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Die neue Welt · 1928-05-11 · Heft 34 (11.5.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 34 (11.5.1928)
Date
1928-05-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Jtfr. 34 lohnten. Nun waren es se.hr konkrete Tatsachen, wie Waff engeschäf te', H'olzlieferungren; Häwserspekula tio nen, die sich sehr wohl für eine Untersuchung des Gerichtes geeignet hätten. Aber der aristokratische Graf fürchtet die Langeweile. Nun kann aber doch auch etwas anderes zutage, was dem Grafen den Nimbus nahm, den er bisher für die jüdische Welt getragen hatte und den auch der Londoner „Jewish Chronicle", der sich ohne Not hatte in einer jüdischen Angelegenheit mißbrauchen lassen, zu bestätigen für gut fand. Es hatte bisher die Meinung bestanden, daß Czeriiin sich aus einem gewissen Gerechtigkeitsgefühl bei den Friedensverhandlungen zu Bukarest für die Rechte der rumänischen J uden eingesetzt hatte. Aus einem von ihm selbst geschriebenen Briefe aber ergab sich, daß Czernin« Haltung von dem verstorbenen Kaiser Karl anbefohlen war, der den selbstlosen Patriotismus des Herrn Eidinger belohnen wollte. Es war weiters auf eine Forderung dieses Herrn Eidinger zurückzuführen, daß Czernin den Beauftragten des zionistischen Aktionskomitees Dr. Artur H a n t k e empfangen und ihm gewisse Zusicherungen in bezug auf die jüdische Autonomie in Palästina gemacht hatte. Die jüdische Oeffentlichkeit, die den Zusammenhang der Dinge nicht kannte, hatte dem Herrn Czernin gedankt und dieser Dank spielte bei den Wah- Ie.n zum österreichischen Nationalrat im Jahre 1919, als sich Czernin um das jüdische Mandat im Kai viertel bewarb, eine ausschlaggebende Rolle. Czernin wurde gewählt. Im Parlament schloß er sich als Hospitant dem christlichsozialen Klub, also einer antisemitischen Partei an und damit ja kein Zweifel an seiner Gesinnung bestehe, galt seine erste Parlamentsrede den Jüdischen Bolschewiken". Die Antwort der jüdischen Wähler war unzweideutig. Czernin wagte nicht mehr zu kandidieren. Er warf sich aufs Geschäft Seinen Groll und seinen Judenhaß lebte er in seinem afrikanischen Tagebuch aus, wo, er 4ie jüdischen Kriegsgewinner als.die Sieger in der verbluteten Welt beschimpfte. Und damit kommen wir auf den Kernpunkt dieser Affäre. Es lag für uns von vorneherein nicht der geringste Anlaß vor, uns mit . der Person Czerhins zu befassen. Es gibt wichtigere Probleme im jüdischen Leben. Aber da Czernin das Bedürfnis gefühlt hatte, Nachdenkliches über das . unsympathische Aeußere der Sonnenfische y o n Tpnga und über, ihre Aehnlichkeit mit den jüdischen Blutsaugern zü produzieren, so mußte d d e m b r a 1 i s ch e. L e gttima tio n des gräflichen Kulturphilosophen öffentlich geprüft werden. Die Prüfung mußte bewiesen werden. Dank dem rigorosen Vorgehen des Richters war dies nur eingeschränkt möglich. Aber auch so konnte ein Resultat erzielt werden. Die Oeffentlichkeit kennt nun den Herrn Czernin und sie kann zumindest 3000 Pfund auf seiner Konduiteliste buchen. Wir haben dies beim richtigen Namen genannt und dies hat uns eine Geldstrafe von S 30 eingetragen. Streng nach dem Gesetz. Der Richter hat sich die Unzufriedenheit der — man höre und staune! — s o zi a 1 d e m okra tischen „Arbeiter- Zeitung" zugezogen, die als das einzige Wiener Blatt sich gegen das Urteil und somit für den Grafen Czernin ausspricht. Kein Wiener Blatt hat sich so oft wegen Preßvergehens zu verantworten, obzwar der Chefredakteur der „Arbeiter-Zeitung" der Schöpfer des geltenden Preßgesetzes ist. Die „Arbeiter-Zeitung" findet das Urteil nicht streng, genug. Sie hat sonst das Wort „K eine M.H d e!" zu einem politischen Begriff erhoben, mit dem sie immer wie?- der gegen den Bundeskanzler Seipel loszieht. Hier aber, wo es sich um den Grafen Czernin handelt, den Klienten eines sozialdemokratischen Rechtsanwaltes und Judenstämmlings, fordert die „Arbeiterzeitung" mehr Strenge, Sie ist ja damit so ziemlich allein und sogar ihr Bruderorgan, das „Kleine Blatt" hat dem Grafen testiert, daß seine Ehre arg ramponiert worden ist. Der Anlaß unseres Auftretens gegen Czernin war, wie immer wieder betont werden mqß, eine antisemitische Rüpelei schwersten Kalibers in seinem afrikanischen Tagebuch. Wir haben diese Provoka-; tion zurückgewiesen. Gestraft wurde sie durch das Beweisverfahren vor dem Richter und durch die wuchtige Rede des Verteidigers Dok- : t ö r P1 a s c h k e s. Die Garde, die hinter Czernin \ den Gerichtssaal besetzte und aus deren Mitte dann ein feiger Ueberfall auf den Verteidi-j ger erfolgte, kann an dem Ergebnis nichts ändern, daß Czernin als ein moralisch Verurteilter heimgehen mußte. Er wird nicht mehr um Judenstimmen sich bewerben und keine mehr erhalten. Wir werden unsere Pflicht auch in Zukunft tun und uns nicht durch die Subjekte abhalten lassen, deren jüdische Würde darin besteht, daß sie dem Grafen und seinem Geld und seiner Macht nachlaufen, 1 * 4t Stirnfalten fSss3| A^^^F Aug«ntatton(K>HhenfflOc). a«ut*l unter den |<öJ47* Angelt, Mundf«lt«n altern! Sie wer- 1 V» ««hwlitdftH In 8 MlnuUn tuen Oebraucli J-ar-lV y von „DIM". (Oes. gesch.) Qi«n««nd b«gut* r^L^^3 Ä«ht«t! D.r Haut vollkommen unschädlich L JJ^iB^M^1 PI- S , Mitteltube S , Orlglnaltube S 4. ,,D|M"-LABORATOßlUM, WIEN _______________.................._ II.. Obmrm PonauattaBe «7 Die Verhandlung. Der Richter Hofrat Dr. Höflmayr eröffnete um 10 Uhr vormittags die Verhandlung. Der Andrang des Publikums .war sehr stark, der Saal war überfüllt. Im Auditorium befanden sich zwei Kriminalbeamte, die vom Polizeipräsidium für alle Fälle in das Bezirksgericht delegiert worden waren. Zahlreiche frühere Offiziere und Frontkämpfer waren mit dem Kläger Czernin gekommen und besetzten die rückwärtigen Sitzreihen. Der Vorsitzende fragt den Angeklagten, ob er bei seiner Verantwortung bleibe, daß er den inkriminierten Artikel nicht gelesen habe, jedoch den Wahrheitsbeweis anbiete. Der Angeklagte Jawohl. Verteidiger Dr. PIaschk.es: In der ersten Verhandlung 'hat es das Gericht abgelehnt, den fraglichen Artikel in seiner Gänze zu verlesen. Das ist eine Beeinträchtigung des Rechtes des Angeklagten aüf die volle Verteidigung. Der hier geklagte Passus ist nur im Zusammenhange mit dem ganzen Artikel verständlich, und •ich 'beantrage "nochmals; ihn ganz zu verlesen. Es ist auch notwendig, den am 20. Jänner, veröffentlichten Artikel zur Kenntnis zu bringen, weil, dort die Redaktion der „Neuen Welt" aus eigenem Antrieb eine einschränkende Kommentierung zu dem hier geklagten Passus gegeben hat. Der Vertreter C z e r n i n s, Dr. K a t z, erklärt, auf .dem Einspruch gegen die Verlesung zu bestehen. Der ,Grai' Czernin lege Wert darauf, zu betonen, daß es ihm nicht eingefallen sei, das Judentum zu beleidigen, und er habe nur gegen Auswüchse Stellung genommen. Es sei also 'keine Verletzung jüdischer Rechte von seiner Seite vorgefallen. Dr. P1 a sc Ii k es: Ich lasse mir von niemandem vorschreiben, .wie ich jüdische Interessen zu verteidigein Jiabe. Graf Czernin weiß, daß ein -heftiger Kampf gegen das Judentum geführt wird, und hat in seinem Buche ■ ganz unwahre Behauptungen, daß bei dem Kriege nur die Juden gewönnen haben und an dem Zusammenbruch des 'armen Deutschland schuldtragend sind, aufgestellt. Diese Behauptung ist eine Lüge und vollkommen geschichtswidrig. Der Ri e f» t e r verlfest nünmehr. die'Steile aus dem zweiten Artikel und fragt den Angeklagten: Behaupten Sie nach wie vor, daß- Herft;,G^er'n?fi. in- Biikarest Pro vi- , sionsgeschäfta g'etäVgt^häit?;G r eit;: . . .. ''- •' Ä ri g e k l a gte-r-: Darüber Svird .das Zeugenverhör Aufschluß-geben. >: R i c h t e r :' Ich kann einen Wahrheitsbeweis nicht «ülässen,- solange nicht ''feststeht,; daß die inkriminierte Behauptung aufrecht bleibt; ' Dr. P I a s cliik'e s: Solange dieZeugen nicht gesprochen haben, körinen wir uns nicht äußern.; Der Richter ruft nunmeijr : den Industriellen Nathan Eidinger auf: Auf die Frag« des 'Richters, wann -und' unter-welchen Umständen er den Grafen Czernin' kennen gelernt habe,- tbemerkte der Zeuge : Es sei mir erst'gestattet, eine persönlich«- Bemerkung zu machen; Ich wurde iii meiner Abwesenheit in der ersten Verhandlung im Gerichtssaale angegriffen. Es geht um meine Ehre und bei einem Kaufmann ist die Eihre mehr als das Leben. (Zur Erklärung sei bemerkt, daß in der ersten Verhandlung der Vertreter Czernitis behauptet hatte, Herr Eidinger sei rumänischer Staatsbürger gewesen und' habe in Bukarest konfidentieHe Dienste geleistet. Er 'habe Czernin verleitet, ihm Geld zur Verwaltung anzuvertrauen und Czernin sei um einen großen Teil seines Vermögens gekommen.) Richter: Sie sind Wer nicht angegriffen worden. Ich bitte nur auf meine Frage zu antworten. — Zeuge; loh (bitte nur drei Worte.' ~ Ri c h t e r: Wann haben Sie den Privatkläger in Bukarest kennen gelernt? — Zeuge: Ich möchte ersuchen, einen Brief zur Verlesung zu bringen, der über meine ganzen Beziehungen zu dem Grafen Czernin in einer Zeit, da er Gesandter war, Aufklärung geben kann. —\ Der Richter erklärte, daß er vorläufig nur auf die Fragen des Gerichtes zu antworten habe. — Der Zeuge erzählt nun: Ich wurde über Empfehlung des Ministeriums für Aeußeres nach Bukarest berufen und dort habe ich den Grafen Czernin kennen gelernt. Es war dies kurz nach Beginn des Weibkrieges. Ri clit er: Wieso ist das Ministerium des Aeußern dazu gekommen, Sie nach Bukarest zu schicken, in welcher Eigenschaft? — Zeuge: Da ich die rumänischen Verhältnisse genau gekannt habe, wurde ich nach Bukarest geschickt, um der Gesandtschaft mit Rat beizustehen. Ueber weiteres Befragen des Ricihters gibt der Zeuge an, daß er auf Grund seines längeren Aufenthaltes in Rumänien mit den politischen Verhältnissen auf dem Balkan genau vertraut gewesen sei. Aus diesem Grunde habe er vom Ministerium des Aeußern den Auftrag erhalten, sich mit dem Grafen Czernin in Verbindung zu setzen und ilhm mit Rat zur Verfügung zu stehen. — Richter: Haben Sie mit dem Privatkläger auch sonst, von dieser ratgeberischen Tätigkeit abgesehen, während seines Aufenthaltes in Bukarest verkeihrt? — Zeuge: Ich bin des öfteren zu ihm hingekommen. Es ist möglich, daß ich auch außerdem bei libm war. — Richter: Haben Sie mit ihm irgendwelche Proyisionsge schaffe gemacht? — Zeuge: Bitte, Herr Vorsitzender, das alles ist in dem Briefe, den ich Ilincn vorlege, dokumentarisch festgelegt. Sie werden sich sehr viel Fragen ersparen, wenn Sie ihn verlesen. — Richter: Ich muß Sie aber vernehmen. Ich kann;gegeu die Strafprozeßordnung nicht verstoßen. — Z eilige:' Ich bitte, mich doch reden zu lassen. Ich weiß, was für mich auf dem Spiele steht. Für mich ist die Ehre gleichbedeutend * mit dem Loben. (Nach einer kurzen Pause.) Ich habe niemals das Vermögen des Grafen Czernin verwahrt. .'Ich habe ihn auc^ nicht zu Geschälten verleitet und ich habe auch niemals i n R u m ä n i e n K u n s c h a f t e r d i e n s t e g eleiste t. Dr. Plaschkes: Beides ist aber hier behauptet und stenographisch festgehalten worden. , Der Zeuge erklärt nun, er sei österreichischer Staatsbürger gewesen. Er hat mit Czernin Geschäfte gemacht, aber erst nachdem Kriege. Dr. Plaschkes: Sie haben einmal dem Herrn Grafen Czernin dreitausend englische Pfund gegeben. — Zeuge: Das war im Jahre 1922.oder 1923. nach irgend welchen Geschäften. , Dr. Plaschkes: Mit welchen geschäftlichen Transaktionen standen diese dreitausend Pfund im Zusammenhang? — Z e u g e: Es war jedenfalls nicht aus Geschäften Svährehd der Amtstätigkeit des Grafen "'' Cieraiiv'"-^:' •'^'i.9:h;t' «?t:. Hat sich dieser Betrag auf Geschäfte bezogen, die nach der Amtszeit'des Klägers getätigt wurden? — Zeuge: Jawohl. Es waren verschiedene Transaktionen, an die ich mich heute nicht mehr erinnere. Sei es, daß es sich um Interventionen handelte öder um Entgegenkommen bei Interventionen oder sonstwas . . » — Richter: Waren diese dreitausend Pfund ein Geschenk? — Z e ifge (unschlüssig): Ich kann nicht sagen,., daß es direkt ein Geschenk war . , . Man kann es. nennen, wie man will. Es war jedenfalls aus geschäftlichen Transaktionen, die lange nach dem Aufenthalte Sr. Exzellenz in Bukarest stattgefunden Haben. Dr. Plasch-kes: Sie haben von Interventionen gesprochen. . Was meinten Sie damit. — Zeuge (ausweichend): Es waren Geschäfte, die ich nicht, mehr inT Erinnerung habe. — Dr. Plaschkes: Welcher Art waren Ihre Beziehungen zum Grafen Czernin?. — Zeuge: Die Beziehungen sind jm Briefe enthalten. . Der Vorsitzende verliest nunmehr den Brief Gzernins an Eidinger. Lieber Herr Eidinger! Sie waren, wie Sie mir schreiben, in letzter Zeit verschiedenen Anfeindungen und Angriffen in der Oeffentlichkeit ausgesetzt, die sich auf Ihre politische und w i r t s c h a 11 liehe. Tätigkeit in Rumänien zu der Zeit beziehen, während der ich als Gesandter in Bukarest und späterhin als Minister des Aeußern der österreichisch'- ungarischen Monarchie tätig war. Da ich Ihre Tätigkeit aus nächster Nähe zu beobachten in der Lage war, ergreife ich mit Vergnügen die Gelegenheit, Ihnen Folgendes' zu erklären und Sie zu ermächtigen, davon jeden Ihnen beliebigen Gebrauch zu raachen. Was zunächst Ihre Stellung selbst betrifft, so waren Sie auf ausdrücklichen Befehl des k. u. k. Ministeriums! des Aeußern auf Grund Ihrer eingehenden Kenntnis von: Land und Leuten, der führenden Persönlichkeiten Rumäniens und der politischen: und wirtschaftlichen Verhältnisse am Balkan, der Gesandtschaft in Bukarest als Vertrauensmann und Berater attachiert und waren so in die Lage versetzt, das Ministerium des Aeußern und mich in : besonders schätzenswerter Weise zü beraten, Ihre Stellung war demnach keine private und Ihre Berichterstattung an den Gesandten und den Minister des Aeußern war von demselben Gesichtspunkt zu betrachten wie die des Gesandten oder eines Mitgliedes der Gesandtschaft.. Ich hebe .aus Ihrer Arbeit folgende Tatsachen hervor: Sie haben durch richtige Erkennung der Situation viel dazu beigetragen, daß es in den kritischen Monaten nach dem Eintritt Italiens in den Krieg und dem Falle von Przemysl gelang, / ..... \ die. Neutralität Rumäniens zu verlängern. bi richtiger Erkennung der künftigen Entwicklungsmögliehkeiten haben Sie jederzeit darauf gedrängt, daß in den w» den k, u. lc Truppen besetzten Teilen Rumänien*

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