Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 36 (25.5.1928)
- Date
- 1928-05-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Dm NEUE WELT drucks, eine Herabsetzung der Pachtsumme, daran ist die Masse interessiert und gerade das wird ihnen der E >f f e n d i nicht gewähren, der kandidieren will Wenn aber di£ Regierung an Erkenntnis dieser Sachlage ein plutokratischeü; Wahlrecht einführen würde, so gäbe es einen Wahlkampf zwischen uns und den Bffendis und was herauskäme, wäre alles, nur kein palästinensisches Parlament, Und deshalb seien wir mutig und sagen wir, daß wir Gegner eines palästinensischen Parlaments sind, solange die arabische Bevölkerung Paflästinas nicht die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung durchlaufen hat, ohne die eiti Parlament nicht segensreich wirken kann. Das dürfen wir sagen und dabei überzeugt sein, damit den wahren Interessen des ganzen Landes besser zu dienen, als jene Clique arabischer Notabein, die eine neue Tribüne für ihren Kampf gegen England und den Zionismus suchen, ^e aber für den Kern des palästinensischen Arabertums, für den Bauern keinen Einger zu rühren bereit ist. Bethlens Heloten* Von unserem Budapester Korrespondenten. Ministerpräsident Graf Bethlen erhielt dieser Tage von dem neukonstituierten Präsidium der neologen israelitischen Landeskanzlei eine neuerliche Liebeserklärung der ungarischen Judenschaft. Es lohnt sich, dieses immerhin historische Dokument in Uebersetzung einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen. Die Zuschrift lautet: „Anläßlich der Kossuth-Pilgerfahrt «ach Amerika erließ der Pester Oberrabbiner Dr. Simon Hevesi an die Rabbiner und Kultusgemeinden von Amerika, England und Frankreich den in ungarischer Uebersetzung mitfolgenden, in; biblischem Stil in hebräischer Sprache verfaßten Aufruf, in welchem er die Aufmerksamkeit der westlichen und amerikanischen Judenschaft auf die in der jüngsten Vergangenheit auf rumänischem Gebiet erfolgten Demonstrationen gegen Ungarn und gegen die Ju.den, und im Zusammenhang damit auf die Ujj5!;h alt barkeit und Ungerechtigkeit des Trianoner Friedensvertrages lenkt und sie ersucht, alles aufzubieten, damit der ungerechte, Ungarn aufgezwungene Friedensvertrag revidiert werde. Den Aufruf erhielten sämtliche amerikanischen, englischen und französischen Rabbiner und Kultusgemeinden sowie die Persönlichkeiten, die Im Judentum eine führende Rolle spielen, ferner die gesellschaftlichen Verbände und wir ver- . trauen darauf, daß er ein verständnisvolles Echo finden wird. Wir halten es für unsere patriotische Pflicht, diese Tatsache Eurer Exzellenz zur geneigten'Kenntnis zu bringen, und nageln von neuem die unter allen Umständen unverbrüchliche Treue und Anhänglichkeit des ungarischen Judentums zu dem ungarischen Vaterland fest. (Wörtlich übersetzt.) Im übrigen hat das ungarische Judentum seit . dem November 1918, als es in seinem an sämtliche Nationen der Kulturwelt gerichteten Appell für die heilige Idee des integren Ungar lande s zeugte, keine Ger legenheit versäumt, um im Kreise unserer ausländischen.., Glaubensgenossen, unter denen die aus Ungarn Stammenden in Amerika-hervorragende Stellungen einnehmen, zn verkünden, welch ungeheures Unrecht unserem verstümmelten Vaterland widerfahren ist, und für die Wiedergutmachung Propaganda zu machen. Wir hegen die Zuversicht, daß die zielbewußte, ausdauernde Arbeit aller Faktoren unter der weisen F ü h r u n g E u r e r Exzellenz schließlich den von uns , allen heißersehnten großen Erfolg, die Auferstehung des tausendjährigen integren Ungarlandes erzielen wird. Ge-5 nehrnigen Eure Exzellenz etc. gezeichnet Baron Dr. - Adolf ' Ko.hn er, Präsident, Dr. Salomon Eulenberg, Hofrat,^ geschäftsführender Präsident." Punkt, Schluß. * 1 '•' Wenn die vielen amerikanischen, englischen und*, französischen Rabbiner und einflußreichen jüdischen Per-' sonlich'keiten beim Lesen dieses Dokuments nicht lachen oder fluchen, so haben sie weder Humor, noch Sinn für die Tragik des jüdischen Volkes. In einem herrlichenpoetischen Gebet zum Pessachfest läßt der Dichter unter dem refraraartisen Titel „Von Aegypten bis heute", die, Geschicke Israels und seine immer wiederkehrende Erlösung aus -höchster Not Revue passieren. Aber in diesem;. RÜckbliok-geht der Dichter auch mit dem eigenen Volk str/eng :ins Gericht. „Von Aegypten bis heute," „Von Noi vember 1918 bis heute" — liegt in dieser grausigen Epoche; der- Geschichte der Juden Ungarns wirklich nichts anderer als eine lange Kette p a t r i o t i s c h er K u n d g e b u iw ge'n.und patriotischer Opfer der Juden? Haben die Juden nicht jedes Mal auf ihre patriotischen AeußerunW gen von den Trägern des Gedankens eines integren Un-> gafn die rassenmagyarisohe Antwort bekommen? Fallen' in,.diese zehn Jahre nicht die Massakrierung Hunderter von^ Juden, die Schändungen jüdischer Mädchen und Frauen/ die Folterung ungezählter Juden, die Verdrängung der Ju<len ^us alten erbgesessenen Existenzen, die Vertreibung, der lerubefiissenen Jugend mit Hilfe des Numerus-claüsus- Gesetzes? Fällt aber nicht in diese Zeit auch die Kund-- gebung derselben ungarischen Juden gegen die Einmischung in die inneren Angelegenheiten desungarländiscihen Judentums, als dieselben englischen, französischen, amerikanischen und andere Juden *hren Glaubens- und Volksgenossen in Ungarn helfen wollten, und zu diesem Zwecke den Völkerbund anriefen? Warum soll jetzt mit einem Male diese Einmengung in die inneren Angelegenheiten Ungarns am Platze sein? In noch -krasserem, fast empörendem Widerspruch zur bisherigen Praxis der ungarischen Juden steht jedoch der Wortlaut des an die Juden des Auslandes gerichteten Appells in — sagen wir, magyarisch-hebräischer Sprache Um auf Trianon zu kommen, beginnt der Großrabbiner von Budapest, J'n biblischem Stil die letzten Judenfeind liehen Ausschreitungen in Rumänien zu schildern. Und da lohnt es sich in der Tat, diese Stelle des Appells aus dem „biblischen Hebräisch" ins Deutsche zu übertragen: „Wehe den Augen, die all dies gesehen haben, er bebt doch unsere Seele, wenn die Ohren dies hören. Wehe den Ohren, welche all dies hören, füllen sich unsere in die Ferne blickenden Augen mit schneidendem Schmerz und ob der erniedrigenden Schande mit Tränen! Wehe all Jenen verletzten Seelen, die erfüllt sind mit Trauer und Kummer — aber am meisten wehe denen, die angesichts des Blutes ihrer Brüder und Mitmenschen gleichgültig in der -Ferne stehen, wehe jenen, deren Inneres nicht von Seite 5 ang Ein geistreicher Franzose bat behauptet: Den Adel einer Frau erkennt man an ihrem Gang« Rhythmus, Elastizität, sicherer Schritt ist def Gang der Frau, die über dem Durchschnitt steht* |?AJLMA-KAUTSCHUKABSATZE ' machen den Schritt sicher und elastisch. 'Für Schuhe »Jt franzSsischen Absätzen wird der neue, dönne PA L^IA-LOUISABS ATZ bei jedem Schuhmacher befestig, grregqn^ bewegt ist, die nicht von flammender - Entrüstung erfüllt sind über die Erniedrigung der Thöra:" ^•^•■•'•"Uöiber.die Erniedrigung der Thora und die pogrom- |rtigen Ausschreitungen in Rumänien haben sich bereits alle ehrlichen Menschen unter, den Juden und aup'h Nichtuden entrüstet und ihrer Entrüstung in wirkungsvoller Weise Ausdruck gegeben. Die ungarischen Juden hatten rriit' Rücksicht auf die Ereignisse der letzten zehn Jahre schon aus Taktgefühl die Entrüstung anderen überlassen. Dies wir so mehr, als man die Empfindung hat, daß es deni Herrn Großrabbiner von Budapest nicht so sehr um die Thora, als um Trianon geht Denn gan? unvermittelt verlangt der Appell den Z u s a m m e n s c h 1 u ß aller Juden der Welt im Interesse der Re» visionj des Trianoner Vertrages. Es herrscht heute wohl kaum mehr ein Zweifel darüber» daß die Friedensverträge im allgemeinen viele Härten und Ungerechtigkeiten enthalten. Aber ebenso auch darüber» daß der Völkerbund sich bisher nicht einmal stark genug erwiesen hat, die nun einmal geschaffenen Bestimmungen der Friedensverträge in allen Punkten zur Geltung rzu bringen. Die in diesen Verträgen, also auch i m T r 1 a n o n e r Vertrag, enthaltenen Bestimmungen über *die Minderheitsrechte werden, besonders was die Juden betrifft, nicht überall eingehalten. Aber wenn schon von einer Revision der Verträge gesprochen wird,, so kann dies nipht geschehen, ohne dabei festzustellen, welche Staaten und Regierungen seit der Unterzeichnung der Verträge die Prüfung darüber bestanden haben, daß sie auch den moralischen Willen haben, nicht nur der eigenen Wo sind die tchOnsten und elegantesten Hochzeilen? Naißilich im neu renovierten stRh0el? Restaurant STERN Anto > sgasse 13 Franzensring 94 .Ii,. Telephon Nr. ll-o4|t , ...aS,-.». I llfflaaiaaa«* plagenSle sich und bringen es WaiUm zu nichts? Sie noch kein Klassenlos von HUGO HORWITZ & Co. gekauft haben! Haupttreffer ev. S 750*000 Die große Prämie der Klassenlotterie (17* L.) von S 500000 — wurde von den glücklichen Kunden der Firma HUGO HORWITZ & Co., Wien, I., Franz Josefs-Kal Nr. 65/A, gewonnen. Bestellen Sie ÄpÄ7Pos,ka"e oder Telepl,on Ziehung 1. Klasse 14. und 15. Juni 1928. V, Los ö 32-— V» Los S 16 — V* 8 — 4- Ihr Glück ist Bald gemacht Die Hälfte der Lose gewinnt sicher! Rasse, sondern allen innerhalb ihrer Grenzen lebenden Nationen und Konfessionen die gesetzliche, bürgerliche Freiheit zu gewährleisten. „Durchhalten!" „Abwarten!" — sagt Graf Klebeisberg. Während der Behandlung des Budgets für Kultus und Unterricht im ungarischen Parlament forderten einige Mitglieder der Opposition abermals die endliche Aufhebung des Numierus-clausus-Gesetzes und beriefen sich hiebei auf die Erfahrungen, welche die Kossuth-Delegation auf ihrer Reise nach Amerika und durch die Vereinigten Staaten gesammelt hat. Es wurde darauf verwiesen, daß überall, auch in nichtjüdischen Kreisen, der Numerus clausus als eine Schmach für Ungarn angesehen werde und ein großes Hindernis für die Besserung der außenpolitischen Beziehungen bilde. Dadurch erweise sich das Numerus-clausus-Gesetz als eine ständige Ursache der Unruhe und Unsicherheit. Es sei daher endlich an der Zeit, diesen Unruhefaiktor aus der ungarischen Politik für immer zu eliminieren. Unterrichtsminister Graf Klebeisberg mußte die angeführten Tatsachen infolge der einmütigen Berichte der Mitglieder der Kossuth-Delegation wohl zugeben, erklärte jedoch trotzdem, daß von einer Aufhebung des Gesetzes derzeit kleine Rede sein könne, es heiße jetzt im Interesse des Vaterlandes „durchhalten" und „abwarten", wie das neue —■ angeblich gemilderte — Gesetz funktionieren werden. Von Land zu Land gehetzt. Das Breslauer Amtsgericht hatte sich mit einem besonders krassen Fall eines Staatenlosen zu beschäftigen. Es hatte einen gewissen H. verhaften lassen, der ohne Paß angetroffen wurde. Dieser Mann hat folgendes Schicksal: Sem Vater war Oesterreicher und rriit seiner Familie am Ende des vergangenen Jahrhunderts von Wien nach München gezogen. Dort hatte er im Jahre 1912 die Entlassung aus dem österreichischen Staats!- verbände erhalten. Bevor er jedoch seine Absicht verwirklichen konnte, die bayrische Staatsangehörigkeit zu erwerben, brach der Krieg aus. H. wurde nunmehr w Oesterreich eingezogen und kämpfte im österreichischen Heere an der Front. Nach Kriegsende kehrte er nach! München zurück und hatte dort seinen Erwerb. Im Jahre 1925 ließ er sich eine Hehlerei zuschulden kommen, was die bayrische Regierung sogleich zum Anlaß nahm, um ihn aus Bayern auszuweisen. Oesterreich aber wollte, trotzdem er für dieses seine Haut zu Markte getragen! hatte, nichts wissen und erklärte, er sei im Hinblick auf die Entlassung seines Vaters im Jahre 1912 nicht mehr Oesterreicher. Er wurde nach der T s c h e c h o s 1 o w a k.e i abgeschoben. Dort wurde ihm bedeutet, daß er auch d* nicht heimatsberechtigt sei. Man schaffte ihn von Preß.- burg von einer Station zur anderen, bis er schließlich an der deutschen Grenze bei Oderberg angelangt war. Dort übergab man ihn den Grenzbeamten.* die ihn aufforderten, sofort über die „grüne Grenze" nach1 Deutschland zu gehen und sich in der Tschechoslowaky* nicht mehr blicken zu lassen. So kam H. wieder nach Deutschland zurück und wurde in Breslau inhaftiert, denn der bayrische Ausweisungsbefehl. erstreckte sich auf das ganze deutsche Reichsgebiet. Das Landgericht nat den Haftbefehl gegen H. auf-;ehoben, indem es erklärte, daß H. sich in einem die trafbarkert ausschließenden Notstande bei Ueberschreitung der. deutschen Grenze befunden habe. Die Staatenlosen-Frage In Jugoslawien. Im gesetzgebenden Ausschuß des jugoslawischen Paräaments wurde am 7. Mai der Entwurf eines neuen Gesetzes über die Staatsbürgerschaft angenommen. Der jüdische Gemeindebund hat die Einbringung dieses Gesetzes durch Intervention beschleunigt, da durch dessen Annahme die unsichere Lage vieler Juden, die bisher die jugoslawische Staatsbürgerschaft nicht haben erlangen können, radikal verbessert werden wird. Zusammenschluß der Antisemiten in Rumänien. Wie der Bukarester „Guvantul" mitteilt, ist zwischen den beiden antisemitischen Lagern, die seit vielen Monaten einander heftig bekämpften, eine Einigung erzielt worden; beide bisher gespaltenen Gruppen der christlichen Liga werden sich unter dem Präsidium von A. C. C u z a vereinigen. In dem diesbezüglichen Beschlüsse heißt es: „Angesichts der Gefahr, in der sich die rumänische Nation durch die wachsende jüdische Ueberflutung befindet, erfolgt die Verschmelzung der beiden Gruppen unter der Führung A. C, Cuzas." Ein rumänisches Lehrbuch, Die „Renasterea" schreibt: Die rumänische Geographie für die 7. Volksschulklasse von G. Cristescu und I. Groza, welche vom Unterrichtsministerium approbiert wurde, enthält auf Seite 62 die folgende Belehrung: „Juden ibt es mehr als eine Million. Vor dem Kriege war ihre lahl geringer, aber in der Nachkriegszeit sind sie aus1 Polen und Rußland eingedrungen. Die Juden sprechen eine alte Sprache und ihre Sitten unterscheiden sich von denen aller anderen Völker. Die Juden sind über die ganze Welt zerstreut. Mehr als drei Viertel allex Juden!