Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 35 (18.5.1928)
- Date
- 1928-05-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 _ Vj^i..j»a.iWiiiiiii>nii«»ii[»iiiamimittimm^ f JiiiliiiiiiiiiiiiiiiS^itwmnmittmimiiiiniiniwimmmnmm............." ...............— DIE NEUE WELT Nf. 35 SIEG Mi KORN MEHL OROSSFLCISCHHAUEREI Zentrale IX , Berggawe 19, Telephon 17-3-99 a. 16-9 34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für -^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lsr. Kultusgemeinde Wien IX. Borgg. 15 ✓ XVIII., Währlngentr. 97 niiiinMimnminHmimmmiiiiimimn Dr. Saadja Mase nach Palästina abgereist. Am 6. Mai hat der junge Jüdische Gelehrte Dr. Saadja Mase, ein Sohn des verstorbenen Olberrabbiners Mase, mit seiner Gattin eine Reise nach Palästina angetreten. Dr. Mase wurde vor einigen Monaten auf Anordnung der G. P. U. unter der Beschuldigung zionistischer und prohefbräistischer Betätigung verhaftet und sollte nach Sibirien deportiert werden. Dem Moskauer JTA.-Vertreter teilte Mase vor seiner Abreise mit, daß die Zionistische Exekutive ihm das Palästinavisum verschafft hat, Er habe den innigsten Wunsch, an der philologischen oder philosophischen Albteilung der hebräischen Universität zu arbeiten. Sollte es ihm nicht gelingen, sich in Palästina für die Dauer einzurichten, so werde er nach Deutschland oder Amerika gehen. Die Arbeitslosigkeit unter den Juden Rußlands. ' In Moskau sind etwa 7000 jüdische Mitglieder der Gewerkschaften arbeitslos, in Leningrad sind es 3500 jüdische Gewerkschaftsmitglieder. Die Gesellschaft „ORT" hat eine eingehende Untersuchung über die Anjbeitstosigkeit unter den Juden der Ukraine und Weißrußlands durchgeführt; die Zahlen werden demnächst veröffentlicht werden. Rumänische Studenten. Am 7. Mai abends veranstalteten Studenten der Bukafester Universität, die wegen der Plünderungen von Groftwardeta relegiert worden sind, eine lärmende Kundgebung vor der Wohnung des Rektors der Universität Pangrati* von dem sie forderten, daß sie wieder in den Hochschufyerband; aufgenommen werden sollen. Die Demonstranten schlugen sämtliche Fenster ein und setzten auch den Gendarmen, die sie zerstreuen wollten, Widerstand entgegen. 22 ^Studenten wurden verhaftet. pie christlichen Studentenligen in Rumänien aufv;■" . gelöst. >: Die rumänische Regierung verfügte in einer offiziellen Verlautbarung die Auflösung der Unionder christlichen Stndentenligen. Als Grund wird das dem Frieden des Landes abträgliche Treiben der Ligen angeführt. Die unmittelbare Ursache zur Auflösung gab die Qemonstration der Studenten vor dem Hanse des Rektors JPiangrati. Die Not der jüdischen. Gemeinde in Philippopel. \ Durch das katastrophale Erdbeben Südbulgarien fet-> bekanntlich auch die ansehnliche jüdische Gemeinde tn; Philippopel sehr schwer betroffen worden. Der Koiresponoient der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Sofia hat sich vor einigen Tagen an die Stätte der Katastrophe .begeben und sehr schwere Eindrücke von der Not der allgemeinen und »besonders der jüdischen Bevölkerung Philippopels empfangen. Die jüdische Gemeinde von Philippopel zählt rund 6500 Seelen. Die Mehrzahl der von jüdischen Familien bewohnten Häuser ist vollkommen zerstört, die Einwohner kampieren in den Gärten oder auf den öffentlichen Plätzen unter Zelten oder in baufälligen Baracken. Die jüdische Gemeinde Philippopel hat glücklicherweise kein,e Toten zu beklagen, dagegen sind mehrere ihrer Mitglieder schwer verletzt worden, so u. a. die Bürger Mpisse Haim Caleff, Jacob Conorte" Melanie d, Lisca Juda L € v y, Schimon Daniel A l m a l a h, Mev nahem Jacob L e" v e y. Dje Jüdischen Schulen sind vollkommen unbenutzbar gewordeij, auch die Synagogen müssen wegen Bau<- fäiligkeit geschlossen gehalten werden. Das Haus der jüdischen Gemeinde und das des religiösen Tribunals (Betfc- Din) liegen in Trümmern. Früher sehr wohlhabende Familien sjnd jetzt auf die öffentliche Unterstützung angewiesen. Die Gemeinde selbst verfügt nicht über die notwendigen Mittel, um auch nur der dringendsten Not abzuhelfen. An 1,800 Juden werden täglich Brotrationen verteilt. Die «Regierung baut Wohnbaracken. Darüber hinaus ist es aber dringend notwendig, daß die jüdischen Organisationen des Auslandes der unglücklichen, einst so blüH henden Gemeinde Philippopels durch Unterstützungen über die erste , und äußerste Not hinaushelfen, damit die Judenschaft Philippopels in die Lage kommt, sich später aus eigenen Kräften emporzuarbeiten. Bausteine für die Juden von Havanna. Aus New Yprk wird uns berichtet: Durch einen Aufruf in spanischer, englischer und jüdischer Sprache wird man auf die Lage der Juden in Havanna, der Hauptstadt von Kuba, aufmerksam gemacht. Aus dem Aufruf geht hervor, daß die Zahl der Juden in Havanna in den letzten fünf Jahren auf mehr als zehntausend Köpfe angewachsen ist. Es sind nur wenige reiche Leute unter ihnen. Die meisten haben noch nicht Wurzel fassen können. Solange der Zuwachs in normalen Bahnen blieb, konnten die Juden allen Anforderungen in bezug auf rituelle, kulturelle und soziale Einrichtungen entsprechen. Jetzt ist den Führern der Gemeinde, der „Adaß Israel", der Zustrom über den Kopf gewachsen und sie müssen an ihre in Nordamerika lebenden Einwandererbrüder appellieren, um die Mittel für den Bau einer großen Synagoge, einer HiMs- und Kred-irkasse für Kleingewerbetreibende und anderer Institutionen zu erlangen. Die meisten dieser eingewanderten Juden sind Neuankömmlinge aus Polen, Rußland und Rumänien. Viele von ihnen sind in Havanna geblieben, weil sie nicht nach den Vereinigten Staaten weiterfahren konnten. Huldigung für Berek Josselewicz. Unter dem Protektorat des Ministerpräsidenten Marschall Pilsudski wurde am 6. Mai in Wilna dem Andenken des vor 120 Jahren in der Schlacht 'bei Kozk im polnischen Freiheitskampfe gegen die Russen nach heldenmütiger Wehr gefallenen jüdischen Regimeritsobersten Berek Josselewicz gehuldigt. Am Abend bewegten Der elegante, moderne Regen- und Sonnenschirm staunend billig nur beim Erzeuger S. B. KORKES, II., Glockengasse 22 Eigene Reparaturwerkstätte // Tel. R-43-9-48 sich Demonstrations^üge der Schomrom und des Sportvereines Makka'bi mit Fackeln durch die Straßen der Stadt. Auf den öffentlichen Plätzen spielten Militärmusikkapeilen. In der großen Synagoge wurde im Beisein des Wilnaer Wojwoden Racz'kiewicz, hoher Offiziere, der Mitglieder des .Stadtpräsidiums sowie zahlreicher Persönlichkeiten der polnischen und der jüdischen Gesellschaft ein Gedächtnisgöttesdienst abgehalten. Am 7. Mai fand in Anwesenheit der Behörden eine Festveranstaltung statt, in der ein vom Maler Lasfcow geschaffenes Gemälde, das Berek Josselewicz zu Pferd darstellt, enthüllt wurde. Zum Schluß spielte das Militärorchester den Marsch „Berek Josselewicz". Die jüdischen Höhlenbewohner in Tunesien. Unter der Ueberschrift „Jahve und Allah" setzt Generalmajor a. D. Freiherr von Schoenaich in der „Voss. Ztg." die Schilderung seiner Erlebnisse in Tunesien fort und schreibt unter anderem: „Wer die Torheit des Rassenwahns am lebendigen Objekt studieren will, betrachte die weder rassennoch berufsmäßig einheitlichen Juden Tunesiens, in denen sich die. ganze wild bewegte Geschichte Nordafrikas seit 2000 Jähren spiegelt. Während schon zu punischer Zeit viele berberische Ureinwohner zum monotheistischen Judentum übergetreten sind, so daß bei den heutigen Juden gar nicht mehr festzustellen ist, ob sie „semitisches" oder „berberisches" Blut in den Adern haben, hat im äußersten Südosten des Landes die Entwicklung einen anderen Lauf genommen. In den. an der tripolitanischen Grenze gelegenen Troglodytendörfern M a r m a t a, M e d e>ni n e und F u m - T at auine wird auch der geschulte Blick im Typus der Bewohner, ihrer Kleidung und Lebensweise keinen Unterschied finden . . . Dabei sind Juden und Mohammedaner in diesen Höhlendörfern auch örtlich ganz durcheinander gelagert, übler Mtn I Verband radikaler Zionisten 1 II Mittwoch, den 23. Mal 1928 um halb 9 Uhr S H . abends findet im Klublokale Caf6 Atlashof, Wien,!., =§ 5v Aspeinplatz, eine g ] Klubversammlung 131 1 55 '''" . < •' / •'' £5 Sj v f Gegenstand: ES SS -** SB | Organisationsformen | | des jüdischen Volkes | ' ' ' Ü sj . Referent: H! J; H $ 1 1 c n b e r g I SS . "> ' '■ Es g;' freie Aussprache \ jg ^iiilipiiiiiiiiHiiiri'iiiiiiw^ Rossische Buchhandlung und Bibliothek Jakob Persky, Wien, VII., Mechitarislengassi! Nr. 4 / Telephon B-31-8-56 Bücher / Zeitungen / Noten / Ansichtskarten Vergessen Sie nicht die russische Sprache, wenn Sie ihrer kun-M «ind erlernen Sie «le wenn Sie riie.-e nicht benerrschen. Leset Bücher der Leihbibliothek, die menr ais 6000 B nde alter und neue. Literatur zähl . - Monatliches Abonnement 2 Scnilllne. Die Biolioiheksbücner können auch in die Provinz durch Kieuzoand Reschickt werden. und niemand nimmt Anstoß daran, daß der Nachbar zu Jahve statt zu Allah betet . . . Darum schien mir Tunis ein hochinteressantes Schulbeispiel zu sein für die Psychologie des Antisemitismus. Ich habe immer wieder an christliche, mohammedanische und jüdische Landeskenner die Frage gerichtet: Gibt es hier so etwas wie Antisemitismus? Dabei ist zu bedenken, daß in der Stadt Tunis die Juden 13 Prozent, in Sousse 18 Prozent und auf der Insel Dscherba, Homers Insel der Lotophagen, sogar mehr als 50 Prozent der Bewohner zählen. Im allgemeinen ist mir die Frage verneint worden." Dr. v. Schoenaich schließt: „Aufrichtigen Dank sage ich meinem Mentor während des Aufenthaltes in der Stadt Tunis, dem jüdischen Advokaten Viktor Cattan, an den ich von deutschen und palästinensischen Freunden empfohlen wordea war. In Tunis aus einer lovorneslschen Granifamilie geboren, ist er heute wohl der beste Kenner des arabischen Rechtes. Als die österreichische-Regierung nach der Annexion den Bosniern eine Verfassung geben wollte, zog sie Cattan zu Rat und ehrte ihn nachher durch einen hohen Orden. Als dieser tiefe Kenner der mohammedanischen Seele uns freundlicherweise durch die geheimsten Winkel der Medina führte, begrüßten viele Araber den berühmten Advokaten, der weit mehr ihr Vertrauen besitzt als die eigenen Juristen. Auch auf landwirtschaftlichem Gebiet wirkt der tüchtige Cattan vorbildlich. 12.000 Morgen einst schlechten Weidelandes hat er allmählich nach modernsten amerikanischen Methoden in Kultur genommen . . . Klima und Boden im nördlichen Tunis haben große AehnJicbkeit mit dem des Erez Israel. Ich möchte empfehlen, daß neue jüdische Siedler Palästinas zuvor einige Studien in,Tunis machen. Sie würden dort auch sehen, daß völkische Gegensätze — die Kernfrage im Aufbau Palästinas — nie h i unüberbrückbar sind, wenn der gute Wille dazu vorhanden ist." Arthur Schnitzlers Bekenntnisbuch, Von Otto Äbeles. Vor einigen Jahren kam der jüdische Dramatiker David Pinski aus Amerika nach Europa. In Wien besuchte er Arthur Schnitzler und erzählte ihm, daß er im Begriffe sei, nach Palästina zu reisen. „Was veranlaßt Sie dazu?" fragte der Wiener. Dichter. „Die Sehnsucht", meinte Pinski und fügte hinzu: „Haben Sie nicht auch Sehnsucht, die palä^ stinensische Erde zu betreten?" — „Wahrheitsgemäß muß ich verneinen. Ich hatte nur einmal überwältigende Sehnsucht.nach einem Lande und nach einer Landschaft. Das war in Italien. Ich sehnte mich nach dem deutschen Walde." — Im weiteren Verlauf der Unterhaltung erkundigte sich Schnitzler nach dem amerikanischen literarischen Geschmack und fragte, ob wohl das Publikum käme, wenn er drüben eine Reihe von Vorlesungen hielte. „Gewiß", antwortete Pinski. „Ich garantiere überfüllte Säle. Aber es wird vorwiegend jüdisches Publikum sein. Man kennt Sie bei uns als jüdischen Dichter und wird Sie als solchen feiern." An diese kleine Begebenheit, die mir PinsKj damals erzählte, habe ich bei der Lektüre des neuen, bedeutsamen, überaus wertvollen Werkes von Arthur Schnitzler, seinem „Buch der S p r ü c h e u n d Bedenken" gedacht (Phaidon-Verlag, Wien). Es ist ein höchstpersönliches Buch.' ein Tagebuch. Konfessionen eines großen, ringenden Geistes, eines tief schürfenden, meine Verehrten, die ihr geringschätzig meint, der Dichter des süßen Mädels komme über das Spielerische der Liebesbeziehungen, über die parfümierte Erotik, über die Komödie der Verführung nicht hinaus, sein Interesse am menschlichen Schicksal beginne dort, wo Arjatol sein Abschiedssouper feiert, oder der mit allen materielieh Gütern gesegnete Baron Sala lebensüberdrtissig wird. Diese Sammlung Schnitzlerscher Aphorismeü und Fragmente zählt zu den gewichtigsten, edelsten Büchern der Gegenwart. So eindeutig, so charaktervoll, so vornehm und gewissenhaft hat schon lange kein bedeutender Mann über Fragen des Liebens und der Gesellschaft, über Zeitgeist und Gang der Zeiten,, Dienstag den 22, Mai ura»/»9 Uhr abend*' im Wiener Bürger-Cafö % Bezirk, Praterstraße Nr. U zugan Tagesordnung: Was hat die jüdische Gemeinde vom Staate und der Gemeinde Wien zu fordern? Referenten: Rechtsanwalt Dr. L, Plaschkes Oberbaurat Robert Stricker mmiiHHiimii 'WPfffl»!f*ipJ