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Die neue Welt · 1928-05-04 · Heft 33 (4.5.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 33 (4.5.1928)
Date
1928-05-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 33 DIE NEUE WELT Seite S Sabinchen, das so still und bleich, Hüpft voller {Jugendlust sogleich. Wird groß und Mühend unentwegt, Seit es den Pa Im a» Absatz trägt. Palma«KautscfiakAbs£t;e Selbst Großmama fühlt sich ganz frisch JJlnd leicht beweglich wie ein Fisch. Der „Pa Im a" nur hat dies vollbracht, Hat sie vergnügt und froh gemacht die Nerven und die Schuhe. reschin und dem Agronomprofessor Bruk nach Bir Bidschan hätte abreisen sollen, ist am Vortage der Abreise verhaftet worden. Jüdischer Selbstschutz in Sowjetrußland. Man spricht in Sowjetrußland bereits vom jüdischen Selbstschutz gegen den anwachsenden Antisemitismus, der jeden Augenblick in die altbekannte antisemitische Tat umgesetzt werden kann. In anschaulicher Weise wird die Situation in einer Minsk er Korrespondenz des „E m es" geschildert. Der Korrespondent schreibt: „In den Minsker Straßen tauchte vor kurzem ein großes Plakat auf mit den weithin schreienden Buchstaben: „Ueber den Antisemitismus!';' Ich erinnerte mich an jene Zeit vor vielen Jahren, da solche Plakate in Minsk und in anderen1 Städten häufig warem Hat sich denn in unserer Sowjetwirklichkeit gar nichts geändert? Ist es denn wieder notwendig geworden, daß ein Professor herumreise und die Anthropologie, Lombroso, die Revolutionäre heranziehe, um den Antisemitismus zu widerlegen? Charakteristisch war auch die Einleitung des Vortrages. Er begann: „Wenn man Menschen haßt, findet man immer Fehler an ihnen. Und haßt man die Juden... Hier rief ein russischer Bauer dazwischen: „Wer haßt denn die Juden!" Ich gestehe offen, daß mir die Einleitung» des Professors zu seiner Rede gründlich mißfallen hat. Die Frage, ob man unser armes Volk liebt oder haßt, war immer eine dumme und bildete den Ausgang zu Blutvergießen. Und in Minsk ist diese Frage gewiß unangebracht. Wir haben in Minsk :i b e i 2 0 0 0 Mitglieder der physischen Kultur, darunter mehr als die Hälfte gesunde, kräftige jüdische Jungen, die an allerlei Turw nieren und Olympiaden mit Erfolg teilnehmen und auch tüchtige Boxer sind. Wir also in Minsk fanden es überflüssig, die Frage, ob Judenfreundschaft oder Judenhaß, zum Ausgangspunkt eines Referates zu nehmen." Das ist der deutliche Hinweis auf die Bereitschaft des jüdischen Selbstschutzes in dem von Antisemitismus durchsetzten Sowjetrußland. Der Antisemitismus in Rußland. Ein jüdischer Arbeitsinspektor namens Bezverki in Staobelsk hat als Folge der systematischen antisemitischen Hetze, die seitens seiner Arbeitskollegen gegen ihn betrieben wurde, Selbstmord begangen. Die amtliche Untersuchung hat ergeben, daß Bezverki ein sehr gewissenhafter Arbeiter war, der sich für die Beseitigung der Mißwirtschaft in der Fabrik „Rote Fahne" eingesetzt hat. Der Oberinspektor Medwjedeff versuchte, Bezverkis Refornitätig'keit entgegenzuwirken, indem er eine antisemitische Kampagne gegen «ihn einleitete. Bezverki wurde auf Schritt und Tritt verfolgt. Medwjedeff wurde verhaftet. Die Affäre Haas wird wieder aufgerollt. Der Prozeß gegen Kölling und Hof mann .abgebrochen. Wir halben in der „Neuen Welt" den Beginn der Berliner Diszipllnarverhandlung gegen die Magdeburger Landgerichtsräte Kö 11 ing und Hofmann wegen ihres Vorgehens gegen den jüdischen Industriellen Haas mitgeteilt, den sie durchaus als einen Mörder an den Galgen liefern wollten. Der Prozeß wurde zur allgemeinen Ueberraschung am zweiten Tage abgebrochen, um neue Ermittlungen anstellen zu lassen. In der Verhandlung waren die beiden Angeklagten sehr stark belastet worden und. sie konnten für sich nur anführen, daß sie zu ihrem schroffen Verhalten gegen Haas durch führende Industrielle veranlaßt wurden, die erklärten, daß die Autorität des Gerichtes aufrechterhalten werden müßte, weil sonst das Ansehen Deutschlands im Ausländ leiden würde. In der Begründung des Gerichtsbeschlusses, den der Kammerpräsident Tigges verkündete, heißt es nun: „Den Herren Angeschuldigten wird vorgeworfen, sie hätten aus einem gewissen Eigensinn die Mitarbeit der Berliner Kriminalkommissare abgelehnt, und sie hätten aus Starrsinn jemanden, der unschuldig sei* trotz dieser Unschuld, die sie hätten erkennen können und erkennen müssen, lange Zeit in Untersuchungshaft behalten. Die Angeschuldigten haben sich dagegen immer gewehrt, aber diese Anschuldigungen bilden nun einmal die Grundlage des Verfahrens, und diese Grundlage ist bisher nicht genügend geklärt Ich habe dem Angeschuldigten Kölling bereits im Laufe der Verhandlung die Frage vorgelegt, welche Spuren er noch verfolgen wollte, und er hat eine Antwort darauf nicht gegeben. Sein Verteidiger hat aber heute gesagt, daß diese Antwort erteilt werden könne und daß sie bisher nur wegen der mangelnden forensischen Beredsamkeit des Angeschuldigten Kalling nicht erteilt worden ist. Wenn wir materiell die Angelegenheit pritfen wollen, so muß dem Angeschuldigten Kölling Gelegenheit gegeben werden, sich dazu zu äußern." Das besagt also, daß das Verfahren gegen Haas noch einmal aufgenommen werden soll, und dies, obzwar der wahre Mörder, Schröder, ein volles Geständnis abgelegt hat und rechtskräftig verurteilt worden ist! ' Der Fall Frieders. Das Thüringer Oberlandesgericht in Jena hat im November des Vorjahres die Beschwerde des Oberstaatsanwaltes Dr. Frieders gegen die Ablehnung der Wiederaufnahme seitens der Strafkammer zu Weimar zurückgewiesen. Hiedurch ist der Rechtsweg für die Wiederaufnahme erschöpft, das Urteil in Rechtskraft erwachsen, mit welchem Dr. Frieders wegen fahrlässigen Falscheides zur Strafe von fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Nunmehr ist auch die Strafanzeige des Oberstaatsanwaltes Frieders gegen den Unterstaatsanwalt F1 ö 1, auf dessen Intrigen die Verfolgung Frieders zurückzuführen ist, von allen Instanzen rechtskräftig zurückgewiesen. Die deutsche Liga für Menschenrechte hat das Material der Prozesse dem thüringischen Landtag vorgelegt. Ein Münchener Schwurgericht glaubt an den Ritualmord. Aus München wird gemeldet: Der verantwortliche Redakteur des nationalsozialistischen „Illustrierten Beobachters", der Radau-Antisemit Esser, hatte in seinem Blatt ein Bild des Gymnasiasten Winter aus Könitz veröffentlicht, der nach einer in der antisemitischen Literatur immer wiederkehrenden Behauptung im Jahre 1900 einem Ritualmord zum Qpfer gefallen sein soll. Esser schrieb dazu, daß es tatsächlich einen jüdischen Ritualmord gebe, daß der Talmud ferner eine Ve.rpillllllllllillllllllllllllllllllllllllM | Es ist ein Irrtum | s. ' «BBBnnMinBBHniHMnBaBiininnni^^^H i | zu glauben, daß Schokolade und Bonbons die Schlank- | I httit gefährden; im Gegenteil, in vernünftigen Mengen | i außernalb der Hauptmahlzeiten genossen, wirken sie 1 I sättigend und verhindern ein zu starkes Eßbedürfnis 1 | und damit die Überernährung. Es kann daher auch jede I I ■ moderne Dame, unbeschadet ihrer Schlankheils- | I bestrebungen Bonbons und Schokolade naschen!' | friiiiiiiiiiiiHMiiiiiMiiiiMmimiiimiiMiiiiiiiM pflichtung zur Schändung n i c h t j ü d i s c h e r Frauen enthalte; außerdem hatte er den Talmud eine „verfluchte Sittenlehre" genannt. Er hatte sich deswegen vor dem Münchner Schwurgericht zu verantworten. . Esser behauptete zu seiner Verteidigung, er habe nicht sagen wollen, daß der .„Blutmord" ein Teil des jüdischen Ritus sei, er halbe nur die Frage aufgeworfen, o b es einen Ritualmord gebe. Der als Sachverstän- diger geladene katholische Theologie-Professor der Münchner Universität, Geheimrat G o e 11 s b e r g e r, erklärte,, es gebe zwar Stellen im Talmud, die als Belege für den Ritualmord unter Umständen ausgelegt werden könnten, aber eine solche Auslegung sei zweifellos falsch. Völliger Unsinn sei es, zu behaupten, daß der Talmud die Schändung von n i c h t j ü dd s c h e n Frauen ars Verdienst bezeichne. Der Talmud gehöre zu den Dokumenten der jüdischen Religion, so daß also die Bezeichnung; „verfluchte Sittenlehre" eine Religionsbeschimnfung sei,. Der Staatsanwalt beantragte gegen Esser wegen Vergehens gegen die Religion drei Monate Gefängnis, gegen.; den Buchhalter Kluge aus Pankow, der Esser das angebliche Bild des Gymnasiasten Winter übersandt hatte, drei Wochen Gefängnis. , Das Schwurgericht erkannte gegen Esser auf einen Monat Gefängnis, das in 500 Mark Geldstrafe umgewandelt wurde. Die Urteilsbegründung enthält sehr eigentümliche Wendungen; es heißt darin, die Behauptung vom Ritualmord sei durch nichts erwiesen; selbst wenn einzelne Juden eine solche Tat begangen hätten, dürfe doch den Juden nicht vorgeworfen werden, dafl der Ritualmord bei-ihnen, üblich sei. -Auch fänden sich in de>ri jüdischen iSittengesetzen, zumal. im Talmud, keine Lehren, nach . denen die Schändung eines niohtjü\ldschen W*efbes ein Verdienst sei. MELLINGER8 WIENER HEILTEEMISCHUN8EN BEI ZUCKERKRANKHEIT. 9AUEN-, NIEREN-, BUSENSTEINE und MAGENLEIDEN sind vorzüglich I ■ Pro Paket 8 8.50 , Postvereandl Wien, XVII. jfcz., Ucknergasse Nr. 37 4 Reventlow, der Talmudkenner. Die Berliner Blätter veröffentlichen einen ßrief Wechsel, der zwischen dem nationalsozialistischen Abgeordneten Grafen von Reventlow und dem Reichswehrminister General G ro e n e r stattgefunden hat. Der Brief Reventlows hat folgenden Wortlaut: Reichstag, 29. März 1928. An den Reichswehrminister der. „Deutschen" (l) Republik, Reichswehrministerium. Wie mir berichtet wird, haben Sic es gewagt, während der Rede eines königlich preußischen Offiziers unter anderen Umständen, als es sonst üblich' ist, den Plenarsitzungssaal zu verlassen. Ich lasse mir ein solches Benehmen eines Judenstämmlings nicht gefallen. Sie sind durch den ständigen Umgang mit dem Juden Scheide mann bereits so ver« j u d e t, daß Sie sich wahrscheinlich die im jüdischen Kol nidre-Gebet, enthaltene Lösungsformel für Gelübde zu eigen gemacht haben. Kein deutscher Mann darf diese Auflösung anerkennen, die der Ta Imudtraktat Nedarim C5 A Juden und Judengenossen zubilligt. Kein Offizier von Ehrgefühl wird sich aber auch von einem Mann mit jüdischen Ehrbegriffen ungestraft beleidigen lassen. Sie werden morgen den Besuch meiner Sekundanten, des Hauptmanns Weber und des Oberleutnants Fritsch, erhalten. Graf von Reventlow, Mitglied des Reichstages. Unter dem 30. März antwortete General Groener, dem Grafen Reventlow: Die Auflösung des Reichstages entbindet mich von der Pflicht, mich mit Ihnen, dem Feldoffiziere während des ganzen Krieges nie begegnet sind, über Auflösungsfragen zu unterhalten. Ihre Kampffreudigkeit und Waffenbegeisterung erfährt das Reichswehrministerium neun Jahre zu spät. Ihre Sekundanten kommen zwei Tage zu früh für. Ihren sicherlich beabsichtigten Aprilscherz. Groener. Dieser Graf Reventlow, der in jüdischen Dingen eine über das zulässige Maß hinausreichende Ignoranz) bekundet, war Marineoffizier, saß aber während des ganzen Krieges in der Redaktion der „Täglichen Rundschau" in Berlin und schrieb Artikel über die jüdischen Drückeberger. O Schmerz, laß' nach! . Der Ozeanflug des Freiherrn von Hünefeld ist in einem Teil der nationalistischen Presse zu völkischer Propaganda ausgenützt worden. Das „Berliner Tageblatt" macht dazu folgende tatsächlichen Feststellungen: „Frau Baronin von Hünefeld, die Mutter des Ozeanf Hegers, war die Tochter des Kaufmannes Markus Lachraann in E i s e n a c h, der seinerseits der Sohn des Kaufmannes Abraham Lachmann in Graudewz war. Nach dem frühen Tode ihres Vaters nahm ihr Onkel, der Geheime Kommerzienrat Salomon Lachmann (Großvater von Hans Lachmann-Mosse, des Verlegers des „Berliner Tageblatt"), sie in sein Haus, wo er sie mit seinen Kindern zusammen erziehen ließ." „Gewiß," so bemerkt das Blatt hiezu, „ist es im allgemeinen überflüssig, den Stammbaum der Oizeanflieger aufzuzeichnen. Da aber das kühne Unternehmen zii antisemitisch - d e ut sßh na t i o n a1e r Propaganda mißbraucht wird, ist diese genealogische Bemerkung vielleicht nicht uninteressant." . Henry Fords Bekehrung, Die Ford-Motoren-Gesellschaft in Detroit hat im abgelaufenen Geschäftsjahre einen Verlust von 50 Millionen Dollar erlitten. Das Geschäft war also bedenklich zurückgegangen, und eine der Ursachen Jag darin, daß die amerikanischen Juden keine Ford-Wagen kauften. Dies wirkte, wie man weiß, auf Fords politische Anschauungen, und er entschloß sich, seinen Antisemitismus öffentlich abzuschwören. Er ist sogar Philosemit und Philozionist geworden und gibt den Juden allerlei gute Lehren. So lesen wir in der Londoner jüdischen Jugendzeitschrift „The Jewish Youtfh" ein Interview mit dem eifrigen Neophyten, in welchem Ford sagt: „Ich hege die größte Bewunderung für die Juden, mag es Menschen geben, die es mir nicht glauben wolle n.. Meine Bewunderung für 'diesen Menschenschlag wird noch erhöht, wenn ich mir vergegenwärtige, daß Juden zu den größten Kaufleuten der Welt und zu den Befehlshabern der Industrie gehören. Was würde die Welt heute ohne die Industriezentren sein? Die Juden aber sind es, die diese Funktion im Gange erhalten. Der Antisemitismus, führte Ford weiter aus, hat seinen Grund in der Mißgunst. Bei Menschen, die träge und müßig geworden sind, wird der Neid rege, wenn sie zusehen müssen, daß Juden infolge ihrer Initiative, Gesichcfclich'keit und Hingabe an die Pflicht sowie infolge ährer hohen Prinzipien die oberste Sprosse der Leiter erreichen. So entsteht das a n t i j ü d i s c h e Vorurteil." Im Verlaufe des Gespräches äußerte sich Ford auch über den Zionismus. „loh glaube nicht," sagte er, „daß das Judentum als Ganzes in Palästina seßhaft zu werden wünscht. Dennoch hat die zionistische Bewegung eine große Aufgabe zu erfüllen. Sie schafft Palästina zu einer Heimat für jene Juden um, die in einigen in der Entwicklung zurückgebliebenen Ländern Verfolgungen ausgesetzt smd. Und weitw; der Zionismus, wie ich

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