Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-05-18 · Heft 35 (18.5.1928) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 35 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711650--0466-2713610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

, die gute ySuppenwürze Nr. 35 DIE NEUE WELT Erste Spttial' 4P «^1 *WUmmf^. a werkstättefür 965561 und I I5CI16 Salongarnituren und EinzelmöbelstQcke ADIEK,VII. Apollos. 18 k.,^:** « über die menschliche, allzumenschliche Schwachheit gesprochen. Und in diesem Bekenntnisbuch«, in diaser reichen Sammlung wesenhafter, knapper, tatsächlich auf die letzte Formel gebrachter Aeußerungen steht kein einziges Wort, das sich auf die Judenfrage bezieht. Wohl liegen Schnitzler-Werke vor, wie: „Der Weg ins. Freie", „Professor Bernhardi" und die Journalistenkomödie „Fink und Fliederbusch", die sich sehr lebhaft mit , den modernen Problemen der Judenheit .(wenn auch nicht des Juden t u >m s) beschäftigen. Aber Schnitzler gibt als einen der Gründe, die ihn zur Herausgabe seines Tagesbuches bewogen haben, ganz besonders den Wunsch an, sein Verhältnis „zu den. sogenannten ewigen und zu manchen zeitlichen Fragen" jenen gegenüber zu deklarieren, welche irrig „Sätze, die ich irgend einer erdichteten Figur in den Mund gelegt habe, als Ausdruck meines innersten Wesens auffassen". Nun, aus diesem Werke geht eindeutig hervor: Mag es den Dichter gereizt haben, in einzelnen Werken jüdische Gestalten, zu formen und sogar jüdische Zeit-, ja Tagesfragen zu behandeln — er selbst ist durch die Probleme des Judentums nicht bewegt, sie haben seinem innersten Wesen niemals zu. schaffen gegeben, denn sonst hätte der wahrheitsliebende,, verantwortungsvolle, gerechte und mutige Mann einiges darüber in seinem Buche der Geständnisse, Auseinandersetzungen und Einsamkeiten vermerkt. Darüber ist kein Zweifel: Schnitzler. einer d.er: hervorragenden Dramatiker jüdischen Blutes, wegen seines Judentums wiederholt unerhört geschmäht und bübisch behandelt. Schnitzler, der untadelige Mensch- (dem man nur einen Vorwurf machen kann, daß, er nämlich seinen „Reigen", den er nicht für die Bühne sehrieb, gegen dessen Aufführung er sich mit aller Tatkraft jahrelang wehrte, später, selbst zur Aufführung brachte) — Arthur Schnitzler, der. .Freund Herzls, der Zeitgenosse Luegers und Schönerers, blieb und bleibt von der Judenfrage unberührt, das jüdische Blut, zu dem er sich natürlich bekennt, macht ihm nichts zu schaffen, jüdische Vergangenheit erwähnt, er bloß, wenn er sich mit religiösen Problemen auseinandersetzt; die jüdische Gegenwart dringt nicht bis zu den Stunden, in denen erdie Ergebnisse' intimster Auseinandersetzungen mit Zeit, Leben, Schicksal in sein Tagebuch einträgt.;;Es wäre natürlich unsinnig, dieser'Feststellung den Unterton des Vorwurfes zu geben. Er hat sich doch nie verleugnet, er ist niemals „untergekrochen", er hat nur keine aktive Einstellung zum Judentum, keine tätige Liebe. Er sehnte sich in Italien nach dem deutschen Wälde, aber niemals, wo immer er war, nach einer jüdischen Heimat der Seele. Man mag es bedauern, man kann es wunderlich finden, aber man darf es ihm nicht ankreiden. . Umso interessanter, bemerkenswerter, daß diese Aphorismensammlung gleichwohl —- jüdisch ist. Pinski meinte, Schnitzler würde in Amerika als jüdischer Dichter gefeiert werden. Auch dieses Btioh des Dichters, der sich der Abstammung und Zugehörigkeit nach als Jude fühlt, aber nicht den Drang, diesen Zusammenhang zu pflegen oder -gar zu stärken und schon gar niciit seine Persönlichkeit für die Zukunft des jüdischen Volkes einzusetzen, — auch Schnitzlers aufschlußreiche „Sprüche und Bedenken" wird man als ein jüdisches Buch ansprechen. Jüdisch, vor allem "ist seine — jawohl diese Eigenschaft kommt dem als „spielerisch" verkannten Dichter in hohem Maße zu -— tiefe, zweifelnde, hadernde Religiosität. Er schreibt: „In meinen Zweifeln ist so viel Andacht, daß sie der Frömmigkeit immer noch verwandter sein dürften als das, was ihr euern Glauben nennt." Und: „So hoch sich der Glaube emporzuschwingen meint, an der Unendlichkeit gemessen —- und hier gibt es kein anderes Maß —■ ist er gerade so weit von Gott eritferrit wie der Zweifel. Es ist jüdischer Freiheitsdrang, jüdisches RebeUentuim, wenn er den Zweifel höher einschätzt als, den Glauben: „Die vorsichtige Sprache" — schreibt er — „hat aus dem »Zweifel4 die »Verzweiflung' gemacht, aber nicht aus dem .Glmiben* die ,Verglaubung\ weh* das zu sehr nach .Versklavung* klänge, . . . Jüdisch ist seine Ethik, die gegen das Gesetz der Kausalität den freien Willen wirken läßt, mmmt mmmmm LLOYD SAB AU DO GENUA Sxpreßverkehr nach SNord-u. Südamerika •I _• -L- ■ ' ika auöi En Rll>R«S,i |„ KOLOWRATRINQ 41TB!»72-3'87 die Anerkennung des Prinzipes der menschlichen Verantwortung: „Selbstüberwindung, Erkenntnisdrang und Opfermut sind die einzigen wirklichen Tugenden unter allen, die man so zu nennen pflegt. Denn mir in ihnen ist der Wille tätig." — „Verantwortungslosigkeit hebt jede ethische Forderung als wesenlos auf," Jüdisch ist Schnitzlers Lebensbejahung, die das Leben für unerschöpflich reich findet, weil wir „geschaffen sind, das Unfaßbare zu fassen, das Unerträgliche zu tragen", welche „die Flucht in den Tod" als „Flucht vor der Verantwortung" verurteilt. Die aber mit der Selbsterziehung zum „heiteren Sterben" wohl vereinbar ist, ja durch sie erhöht wird: „Hast du die innere Abgeschlossenheit errungen, in jedem Augenblick zutn Tod bereit zu sein, dann bist du auch innerlich so reich geworden, daß du selbst in der Ewigkeit keine leere Stunde zu fürchten hättest." Jüdisch ist Schrtitzlers strenge Denkzucht. Und es ,ist die Einsamkeit des jüdischen Zeitgenossen, die adelige, geliebte, die aus einem ganzen Abschnitt von Aphorismen zu uns spricht — aber auch die peinvolle, die sich „abfinden" mußte, und die folgenden Verse formte, die den Titel „Einladung" tragen, und mir weit mehr von schmerzlicher Entsagung als von Hoch mit eingegeben scheinen: „Herzlich willkommen heiß* ich die Gäste, Freu mich doch lieber von weitem am Feste. Mischt' ich mich selbst in den lustigen Reih'n, Tanz und Musik war' nimmer mein . . ." Theater und Kunst. Akademietheater. Zum ersten Male: „Osterferien" von Romain Co plus. r Interessant an diesem jLustspiel ist eigentlich iiut ein Problem, das allerdings stark ins Psychoanalytische hinübergreift: , die Einstellung des vierzehnjährigen Jungen zu den Bewerbern seiner schönen Mama. (Oer Herr Papa ist scheinbar verschollen.) Der kleine Junge kommt auf „Osterferien" nach Hause und findet gleich drei Verehrer seiner Mama vor. Mit dem ältesten der Herren, der die ehrbarsten Absichten *hat, schließt er Freundschaft, den jüngsten, charmantesten haßt er, weil er mit sicherem Instinkt errät, daß dies sein gefährlichster Rivale im Ringen um die Uefa« der schönen Jungen Mama ist. Wie er die beiden in einem zärtlichen Beisammensein belauscht, kommt ein Nervenzusammenbruch. Der letzte Akt aber bringt Ihm sein Glück zurück: die Mama verabschiedet den jungen Mapn, um nur Ahrem Sohn m gehören. . Im Mittelpunkt dieser vom Regisseur Raoul Aslau . dem feinen intimen Milieu des Akademiethoaters vorzüglich angepaßten 'Vorstellung, steht Alma Seidler als reizender, intpülsiver Junge. Voll Verdienst die übrigen Mitwirkenden, Die Damen Wollige m u t h und. M a y e r, die Herren T r e ß \ e r,, Pranger und Aslan. Der Beifall war stürmisch, galt aber in erster Linie der ausgezeichneten Leistung Alma S e \ d I e r s. ■ e. k. Schalom Ascb in Moskau. ■ . , Der ' jüdische Dichter Schalom Asch ist in Moskau eingetroffen. Er wurde von-den jüdischen SchrMtsteHem sehr herzlich empfangen. Er begibt sich demnächst zum Besuch der jüdischen Kolonien nach der Ukraine und der Krim. Aufträge für den Maler Leopold Gottlieb. Der aus Qalizien stammende jüdische Majer Leopold Gottlieb erhielt vom französischen Senat den Auftrag* die Porträts mehrerer Staatsmänner und Gelehrter Frankreichs zu malen, so unter anderem Briand, Paul Boncour» Clemenceäu, Herriot, Poihcare, Painleve, Henri de Jouvenel, Professor Langevin, Henri Bergson und-Marschall Foch. Ein jüdischer Pavillon auf der internationalen Buchausstellung in Floren?. Auf der gegenwärtig in Fiore nz stattfindenden Internationalen Buchausstellung, die auf Anregung des italienischen Königs alljährlich arrangiert wird, befindet sich ein vom jüdischen Buchverlag „Israel" -in Rom eingerichteter jüdischer Pavillon, in dem Jüdische Werke in italienischer Sprache und in anderen Sprachen wirkungsvoll ausgestellt sind. „Der Dorfsjing*' im Carltheater. Bei der Sonntag» den 27. Ma», 3 Uhr nachmittags, im Carltheater statfc findenden Wohltätigkeitsvorstellung wirken mit die Damen: Deutsch, V/eintraUb-Oraf, Weißberg, die Herren: Dr. Brind, Jehuda, Ehrenkranz (von der WHnaer> Truppe), Breitenau, Herschkowitz, Sigal, Majer und Wittler. Spielleiter: Bernhard Wittler. Karten Vorverkauf: An den Kassen des Carltheater, bei „Aida" und im Zionistischen Landeskomitee. „Bruche die £chadchenteM, die bekannte Operette von Kobrin, die bisher an den meisten jüdischen Bühne« Amerikas und Europas mit großem Erfolg aufgeführt wurde, wird beute Freitag, den 18. d. M., in der!ü>« dfcchen Bühne, II., Taborslraße 12, zum ersten Male mit L. G1 ü c k s m a n n in der Titelrolle gespielt. indische Bübo», »., Tabontfraße 12. Wochenj>ro«!rainm: Frei« tat, den 18, fos Montag, den 3J. d.: ,,J3ruehe die Schaltete M eV KQmöfle in yier Aktan von Kobrin. Titelrolle U Glüpksmaop. Sonntyg. 3 Ubr: „Bor? mir ,4o!n Weib!". Komödie mit Gesanjf in vier Akten von Uttner, Dienstag, 22. d.: ..Judk« un4 21 PO Ire , Operetta in vier Akten von Feinmann. Mittwoch, 23. d.; ,.A' Mann von zwei Prane n", Lebensbild mit Gesang in vier §Akten von Feinmann. Donnerstag, 94. <J.: „Keile Beil« und b *'»» J,jf»Vj \H&BsblJ,cL c^wn* ,n v,w Akten- B«1»» *}^JVM> Bude .11 Uhr. M)t, Ausnahme der Sonn, und Feiertage frtier Eintritt. , Jüdische Sport- und iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimTurnbewegung Sportantisemitismus in Graz. Die Hauptstadt Steiermark« läßt sich keine Gelegenheit entgehen, um ihre antisemitische Gesinnung zu dokumentieren. Unter dieser Atmosphäre hat selbstverständlich der erstklassige jüdischnationaJe S. C. Hakoah schwer zu leiden. Man läßt der Grazer Hakoah, dem einzigen jüdischen Klub in Steiermark, den Antisemitismus deutlich fühlen. Trotz allen Schikanen entwickelte sich Hakoah zu einem mächtigen Verein und zählt derzeit zu den führenden Klubs in Graz. Das paßt oben den dortigen antisemitischen Machern nicht und man bemüht sich von allen Seiten, die Haikoaih aus ihrer Position zu verdrängen, um den jüdischen Verein zumindest in die zweite Klasse bringen. Die Grazer Hakenkreutzier, im Sport die sogenannten „Unpolitischen", haben durch Einführung des Arier Paragraphen im Handball s p o r t die Grazer Hakoah aus diesem Sportzweig verdrängt. In den letzten Wochen ging man auch zum Angriff im Fußbali über. So hat zum Beispiel der Grazer Fußballverband für das Auswahlspiel Graz gegen Obersteiermark in Leoben einige Hakoah-Spieier nominiert, diese alber wieder aus dem Team gestrichen, weil die Leobener Brüder der Grazer Hakenkreuzler den Wunsch geäußert haitten, keine Juden in die Mannschaft zu stellen. Ein Spieler von Sturm, der bei einem Matcli einen Hakoahner. laut ärztlichen Attestes absichtlich schwer verletzt hat, wurde auf einige Wochen disqualifiziert, aber sofort wieder begnadigt. Ein jüdischer Schiedsrichter, der sich dem Grazer SchiedsrdchterkoMegium zur Verfügung stellen GCLBANS» & C9, WIEN, IX. GRUNDLSTR. 5 Telephon 19-0-69 beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit 1 wollte, würde abgelehnt, weil er Jude war. Es würde zu weit führen, alle Schikanen aufzuzählen, die an dem jüdischen Verein verübt wurden. Die Grazer Hakoah hat van diesen Vorfällen bereits <}en Jüdischen Sportverband und den Oesterreichischen Fußbailbund verständigt. Sie ward aber trotz der Wühlarbeit ihrer Gegner mit aller Kraft weiterarbeiten. Dem Oesterreichischen Fußbaillbund legen wir aber nahe, sich seine Filiale in Steiermark etjwas gründlicher anzusehen. Ein Achtungserfolg der Hakoah. Die Hakoah spielte Sonntag in Steinamunger gegen den S. C. Sabaria, der bereits mehrere Budapester und Wiener erstklassige Professionalvereine überlegen abge-- fertigt hat, 1 :1 unentschieden. Die jüdische Mannschaft führte ein schönes Kombinationsspiel vor und hätte einen Sieg verdient Den einzigen Treffer eraielte Heß. Sehr gut gefielen Rosenfeld, Heß. und Neufeld. ' . # Die Amateurmeisterschaft In der ersten Klasse erlitt Hasmonea gegen Schwarz-Weiß eine vernichtende 0:7- (0:1-) Niederlag«. Die jüdische Mannschaft hielt das scharfe Tempo nicht durch und brach nach Seitenwechsel vollständig zusammen. Durch diesen Mißerfolg fiel Hasmonea auf den vorletzten Platz in der Tabelle zurück und befindet sich in Gefahr, abzusteigen. Mit mehreren Ersatzleuten trat in der aweiten Klasse Hagibor gegen Strebersdorf an und wurde ebenfalls empfindlich 1 :5 abgefertigt. Den einzigen Treffer für Hagibor. schoß ß 1 u m e n z w e i g. In der dritten Klasse Ost besiegte Makkabi die Brigitt. Sp. Vg. 3:1 und errang dadurch die Meisterschaft« Die Unterlegenen kämpften sehr derb. Zwei Mann der Brigittenauer wurden wegen rohen Spielens ausgeschlossen. Die Tore für die Sieger erzielten Lebensbaum (2) und1 Grumberg. Die „Fußballschlacht" in Preßburg. Das Entscheidungsspiel um den Abstieg in die .zweite Klasse zwischen Makkabäa und Zwirnfabrik wurde vor Schluß polizeilich abgebrochen. Der Gegner des jüdischen Vereines ging beim Stande von 2:2 da.rauf aus, die Malckabäa- Spiel er kämpf unfähig zu machen. Drei jüdische Spieler wwrden schwer verletzt und mußten ins Krankenhaus überführt werden. Der Schiedsrichter schloß zwar drei Spieler von Zwirnfabrjik aus, doch war es bereits zu spät, Das Match artete in eine wüste Rauferei aus und der anwesende MELLINGER8 WIENER HEILTEEMI8CHUN8EN BEI ZUCKERKRANKHEIT. GAUEN-, NiEREN-, BLASENSTEINE und MAGENLEIDEN sind vorzüglich! Pro Paket 8 B.5Q Postversand I Wien, XVII. Bezirk, Lacknergasse Nr. 37/4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.