Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 34 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. 34 DIE NEUE WELT Seite 3 Grosse Aaswam m echten Schlangenschuhen i $ 45.- anfw. s 19. SO 39. SO 25.30 Färbige Modespangenschuhe Detailverkauf zu Engros-Preisen Att, direkt in der Fabrik, Vll. Bez., Kaiserstrasse Nr. Iv und den wiederbesetzten, von Rumänien besiedelten Oobieten der ehemaligen Monarchie der Bevölkerung rumänischer Nationalität besondere Schonung zuteil werde; insbesondere haben Sie in diesem Belange und bezüglich einem weitgehenden Entgegenkommen der ungarischen Regierung gegenüber der rumänischen Bevölkerung bei seiner Exzellenz dem Herrn königlisch ungarischen Ministerpräsidenten Grafen T i s z a wiederholt vorgesprochen und gehen die diesem Rechnung tragenden Maßnahmen der königlichen Regierung zweifellos auch auf Ihre Initiative zurück. Sie Iiaben die der Valuta Oesterreichs und Ungarns in Rumänien drohende Gefahr vorausblickend erkannt und im Verein mit mir die dagegen notwendigen währungspolitischen Maßnahmen erwirkt. Bei der Versorgung der Mittelmächte m i t Nahrungsmitteln sind Sie, ohne jemals selbst mit dem Einkauf in Rumänien oder dem Verkauf an die Kriegszentralen zu tun zu haben, den Zentralmächten uneigennützig mit Rat und Tat an die Hand gegangen und es, war zu wiederholten Malen speziell Ihrer. Initiative und Tatkraft zu verdanken, daß die darbende Bevölkerung der verbündeten Reiche Hilfe in der Not erhielt. Ich erwähne auch rühmend Ihr philanthropisches Wirken, indem durch Ihre Vermittlung die Gesellschaft vom Roten Kreuz namhafte Zuwendungen erhielt; als bei der Evakuierung Ostgaliziens und der Bukowina die Bevölkerung in den heißen Sommermonaten 1916 durch Rumänien nach dem Westen der Monarchie flüchtete iffld den bitteren Unbilden des Transportes ausgesetzt war, haben Sie die Organisierung dieser Transporte in die Hand genommen und durch die Errichtung» von Labestationen auf eigene Kosten usw. Tausenden von Menschen zur Rettung verholfen. In Würdigung Ihrer zahlreichen Verdienste und Ihres durchaus selbstlosen Wirkens habe ich Sie wiederholt für eine allerhöchste Auszeichnung in Antrag bringen wollen. Gelegentlich einer Ihnen von Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät gewährten Audienz wurde Ihnen ebenfalls, wie mir mitgeteilt wurde, in huldreichster Weise eine Auszeichnung für Ihr verdienstvolles patriotisches Wirken angeboten, die Sie in gewohnter Bescheidenheit a fege lehnt haben; Ihr einziger vorgebrachter Wunsch war, daß der k..u. k. Minister des Aeußern sein gegebenes Wort einlöse und gelegentlich der Friedensschlüsse, insbesondere in Rumänien, die Rechte Ihrer Glaubensgenossen international verbriefen, sowie in den Friedensverträgen festlegen lasse.. Ich möchte auch hervorheben, daß Sie sich mit der Ihnen eigenen Energie meiner Vermittlung bedient haben, um gelegentlich der bevorstehenden Friedensschlüsse der Autonomie der Juden in Palästina zum restlosen Sieg zu verhelfen. Ich habe auch tatsächf lieh damals über Ihren Wunsch einen der maßgebenden Führer, der zionistischen Bewegung, Herrn Dr., Flan,tkq, empfangen und, ihm eine nachdrückliche Unterstützung zugesagt: Dies hat, wie Ihnen bekannt, mir große Schwierigkeiten verursacht und sogar eine vorübergehende Krise in uns er en Beziehungen zur alliierten Türkei provoziert. In Würdigung Ihrer Bestrebungen habe ich gelegentlich der Friedensverhandlungen von Bukarest Ihnen die Möglichkeit gegeben, Ihren Einfluß für die^völlige Emanzipation der rumänischen Juden geltend zu machen, wofür ich mich mit meinem ganzen Einfluß eingesetzt habe. In wahrer treuer Freundschaft Ihr ergebener Ottokar Czern in m. p Dr. Plaschkes erklärt nun, "daß er der Aussage des Zeugen Eidinger in dieser Richtung Glauben schenke und unter Aufrechterhaltung aller übrigen Beschuldigungen in dem Artikel die Beweisanträge, soweit sie sich auf die inkriminierte Beschuldigung bezieben, daß Graf Czernin in seiner amtlichen Tätigkeit' Provisionsgeschäfte gemacht habe, alle Beweisanträge zurückziehe. Der Klagevertreter Dr. Katz erklärt, daß er lediglich die Einvernahme des Generalkonsuls Felix S o b o t k a und des Dr. Karpeles, die zur kritischen Zeit ebenfalls iij Bukarest waren und über die amtliche Tätigkeit des Gesandten Czernin genaue Auskunft geben können und aus Berlin eigens zur Verhandlung nach Wien gekommen seien, beantrage. Der Richter lehnt diesen Antrag ab.; Nach einer Pause wird die Verhandlung wieder aufgenommen. Der Richter erklärt das Beweisverfahren für gesc blossen. Es erhalten die Parteien das Wort. Dr. Katz erklärt nochmals, daß Czernjn kein Antisemit sei, und beruft sich auf den „Jewish Chronicle" in London, 4er gegen die Herren Stricker und Dr. Plaschkes wegen der Angriffe auf Czernin Stellung genommen hat. Verteidiger Dr. Plaschkes: „Ich muß, bevor ich meine Ausführungen beginne, ^nächst, oihne tief zu schürfen, die Frage erörtern: „Wie steht das Blatt, das ach hier zu vertreten halbe, zu einem Antisemiten?" Wir billigen jedem Menschen das Recht zu, ein Antisemit zu sein, so lange und soviel er will, auch Hern Grafen Czernin. Wir verlangen' aber, daß er, wenn Muttertag , und Schlankheitsproblem. Muttertag steht auf der Tagesordnung hei den Sitzungen des Familienrates, dem diesmal auch in den demokratisch organisierten Kinderstuben der Vater in seiner Eigenschaft als Finanzministcr beiwohnen kann, wobei ihm in Hinblick auf die Abwesenheit der Maina nicht nur Sitz, sondern auch Stimme eingeräumt wird. Was schenken wir der Muttor am 13. Mai? Sommerkleider und Hüte bekommt sie von Papa, Nippes und Porzellan von dor Großmama, Blumen bekommt sie doch sicher vom Onkel. So stimmt denn die Majorität der Kinder für Schokoladeboubons, denn — so meint Mädi — da kriegen wir auch davon, denn Mama fürchtet, Bonbons machen dick. Das ist ein Irrtum, wendet der kundige Knabe ein. Jawohl bekräftigt der Vater, es ist ein Irrtum, immer nur auf die übermäßige Dressur der schlanken Linie bedacht zu sein, die gottlob langsam aus der Mode kommen will, zumal sie nur zu oft auf Kosten der Gcsundheeit und der Lebensdauer und vielfach aucii der Schönheit erhungert wird. Iis ist ein Irrtum, daß eine auf Schlankheit und Schönheit be« dachte Frau sich den Genuß von Schokolade und Bonbons versageu muß. Süßigkeiten regen an, wirken belebend und erheiternd und befriedigen das Hungergefühl auf Stunden hinaus, so daß man dadurch leicht ein Zuviel bei den Hauptmahlzeiten vermeiden kann. Schokolade stärkt und belebt, das weiß jeder Sportsmann und der Biologe, der den Gehalt an Kohlehydraten, an Theobrom und aromatischen Substanzen in Betracht zieht, bestätigt die Erfahrung In vernünftigen Mengen genossen, ist also bei Schokoladebonbons die Furcht vor dem Dickwerden unbegründet und kann daher jede Mutter unbedenklich an ihrem Ehren- und Freudentage mit den gerade bei uns in Oesterreich in reichster und geschmackvollster Auswahl und Adjustierung erzeugten Süßigkeiten beschenkt werden. E Zum 10-Uhr-Brot SCHOKOLADE ist wohlschmeckend, kräftigend und bekömmlich! er Antisemit ist, es so aufrecht ist, wie war aulrichtige Juden sind, unbedingt und uneingeschränkt, und daß er sich keine Zwei-Seelen-Theorle zuschulden kommen lasse: Hier Antisemit und dort Geschäfte .mit Juden, wobei ich aus der großen Zahl d,er Vertrauens- und Gewährsmänner Czernins keinen besonders hervorhebe. Was ich anprangern muß bei einem Antisemiten, ist, daß er Antisemit ist, wenn es, i hm g cfällt, und keiner ist, wenn es ihm nicht gefällt. Ich kann mir nicht vörstellen, daß ein Antisemit mit einem Juden, den er so sehr verachtet, daß ,er diese Verachtung buchmäßig .klarzulegen das Bedürfnis hat, aus anderen als aus egoistischen Gründen verkehrt. Der Artikel muß .zunächst nach seinen Motiven beurteilt werden, sagt Herr Dr. Katz. Ich will mit ihm nicht über'die Frage rechten, wie ein jüdisches Organ jüdische Interessen zu vertreten hat. Gerade mit Herrn Dr. Katz nicht. Aber ,daß das Motiv, welches diesem Artikel zugrunde liegt, das Edelste und Beste ist, aus dem ein Artikel in einer jüdischen Zeitung überhaupt geschrieben sein kann, das wird nicht nur der Präsident des Gerichtes, das wird auch Graf Czernin zugeben müssen. So viel Objektivität mute ich ihm zu, daß er einer Zeitschrift, die der jüdischen Idee dient, der Idee, das Judentum wieder aufzurichten als'Volk, hier und in seiner neoien Heimat das Recht zubilligen wird, daß sie sich dagegen verwahren muß, wenn Männer des öffentlichen Lebens in der- *artigen Positionen, wie es Herr Graf Czernin war, offen gegen das Judentum Stellung nehmen. Das edelste Motiv ist es, daß wir uns diesen Fisch ausgesucht haben. Herr Graf, der Fisch stinkt vom Kopf, auch an Tonga! Es wurde hier ein Brief verlesen; ich habe ihm entnommen, daß Czernin über höheren Auftrag gehandelt hat und daß Herr Eidinger der Inspirator dieses höheren Auftrags war. Herr Dr. Katz bat auch gegen uns die jüdische Zeitung „Jewish Chronicle"»ins Treffen geführt. Die Argumente des Herrn Dr. Katz sind weit hergeholt, aus London, aber es ist nicht weit her mit ihnen. Ich weiß, wo dieser Artikel entstanden ist und wer sein Verfasser ist. Er ist in Wien entstanden. Ich bilde mir nicht ein, daß man in London weiß, wer Dr. Plaschkes ist und erkläre es als glatte Unwahrheit, .wenn dort behauptet wird, daß ich hinter 'dem Artikel gestanden,bin. Wenn das jemand sagt, so kann das nur «in Wiener sein, der der Berichterstatter dieser'' Zeitung ist, der seinerzeit gewisse Dankbarkeitsgefühlc gegen, den Grafen Czernin aufgestapelt bat und der jetzt seine Zeitung in vom jüdischen Standpunkt unverantwortlicher Weise hereingelegt hat. Das ist das Lied, das ist der Text und das ist der Verfasser. ' Die Macht unserer Feinde ist groß. Wir Juden wollen um Sympathien werben auf der ganzen Welt und wir haben allen Grund dazu, Sympathien zu werben für die jüdische Sache., Es war gewiß nicht schlecht, daß sich die Zionistische Organisation bemühte, die Sympathien des Grafen Czernin, des österreichischen Außenministers und Gesandten, zu erwerbenc Wir sehen den Erfolg dieser Bemühungen. Ja, ich bekenne mich zu diesem Kampf und habe für diesen Kampf mein Leben in die Schanze geschlagen. Eines sage ich Ihnen: Nicht deshalb, weil heute zu meinem Schutze Kriminalbeamte im Saale sitzen, well man mir schon mit Schüssen gedroht hat, bin ich Ihren „vernünftigen" ArgumenVn nicht zugänglich. Ich frage den Herrn Präsidenten, der nicht den ersten Preßprozeß mit mir führt, ob er oft schon so vernünftige Argumente gehört hat, als in der von mir abgegebenen Erklärung. Es gibt Leute, die an Angriffen bis zum letzten Moment festhalten und sich dann verurteilen lassen. Wir gehören nicht zu jenen Leuten, wir sind aufrichtig im Kampfe. Mein Klient, der 30 Jahre als jüdischer Publizist im ohrlichen Kampfe steht und dennoch, was nicht häufig vorkommen dürfte, unbescholten ist, der unerhörte Opfer schon für die jüdisch« Sache gebracht hat, er sagt, wenn ich dich auch nicht achten kann, so kann icli dich auch nicht verleumden, weil ich ein ehrlicher Gegner bin. Sic haben von 24 Beleidigungen nur eine geklagt und sagen, die andern 23 interessieren mich nicht. Ich muß sagen, man kann dem Sensationsbedürfnis einer Presse nicht mehr frönen, als indem man, was sie schreibt, ungeklagt und unwidersprochen läßt, zumal wenn man vorher ankündigt, daß man klagen wird, wie Sie es in der „Neuen Freien Presse" getan haben. Sie werden vielleicht sagen können, daß Ihr Anwalt Ihren Auftrag nicht voll erfüllt habe. Wenn man aber eine Berichtigung schreibt, und dann nicht einmal das klagt, was in der Glosse über diese Berichtigung steht, ist das nicht Sensation? Wegen der Sachen, die Herr Graf Czernin nicht geklagt hat, ist er meiner Meinung nach verurteilt worden. In diesem Punkte aber, den er eingeklagt hat, wird er nicht mit jenem Erfolg ein Urteil erzielen, als wenn er sich mit unserer Erklärung zufrieden gegeben hätte. Ich will der Wahrheit gemäß feststellen, daß die von mir abgegebene Erklärung f r e i wi 11 ig u nd f r e imütilg, ohne jede Verhandlung zustande gekommen ist, als Ausdruck der anständigen Gesinnung aufrechter jüdischer Männer, die nur das aufrechterhalten, was sie beweisen können und nichts aufrechterhalten wollen, was sie nach Durchführung der Beweise nicht mehr aufrechterhalten können. Wir wollen beweisen, daß aufrechte Juden auch einem Manne gegenüber, dessen tief eingewurzelte Judenfeindschäft wir behaupten und beweisen können, nicht Ungerechtigkeit üben wollen. Der Privatanklagevertreter-hat gemeint, daß ich mit dem Grafen Czernin fortwährend das Kaivierteil viorhalte und das Kaivicrtel gegen ihn aufzureizen suche, das brauche ich nicht zu tun. Das Kaiviertel weiß schon, wie es sich im Jahre 19J9 getäuscht hat. Es weiß, daß Herr Graf Czernin, der im Jahre 1919 mit jüdischem Geld und jüdischen Stimmen gewählt wurde, dann dem christlichsozialen Klub als Hospitant beigetreten ist und im Parlament antisemitische Reden gehalten hat. Ich verweise auf die Ausführungen des Herrn Präsidenten bei der letzten Verhandlung: „Sie können doch den Privatankläger nicht zwingen zu klagen, wenn e r n i c h t will. Wir aber werden uns ein Bild von diesem Grafen Czernin machen können, der seine Ausführungen in seinem Reisetagebuch mit den Schilderungen eines Sonnenfisches beginnt, wie man einen Juden schildert, nicht einen bestimmten Namen, häßlich, mit krummer Nase, aufgeworfenen Lippen, breitem Maul. Herr Czernin hat reichlich Bekanntschaft mit Juden, er sieht sie ja so häufig auf der Ringstraße und bei der Sirk-Eckc. Mit einem Mann, der nur so die Juden sieht, mit dem müssen 'wir abrechnen, nicht mit dem Mann, der die Sonnenfische beleidigt hat. Unsere Pflicht ist es, die beleidigten Juden zu verteidigen. Wir wünschen, daß Herr Graf Czernin diesen Saal nicht unbelehrt verlasse. Er weiß aus seiner Tätigkeit als Gesandter und österreichischer Außenminister, daß das jüdische Volk um seine Existenz ringender Mittelstand; ärmsten Proletariats .Gut und Blutopfer zu huuderttausenden für das österreichische Vaterland gebracht hat. Er hat selbst Evakuierungszüge einleiten müssen und hat Tausende von jüdischen Söhnen ins Feld geschickt, wo sie verblutet sind. Und da wagt es der Mann zu behaupten, daß die Juden den Krieg gewonnen hätten! Wir danken für einen solchen Kriegsgewinn, wenn wir den größten Teil unserer Jugend verloren haben und dann noch so verunglimpft werden. Man muß in der jüdischen Geschichte weit zurück gehen, bis auf die Zeit der Kreuzzüge und noch welter, bis auf DR REISE! uncsS SJ^dJI^T ■ hervorragend gute Herren- und Damenstoffe, modernste Muster, infolge kleiner Regien äußerst preiswert bei Kann & Fried VI., Unke Wienzeile 40 (Im Hot«)