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Die neue Welt · 1928-05-04 · Heft 33 (4.5.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 33 (4.5.1928)
Date
1928-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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' Nr. 33 J i im II DIE NEUE WELT Seite 3 Grosse Auswahl in echten Schlangenschuhen i S 45.- auf». FSrblge f J»**« Modespa n genschuhe 1 11:11 Detailverkauf zu Engros-Preise-n JJJ direkt in der Fabrik. VII. Bez.. Kaiserstrasse Nr. W Jüdische Edeljournalisten. Zum Fall Czernin. — Der arme, kranke Graf geht auf die Löwen- und judenjagd. In der „Neuen Welt" ist die Person des ehemaligen österreichisch-ungarischen Außenministers Ottokar Czernin. welcher in einem Buche die Juden beschimpft und als Kriegshyänen dargestellt hat, entsprechend gekennzeichnet worden. Gewiß zur Zufriedenheit aller* Juden, welche der Ansicht sind, daß die jüdische Ehre kein Spielball für übermütige Aristokraten äst. Nun finden sich — und das ist eine Ghettokrankheit —, wenn man gegen Antisemiten vorgeht, immer jüdische, Individuen, welche für den Antisemiten Partei ergreifen, besonders dann, wenn der Antisemit reich ist und über große gesellschaftliche Beziehungen verfügt. Als die „Neue Welt" gegen Ford schrieb, wurde sie von solchen jüdischen Prachtexemplaren angebellt und im Falle Czernin ereignet sich dasselbe. Ein Wiener jüdischer^ Journalist dunkler Herkunft versendet an ausländische und Wiener Blätter einen Zeitungsausschnitt, in welchem Graf Czernin als bester Freund der Juden und armes Opfer dargestellt wird. In dem liebedienerischen Artikel heißt es: „Nach dem Zusammenbruch hat Graf Czernin sein g-anzes Vermögen und das seiner Verwandten, einem Kaufmann zur Verwaltung anvertraut, der zufällig ein Jude war und der das ganze Ihm anvertraute Kapital in unglücklichen Spekulationen verlor. Tief enttäuscht und verbittert, reiste der Graf auf ärztlichen Rat nach Afrika, um seine Gesundheit wiederherzustellen. In seinem Reisetagebuch machte er dann die Bemerkung über jüdische Kriegsgewinner, die er aber dann öffentlich berichtigte." Der arme, betrogene, verbitterte Graf! Tatsache ist, daß Herr Czernin nicht Juden mit seiner Vermögensverwaltung betraut, sondern mit den verschiedensten jüdischen Kaufleuten Spekulationen auf Teilung betrieben und diesen Juden selbst, in höchstgräflicher Person, Geschäfte zugeführt, hat und noch heute an solchen Ge-j Schäften beteiligt, ist. Richtig ist, daß er sich bei Teilung! der Geschäftsbeute oft mit seinen Juden zerstritten hat. $6at aber dann seine „Verbitterung" überwunden und, wieder Geschäfte gemacht. Er bat nicht berichtigt, sondern sein antisemitisches Buch ruhig herausgegeben und verbreitet. Erst -nachd em die „Neue Weif' ihn angegriffen und an den Pranger gestellt, 'hat er seine antisemitischen Ausfälle zu beschönigen gesucht. Köstlich ist die Art, wie der famose Leibjournalist um Mitleid für den Herrn Grafen wirbt. Der Graf und alle seine Verwandten haben durch Judentüoke ihr ganzes Vermögen verloren, so geht der gekränkte/ verelendete Mann über „ärztlichen" Rat .auf die Löwenjagd nach Afrika und Asien. In den Jagdpausen schreibt er gegen die bösen Juden. Weltreisen mit Löwenjagden scheinen das billigste Volksvergnügen zu sein, eine wohlfeile Erholung für die Aermsten der Armen„ Krankcnkassenärzten und Armenfürsorgern wird das Rezept empfohlen. Arme Teufel, die ganz heruntergekommen, krank und verzweifelt sind, sind zur Erholung auf die Löwenjagd zu schicken. Das journalistische Gelichter, das einem beim Kampf durch die Beine läuft, verfügt über Dummheit und Frechheit reichlich und in guter Mischung. Aufhebung des Visumzwanges zwischen Palästina und Syrien. Laut „Merath al-Sherk" wird demnächst der Visumzwang zwischen Palästina und Syrien aufge hoben werden. Es werde an der Grenze der palästinensische, resp. syrische Paß genügen. Zur Frage der zionistischen Beamtenschaft. Die Beamten fordern Altersversorgung. dem Kontrollanit? Was ist's mit Nach einer Meldung der J. T. A. wurde auf einer Pressekonferenz der zionistischen Vereinigung für Deutschland im Hinblick auf das Ausscheiden einiger langjähriger verdienter zionistischer Beamten die Frage des zionistischen Beamtentums eingehend erörtert. Herr Dr. Martin Rosenblüth wies auf die Schwierigkeiten hin, die sich der Bildung eines zionistischen Beamtenstandes und der Schaffung eines zionistischen Beamtenrechtes heute entgegenstellen. Der zionistische Beamte sei heute in einer Situation, für-die es in keiner anderen Beamtenkategorie eine Analogie gäbe. Ein Teil gerade der 'leitenden Beamten komme, wenn es sich um propagandistische oder politische Tätigkeit handelt, im flgjgemeinen ein-, mal in die Situation, die Arbeit nicht mehr fortführen zu können, und dann seien diese Menschen, die ihre besten Jahre im Dienst der Organisation verbracht haben, gezwungen, sich — meist unter erheblicheu Schwierigkeiten — um eine Position in der Privatwirtschaft zu bemühen. Eine generelle Regelung für Pensionsberechtigung nach Art, von Staats- oder Kommunalbeamten gibt es; nicht. . Infolge dieser ganz unsicheren Bedingungen hat: heute der Nachwuchs für ein, Qualifizierteszionistisches Beamtentum fast völlig aufgehört. Wenn auch eine restlose; Regelung dieser Frage zurzeit vielleicht noch nicht möglich ist, so könnten doch jetzt schon, eine Reihe von zweckentsprechenden Maßnahmen getroffen werden. So sollte eine Zentralerfassung sämtlicher zionistischer Beamten' der ganzen Welt möglich sein und der Versuch gemacht werden, von dieser zentralen Stelle aus Dispositionen über ■ die zweckmäßige Verwendung der zionistischen Beamten zu treffen. Diejenigen Beamten, die mit einer langjährigen- Dienstzeit rechnen, könnten sich in einer gemeinsamen Organisation zusammenschließen, ähnlich wie es heute in der sozialdemokratischen Partei der Fall sei, und unter Führung und mit Hilfe der zentralen Instanzen die nötigsten Einrichtungen treffen. Die zionistischen Tagungen hätten zwar wiederholt die Behandlung dieser Frage in Angriff genommen, seien aber immer wieder in den ersten Schwierigkeiten steckengeblieben. Die bevorstehende Ak ti o n sk o m i t e c s i t zu n g sollte sich erneut der Behandlung dieser für unsere Organisation so wichtigen Frage zuwenden. * Die Frage, die hier behandelt wird, Ist wichtig. Ebenso wichtig für die Zionistische Organisation als für die Beamten. Niemand wird in Abrede stellen können, daß hinsichtlich der Regelung der Beamtenbezüge und der Alters¬ und Krankeroversorgung Normen aufgestellt werden müssen. Aber alle Beratungen über diesen Gegenstand werden zu keinem befriedigenden Resultate führen, wenn nicht die heute bestehenden Zustände einer gründlichen Prüfung unterzogen werden. Es ist nutzlos, auf das Beispiel der Versorgung der St aats- und Kommunalbeamtcn hinzuweisen. Die Zionistische Organisation und ihre Institutionen verfügen weder über zwangsläufige Steuereingänge, noch über regelmäßige und garantierte Eingänge aus wirtschaftlichen Unternehmungen. Der weitaus größte Teil der Eingänge rührt aus Sammlungen her, welche in ihrer Ergiebigkeit schwankend und an ihrem Zweck gemessen nicht ausreichend sind. Daraus ergibt sich, daß die Möglichkeit der Erlhaltung und garantierten Versorgung von Beamten, immer auf einen, kl e i n en Kreis unumgänglich notwendiger beamteter Menschen mit bescheidenen Bezügen beschränkt bleiben wird. In einer Organisation, die wie die zionistische keine Zwangsorganisation, sondern eine freiwillige, nur auf dem guten Willen der Mitglieder beruhende ist, muß eben das Prinzip der freiwilligen Mitarbeit vorherrschend sein. Die Arbeit muß so organisiert werden, daß sie zum größten Teil freiwillig besorgt werden kann, und der Geist in der Organisation muß die Mitglieder zur freiwilligen Mitarbeit erziehen. Die Anschauung, daß jede Arbeit nur gut und ausreichend ist, wenn fix angestellte Beamte sie besorgen, muß in jeder Organisation, die eine freiwillige ist, letzten Endes zerstörend wirken. In dieser Hinsicht ist in der Zionistischen Organisation in den letzten Jahren stark gefehlt worden. Nur ein kleiner Kreis unumgänglich notwendiger Beamter kann von der Organisation. erhalten und versorgt werden. Der freiwilligen Mitarbeit muß wieder freie Bahn geschaffen werden. Vorher aber muß der bestehende Zustand objektiv und gründlich geprüft werden. Hat die Zionistische Organisation zu viel -Beamte? Ist ihre Einstellung immer zweckmäßig und von berufener' Seite aus erfolgt? Stehen die Bezüge mit den Lebensbedingungen und Leistungen 'im richtigen Verhältnis? Die Beantwortung dieser Fragen muß einwandfrei erfolgen, früher ist keine Reform möglich. Der letzte Zionisten'kongreß hat die zionistische Leitung beauftragt, das Instrument für diese Prüfung zu schaffen, d as ,u nabh ängig e Kontrolila m t. Den vom Kongresse beschlossenen Bestimmungen hervorragend gute Herren- und Damenstoffe, modernste Muster, infolge kleiner Regien äußerst preiswert bei VI. Linke Wienseil« 40 (Im Hole) ^«■■■■■■■■■■■■■■■i Philanthropische Exoten. Von Jakob Krausz. Mit vier verschiedenen großen jüdischen Spenden hatte sich in jüngster Zeit die jüdische, und zum Teile, auch die allgemeine Ptesse zu befassen. Alle vier Widmungen erregten beträchtliches Aufsehen, alle vier Zuwendungen kamen von Juden; alle vier Aeußerungen gebefreudiger Israeliten sind am besten zu kennzeichnen, wenn man sie philanthropische Exoten nennt. Beginnen wir gleich bei der jüngsten Exotenspende eines jüdischen Dollarmilliardärs. Julius Rosenwald hat, wie bekannt, fünf Millionen Dollar für die jüdische Kolonisation in der. Krim und in der Ukraine zugesagt, wenn noch weitere fünf Millionen binnen entsprechender Frist für den gleichen Zweck aufgebracht werden sollten. Julius Rosenwald ist für sein VeerSprechen gut, er wird, wenn seine- Bedingung rechtzeitig in Erfüllung geht, seine Zusage auch einhalten, im Gegensatz zu jenen vielen Hunderten, die in den letzten Jahren in Amerika bei den diversen großen Sammelaktionen der verschiedenen Wohltätigkeitskonkurrenzen einschlieeßlich der zionistischen wohl Beträge gezeichnet, aber niemals auch wirklich eingezahlt haben. Diese flotten Zeichner und schwerfälligen Zahler haben die große nichtamerikanische jüdische Welt jahrelang irregeführt und die Sammelaktionen zu einem förmlichen Bluff verunstaltet, so daß zur Hereinbringung der gezeichneten Beträge eine neue große kostspielige Aktion in Szene gesetzt werden mußte, die aber gleichfalls hinter den Erwartungen zurückblieb und schließlich zum Zusammenbruch der amerikanischen „Drives" geführt hat. Julius Rosenwald, der Dollarmillardär, wird sein Veersprechen einlösen. Rosenwald figurierte bisher niemals bei größeren jüdische« Samme4aktionenV mit irgeend welchen namhaften Beträgen. Wieweit er zu den Förderern des Palästinaaufbaues gehört, ist nicht recht bekannt geworden. Julius Rosenwald hat sich bis jetzt überhaupt als Liebhaber philanthropischer Exoten und auch als Sammler von Exoten berühmt gemacht. Ab und zu taucht sein Name als Sieger bei Kunstauktionen in dem alten verschuldeten Europa auf, und auch hier handelt es sich zumeist um Exotika, die er durch Hinauftreiben der Preise irgend einem anderen Sammler mit großen Opfern abtreiben konnte. Als Philanthrop und zivilisatorischer Kulturförderer ist Julius Rosenwald durch seine riesengroßen Millionenwidmungen für die Verbreitung von Kultur unter den Negern und für den Kampf der Neger um ihre Befreiung und Gleichstellung berühmt geworden. Er ist gewissermaßen der Ehrenneger unter den Amerikanern. Wahrscheinlich haben die Neger Julius Rosenwald, dem weißen Juden, schon irgendwo und irgendwie ejn Denkmal errichtet. Er hat es verdient und verdient es noch immer durch seine fortlaufenden Zuwendungen für die Neger, die bisher die Summe von 5 Millionen Dollar, die er jetzt bedingungsweise für einen, wenn auch exotischen jüdischen Zweck zu widmen sich bereit erklärt hat, bei weitem überschreiten. Es ist kein Zweifel, daß Julius Rosen wald," der Großindustrielle, Großbankier und sonstigee Großunternehmer, diese Krimspende nur aus seiner Vorliebe für Exotika und vielleicht auch aus finanzpolitischen Gründen versprochen hat. Ein jüdisches Motiv liegt dieser Geste kaum zugrunde. Auffallend ist es bloß, daß trotz der vielen „Zion Appeals", die in den letzten Jahren in Amerika mit durchschnittlich mäßigem Erfolg durchgeführt wurden, die amerikanischzionistische Parteileitung, mit ihren einflußreichen Mitgliedern nicht hat bis zu Julius Rosenwald in Chikago vordringen und ihm. die Ueberzeugung beibringen können, daß ihm die Befreiung des jüdischen Volkes, und des jüdischen Landes so viel wert sejrt sollte, wie die Befreiung und Zivilisierung der, Neger. * Von einer zweiten exotischen jüdischen Spende sei berichtet, von der jüdische Blätter, bishec keine Kenntnis1 genommen haben. Es handelt sich um das Testament der Signora Emma Po 1 acco, verwitweten Weilsch'ott in Mailand, die den italienischen Diktator Duce Benito Mussolini zum Universalerben ihres rund 5 Millionen Lire betragenden Vermögens einsetzte. Unter den Legaten befindet sich bloß ein jüdisches von vierhunderttausend Lire zugunsten der jüdischen Gemeinde von Mailand. Ansonsten wünscht die jüdische Erblasserini daß ein Teil ihres Vermögens auf die moralische und militärische Ausbildung der italienischen Juden und hunderttausend Lire für die Söhne des Casare Battisti verwendet werden sollen. Das ist auch so eine jüdische Wohltätigkeitskundgebung. Das Testament hat übrigens in der italienischen und speziell der extrem fascistischen Presse eine sehr kühle Aufnahme gefunden. Die Blätter nennen die Entschließung der edlen Dame eine lobenswerte Aeußerung eines nachahmenswerten Altruismus. Eines der- Hauptorgane des Fascismus „Regimee Fascista" geht bei diesem Anlaß etwas mehr aus sich heraus, und stellt fest, was man. ja in der übrigen Welt schon seit langem mit Befremden beobachten kann, das „die Israeliten in Italien weder eine gute Presse, noch übermäßige Sympathien" haben. Und ein anderes Blatt „II Lavoro d'Italia" fügt hinzu, daß mit diesem Testament auch „der letzte Schutzwall des Antifascismus, die Plutokratie, der Internationalismus, das jüdische freimaurerische Lager genommen wurde." Die italienischen Juden haben eine schwache Position. Die zionistische Bewegung, die sehr wacker arbeitet und die Rückkehr der italienischen Juden zum Judentum und zur jüdischen Kulter wegen Geldmangels nur schrittweise und

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