Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 34 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 34 DIE NEUE WELT Seite 5 TT^IL IaI r* k I UmWEn MILCH KARAHELLEN Brief aus Palästina. Seele und Portemonnaie. Von Dr. Fritz Löwensteiii, Jerusalem. Ein paar Jahre vor dem Kriege ist in der „Jüdischer* Rundschau" ein Artikel mit der Ueberschrift „Seele und Portemonnai" erschienen. Der Verfasser, der früh verstorbene Hans Gidton Heymann, brachte in dem Artikel zum Ausdruck, daß sich die Stärke der zionistischen Ge>- sinnung in Geldopfern mehr zeige, als in uferlosen seelischen Ergüssen, die sehr billig seien. Es war für die damalige Zeit, ich glaube man schrieb 1911, ein geradezu erlösend wirkender Artikel. Mir ist die Formulierung in letzter Zeit häufig eingefallen. Freilich fragte ich mich,, ob man nicht jetzt, 1928, vielleicht den Wert der Seele gegenüber dem Portemonnai wieder mehr betonen müsse, ob nicht vielleicht Hans Gideons Heymanns Forderung von 1911 inzwischen so sehr verwirklicht worden ist, daH nunmehr das Pendel in der entgegengesetzten Richtung ausschlagen mußte. Es war besonders bei einer Gelegenheit, wo ich an diesen Artikel denken mußte. In der vorigen Woche hat die Palästinaexekutive vor den Pressevertretern sich über ihre Politik geäußert und hat eine Reihe von Fragen beantwortet, die ihr aus der Mitte der Versammlung, gestellt wurden. Die Fragen betrafen, neben vielen hier zu vernachlässigenden Einzelfragen, in der Hauptsache die folgenden Probleme: Wann ist die Periode der Kassensanierung und die weitere der Konsolidierung unserer Wirtschaften beendet, sodaß man an neue kostruktive Arbeit gehen kann? Wann können die Tore Palästinas einer neen Einwanderung geöffnet werden? Wann können die seit Jahren in Palästina auf Ansiedlung wartenden Gruppen wirklich angesiedelt werden? Wann können die Arbeiter in den Pflanzungskolonien die notwendige Unterstutzung erhalten, um sich definitiv durch eine kleinet Hilfswirtschaft in der Kolonie verwurzeln zu können? Man sieht, es sind die Fragen, die heute jedem Zionisten als die zentralen erscheinen. Jedem ZLonisten, und nicht etwa nur denjenigen, die sich mehr oder weniger nicht in lieber* einstimmung mit dem Kurs der gegenwärtigen Palästina/- exekutive befinden. Auch die Vertreter der Palästinaexeutive erklärten, daß Neueinwanderung und Neukolonisation das Ziel "sei, dem mit großer Beschleunigung zugestrebt werden' müsse. Was ist das Hindernis? ..... Es gibt nur ein Hindernis. Die Exekutive war in dgr unangenehmen Lage, immer wieder; auf dieses Hindernis hinweisen zu müssen. Aber im Grunde wußten es! die Fragenden selbst. Wenn in diesem Jahre das Budget eingeht, was bekanntlich in der Folge der amerikanischen Streitigkeiten keineswegs als gesichert angesehen werden k&nn, so ist in absehbarer Zeit mtit einer neuen Periode schöpferischer Arbeit zu rechnen. Ob aber diese Voraussetzung eintritt, hängt von Faktoren ab, die völlig außerhalb der Einflußsphäre Palästinas liegen. Die Palästinar exekutiye, sowohl jede frühere, als auch die gegenwärtige, trotz' ihrer angeblichen diktatorischen Vollmachten, ist sklavisch abhängig vom Geldzufluß. Hat sie Geld, so mag: sie därnit eine richtige oder falsche Politik treiilben, etwas leisten oder, nichts leisten: hat sie keins, so ist alles- Reden1 überflüssig. Und hier kommen wir auf das Gefährliche der gegenwärtigen Situation. Wer spricht heute noch von Fragen,, die noch in den ersten Nachkriegsjahren uns aufs tiefste! aufwühlen konnten? Debatten über das Endziel des des Zionismus sind verpönt. Liegt es etwa anders mit Fragen nach den wirtschaftlichen und sozialen Fragen1 unserer Kolonisation? Wer interessiert sich noch für Kwuzah öder Moschaw, für das Problem der gei» mischten Wirtschaft, für die Nationalisierung des Bodens? Wo gibt.es ein Forum, dem die Fragen unseres hebräischen Schulwerks -~ und zwar abgesehen von der Frage der Lehrergehälter — wichtig genug sind, um sich ernsthaft Qkkasion! Okkasionl "preisen .. verkaufe ich die Reitbestände meines aufgelassenen Detail-Lederwaren-Geschäftes Beisekofhrvoa SsT— s Coupe-Schrankkoffer v0n S 35.— Echt Kraködil-llecessalres L. Storch pitu. Coupe-Schrankkoffer von. leer und m.t Einiichtung / Lederwaren und Rclserequisiten aller Art VIII., Lederergaase 2, für 2 Wer glätte: VII'., Albertgasse 19 Samstaq geschlossen mit ihnen zu beschäftigen? Und wo finden wir eine Erörterung von Fragen unserer Jug endbewegung, von der beruflichen Ausbildung unserer Jugend? Das alles sind brotlose Künste und bringt dem Keren Hajessod und dem Keren Kajemeth keine Mittel. Und vor allem: Warum soll man sich über die Formen der Kolonisation unterhalten, wo man doch weder Geld für Kwuzoth, noch für Moschawin hat, warum über die Bedeutung des Talmudunterrichts in unseren Schulen diskutieren, wo wir ja doch einen etwaigen Beschluß, dieses Unterrichtsfach zu erweitern, aus Geldmangel nicht aufführen könnten? Wozu kurz gesagt über Probleme des Zionismus und des Palästinaaufbaues nachdenken, wenn im Gruhüc eine Antwort jede Erörterung abzuschneiden vermag: kein Geld? Freihlich so ganz konsequent sind wir nicht. Die zionistische Oeffentlichkeit, und ganz besonders die paläfstinensische, erwartet mit Spannung den Bericht der E xpertenkommission der Jewish Agency. Diesen außenstehenden Sachverständigen hat man, wie erinnerlich, einen Fragebogen vorgelegt, der sie verpflichtet, sich' gutachtlich zu allen jenen grundsätzlichen Fragen zu äußern, deren Eröterung bei uns seit langer Zeit unmodern geworden ist. Werden die Experten auf all' das antworten, was man sie gefragt hat, so werden sie alle Fragen berühren, von denen wir oben einige zusammengestellt haben. Die zionistische Oeffentlichkeit steht dem Bericht schon heute kritisch und bedenklich gegenüber. Man zweifelt, ob die Experten genügend gesehen haben, ob sie die Kompliziertheit der Materie verstanden haben,, ob ihnen vor allem das nationale Ziel unserer Bewegung soweit klar war, daß sie jzuni Beispiel einsahen, daß etwa das Prinzip der SeTbstarbeit des Siedlers national unumgänglich notwendig5 sein kann, auch wenn wirtschaftlich Vieles dagegen spricht. Vielleicht sind diese Zweifel unberechtigt, vielleicht werden die Sachverständigenberichte alle Befürchtungen dieser Art widerlegen. Sicher ist aber eins: Palästina wird sich nicht ohne weiteres den Sachverständigen beugen, es wird sich mit ihnen in allen Punkten auseinandersetzen, wo Meinungsverschiedenheiten zutage treten. '■: , Ist die zionistische Oeffentlichkeit innerlich darauf vorbereitet, daß wir durch'die demnächst zu veröffentlichenden Gutachten der Experten, vielleicht zu unserem Heil, gezwungen sein werden, zu unseren eigenen Dingen wieder Stellung zu nehmen, und . zwar Stellung ohne den ständigen Hintergedanken, daß der chronische Geldmangel ups doch hindert, Konsequenzen aus unseren Erkenntnissen, zu ziehen? Denn der Sinn der Sachverständigengutachten soll ja sein, die Grundlage für die groß e n', Finanzoperationen abzugeben, vor denen wir stehen. Und selbst wenn die in dieser Richtung gehegten Hoffnungen enttäuscht werden sollten, wird man diese Sachverständigengutachten benutzen, an ihnen das bishar in; Palästina geleistete nachzuprüfen und eventuell zu rer formieren. Sollten wir dem Outachten wohlmeinender, aber schließlich fernstehender Experten auf Gnade oder U nr gn a d e ausgeliefert sein? Daß aber werden wir sein, wenn wir auch weiterhin mit dem Hinweis auf den Geldmangel jedes ernste Gespräch abdrehen zu können glauben. ' Und noch ein Moment sei betont: die Bedenken,,, die in den letzten Wochen in Palästina und auch in der , zionistischen Galuthpresse gegen die Sachverständigengufr; achten geäußert worden sind, beziehen sich in der Haupt.-; sache darauf, daß man den Sachverständigen vorwirft, die ihnen gezogenen Grenzen nicht innegehalten zu haben*. Wilkansky hat die Unterscheidung zwischen „T e c h n i k" und „Soziologie" gemacht. Nur auf technischen, nicht aber auf soziologischen, das heißt weit an-; schaulichem Gebiete könnten wir Sachverständige an-; erkennen. Völlig richtig! Das aber bedeutet, daß unter Umständen die Gutachten Angriffe gegen Erscheinungen: der-palästinensischen Wirklichkeit richten werden, die rnjt unserer zionistischen Auffassung in engster Verbindung) stehen. Wir erwähnten oben das Problem der Selbstarbeit; das Grundprinzip des Keren Kajemeth, Unveräußerliche keit des von ihm gekauften Bodens, wäre ein anderes: Beispiel. Wir werden vielleicht gezwungen sein, die Grundideen des Zionismus gegenüber Männern zu verteidigen* die im besten Glauben handeln, aber diese Grundlagen nicht genügend verstehen. Wir müssen zu diesem Kampf gerüstet sein,-und zu diesem Zweck, nachdem wir genügend gelernt haben, daß man den Geldpunkt nicht ungestraft vernachlässigen kann, nunmehr wieder daran denken, daß uns alle Schätze der Erde nichts helfen* wenn wir dabei Schaden erleiden an unserer! Seele. Mit echtem, edlem Weine verscheuchst du dir die Sorgen; Na ja! Doch auf wie lange? Das frage dich nur morgen 1. Sie dauernd zu vertreiben, auf Nimmerwiederkommen, Dazu kann einzig dir nur Hubers „Hcrma" frommen. „Hcrma" ist alkoholfreies, anregendes Erfrischungsgetränk. Beim Kaufmann erhältlich! Das Palästinamandat auf dem bevorstehenden Labour- Kongreß Großbritanniens. Anfangs Juli d. J. wird der zweite Kongreß dejr Delegierten der Labour-Party und der Trade Union von Großbritannien abgehalten werden. Mit der vor einigen Tagen bekanntgegebenen Tagesordnung des Kongresses werden u. a. auch die zur Diskussion gestellten Thesen zu den englischen Mandats- und Protektoratsfragen angegeben. Bs heißt dort: Hinsichtlich der Frage, ob den einzelnen Ländern sofort die Selbstverwaltung gegeben werden solle, ist zwischen den einzelnen Länderkategorien zu unterscheiden. Was die Mandatsgebiete in Asien anlangt, wird vorgeschlagen: Dem Irak ist die Selbstverwaltung sofort einzuräumen. P a I ästina ist die Selbstverwaltung un t e-r genauer Berücksichtigung der Bestimmungen des Mandats und der Ba/1f our-Deklaration zu geben. Rumäniens Verletzung der Minoritätenrechte. Der amerikanische Ausschuß für die Rechte der religiösen Minderheiten veröffentlicht in Buchform den Bericht; der im vorigen Jahr nach R u m ä n i e n entsandten Kommission zum Studium der Behandlung der Minderheiten. Der Bericht Schilf, dert eingehend die Verfolgung der Jude* ENTRAL-KINO II., Taborstrasse 8, Tel. 42-3-41 gj 5attfi Weinsteins Erbschaft Das große jüdische Jargon-Lustspiel In 8 Akten Ab heute bei uns zu seh an! in Rumänien. Er hebt weiters hervor, daß mehr als 4 Millionen der Bevölkerung nicht rumänisch seien, darunter 700.000 Deutsche, denen gegenüber die rumänische Regierung die aus dem Pariser Vertrag sich ergebenden Verpflichtungen nicht eingehalten habe. Auch würden vielfach Andersgläubige gezwungen, Beiträge für die orthodoxe Kirch« zu leisten. Stollwercks Milchkaramellen sind eine weltbekannte und allgemein beliebte Spezialität. Der Erfolg der größten Schokoladen-, Kakao- und Zuokerwarenfirma der Weih, djjr Gebr. StoMwerck A.-G., die in den meisten Ländern eigene Fabriken besitzt und täglich zirka 100.000 Kilo Schokolade versendet, ist hauptsächlich auf die vorzügliche Qualität ihrer Erzeugnisse zurückzuführen. Stollwercks Milchkaramellen sind nicht nur besonders wohlschmeckend, sondewi haben auch noch hervorragenden Nährwert zufolge ihres Rafrmgehaltes, so daß sie jung und alt autn Genuß empfohlen werden können. E Bis Pfingsten erbält Jede Dame, jeder Herr, jedes Kind ein schönes Geschenk beim Einkauf von zwejPa^r Strümpfen oder Socken und gleichzeitigem Schuhednkäuf wäihrend der Del-Ka-Schuh- und S trumpf pro% p a g a n d a. Siehe Inserat Seite 9, ulitalerZiiift Mittwoch den 16. Mai um 7a9 Uhr abends 1 Im Saale der»,,$choIle" §§ 2, Bez.,. LUIenbiuhngasse 1 (Dianabadgebäude) Große frei zugängliche Tagesordnung: -Jl