Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 35 (18.5.1928)
- Date
- 1928-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 8 DIE NEUE WELT Nr. <8 I EHLER\IDEALBETT in Messlttgond Stahl BITTFIOIßN T HYO. MATH ATZ IN PAT.-SCHLAFMÖB6L KINDtRWAGfiN git.Li<mTe fAaniKUPBBtsc SIOM.BISLGR NACMftMWIEN II., Praterstr. 45, Tel. 46-1-40 / V., Dlohlfl. 19, Toi. BS 106 Oegrdndat 18701 Prevln*v*r»antl j einer Bewegung marschierte, die der banal-mur* melnde Alte nicht billigte. Wo ist aber heute jene jüdische Bewegung, wo man die Jugend an der Spitze sieht? Ich sehe das nirgends. Am wenigsten im Zionismus. Man wird mir zwar antworten: „und die Chaluzim?" Einverstanden; das aber -hat leider mit der deutech sprechenden Jugend ziemlich wenig zu tun. Ich beschuldige Euch nicht: So sind die Lebensbedingungen. Dann aber sollte diese Jugend, welche das Chaluzim-Opfer selbst nicht bringen kann, Wenigstens hier in der Diaspora eine erfrischende, reinigende Rolle spielen. Ist danoch jemand, der es leugnen wird, daß dem Zionismus so ein Reinlgurigssturm gerade jetzt schmerzlich nottüt? Sogar die „Zufriedenen" sind unzufrieden, beschweren sich, daß Schwung und Pathos aus der'Bewegung Verschwunden sind, ihr moralisches Niveau gesunken, ihre Perspektiven ICAästisch und blutarm. So ein Zustand sollte eigentlich am heftigsten von der jungen Jugend bekämpft werden/ Vor zwanzig Jahren geriet der russische Zionismus in eine ähnliche seelische Anämie: es war die Jugend, die ihn daraus rettete. Die Mehrzahl der Protagonisten des Helsingforser Programmes waren Studenten im Alter zwischen 20 und 25. - Woseid Ihr jetzt, Zwanzigjährige? Wahr, es gibt Ausnahmen:- ich sebst lebe und: arbeite mit solchen Ausnahmen. Aber die große Mehrheit der zionistisch tuenden Jugend Im Gebiete der deutschen Sprache spielt im Kämpfe für die fcejuvenisierung des Zlo-rtshius- Überhaupt keine Rolle. Auch keine störende.;' Goft bewahre, sie steht selbstverständlich nicht atirder Seite politischer Jasagerei, sie identifizier*' sich 'Hfctit mit den Gönnern 'einer „ganz-englisch-sprechenden" Exekutive; sie ist gemäßigt kritisch gestimmt, sie anerkennt einerseits' dies und das, muß aber gleichzeitig andererseits atich das, und dies anerkennen —^ und bleibt dabei im genaumathematisch abgemessenen Zentrum des Sumpfes sitzen. Wen führt Ihr, Zwanzigjährige von heute? Wenn treibt1 Ihr zur Leitung; zur Forschung unerforschter Möglichkeiten? Wasfordert Ihr? Niemanden,» nichts.- Jucundä Juventus , . . : Auch 'dort/ wo die eigentlichen Interessen der Jugend verletzt erscheinen, bleibt es uns 'Altert überlassen, zu protestieren: die Jungen sagen doch „einerseits." und „andererseits" und können sich nie für ja oder nein.entscheiden. Ein Beispiel: die „Universität" in Jerusalem. Hunderte ' pälästinsischer Abiturienten verlassen das Heimatland, um in Paris und-Berlin und Gott weiß wo Hunger zu leiden, aber dabei etwas Systematisches zu studieren; in den Hochschulen .Osteuropas (und „Osten" ist ja heute ehi dehnbarer Begriff) ist das Leben des jüdischen Studenten eine Hölle von Leiden und Erniedrigung — und; in-Jerusalem treiben ein paar zweitklassige und ein Dutzend infinitesimaler Gelehrter „wissenschaftliche Forschungen"; das aber kostet das Volk bis 200.000 Dollar per Jahr (im nächsten Jahr hofft man 300.000 ausgeben zu können; und im Minerva- Jahrbuch für 1925 lese ich,; daß die Universität zu Jena, einen Jahresetat von 250.000 Dollar'hat. Und fragt ntön0l»r4enVJUjiterri dieser seltsamen; Anstalt,: warum siö nicht eher eine oder zwei bescheidene Fakultäten gegründet haben; wenigstens* die ersten Jahrgänge, . damit die Abiturienten aus Tel-AwlW und die Märtyrer von Jassy dort ihre .Bildung vollenden können, antworten die Herren mit Grandezza, daß sie gar nicht daran denken, eine „EMplomfabrik" in Jerusalem zu haben. Was sagt dazu die Jugend? Nichts. An Zeitungskorrespöndenten müssen sich die armseligen Zuhörer der Hierosölymitanischen „Forscher" um Rettung. wendent fjehend, daß man' dhnen; endlich etwas- Systematisches,, Abgeschlossenes, kürz — .einen wirklichen Üniversltätskurs gebe. Warumwenden sie sich nicht an die jüdische Studenten-' schaft? Weil sie wissen, daß'es nutzlos ist. EMe Jugend Ist keine Jugend. Was ich der Barissia wünsch«, ist eine der. Ausnahmen zu bilden. , . Liegestuhl Hängematte 6.50 jC-50 »»<•• S +Jß «Hf». (i«m*>m«aH>igi msmatm Huriwi mammaa Hßlöfiö Futterwelt il.i Qiockangaf B Telephon R.40.8.85 9 Bei Berutyng auf d»s Inserat6% Rabatt Der zionistische Konflikt in Amerika. Klärung der Streitsache. — Verhetzung. — Leere Versprechungen. — Eine Jewish Agency ohne Geld. Der Kampf, welcher von Dr. Wise, der Frauertorganisation „Hadassah" und der Gruppe um den Öberriöhter Brand eis gegen den Präsidenten Dr. Weizmann und gegen die Leitung der amierikanischen Zionisten geführt wird, hat die heftigsten Formen angenommen. Die Einsicht, welche insbesondere von der leitungstreuen zionistischen Presse Europas vertreten wird, daß es sich hier um einen lokalen, intern-amerikanischen Streit handelt, daß sich die Opposition eigentlich nicht gegen Welzmann, sondern nur gegen den Chef der amerikanischen Organisation Lipsky richtet, ist nicht mehr aufrecht zu halten. Die Erklärungen von Dr. Wise sind direkt gegen die Weizmannache Politik gerichtet und Weizmann selbst hat in den Kampf eingegriffen und Sich mit Lipsky solidarisch erklärt. Die an leitender Stelle im offiziellen New Yorker Organ veröffentlichte Erklärung schließt mit der Feststellung, „daß hier ein Angriff gegen das ganze Weizmannß e ginne" erlogt ist und demgemäß von der ganzen Zionistischen Organisation abgewehrt werden müsse. Auf dem Parteitage der amerikanischen Zionisten, welcher für den 1. Juli angesetzt ist, wird daher das ganze poiltisoh^ziontstisclie Problem abgerollt werden. :Ü Die Formen, in welchen der Kampf geführt wird, sind wenig erquicklich. Sachliche, unpersönliche Erklärungen liegen nur seitens Dr. Stephen Wise, welcher gegen Weizmanns England- und Akehcy- Politik Stellung nimmt, und der Frauenorganisätion „Hadassah" vor. Sonst wimmelt es voh persönlichen Ausfällen, Verdächtigungen und Beleidigungen. Besonders abstoßend sind gewisse Auslassungen von offizieller Seite her. Wenn Präsident Weizmann in Okkaslonl OkKaüon! Zu Spottpreisen vorkaut« Ich die Restbostfinde meines aufgoiaasanen Detail-Lederwaron-Geschaftes ivon S 8.- pal1 Coup6-Scbrankkoffer von S 36, Ecnt Krokodil-Hecestaires leer und mit Eimiclttung / Lederwaren und ReiBerequisuen aller Att itfer«rga4 WerKsifllte: Vi»., L«d«r«rga*«a fl, Tür a Li SfllOPCh Vlli., Albertflas«« 19 Sam*taq g««enio»a«n Gunst und das Geld der reichen Assimilationsjuden, die Kräfte der Organisation sind verzettelt und ihr Kampfgeist ist gebrochen worden, ohne das g eringste Resultat für Palästina zu erreichen. Nun sind vielen amerikanischen Zionisten die Augen aufgegangen und sie fordern die Preisgabe der nutzlosen und schädlichen Agencypolitik. Weizmann antwortet darauf in einer feierlichen Erklärung, daß spätesten,« Ende 19 28 das Projekt durchgeführt sein werde. Nun hat Weizmann im Jahre 1923 erklärt, der Kongreß 192S sei der letzte Termin, im Jahre 1925 hat er versichert, daß der Kongreß 1927 vor der vollendeten Erweterung stehen würde, auf dem Kongresse 1927 hat er aufs Frühjahr 1928 geschworen und nun gibt er einen neuen „endgültigen" Termin an, Ende 1928. Man kann sich wahrlich nicht darüber wundern, daß diese letzte Versicherung Weizmanns keine nachhaltige und beruhigende Wirkung erzielt hat. Hingegen sind gewisse, auf der letzten Versammlung des amerikanisch-zionistischen Zentralkomitees gefallene Aeußerungen geeignet, die schwersten Bedenken und das tiefste Mißtrauen zu wecken. Der Delegierte von San Franzisko, Rabbi Dr. N e w m an — kein Oppositioneller, sondern Regierungsanihän^er — besprach den Zwei Worte sind es, merk' dir siel Glücksbauer Klassenlotterie. Wien, IV., FayO/riieiistraljc 4 Telephons 57-5-20 Serie TeBega-ammi QlUcksbauer Nebenstehenden Bestellschein bitte sofort abzusenden! BAHKHAUS ULBERT BAUER. WIEB s Senden Sie mir zur 1. Klasse der 19. österreichischen Klassenlolterta nebst Spielplan und Posteilagscheln: Ganze Original-Lose zu . . . . « . S 32-— _Halbe Orlglaal-Lose zu . . . \ . . S 16-— _Viertel Original-Lose zu ...... . S 8*— , . Achtel Orlglnei-Lose zu ...... S 4-— R W. Vor« u. Zunamfe: Genaue Adr.:_ eirjer..tJ für die Presse bestimmten Ansprache die Argumente der Opposition als „leeres Gelärm uiid Gewäsc<h" 'bezeichnet, ist damit der von ihm vertretenen Sache kein guter Dienst erwiesen. Es wirkt unzionistisch und beschämend, wenn^ mah im zionistischen Hauptorgan deh Satz wiedergegeben findet: „daß Washington verächtlich auf P i n s k (Geburtsort Weizmanns!) |t e r a bsieht", womiit ausgedrückt werden soll, daß man gegen Weizimann und seine Freunde nur deshalb austritt, weil sie Ostjuden sind! Ueiber die Frauenorganisation „Hadassah" schreibt Lips&y in einer offiziellen Erklärung: „Der Wunsch, die Män.ner in der Organisation zu?beberrschen, hat.die Führerinnen arrogant und ^unsinnig gemacht." Noch auf dem letzten Kongresse sangen Lipsky und die Amerikaner das Hohe Lied von der „rjadassah". Das Bestreben, den ganzen Kampf als eine „Verfolgung" der Ostjuden und eine Mache tyrannischer Weiber hkizusteMeii, ist unehrlich, widerwärtig und vergiftet die Stimmung in der Organisation, und bedroht ihren Bestand aufs, schwerste. Es ist nicht gut, wenn sich Einzelpersonen in der Hitze des' Gefechtes zur Vorbringunig solcher. Argumente und Erklärungen hinreißen lassen. Es ist aber verwerflich, wenn offizielle Stellen dies« demagogischen Mätzchen, übelster Sorte betreiben oder fördern, . " ''. . * . Eine HaiQ'Ptursaohe des Streites bildet das Projekt der Erweiterung der Jewish Agency durch Heranziehung von Niöbtziortisten, das heißt, der Plan Weidmanns, die Leitung des Aulbaues Palästinas a-ws den Händen der Zionistischen Organisation zu nehmen und dle$e nationale Angelegenheit einein zur Hälfte aus antinattonalen und nichtzionisti« Siethen rächen Juden bestehenden Komitee z« tibertr,agen» Mit aller Kraft und allen Mitteln hat sich Weizmann eine Majorität für dieses verhängnisvolle Unter.ne4*men verschafft, hauptsächlich die blinde Gefolgschaft Amerikas m dieser Sache hat ihm «um Sic«« verholfen. Fünf Jahre sind seither ver* strichen, fttftf Jatore fruchtlosen Betteln« um die Umstand, daß die assimilatorischen Führer Marshai, Warburg Und ihre Freunde, welchen man die Leitung des jüdischnationalen Aufbauwerkes anvertrauen will, für das notleidende Palästina nichts tun, dagegen für das bankerotte Krim^ Projekt der Bolschewiken viole Millionen D o 11 a r h e r g e b e n. Er sprach sein Mißtrauen gegenüber den Verhandlungen Weizmanns mit dieser Gruppe aus und forderte strenge Wachsamkeit. Aber die Nicthtsgetber für Palästina'-fanden sofort rührige Verteidiger. Der Leiter des amerikanischen Pä'lästinafonds, Morris Rothenberg, stellte fest, daß vor der Herausgabe des Kommissionsberichtes für die genannten Herren keine VerpMicht u n ig bestände, für P a 1 ä s t i n a etwas zu geben! Eine Erklärung, die, au« zionistischem Munde kommend, sonderbar wirkt, wo doch , der .Zionismus die Verpflichtung aller Juden dekretiert und dekretieren muß. Noch viel bezeichnender aber war die Antwort, die Präsident Lipsky Herrn Dr. Neumann gab; Lipsky sagte, der Pakt mit den Nichtzionlsten müsse geschlossen werden, auch wenn d e r P a k t ,d a s allgemein erwartete Geld n(icht bringen sollte. Der Pakt müsse geschlossen werden, weil dadurch alle Juden für das zionistische Ideal verantwortlich gemacht werden 1 Die Hohlheit dieser Redewendung wird klar, wenn man daran denkt, daß der Antra« Weizmanns nur unter dem Drucke der materiellen Not in Palästina und unter der Drohung, daß das Palästinawerk zusammenbrechen müsse, wenn nicht s o f o r t nichtzionistisches Geld kommt, vom Aktionskomitee und vom Kongresse seinerzeit angenommen wurde. Aus. den Worten Lipskys kann abgeleitet werden, daö Weizmann, und er entschlossen sind, den Pakt, welcher den Untergang der Zionistischen Organ i sa t io n bedeutet, um jeden Preis.. abzuschließen, auch ohne Geld und ohne Garantien für Palästina. Etwa nur darum, daß es Weizmann und seinen Anhängern erspart bleibe, schon jetzt das afosblute Versagen ihrer Agency-Politlk einbekemien zu müssen? Ein teurer, allzu teurer Preis.