Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 34 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 droschen BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 1?0.—. V. b. b. E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland, monatlich Mark 1.—. vierteljährig , Mark 3.—; Bulgarien monat. lieh Lewa 20.—,, vierteljährig Lewa 60.—; Hallen monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die ti b r i g e n Länder monatlich Schwelm Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freiing Jahrgang 2 Freitag, den 17. Mai 1928 Nr . 34 Englisches Dominium oder Judenstaat. Minister a. D. Wedgwood trägt in Wien seinen Plan vor. -— Jabotinsky und die Zionisten-Revisionisten stimmen zu. Herr josiah. Wedigwood 'hat am Samstag seinen Vorschlag auf Umwandlung Palästinas in ein' britische'» Do mini mm dem Wiener Publikum in einem längeren Vortrag entwickelt. Öbzwar Herr Wedgwood, der der deutschen Spräche nicht mächtig ist, seine; Rede aus einem Manuskript ablas, war doch deutlich die Albsicht zu merken, seine Idee zu verteidigen' und zwischen ihr und dem zionistischen Endziel einen ideellen Ausgleich herzustellen. Herr Wedgwood spricht als Freund des Z.i o'nis m u s, als ein guter und wohlwollender Kenner der «zionistischen Gedankenwelt. Seine Rede zeigte ein tiefes Verständnis; für die allgemeine Lage des Judentums, und. es hat sie wohil jeder der Zuhörer mit einem warmen Gefühl des. Dank es. für die zum Ausdruck gebrachte Sympathie begrüßt Auch mit Freude hat .man diese. Vorschläge vernommen, die uns sagen, daß die Entwicklung, des 'Zionismus; nach-dr^^^^^ und trotz aller Kaisen uM Rückschläge so weitetet,',<3laßt das jü-4r.is e fee Palästina von ein^p- ^aßg^Äe^' ^iiig^ tischen politischen Führer als M £ 1 tppl i t i s c h. e s P r oib l:e m g e w e r t e t wird, Herr Wedgwood ist ein. führendes Mitglied der englischen sozialistischen Partei, die sich nicht erst seit'heute mit dem zionistischenPalästina-Problem befaßt, und die anders als die österreichische und polnische sozialistische Partei, In der zionistischen Arbeit ein großes p p 1 i t i s c h e s u n d k u 11 u r e 11 e s B e f r e du n :g s w e r k e rblicktund sie fördert, und deren Intentionen es wohl entspricht,, dieses Werk-durch einen engeren Anschluß Palästinas an das..britische Imperium 'gegen alle zukünftigen Widerstände zu sichern. Ob dies auf dem Wege ^erreicht werden kann, den Wedgwood vorschlägt, darüber gestatten wir uns anderer Meinung zu sein, wenngleich die Voraussetzung Wedgwoods für die Diskussion der Fraige zutrifft. Er sagt, die Dauer des Mandats sei nicht unbegrenzt, und die Zionistische Organisation müsse stich schon heute für die Entscheidung, ob S c h u tz d u rchE n gl an d od er v o 11 e U n- .atohängiigkeit wie Griecheulan.d, vorbereiten'. Das ist richtig, und bestärkt uns in unserer, wiederholt ausgesprochenen Meinung, daß es von. Uel?el ist, wenn in zionistischen Kreisen die Auseinandersetzung über die politi- SchenVFragen, über das Verhältnis zum Völkerb un d und szur. M a n da't stnach t immer vtfjfeder <vqn leitender Stelle aus als u n z e i t g ein%ß e S; ,'G e w äs q ^. z u r ü c ge d r ä n g t wird. Es^sind'.doch unsere Lebensfragen, um die es sich haJidettV es handelt sich um Einrichtuuig des Hauses, um die Beziehung zur Nachbarschaft, um die .politischen . Einwirikungen auf die auch in Zfokunft.vorhandenen jüdischen Galuth-Siedlungen. Und deshalb gibt;uns .Wegdwood die Lehre, diese Seite unserer Aufbauarbeit, die politische Seite; nie h t. z u v e rge ssen.'und z u v er na chl ä ssig e n. Mehr noch: er sagt? uns, schon jetzt alles für die Entscheidung bereit' zu machen. Diese Entscheidung kann aber nicht; soauffallen, wie es Herr . Wedgwood vorsehlägt. .•^r»*,8¥r;*!&^ft^Ke' Po*itilkeir, .^niuß. .ati; Englands. Lebens-, interesse, an den Weg: nach Indien und den.' Schutz Die Abrechnung mit Czerniri. Die Gerichtsverhandlung am 3. Mai. Czernin und seine Geschäfte. — Die 3000 Pfund für Interventionen. — Czernins Rolle bei den Bukarester Friedensverhandlungen. — Die Sympathien der „Arbeiter-Zeitung". — Der Ueberfall auf Dr. Plaschkes. Am 3. Mai. hat die Hauptverhandlung über die Klage des gewesenen Außenministers Czernin gegen den verantwortlichen Redakteur der „Neuen Welt" stattgefunden. Das Urteil lautete auf!S 30 G e 1 d s träfe wegen Vergehens gegen das Preßgesetz. In der Begründung spricht der Richter aus, daß der von dem Angeklagten an gebotene Wahrheitsbeweis zum Teile durchgeftihrt, z,um andere n; Tei 1 e zurückgezogen wurde/ Es ist notwendig, daran zü erinnern, daß die „Neue Welt" am '6. Jänner gegen / Czernin' eine Reihe von Beschuldigungen,'' im ganzen. 25, erhoben |atie, 'von denen eine, sich auf die Zeit ■ seiner Täögke,it ^als Gesandter in Bukarest bezogen hatte.- Diese;!eine:'Beschuldigung': h < S p o n t a n, in Erfüllung .der .' journalistischen Loyalitätspflicht.. .- .am , .20..Jänner, s,el:b si ,-.v.;e.in-g:e*.i iehx^ Czernin und' er - hatte' eiiien aufgeboten, um . derr ' Gerichtssaal ' als Tri um p hator;7 und r e'i ti'g e w a s c'hene r M annve rl a s sfe n z u'- k ö h n e m Das ist . ihm mißlungen und es ist ihm vor 'dem Richter der Oeffentlichkeit n a c h g e w i e s e n worden,-daß er von einem Geschäftsmannden Riesenbetrag von '3000 Pfund erhalten hatte „als Geschenk oder a i s Ho norar f ü r I n te rv e n t i o'n e n d d-e r als Verrec h n u n g für a b ge s c h 1 o'ssehe Geschäf t e." .Das Publikum üaf: alsp - die Wahl1, den Sinn dieser Zuwendung ' sich ' nach ' Gutdünken zu bestimmen. Die Charakterisierung' des Empfärigersj des gewesenen' Ministers,' der sich für Intefventiötfe'n. einen "solchen Betrag auszahlen'läßt, wird Wohl-für -niemanden zweifelhaft sein.' Und dies ist^ wohlverstanden, nur e i n F a 11 -v o n'v i eie n. Hätte iCzernin au^h die;-anderen: Beschuldigungen geklagt, "so wäre der Aufmarsch : der Ziffern : und Zeugenein inipösa^teref gewesen! 'Dies' wäre; auch geschehen, wenn - cler Richter dem - Antrag des Verteidigers -'enfc. ^pr-oeheiir und; denu ganzen) ,ani 6..; Järinep ^uMizieittsen': ÄriikeL verlesen hätte. Es wärei i'darih über 'die*:-vMfäth:' verschlungenen ■ Geschäfte Czernins: xjie Wünschenswerte -Klärhöt./ge;schafferi wordene; Herr Czernin hätte dieses Nichtkiagen ,auch motiviert: Es seien doch nur" Beschimpfungen gewesen, die. die Mühe, Kosten und die Langweile des Prozesses: iricht des Suezikanals deniken. Er muß Piallästina fest in englischer Hand wünschen, und da kommt es' seiner politischen Raison und seinem sozialistischen Gerechtigkeitsgefühl in gleicher Weise zustatten, daß dieses Palästina ein jüdisches Land sein, soll, bewohnt von einer dankerfiiiillten, durch Sentiinent an Englän.d gebundenen Bevöl-keriing. Er stellt die Frage: Englands Schutz oder Unaibliängigkeit wie Griechenland? Ist jemals diese Fraige an Griechenland gestellt""worden? Hat nicht Lord Byron für Griechenlands Unabhängigkeit gekämpft? Was aber bedeutet Palästinas Umwandlung in ein Dominium? Es ist bestechend, wenn Herr Wedgwood Kanada, A u s t r a 1 i e n, und , S ü d a f r i ,k a nennt. Diese Gebiete mit ihrem eisenentwickelten riesenhaften Wirtsohaftsorganismus liegen weit ab von den Konfliktsfrageri Europas, sie sind vom Mittelnieer sehr weit entfernt, während Palästina in dem Dunstkreis dieser giftigen P r o b t e-me steckt. Wir .enieben heute schon allerhand Aspirationen auf das hritische Gib r alt a r und das britische Malta. Pialästina als britisches Dominium, wäre nicht frei und dies würde sich uns bei einem schärferen Konflikt Englands mit grausamer Deutlichkeit darstellen. Gewiß könnte ein jüdisches Dominium den Schutz der Juden in den Verfolgungsländern auf sich nehmen, alber es würde wohl bald in' Kolli- , sion mit den diversen politiscthen Interessen Englands geraten,. Wir wollen nur nebenher darauf hindeuten, daß sich bei einer Konflagration schwere Ge w i ssensfragen für die Juden außerhalb Palästinas ergeben könnten. Herr Wedgwood hat ausgeführt, daß sidh auch Jabotinsky und die-Revisionisten f(ir seinen Gedanken erklärt hätten., Wdr zweifeln nicht' an seineryMi^teilung^aib^ uns nicht aii einer; anderen Stellung .veranlassen.: Wir sind der; Ansicht, zu der aucli jeder Engländer hei einer7 realpolitisijhpn . Einfühlung in die zionistische Sttirnnj-u-ng' ikopm|5n'' jntfßv daß das j ü dis c h e P a 1 äst ina e im f r e i er, Jüd'i sehe r, u n a-ib h ä hg \ g e r S ta a;'t^ sem,"müß. Er wird an. England durch stärkere Bande''jgeHftlfe'ft'-Sein wie ein/ Dominium, aber er ' wird die Möglichkeit haben müssen, so zu atmen,1 wie das derb''Bedürfnis seines Organismus' entspricht. R d e se n''g"r'o"ß ist 'die D a n k e s s c h u 1 d des jüdischen Volkes an' E ngland und wir werden nie vergessen, daß es uns das Tor der Zukunft aufgeschlossen; hat. Wir nehmen auch gerne zur Kenntnis, daß Wedgwobd die jüdische Majorität als die Basis aller politisch e n Existenz fordert und daß er die Selbstverwaltung verlangt. Seine Rede ist zu einöm gü'ten Teile auch Kritik ander Mandats Verwaltung, von der er die Einrichtung einer Immigration'satoteMungi einer A g r a r b a n k;und einer, A nle.ihe verlangt.. Auf. diesem Wege können^wir Wedgwood folgen, Der andere Teil seines politischen Konzeptes, den wir nicht akzeptieren können,, seneint uns übrigens im Augenblick auoh in teohnisch-poli.tischer Hmsioht nicht durchführbar. Es müßte die Umwandlung des Mandats durch den Völkerbijnd erfpl,- gen und dies setzt wieder politische Komplikationen, Verhandlungen zwischen. England und den am Mittelmeer Interessierten, dem Vatikan,. Italien, Frankreich, voraus, alles Dinge, die eine unerträgliche Belastung der jüdischen Position in Palästina mit sich brächten. Wenm wir also Wedgwoods Weg nic/ht geben können, so erkennen wir doch in t diesem Mann .einen .Mitkämpfer und Mitstreiter, der uns ein Freund ist auch dort, wo er irrt,, und wir haben ihm dafür zu dawken, daß er an die staatsbildende Kraft des j-pdi- .sdhen ^Volkes g-läuiht. , .. i; ,;y; r, jeder Küche ist ein oerlon^nsie Prospekt w C9