Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 35 (18.5.1928)
- Date
- 1928-05-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 35; Dff NEÜE WlELT Seite 5 Sfhl'fliikrlu, Entöl, kt Ii $n\ 1928. Die Hatvany-Tragodie. —y. Der Baron Ludwig Hatvany hat seinen zweiten Prozeß durchmachen müssen und von den rieben Jahren Zuchthaus, die ihm der Töreky-Senat zudiktiert hatte, wurden drei abgenommen. Es verbleiben vier Jahre, die wegen Schmähung der Nation verhängt wurden, und es ist inzwischen auch der Artikel bekannt geworden, in dem dieses Verbrechen begangen worden ist. Es ist ein gegen den Geist und die Methoden der Erwachenden gerichteter Aulsatz, der auch nicht ein Wort gegen die Nation ent hält. Das Urteil ist unverständlich, wenn man es unter der Annahme einer geordneten Rechtspflege betrachtet. Aber es wird sofort versländlich, wenn man daran denkt, daß Hatvany, ehe er katholisch wurde, der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört hat. Die beiden Prozesse waren Akte der Rache gegen den Juden. In der ersten Verhandlung hatte ihn der Töreky angesprochen: „Wenn es Ihnen schon nicht gegeben ist, Ihr Vaterland zu lieben..." Und in der zweiten hatte der Staatsanwalt Harden und Rathen au als destruktive Personen hingestellt. Das Aufsehen, das er erregte, zwang den Justizminister, sich im Parlament für die Aeußerung zu entschuldigen. Nicht ganz mit Recht, wie wir meinen. Denn für einen ungarischen Anwalt des christlich-nationalen Kurses müssen Harden und Rathenau destruktiv sein, wobei es nichts verschlägt, daß der Staatsanwalt von beiden nur das weiß, was in seiner Ritualmordfibel steht. Die ethische Minderwertigkeit des Antisemitismus wird auch intellektuell ergänzt und man kommt oft in die Lage, die fast unglaubliche Ignoranz anzustaunen, die in betreff jüdischer Dinge in leitenden Sphären besteht. Sie unterordnet sich gern dem bösen Willen, das Verhältnis zu1 den Juden nicht anders, nicht besser sehen zu wollen, 'und daran, wie sich diese Bosheit immer wieder manifestiert, liegt die ungeheuerliche Tragik der Assimilation. In jenen jüdischen Kreisen, die zum Judentum und seinen Fragen durchaus negativ eingestellt sind, hat das Vorgehen gegen Hatvany nicht Empörung, sondern Bestürzung hervorgerufen; nicht das Urteil an sich, sondern die Tatsache, daß es offenkundig aus dem Geist der Mehrheit kommt, . und die Ueberzeugung, daß ein solches Urteil jederzeit in jedem anderen Staate gefällt werden könnte. Ist denn nicht das Pendant dieses Prozesses der Fall des Oberstaatsanwaltes Frieders, der, weil er Jude ist, auf Grund falscher Zeugenaussagen zu Zuchthaus verurteilt wurde und dem jetzt außerdem noch ein Verfahren wegen Dienstvergehen angehängt wird? Die .Assimilation an sich ist negativ und deshalb kann man sogar von so krassen Vorfällen keine Wirkung erhoffen. Die Assimilation will und kann, nur vergessen machen, sie will und sie kann nur ihr Neophythentüm hysterisch übersteigern. Dem Menschen, dei* die angestammte Gemeinschaft verläßt, verletzt, zurückstößt, gibt sie nichts an Werten; sie stellt, ihn unter, seelisehen Zwang, macht ihn unfrei und befangen; sie treibt ihn in einen ununterbrochenen Opfergang und dann kommt eines Tages die Einsicht, daß alles doch nur ein vergebliches Beginnen war. Was mag in dem so hochorganisierten Menschen Rathenau vorgegangen sein, wenn ihm immer wieder das Jud! entgegenkreisohte. Die Kugel, die sein Gehirn zerriß, das Gehirn eines so wertvollen Menschen!, war barmherziger als der magyarische Staatsanwalt und der ebenso magyarische Gerichtspräsident, der dem Nadossy die Hand schüttelt und den Hatvany für vier Jahre ins Zuchthaus schickt Aber beide Fälle sind doch identisch, der des Rathenau und der des Hatvany; wenn man will, kann man auch den Frieders dazu rechnen, Sie beweisen, daß der Jude, er mag noch so sehr das Mütterland seines Judentums verleugnen, außerhalb alles Verständnisses, außerhalb der Rechtsatmosphäre bleibt. . Die Assimilation, die im politischen Sinne immer eine bewußte, gewollte ist, gibt unklarer Absicht Werte auf. Sie ist keine taktische Maßregel, keine Mimikry. Der so oft gebrauchte Vergleich ist falsch. Der Schmetterling, der wie ein Baumblatt aussieht, will nur so aussehen, aber Schmetterling bleiben. Der assimilatorische Deutsche in Ungarn, oder Jude in aller Welt, will sich umwandeln und insbesondere will dies der Jude. Die jüdische Assimilation als Ganzes sagt dies nur nicht so klar heraus. Wo sie zjir J?ede gestellt wird, verteidigt sie. sich damit, daß sie für die jüdische Gleichberechtigung gegen den Antisemitjsin'us kämpft. Wir sind nicht ungerecht tind erkennen sehr wohl die großen Verdienste eines Gabriel Riesser, Aber was ist denn derAusgangspunkt u'n$ was. ist das Ziel dieser Kämpfe? Für die Asslnftlation ist das Judentum weder eine k o n f e ssi Quelle nocfo nationale Gruppenigemeinsohaft, d«ren Erhaltung im höheren historischen Interesse der menschlichen Entwicklung liegt. Im Gegenteil, das Judentum ist überaltert und muß verschwinden Die ungleiche Behandlung und der Antisemitismus stören diesen Prozeß und müssen deshalb .bekämpft werden. Aber abgesehen davon, daß dies das Thermometer statt des Fiebers bekämpfen heißt, — was hat die Assimilation erreicht? Sie ist ja im Judentum die Mehrheit, sie verwaltet die Gemeinden und gibt sich nach außen als der berufene Repräsentant. Das nationale Judentum, das den Kampf gegen den Antisemitismus als den sichtbaren Ausdruck der abnormalen Lage der Gesamtheit führt, das den Lebenswillen des jüdischen Volkes auf ein, ideelles, nationales und territoriales Ziel hinlewken will, hat dem Judentum politische Geltung verschafft und es zum politischen Subjekt gemacht. Aber es ist in der Minderheit. Die Assimilation ist auf der ganzen Linie im Besitze einer sehr großen Macht, aber sie ist auf dieser ganzen Linie geschlagen. Sie hat den anderen Völkern nichts zu bieten, was sie nicht ohnehin schon besäßen: Die Mitarbeit der Juden an der geistigen und materiellen Kultur. Sie hat der jüdischen Jugend nichts zu bieten, denn was wäre das für Jugend, die heute, wo der Aufbau eines freien Volkes, eines jüdischen Staates mit tausend sozialen und ökonomischen Möglichkeiten schon reale, also sehr ideale Tatsache geworden ist, sich für ein Programm des Selbstmordes gewinnen ließe! Die Assimilation hat auch der Politik;nichts zu bieten. Und dort, wo sie es tut, antworten ihr das Mißtrauen, der Revolver und der Staatsanwalt. Es ist eine Tragödie und den Schluß jeder Tragödie bildet-das tragische Ende. Noch ist es nicht da, noch ist die Assimilation bestimmend und maßgebend. Aber sie ist nur mehr eine Partei im Judentum. Wie sie draußen eingeschätzt wird, zeigt der Fall Hatvany. ....- '. ^» / X f; "•«. ■ '* V ■ <$ine aparte Erscheinung isV.ohne. geschmackvolle Kleidung nicht denkbar. Die Danie, die Wert auf besten Eindruck legt, wird gewiß nur Oualjtätsstoffe tragen. Diese müssen dann aber auch allen Anforderungen entsprechen, die Farben müssen haltbar) äls;o-: waschecht, lichtecht, . .wetterecht sein. Indanthren*, farbjgjr Stoffe aus Kunstseide, Baumwolle und Leinen erfüllen diese Ansprüche, weil sie von unübertroffener Farbecbjheit sind. Lassen Sie sich bei uns die neuesten Muster \ vorlegen, die gewiß Ihr Gefallen finden werden, Wir versenden gerne unverbindlich Muster in die Provinz. Indanthrenhau Wien IVII.,, Mariahiiferstraße Nr, 74b Die zweite Konferenz der radikalen Zionisten Polens. .; N. R. Warschau, 14. Mai. Sonntag den 13, Mai tagte bis in den frühen Morgen hinein die Ii; Konferenz der radikalen" Zionisten Polens (AI Ha*riisch,mar), an der 134 Delegierte aus 72 Städten der-Republik Polen teilnahmen. Die Konferenz wurde mit einem Referat des Abgeordneten Izchak G r ü nbaum über die Lage im Zionismus eröffnet. Ins Präsidium der Tagung wurden Po dlis^ewski, Dr. Schipper, Winnikow und R U rh k o w s k i gewählt. Das Referat über die „Jewish Ägency" erstattete Dr. Nahum Goldma n n aus Berlin, der das Berliner Hauptbüro dei" radikalen Vereinigung vertrat. Goldmann nahm entschiedene Stellung gegen Prof. Weizmanns Politik gegenüber England. Nach einem Referat 'Gr** wickis über die AH Hamischmar- (radikal^zionfstische) Bewegung in Polen und der Debatte wurde Montag früh die Konferenz mit der Annahme -eine* Reifte von Beschlüssen, darunter Resolutionen 6^ treffend die politische Leitung der Zionistischen Weltorganisation, den Kon* fFikt in der Zionistischen Organisiaf Hfnvaaaöt Piagen Sie sich und bringen es Warllm zu nichts? tl#ASI Sie noch kein Klassenlos von HUGO Well HORWITZ & Co. gekauft haben! Haupttreffer ev. S 750*000 Die große Prämie der Klassenlotterie (17. L.) von S 500 000 — wurde von den glücklichen Kunden der Firma HUGO HORWITZ & Co., Wien, I., Franz Josefs-Käi Nr. 65 A, gewonnen. Bestellen Sie sürLisJ^odCT TelephoB Ziehung 1. Klasse 14. und 15. Juni 1928. Vi Los ö 32-— V» Los S 16 — V* n . 8- V, „ „ 4'- Ihr Glück ist bald gemacht Die Hälfte der Lose gewinnt sicher! tion Nordamerikas, die palästinensische Exekutive der Zionistischen Weltorganisation geschlossen. Dank an Dr. Leopold Plaschkes. In dem Prozeß, welchen der gewesene Außenminister Ottokar Czernin gegen „Die neue Welt" angestrengt hatte, hat Dr. Leopold Plaschkes als Vertreter der geklagten Zeitung mit dem Kläger Abrechnung gehalten. Er hat in seiner entschlossenen und geistreichen Art dem übermütigen antisemitischen Aristokraten, der zwischen Geschäften mit Juden seine üble Laune am jüdischen Volk auslassen zu dürfen glaubte, das Sündenregister vorgehalten und der Kläger Gzernin hat als Gerichteter den Saal verlassen. Es war ein Kampf um die jüdische Ehre, welchen Dr. Leopold Plaschkes aufopferungsvoll geführt und siegreich bestanden hat. Daß er dafür von der einen Seite her von einem hakenkreuzlerischen Raufbold überfallen und von der anderen Seite von der „Arbeiter-Zeitung", dem Blatte des bekannten jüdischen Antisemiten Friedrich Austerlitz angekläfft wurde, ist selbstverständlich. Wenn auf der einen Seite ein aufrechter Jude steht, dann steht Herr Austerlitz immer auf der anderen Seite, sei es. auch auf der Seite eines reaktionär-antisemitischen Grafen. Auch daß manche jüdische Zeitungsieute und Zeitungen hämische Bemerkungen gemacht oder sich scheu ausgeschwiegen haben, ist nicht verwunderlich. Dr. Leopold Plaschkes wird sich dadurch nicht beirren lassen. Er ist des Dankes aller ehrlichen Juden und gerecht fühlenden Menschen gewiß. , * In ihrer Sitzung am 8. Mai hat die Leitung des Verbandes radikaler Zionisten und der Vereinigung demokratischer Zionistinnen Herrn Dr. Leopold Plaschkes für sein stolzes und rückhaltloses Eintreten für jüdische Ehre und jüdisches Recht einstimmig den tiefgefühlten Dank ausgesprochen. Der Verband radikaler Zionisten rechnet es sich zur hohen Ehre an, eine» solchen Mann in seiner Mitte zu halben: Jucunda Juventus, Von Vladimir Jabotinsky, Paris, Die jüdischnationale akademisch-technische Verbindung ,,B a r i s s i a" in Prag begeht am 27. und 28. Mai die Feier ihres 50. Semesters. Die Verbindung, die im Jahre 1903 als wehrhafte Korporation ms Leben getreten ist, hat4 in der zionistischen Organisation stets einen ehrenvollen Platz eingenommen und sie ist auch heute führend in der jüdischen Jugend der Tschechoslowakei. Daß die Erziehungsarbeit stets im guten ziöriistischen Geist geleistet wurde, beweist der Umstand> daß sämtliche alte Herren aut leitenden und verantwortungsvollen Posten der zionistischen Tätigkeit stehen. Aus Anlaß der Feier hat die Verbindung eine Festschrift herausgegeben, die nebst Begrüßungen durch zionistische Persönlichkeiten auch wertvolle Beiträge von Jabotinsky, Dr. Nahum Gold mann, Dr. Walter Kohner, Julius Löwy u. a. sowie eine sehr interessante Darstellung der Geschichte der Verbindung enthält, die zugleich auch m vielem die Geschichte der zionistischen Entwicklung »n der Tschechoslowakei ist. Mit Erlaubnis der Verbindung bringen wir Jabotinskys Aufsatz zu Abdruck. Auch bei dieser festlichen Gelegenheit muß ich Gedanken gestehen, die gar nicht festlich klingen, Ich verstehe die heutige Jugend nicht; am wenigsten jenen Teil der jüdischen Jugend, der im Gebiete der deutschen Sprache und unter dem Einflüsse des deutschen Halbzionismus sich entwickelt. Zwar ist es eine banale Klage aller Alten — immer sagen sie, daß sie die „heutige" Jugend nicht verstehen, und glauben dabei, es sei der Jugend, nicht der Alten Schuld. Vielleicht bin ich schon auch ein Opfer dieser Greisenkrankheit. Eines aber stimmt bei dieser bequemen Erklärung nicht: nämlich es war immer so gewesen,- daß die „heutige** Jugend an der Spitze Englische und französische Waschseide letzter Ausmusterung, in bester Qualität, erhalten Sie ■ehr preiswert nur im Spezialhaus (MUH I «