Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 34 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 die mm wetf Nr. 34 o I., Bellarlastraße (2. Tel. 36-3-39 V.,Sohönbrunnerstr.56. Telephon 95-5$ SPRECHAPPARATE wie ßramola, Columbia, UUraphone UNSER SPEZIAL- KOFFER „MINERVA"....... „MAJE8TR0LA" I. . . . „MAJESTROLA", LitxuB . ¥ Auch auf Teilzahlung I ¥ Neueste Schlagerplatlcn In grOßter Auswahl APPARAT . 9 'J5-— . S 130*- .S 195*- die Kämpfe mit den Römern, nun ähnliche Gut- und Ölutopfer der Juden z>u finden, wie in diesem Kriege. Und da müssen wir uns sagen lassen, von einem früheren liberalen, jetzt antisemitischen Grafen, daß nicht, die Entente den Krieg gewonnen habe, s o n d c r n d i c Jude n, mit den krummen Nasen und wulstigen Lippen. Wir protestieren dagegen, daß es Juden und Judenstämmlinge gibt, die das, was Herr Czernin tut, noch verteidigen. Was wir mit diesem Prozeß wollten, ist nicht Sensation, ist nicht Unwahrheit und Haß, mit diesem Prozeß wollten wir einen Mann, der lange genug deutlich gezeigt hat, was er ist, endlich einmal a u f f r i s c h e r Tat ertappen. Wir wollen ihm sagen, daß es nicht zulässig ist, bloß Antisemit zu scheinen und dann mit Juden Geschäfte zu machen, sondern, daß man Antisemit auf der ganzen Linie sein muß, wenn man schon Antisemit ist. Ich habe noch einen weiteren Grund, diesen Prozeß zu führen und das sind jene Juden, welche trotz alledem die geschäftlichen Beziehungen zu Herrn Czernin aufrecht erhalten. Ich will auch, daß man mit Fingern auf diejenigen weise, die sich so benehmen, wie sich beispielsweise die „Neue Freie Presse". benommen hat. Sie hat nicht den Artikel der „Neuen Welt" zitiert, nicht die Beschuldigtmgen wiedergegeben, sie hat es sich leicht gemach^ sie hat einfach ohne Kommentar eine Züsch x i f t des Grafen C z e r n i n abgedruckt. Was ich immer wieder anprangern muß, ist, daß Graf Czernin trotz seines deklarierten Antisemitismus mit Juden Geschäfte gemacht hat, . wobei es gleichgültig ist, ob sie vor oder nach 1918 erfolgten, und ich bin dessen sicher, daß die breiteste jüdische Oeffcntlichkeit" unserem Kampf das größte Verständnis ent- . gegenbringt. In einer kurzen Erklärung, die Czernin' abgibt, wiederholt er seine- Behauptung, daß " er kein Antisemit seK Er habe nur eine Stelle geklagt, w6il er die Kosten, Mühen und die Langeweile eines Prozesses wegen der übrigen . Beschuldigungen vermeiden wollte. '•'! 5?- '■ "■ ■ Das'Urteil / Der Richter verurteilte den angeklagten Redakteur wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge zu einer. Geldstrafe von 30 Schilling, eventuell zu 24 Stunden Arrest, mm Ersatz der Prozeßkösten sowie zoir Verö ff<"en tIi ch uUi ,g 4e s U r t ei l s in seiner Zeitschrift sowie in einer Tageszeitung. Es wurde auch die in Betracht kommende Nummer der Zeitschrift „Die Neue Welt" für verfallen erklärt. * Nach der Verhandlung wurde Verteidiger Doktor Plaschkes, als er das Gerichtsgßbä>ude verließ, im Tor von einem Mann angefallen, der 'ihm mit den Worten':, „Das ist für Altösterreich!" einen heftigen Schlag ins Ge-" sieht versetzte. Der Mann, d.er schrie,, daß er ein alter österreichischer Offizierist, wurde verhaftet. Er. ist ein gewesener Feldwebel namens Johann -Kahn, arbeitslos. Er wa,r, wie er angab, in den Saal geführtworden und „man" habe ihm den Dr. Plaschkes gezeigt. Er wurde mit einer Polizeistrafe belegt und wird sich noch wegen öffentlicher Gewalttätigkeit zu verantworten haben. Die jüdischen Kriegstoten in Deutschiana. 9216 gefallen, 873 vermißt. Anfang 1929 feiert der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten sein lOjähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß soll das Verzeichnis der Namen aller jüdischen Gefallenen Deutschlands, soweit sie bekannt sind, in einem Buche den Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. Als Grundlage für dieses Verzeichnis dienen die in der Kanzlei des R. J. F. aufbewahrten Karten, welche seinerzeit der von jüdischen Organisationen eingesetzte kriegsstatistische Ausschuß unter Leitung der beiden, Statistiker Professor Dr. Silbergleit und Dr. Jakob Segall gesammelt Hat. Mit Ausnahme den abgetretenen Gebiete und Hamburgs, wo infolge eines organisatorischen Versagens die Erhebungen nicht abgeschlossen wurden, wurden 9216 Gefallene und .873 Vermißte, festgestellt. Letztere sind auch als gefallen zu betrachten. Wenn man hiezu jene für die Statistik ausgeschiedenen Gebiete berücksichtigt, so ergibt eine sehr vorsichtige Rechnung für ganz Deutschland die Zahl von 12.000 Ge^ fallenen. - „Der Schild", Zeitschrift des R. J. F., hat bereits mit dem Abdruck der ersten Namensliste der Cm* fallenen begonnen. Juden und Angelsachsen. In dem Vortrag, den der ehemalige englische Minister Wedgwood letzten Samstag abends auf Einladung der österreichischen Kefen Hajessod-Kommission hielt, begründete er seinen politischen Gedanken, daß Palästina in ein britisches Dominium umzuwandeln sei, in einer sehr geistreichen Parallele zwischen Engländern und Juden. Wir lassen diesen Teil der Rede, die von dem dicht gefüllten Saale mit stürmischem Beifall aufgenommen Wurde, hier im Wortlaut folgen: Wenn wir dieses Problem weiter verfolgen, so werden wir sehen, daß eine Zusammenarbeit der Zionisten mit der Verwaltung mit der Zeit auch eine nationale und] volkswirtschaftliche Zusammenarbeit herbeiführen muß. Ich persönlich möchte es schon sehen, daß England in derselben Weise die Interessen der Juden im Osten beschützt, wie Frankreich gegenwärt ig-die Interessen der katholischen Kirche in Schutz nimmt. Ich möchte es schon kommen sehen, daß England und mein englisches Volk die Juden als „of the Family", zur Familie gehörig, ansehen möchte. Dieser ideale Zustand mag vielleicht noch in weiter Ferne liegen, aber eine Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel, wie es in Palästina sein wird, muß auch in dieser Richtung Früchte tragen und das englische und jüdische Volk zusammen» bringen. Das ist dasjenige, was die Juden dabei gewinnen werden, und Sic können mir glauben, für England wird diese Kooperation und Familierizusammengehörigkeit ebenfalls ein Gewinn sein. Ein nicht minderer Gewinn wird es auch für die ganze Welt und die Menschheit sein, denn die Juden, Engländer und Amerikaner vereinigt, werden die größte Macht darstellen, der es erst gelingen wird, den Frieden und die Freundschaft in der Welt zu erhalten. Und nichts anderes, als. das Wohl der ganzen Welt ist es, worauf ich hinziele. Keihe von den Rassen und Völkern will mit den Juden so sich sympathisieren, wie die Angelsachsen. Sie allein möchten das Unrecht, das d e n J u d e n in d e n letzten zweit a ü s,end J ahren geschehen ist, einfür allemal quittieren. Sie möchten ein Verhältnis gegen s e,i f. i g e r Acht u n g u n d Hochschätz tr-h-g. erlangen. - Die: Angelsachsen haben: zu den Juden eine, gewisse Neigting.; ^Teilweise vielleicht laus dem Gefühl heraus; Beschützer; sein ';zu wollen^ teilweise aber auch aus einer gewissen Angst;■'■-heVaiis.-'-vS'chließlich ist das auch möglicherweise der "Ausfluß ihres Resp ekte s vor detnVerstan'd d e r J u d e tu Es ist ja nicht zu leugnen, -daß-wir beide, Engländer und Juden, sehr oft die Rolle' von^Glaubigern innehaben und deswegen auch beide unbeliebt sind. Wir Engländer sind 656^15 ^16 '" jfe, judejn Wanderer unter den Fremden. . Wir beide sind auch^Handejsleut^e und' werin wir zuweilen jene,, mit denenr wir handeln) e(was verachten)'.so ist' das nur ähnlich wie bei den ' jücfen!die Folge unseres Berufes. Wir beide .finden'auch, j ri'de FT ho r ä,' dem Alten Testament für alles, was einer Rechtfertigung in unseren Beziehungen zur Menschheit bedarf, 'die nötige Begründung. Wir beide können* uns auch über uns selbst lustig machen, weil wir eben dessen sicher sind, daß wir, in Wirklichkeit das aüserwählte Volk sind. Aus allen diesen gemeinschaftlichen Zügeir geht hervor, daß wir Engländer die Juden besser verstehen, als jene^, denen das Alte Testament von ^Kindheit an nicht so vertraut ist, wie uns Engländern. -; Für einen Nichtengländer ist das Wort „Jude" ein Schimpfwort von der Straße. Uns Engländern aber bedeutet dieses Wort etwas, Svas uns an Saiamo und Moses und alle jene Geschichten, die wir in unserer Kindheit hören, erinnert. Wie oft benennen wir unsere Kinder nach den Juden,, als wären sie unsere eigenen Ahnen. Aehnlich wie unsere puritanischen Ahnen, haben wir vor der jüdischen Geschichte die größte Hochachtung, weil sie auch in uns Erinnerungen an das, was gut War, wachruft. Als meine Vorfahren bei Nazebi und W ig an Laue die Aristo*- kraten besiegten, waren sie mit den Namen Aron und durch sein Renommee, seine riesige Wirkung mit Menthol sämtliche ausländischen Erzeugnisse und Hausmittel. An Nervosität und Kopfschmerzen Leidende wenden nur eine Massage an, um sich zu erfrischön und ihre ermüdende Tagesarbeit fortsetzen zu können Nehmen Sie nur Diana! ' Wertlose Nachahmungen «reiten Sie entschieden zurück I ■■ ■•■ ,■ ■<••■.>K-v .■>."■. ■ r ... ■. *,-, Überall erhältlich l Englische ENSTOFFE für Anzüge und Überzieher in herrlichen Dessins und reichhaltigster Auswahl kaufen Sie am besten im Spezialhaus TuclHiaas jum Hirsdien\ II. TaliorstraBe 17t A b n e r bewaffnet und als sie sich zum Angriff sammelten, riefen sie in der Sprache der Propheten den Gott Israels um Hilfe an. Unsere Beziehungen zu verschiedenen Nationen sind, wenn auch unmerklich,, mit vielen Zügen Ihrer Geschichte eng verwandt. Unser ganzer Begriff einer Nation ist erst durch jene Periode und jenen Konflikt, den ich früher erwähnte, deutlich' geworden. So sind für uns die Holländer noch immer Vater Wilhelm, dem wir und dessen Gefährten Widerstand leisteten. Seit jener Periode haben wir viele Kriege mit den Holländern geführt. Aber jenes heroische Jahrhundert unserer Kämpfe hat es bewirkt, daß die Holländer von heute und das Haus von Oranien uns lieber sind als irgend ein anderes Volk am Kontinent. Achnlicherweise geht es uns aiich bei den Vorstellungen über die Juden. Vor vielen Jahrhunderten gingen sie uns voran, eine Wolkensäule ,des Tags und eine Feueflsäule bei Nacht tragend. Sie waren die ersten Protestanten und Denker, als sie Moses aus Aegypten führte, um sie vom Götzendienst zu entfernen, und von den .Regem] der Priesterkaste zu befreien. Den Kampf, den Jude Makkabi gegen die Herrschaft der Tyrannen führte, ist der erste nationale Aufstand,, hvdem er sie zum Siege, 1600 Jahre vor den Kämpfen der Schweizer, Schotten und Holländer führte, um ihnen Freiheit un d Unabhängigkeit zu ermöglichen. Zwischen Moses und Makkabi liegen alle jene vertrauten biblischen Geschichten, wie Josua Sonne und Mond in die Höhe hält, und alle je.ne Psalms Davids. Einem solchen Volke gegenüber, bringt man das Gefühl der Ehrfurcht entgegen. Denn dieses Volk ist ebenso bekannt, wie alt und einzig dastehend. So sehen wir die Juden mit unseren Augen an. Und aus diesem Grunde^ hoffe ich, werden-die Engländer und die Juden in der'. Zukunft gemeinsam vorgehen und sich in dieser Welt einig .und geschlossen .behaupten. ... Diese Gedanken führten mich zu meinen Anschauungen, die ich in meinem letzten Buche vertrete. Mein '■. Vorschlag, auf U m wa n d 1 u n g Palästinas in ein englisches Döminiiim hat zum Ziele, den Juden und den - Engländern die guten und vorteilhaften Seitee eines Zusammenlebens vor Augen zu führen.;-' Die J. A. V. „Unitas" bei Wedgwood. Die Vertreter der jüdisch-akademischen Verbindung „U n i t a s" sprachen bei Col. Wedgwood vor, um ihm den Dank 'für sein Eintreten für die Verwirklichung des" Judenstaates zum Ausdruck zu bringen. Besprechung Wedgewoods mit den Wiener .' Revisionisten. Anläßlich der Anwesenheit Co. Wedgewoods in Wien nahmen die österreichischen Revisionisten Gelegenheit, ihn als einen ihnen ideell nahestehenden Führer zu begrüßen. In einer längeren Aussprache wurden die gemeinsamen Ziele ausführlich erörtert und die volle Uebereinstimmung in den wichtigsten Punkten des revisionistischen Programms festgestellt. Col. Wedgewood informierte bei dieser Gelegenheit die Wiener Revisionisten über wiederholte Besprechungen mitjaboti n s k y über grundlegende aktuelle zionistische Fragen. Lord Mond. „Daily Expreß" erfährt, daß Sir Alfred Mond am Geburtstag des Königs im Juni den Lordtitel erhalten und damit ins Oiberhaus eintreten wird. Infolgedessen wird eine Nachwahl zum Unterhaus in Carmarthe n stattfinden, wo Sir Alfred Mond bei den letzten Wahlen mit 9300 Stimmen Mehrheit als liberaler Kandidat gewählt worden war. Er ist aber kurz darauf zur konservativen Partei übergetreten. , Die Einigungskonferenz der polnischen Zionisten. Die in Lodz abgehaltene Konferenz der drei: zionistischen Landeskomitees in Polen hat einen provisorischen Hauptrat aus 14 Personen gewählt, dem sieben Vertreter aus Kongreßpolen (Leon Levite, Dr. .Rosen-- b 1 a 11, Dr. H i n d e s, Redakteur Heft m a n n, Redakteur Apenschlak, Advokat Seldenman und ein noch zu bestimmender Vertreter aus dem Wilnagebiet), vier aus Ostgalizien (Dr. Leon R erch, Dr. Schmorak, Dr. Rott e 1 d und L e z e r), und drei aus Westgalizien (Dr. T h o n, Dr. Feldblum und Dr. Schwarzbart) angehören. Diese Körperschaft wird als oberste Instanz der föderativ zusammengeschlossenen'zionistischen Organisation in Polen, eingesetzt. Das Tätigkeitsgebiet des Hauptrates ist: Führung der zionistischen Arbeit im Rahmen der gesamten zionistischen^ Bewegung in Polen, Vereinheitlichung der zionisli-1 sehen Tätigkeit der Lajideskomitees und Koordinierung der Landespolitik der Zionisten Polens: Der Häuptrat wird bevollmächtigt, eine allgemeine Ver.trete»- konferenz der Zionisten Polens einzuberufen.