Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 33 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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die gute enwurze Nr. 33 ftlE NEUE WELT Die Ausgrabungen. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Seit John D. Rockefellcr juii. mit seiner 400.000 Dollar-Stiftung für die Erbauung und Einrichtung eines neuen, großen, archäologischen Museums in Jerusalem, die für das Jahr 1930 vorgesehen ist, den ausgegrabenen Schätzen ein neues* würdiges Heim versprochen hat, hat die archäologische Forschung in Palästina einen großen Aufschwung erlebt. Das Ausgrabungsprogramm ist für dieses Frühjahr und den Sommer ungewöhnlich ausgedehnt. Die Archäologen werden das ganze Gebiet von Dan nach B c e r s a b a unter die Spitzhacke nehmen; vierzehn Expeditionen aus amerikanischen, englischen, französischen, deutschen, italienischen, österreichischen und dänischen Forschern bestehend, sind bereits auf dem Wege zu neuen Entdeckungen. Unter den Stätten, denen man diesmal besondere Aufmerksamkeit widmen wird, werden sich die Ueberreste der Stadt Davids, das Grab Josaphats, der Hain Mamre, die Stadt. Kirjath-Sapher, die Ueberreste von Mizpah befinden, sowie die bereits begonnenen Ausgrabungen in Sichern und in Beisan in Galiläa. Bei Tiberias wird di« Arbeit fortgesetzt werden, desgleichen wird man eine alte Synagoge in Tel Hum in der Nähe des alten Kapernattm wieder aufbauen. Ferner wird man mit der Rekonstruktion der Stadtanlage des alten Jerusalem fortfahren. Die Juden und die Wahlen in Syrien. Aus-Jerusalem wird berichtet: Bekanntlich haben die Juden von Damaskus im Wege des Vorstandes der dorthin Judengemeinde sowohl bei der syrischen- Regierung; als auch bei der Mandatsmacht Protest dagegen eingelegt, daß der jüdischen Minorität das Recht, eigene Vertreter in die Konstituante zu entsenden, entzogen wurde. Dem Protest wurde schließlich stattgegeben und so haben denn die Juden bei den letzten Wahlen ihre eigenen V e r t r et c r 'g e w ä h 11. Im großen Tempel von Damaskus fand diese separate jüdische Wahl unter Aufsicht von Regierurigsvertretern statt. Die Zahl der jüdischen Wähler betrug 2853, welche zunächst 31 Wahlmänner wählten, aus deren Mitte zwei Kandidaten, und zwar Ale Herren Jclenido und M. Tut ah, nominiert wurden. Gewählt wurde in die Nationalversammlung J c 1 e n i d o,' für den die syrischen Nationalen eintraten. Herr Jclenido war bereits zur' Zeit Faisals der jüdische Vertreter in der gesetzgebenden Körperschaft, Im übrigen haben die gemäßigten Nationalen in den meisten Wahlbezirken Syriens gesiegt. Professor Clemens Holzmeister über das zionistische Werk in Palästina. Aus einem Gespräch. Vor einigen Jahren kam ich auf der Fahrt von Innsbruck nach Bozen mit einem Reisegefährten ins Gespräch, der in der Zwischenzeit als' Künstler und Lehren europäische Geltung erlangt hat, aber auch jetzt, da er zu den berühmten Architekten zählt und gleichzeitig Meisterklassen in Wien und Düsseldorf leitet, der vornehme einfache Mann geblieben ist, der er damals Im Abteil dritter Klasse war. Ich dankte ihm eine genußreiche Fahrt und eine ausgezeichnete Vorbereitung für die Besichtigung der Städte, die ich kennen lernen wollte. Es war nicht schwer,' an den Aeußerungen des Fremden! über Landschaft, Baulichkeiten, Ruinen den eminenten Fachmann und Künstler zu erkennen. Meine Wißbegierde machte ihm .Freude, ich durfte, ohne zudringlich' zu erscheinen, immer wieder fragen, wir kamen einander näher, er sprach über seine künstlerische Tätigkeit, ich über das, was mich bewegt: Zionismus, Palästinaaufbau. Das Interesse, das er für das Werk der Erlösung und Erneuerung des Judentums durch den Aufbau von Erez Israel zeigte, war echt. Der Sohn der Berge, der mit jeder Faser den Alpen und ihrem Bauerntum verbunden ist, zeigte liebevolles Verständnis für das Ringen des Juden um seine Scholle, der Kulturmensch Mitverantwortung für das Gedeihen des Werkes der Versöhnung und der Baukünstler erkannte die großen Aufgaben der Kolonisation,, der städtebaulichen sowie landwirtschaftlichen Siedlungsprobleme. Und schon war er im Geiste bei der Jugend,, die ihm anvertraut war. „Ich habe begabte jüdische Schüler, und will sie auf die schönen Aufgaben hinlenken, die sie für ihr Volk zu lösen haben werden." Heimgekehrt, sandte ich einige Literatur an seine damalige Innsbrucker Adresse, insbesondere über Tel Awiw und die Bautätigkeit des Solei Boneh, über Kaufmanns städtebauliche Arbeiten und Pläne, über die Emek-Stadt, über das zu errichtende Industrieviertel und die. Karmelsiedlung von Haifa, über die Universität. Er. bestätigte den Empfang. Eine neuerliche Begegnung war mir späterhin nicht gegönnt. . Bis ieft dieser Tage in Erfüllung einer publizistischen Pflicht Professor Clemens Holzmeister zu sprechen hatte. gGs^ss^^G&sasxöe^ Malerarbelfen! gut billig und dauerhaft nur durch Herma/n Baumgarten, &8mmer» maler, Wien. XX. Karl Meässlsftr. iassasxsc^ei^ö*^ Als ich ihn telephonisch ersuchte, mich zu empfangen, erinnerte er sich sofort unserer seinerzeitigen Unterhaltung im Eisenbahnabteil, erklärte sich bereit, mir die gewünschten Auskünfte zu geben und fügte hinzu: „Ich bitte Sie aber um den Gegendienst, länger bei mir zu verweilen und mich1 über den heutigen Stand des zionistischen Aufbauwerkes zu informieren." » Es war eine genußreiche Stunde. Der neue Jischuw übt wunderbare Wirkung. Es traf sich, daß in der Meisterklasse an der Wiener Akademie der bildenden Künste» die Professor Holzmeister leitet, ein junger Jude aus Erez Israel Aufnahme fand, von dessen Persönlichkeit, Charakter und idealer Begeisterung für die jüdische Renaissance sein Meister mit Wärme erzählte. „Er hat meine Hörer und mich hier im Saale um sich versammelt und uns einen Vortrag über das werdende Judenland gehalten, der uns als Kulturmenschen, Zeitgenossen und natürlich ganz besonders als Künstlernaturen naheging. An den Juden, die jetzt aus Palästina kommen, an ihrem Wesen und ihrer Wunderbaren Zuversicht erkennt man erst die ganze Bedeutung des Werkes für Ihr Volk und darüber hinaus für die gesittete Welt." — Holzmeister rühmte sodann die ungewöhnliche Begabung dieses Schülers, der jetzt zum weiteren Studium in Berlin .weilt und pries eine Schöpfung des jungen jüdischen Künstlers: ein Teilprojekt für den bevorstehenden Hafenbau in Haifa, das nach dem Urteil des Meisters sich in gleichem Maße durch Eigenart, Zweckmäßigkeit und Schönheit ausgezeichnet. Professor Holzmeister, der bekanntlich auch dem österreichischen Pro-Palästina-Komitee angehört, besprach dann eine Reihe von Aufbaufragen als Architekt und Kunsterzieher: „Die Probleme der Menschensiedlung und der Wohnbaukutur stehet) heute im Vordergrund und haben eine neue Weltbewegung in . der Kunst hervorgerufen. Ein neuer Stil ist in Bildung, .der unter. Benützung der technischen Errungenschaften und beeinflußt durch die klimatischen und landschaftlichen Verhältnisse, vor allem aber durch die Individualität der verschiedenen Völker verschiedene Formen annimmt, aber gleichwohl als internationale Strömung zu erkennen ist. Schon dieser allgemeine Gesichtspunkt zeigt die große Bedeutung der Aufbauarbeit in einem Pionierland wie Palästina. „Alle schöpferischen Menschen ohne Unterschied der Nationalität", schloß Holzmeistcr die Unterredung, „haben Grund» das Werk der Juden in Palästina mit Sympathie zu verfolgen und nach Kräften zu fördern. Otto Abel es; Jabotinsky über die Ausgestaltung der Jerusalenier Universität. Die Vereinigung aller jüdischen - Studentenvcreini-; Klingen in 'Paris veranstaltete einegroße Kundgebung unter dem Motto „Die' hebräische" Universität den Jüdischen Studenten!"' Es handelt sich''um die von Wladimir J a <b ot in s ky und ' anderen Führern 1 der Rev i s i o n i s t e Ji und der radikalen 2 i o nisten ausgegebene Losung für die Umgestaltung dor ' hebräischen Universität zu Jerusalem aus einer reinen Forsehiingsanstalt in eine Lehruniversität. Wladimir Jabotinsky verlas ein KamtminiqwJ des Rates der Jer-iisalemer Universität, in welchem die Umwandlung der Universität in eine akademische Bildimgsanstalt, die den Bedürfnissen und Nöten der Jüdischen Studentenschaften -der Welt augepaßt sein soll,, in Aussicht gestellt wird. Hier liegt, sagte Jabotinsky, ein Versprechen vor, auf dessen Einlösung wir unablässig 'dringen müssen. Wir müssen eine ordnungsmäßige, Universität haben und Werden sie durchsetzen. Er verlas auch ein Schreiben des Professors der Sorbonne, H a d a m ä,r, der dem Kuratorium der Jcrusalemer. Universität angehört und der sich ebenfalls für die Umwandlung der Jcrusalcmer Universität in eine Bildungshochscliule nach dem Muster der Universitäten aller Völker ausspricht. Nach Ansprachen des früheren Bürgermeisters von Tel-Awlw, D i z c n g o f f, und des Prof. K u ,1 i s c h e r verlas Jabotinsky eine Resolution, in der gegen die Verfolgungen, denen die jüdischen Studenten In Osteuropa ausgesetzt sind, protestiert und gefordert wird, daß. die Jerusalemcr Universität in eine richtige Lehruniversität umgewandelt werde. Die Universität in Jerusalem, sagte Jabotinsky, hat ein Jahresbudget von 350.000 Dollar, wo z. B. die Universität in Jena mit ihren vier Fakultäten nur' über ein Budget von 250.000 Dollar verfügt. Erfolg beweist! Im Geschäftsleben gibt es keinen Zufallserfolg. Der Kaufmann, dem es dauernd gelingt, seinen Kundenkreis zu vergrößern und immer neue zufriedene Stammkunden zu erwerben, der muß wirklich besonders leistungsfähig sein und Besonderes bieten können. Die bekannte Tatsache, daß das Warenhaus Brüder Sehiffmann, II., Taborstraße 48, speziell in den letzten Jahren, einen ungewöhn." lieh großen Aufstieg zu verzeichnen hat, beweist, daß der Ruf dieses Hauses als verläßlichste und billigste Ein*- kaufsquelle wohlbegründet ist. In allen Wiener Bezirken und in der gesamten österreichischen Provinz gibt es eine große Anzahl von Konsumenten, die ihren Warenbedarf ausschließlich nur bei Brüder Sehiffmann decken. Wer einmal nSchiffmann4,-Ware kauft, bleibt Stammkunde; Uqberzeugen auch Sie sich durch einen unverbindlichen Besuch von der Kankurrenzlosigkeit der Angebo.tel Fürs Frühjahr kaufen Sie u. a.: Dlagqnal-Seide, für Kleider, per Meter S 1.98, Waacfo-Selde für Kleider, moderne Tupf- Dessins, zu 'S 3.90, Kasha, für Kleider, S 2.90, Herren" he'mden, weiß und färbig, von' S 2.90 an, Damenwäsche- Garnituren, ajouricrt'und gestickt, Hemd oder Hose.. 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Die Zersplitterung breitet sich über die ganze Front unserer Arbeit aus. Es werden Sondersammiungcn von Parteien, Verbänden, Institutionen durchgeführt. Auch im Auslände sieht man separatistische Teiidc nzeri. Es gibt verschiedene Länder und Städte, die Sondersammlungeti zugunsten ihrer Immigranten oder zugunsten besonderer Institutionen nach ihrem Gutdünken durchführen wollen. Sie drohen, daß sie besondere Sammlungen veranstalten, wenn man nicht diese oder jene Kolonie oder Institution besonders unterstützt. Die Folgen einer solchen Anarchie sind klar. Solohe besonderen Aktionen untergraben unser Staatsbudget, um das wir so sehr gekämpft haben, däe Kraft des Volks-Maässer, der sich immer mehr verwurzelt. An Stelle einer einzigen nationalen Sammlung treten v 1 e l e k 1 e i n c S a m m<l u n g e n und der einfache jüdische Zahler sieht darin einen Wettbewerb und versteht nicht, warum. Jeder, der kommt, um-eine Sammlung durchzuführen, muß mit einer neuen Losung kommen und so wird die Kraft unserer größten und.wichtigsten Losung geschwächt, die Wirkung der Haai.ptsammelaktion wird geschädigt, und das Resultat ist natürlich ein Verlust. M a n zersplittert die Aktion zu P f e n ni g s a mmlu ngen und verkleinert den Fonds, aus dem die Institutionen gespeist Werden, die diese Sofidersammlungen veranstalten. Der Kreis der Sammler ist überall gering und dieselben Menschen sammeln Jör jede Sache und wenden sich an dieselben Kreise, die für den Keren Hajessod geben." Frau Szold, Mitglied der Exekutive, befaßt sich mit der Einwanderung. Sie' sagte n. a.: „Wohl hat sich die La'ge im Land außerordentlich gebessert, wohl wird die Auszalikmg der Arbeitslosenunterstützung eingestellt, aber die Exekutive muß sich nicht nur von dem Gedanken an die Arbeitslosen leiten lassen, sondern auch von dem Gedanken des Mangels der Möglichkeiten für die Gewinnung des Lebensunterhaltes. Die gegenwärtige Exekutive kann daher noch nicht sagen, wann sie mit gutem Gewissen d i c völlig offene T"ü r f ü r die Einwanderung wird verlangen können. Per jetzigen Exekutive fällt es ebenso schwer, wie allen anderen Zionisten, dies sagen zu müssen." Colonel Wedgwood in Wien. Der bekannte englische Arbeiterführer und gewesene Minister Colonel Wedgwood, Mitglied des Unterhauses, der sich auf 'einer Durchreise in Wien befindet, wird über Einladung• der österreichischen Keren Hajessod- Kommission Samstag, den 5. Mai um S Uhr abends im großen Saale des Volksgartenrestaurants, I.» Bnrgring, einen Öffentlichen Vortrag . über ' „E n g 1 a n d und der Z i onismus" halten. Empfang des italienischen Königs im jüdischen Viertel von Tripolis. Die 15.000 Seelen, zählende jüdische Gemeinde der Stadt Tripolis hat-dem italienischen König und seiner Familie bei ihrem Besuch des jüdischen Viertels „El Hara" einen begeisterten. Empfang bereitet. Beim Eingang zu „El Hara" traten ihnen der Präsident der -tripolitanisehen jüdischen Gemeinde, Simoene H a g i a g, die Mitglieder des jüdischen Geineindbrates, der Vorsitzende der zionistischen Organisation! von Tripolis, Raffacle H a b i b, und der Erbauer der neuen großen tripolitanisehen Synagoge, der Architekt Di Segni, entgegen. Die Mitglieder des Sportklubs M a c c a b i stellten die Ehrenwache. Die jüdische Bevölkerung bildete auf dem ganzen Wege bis zur neuen Synagoge ein dichtes Spalier. Balkoiw und Dächer waren besetzt. Vor dem Eingang zur neuen Synagoge war ein großer Siegcsbogen mit der Aufschrift: KARTONNAGENFABRIK II QELIIANO « <?, WIEN, IX. GRUNPLSTR. 3 <*| Telephon 19-0-69 ► beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit «I ALLEN ARTEN KARTONS