 1.20 per Aktie sowie die Erhöhung des kapitals von S 12,000.000 auf S 20,000.000 vorzuschlagen. Die Uebernahme der Nominale S 8,000.000 neuer Aktien wird durch ein Konsortium unter Führung der Darmstädter unä Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien, Berlin, dem auch die Bankhäuser Hallgarten u. Co., New York, und Simon Hirschland, Essen, angehören, garantiert. Die ausgewiesenen Eigenmittel des Institutes werden sich nach Durchführung der Transaktion auf annähernd S 25,000.000 stellen. E Elegant — für. wenig Geld kleidet sich jede Dame bei Ankauf von prima englischer und französischer Waschseide im Spezialhaus „Tuchhaus zum Hirschen", II., Taborstraße 17 b. Besuch lohnend! Zentraleuropäische Länderbank. Die Bilanz der Zentraleuropäischen Länderbank schließt mit einem .Rein-; gewinn von über 10 Millionen französische Francs, was gegenüber dem. Vorjahr eine" kleine Erhöhung bedeutet. >ie Bruttodividende für die Stammaktie beträgt unverändert 6 Francs, die Nettoauszahlung ist jedoch um einige Gentimes höher (im Vorjahr 4.41 Francs), weil inzwischen eine Herabsetzung der zum Abzug gelangenden Steuern in Frankreich erfolgte. Die Bilanzsumme ist um rund 200 auf 1317 Millionen Francs gestiegen^ Feine Stoffe müssen nicht teuer sein, den Beweis dessen liefert in Herren- und Damenstoffen die R e s t e nverkaufsgesellschaft, VI., Mariahilferstraße 3. m VEREINIGTE VERSICHERUNGS- M AKTIENGESELLSCHAFT IN WIEN Hl Feuer-, Einbruch-, Transpurtversicherungen aller |H Ait Hagel-und Tierversicherung Kaution*-Ver- =s ünireuungsversicherung, Maschinenbrucnversi- ==s cheiung, Unfall- und Haftpfl.ichiversicherui'g zu — vorteilhafteste nBedingungen Ü1 D I r e K t i o n : m WIEN, IX. KOLINGASSE NUMMER 6 S Ge^eralrepräsenfanz: M WIEN, I. DOMINIKANERBASTEI 21 SCHOLEM ALEJCHEM: MENACHEM MENDEL. (Ans dem Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz.) Copyright 1921 by R. Löwit, Wien und Leipzig. (20. Fortsetzung.) 14. Brief. Scheine-Scheindel aus KasrJlivAe an ihren Gatten Menachem Mendel m Jehupez. Dem hoohgeehrten, edlen und mächtigen Her^p, dem weisen Kenner der Thora, dem hodigelehrten Reb Menachem,Mendel ehrfürchtigen Graß! Erstens vermelde ich Dir, daß wir alle, Gott sei Dank, beim besten Wohlsein sind; gebe Gott uns, das Gäeiche von Dir zu hören fürderhin und nichts Schlimmeres. Zweitens teile idh Dir mit, daß mein Leben kein Leben mehr ist; wie sagt die Mutter: „Eh' so fahren, lieber zu Fuß geJien." Ich könnte mir fluchen. Denn Ach und Weh, wer sind Deine Kunden? Man kommt zusammen, um von einem Wald zu reden, der in die „Millionen" geht, und läßt alles stehen und liegen und setzt sich dieder, um eine ganze Nacht „öko" zu klopfen! Klopfen möge man Euch auf den Kopf, wie mir das Herz klopft, wenn der unglückselige Husten mich überfällt! Wehe über mich, daß ich erleben muß, daß mein Mann, der nicht einmal gewußt hat, wie eine Karte aussieht, jetzt von Karten redet! Das fehlt Dir noch, Mendel, zu Deinem Glüok, daß Du selbst auf Deine alten Tage ein Kartler wirst! Und jetzt gar die Wälder! Wie kommst Du zu Wäldern? Hast Du denn schon einmal gesehen, wie ein Baum wächst? Wie sagt die Mutter, sie soll leben: „Wie kommt ein Rabbi zum Schweinehandel?" Ich habe nur Angst, daß aus Deinen Wäldern ebenso Luft werden wird, wie aus allen Deinen Geldgeschäften. So wünscht Dir viel Gutes und dauerndes Glück Deine wahrhaft treue Frau Scheine-Schelndel. Die ganze Welt hat Dich im Sinn! Diese Woche kommt Deine Verwandte Krejndel (das Sühnopfer sei sie Dir für mich!) undtrifft meine Mutter auf dem Markt bei den Fischen und fängt an, mich' zu beweinen und zu beklagen (oh, laß sie über ihr Unglück weinen, guter Gott!). Warum ich, sagt sie, nicht die Scheidung von Dir verlange, damit das alles ein Ende hat? Kannst Dir denken, daß sie bei der Mutter an die Richtige gekommen ist; sie hat sich . beileibe nicht mit ihr gestritten und ihr keine Schimpfworte I gegeben, sondern ihr nur so einige Worte gesagt, wie sie I-es kann: „Wo zwei miteinander hängen, hat sich kein Dritter einzumengen!" „Ehe ein neuer Sohenben, ist besser ein alter Topf." „Gute Freunde sind wie Unkraut, sie wachsen ohne Regen." „Warum kümmerst Du Dich nicht um Leute, die Dir näher sind?" „Mancher hört, daß der andere Knoblauch gegessen Hat/' „Em Ochse hat eine "länge Zunge und.kann nicht Flöte blasen." Derlei Worte hat ihr die Mutter so lange versetzt, bis Krejndel auf und davon ist. Es hat ihr die Rede verschlagen. 15. Brief. Menachem Mendel ans Jehupez an seine Frau Scheine}- Scheindel in Kasriliwke. Der teuren, edlen, tugendhaften und klugen Ehefrau Scheine-Scheindel meinen Gruß! Zum ersten sei Dir kundgetan, daß ich — Dank seinem lieben Namen! — gesund bin und mein Leben das des Friedens,' der Herr, gelobt sei er, möge helfen,, daß eines vom anderen nur Gutes höre in guter Botschaft zu Trost und Heil — Amen. Zum zweiten wisse: Der Wald hat sich als Wüste erwiesen, das Ganze ist nicht gestogen und nicht gef logen; es gibt keinen Wald, keine Bäume, keinen Fluß, alles Schwindel! Für. nichts und wieder nichts sich und anderen Leuten den Kopf verdreht, umsonst die Füße abgeschunden und die Stiefel zerrissen! Ich habe gefunden, meine teure Gattin, daß Wälder nichts für mich sind, und mit solchen Lügnern Handel treiben, das geht nicht in meinen Kopf hinein. Sie können einem vorerzählen, daß heute im Himmel Jahrmarkt ist; durch diese Leute kann man sich um die künftige Welt bringen! Was habe ich also getan? Ich habe mich beizeiten auf ein anderes Geschäft verlegt, nämlich auf Raffinerien (das sind Fabriken, in denen man Zucker macht). Das ist heute das beste Geschäft von allen; Juden kaufen Zuckerraffinerien und Makler verdienen ein schönes Stück Geld, sie sind alle daran reich geworden! Da ist ein Makler aus Rumänien, der hat es verstanden, sich an die Radomysler heranzumachen; er macht jetzt jede Woche zwei bis drei Zuckerraffinerien, macht dabei im Handumdrehen sein zehn-, fünfzehntausend Rubel und fährt für den Sabbat, nach Hause! Was soll ich dir noch erzählen? Fuhrleute, Faktoren, Dienstleute sind jetzt Makler in Raffinerien geworden, tragen goldene Uhren, sprechen Deutsch, haben schon „Magenkatarrh", schicken ihre Frauen in „Bäder" und sind große Herren! Kurz und gut — ein einziges Geschäft ist heute an der Jehupezer Börse etwas wert — Raffinerien! Alle Makler machen in Raffinerien und ich mit. Du wirst natürlich fragen, wie ich dazu, komme, mich mit einem so ausgefallenen Geschäft zu befassen, wo ich doch nicht weiß, ob man das ißt und womit! Nun sollst du hören, wie Gott seine Kinder lenkt: Seit der Zeit, da ich aufgehört habe, zu Semedenin zu gehen (er heißt nicht Sime-Dine, wie Du ihn nennst; es ist keine Frau, sondern ein Mann und dazu ein Riesenantisemit!) — aufgehört hinzugehen habe ich nicht etwa, weil ich mich mit Semedenin gestritten habe, sondern einfach deshalb, weil ich den Kaffee mit dem Buttergebäck schon übersatt hatte und dann, weil ich jetzt nicht genug; Klein-